Gleichnis vom alten und neuen Brot
Die Bäcker eines Landes backten ihre Brote viele Jahre lang immer nach dem Rezept des größten Bäckermeisters ihrer Zunft. Doch obwohl alle Bäcker das gleiche Rezept-Buch verwendeten, waren dennoch die Brote nicht alle gleich, denn jeder mengte dem Rezept noch eigene Zutaten bei. Auch verwendeten sie teils unterschiedliche, neu überarbeitete Auflagen des Buches, die nicht mit der Zustimmung des Meisters angefertigt wurden. Dem Augenschein nach sah man den Broten kaum eine Veränderung an, die Güte und Bekömmlichkeit jedoch verringerte sich mit der Zeit immer mehr, nicht aber so, dass es den Menschen aufgefallen wäre, denn die Beilagen zum Brot wurden bei den Mahlzeiten immer üppiger und verdeckten diesen Mangel. Doch die Menschen verloren mehr und mehr an Kraft und wurden gebrechlich, bis auf die Wenigen, die auf die äußeren Beigaben verzichteten und sich allein nur an dem gebliebenen Guten und Wahren des Brotes genügen ließen. Da sagte sich der große Bäckermeister: „Ich werde den Menschen wieder ein reines Rezept meines Brotes geben, das sie dann in allen Gliedern ihres Leibes stärken und völlig gesund machen soll, und darin werden meine guten Zutaten in einem noch vollkommeneren Maße zu schmecken sein.“
Und so erhielten die Bäcker des Landes wohl das Rezept für das neue Brot, und einige boten es auch ihren Kunden an, aber da beschimpften viele Menschen die wenigen Bäcker und sagten: „Wozu denn das, warum soll ich das Neue kosten? Mit dem gewohnten Brot und den üppigen Beilagen dazu bin ich bestens versorgt… komm, verschone mich mit diesem albernen und überflüssigen neuen Brot!“
Die Wenigen aber, die es annahmen, waren voll des Lobes wegen des guten Duftes, des wohligen Geschmacks, der herrlich weichen Konsistenz und überaus guten Bekömmlichkeit. Sie verzichteten auf alle künstlichen Geschmacksbeigaben und wurden schnell gesund und stark in allen Gliedern. Die Ärgerlichen und Gleichgültigen aber blieben bei ihren Gebrechen.
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