216. Kapitel – Kalter Fisch mit Öl und Zitronensaft. Der Grund für die Mosaische
Speisevorschrift. „Nun aber heißt es und wird allzeit heißen fürder: Der Herr ist der beste
Koch!“
25. Mai 1844
[216,01] Darauf begab sich alles wieder ins Haus und allda nach dem Willen des
Kindleins zum Tische.
[216,02] Denn es hatte noch keiner von den Hauptgästen irgendeinen Bissen in den
Mund gesteckt; die drei großen Fische lagen noch fast ganz unangetastet da.
[216,03] Da aber während des Suchens des Kindleins mehrere Stunden vergingen und
der Tag dem Abende nahe war,
[216,04] da wurden natürlich die Fische auch kalt, in welchem Zustande sie von den
Juden zumeist nicht genossen werden durften.
[216,05] Da aber die Sonne dennoch nicht untergegangen war, so durften die Fische
wohl noch genossen werden; nur mußten sie frisch wieder übers Feuer gebracht und wohl
erwärmt werden.
[216,06] Darum berief Joseph sogleich seine vier Köche und befahl ihnen, die Fische
wieder zu überbraten.
[216,07] Das Kindlein aber sprach: „Joseph, lasse diese Arbeit gut sein; denn von nun
an sollen auch die Fische kalt genossen werden, wenn sie nur gebraten sind zuvor!
[216,08] Lasse aber anstatt des Wiederbratens Zitronen und gutes Öl bringen,
[216,09] und diese Fische werden also besser schmecken, als so sie wieder gebraten
würden!“
[216,10] Joseph befolgte sogleich den Rat des Kindleins und ließ bringen einen ganzen
Korb Zitronen und ein tüchtiges Gefäß voll frischen Öles.
[216,11] Und alle Gäste waren auf diese neue Kost lüstern, wie sie etwa doch
schmecken werde.
[216,12] Cyrenius war der erste, der sich ein recht tüchtiges Stück vom Fische nahm
und gab darauf Öl und den Saft einer Zitrone.
[216,13] Und als er zu essen begann, da konnte er nicht genug rühmen den
Wohlgeschmack des also zubereiteten Fisches.
[216,14] Auf solche Erfahrung des Statthalters griffen dann auch die andern Gäste zu,
und allen schmeckte diese Kost so wohl, daß sie sich nicht genug darüber verwundern
konnten.
[216,15] Als Joseph selbst eine recht ansehnliche Probe davon gemacht hatte, da sprach
er:
[216,16] „Fürwahr! Wenn Moses je einen also zubereiteten Fisch genossen hätte, da
hätte er diese Kost sicher auch in seine Diät aufgenommen!
[216,17] Aber er mußte eben in der Küche nicht so wohl bewandert gewesen sein wie
Du, mein allerliebster Jesus!“
[216,18] Hier lächelte das Kindlein recht herzlich und sprach gar freundlich:
[216,19] „Mein lieber Vater Joseph, der Grund liegt darin:
[216,20] Unter Moses in der Wüste hieß es: Der Hunger ist der beste Koch! – und das
Volk hätte zu seinem Verderben oft rohes Fleisch gegessen aus Hunger;
[216,21] darum mußte Moses eine solche Diät vorschreiben, und die Speisen mußten
frisch und warm genossen werden.
[216,22] Nun aber heißt es und wird allzeit heißen fürder: Der Herr ist der beste Koch!
– und da kann man dann schon auch einen kalten Fisch mit Zitronen und Öl genießen.
[216,23] Und das darum, weil der kalte, aber doch gut gebratene Fisch gleich ist dem
Zustande der Heiden, der Zitronensaft gleich der sie einenden und zusammenziehenden Kraft
aus Mir, und das Öl gleich Meinem Worte an sie. – Verstehst du nun, warum der Fisch also
besser schmeckt?“ – Alles ward darob bis zu Tränen gerührt und wunderte sich hoch über des
Kindes Weisheit.
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