685. Du reichst mir den Kelch, den Bittren
Mein Heiland, alles in mir wehrt sich, die Qualen meiner Erkrankung anzunehmen. Es ist der Leib, der sich wehrt und schreit. Doch Du bist in mir! Ich kenne Dich und durfte immer wieder Deine Liebe verkosten und Dein Bei-mir-sein. Meine Seele weint und schreit nicht, denn alles was Du zuläßt und mir verordnest, hat einen überweisen Liebessinn, und unter der faulen Schale ist ein kräftiger reifer Fruchtkern, der alles Leben in sich enthält und nur darauf wartet, sich entfalten zu dürfen. Ich nehme alles an aus Deiner Hand, aber auch nur aus Deiner Hand. Ich will Deine Hand küssen und den Kelch trinken, der ach so bitter ist und dabei in Deine liebenden Augen schauen. Du gabst mir solch eine wunderbare gesegnete Reise voller Harmonie und Liebefluß mit den begegnenden Menschen untereinander. Es ist der irdische Abschied, einen geistigen wird es nie geben. So lege ich mich nun ganz in Deine Hände. Dein Wille geschehe an mir.
Amen
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