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235. Eine prophetische Voraussage

235. Kapitel – Die vornehme Gesellschaft bei der Mahlzeit. Josephs Rat der
gesellschaftlichen Rücksichtnahme bei der Tischordnung. Des Kindleins Ärgernis am
schlecht bestellten Nebentisch. Eine prophetische Voraussage.
19. Juni 1844

[235,01] In der vorbestimmten Zeit kam die umgekleidete Deputation wieder aus der
Stadt, begrüßte alles im Hause Josephs und begab sich dann mit dem Cyrenius zur schon
bereiteten Mahlzeit.
[235,02] Da aber nun unvermuteterweise mehr Gäste zusammenkamen, als man
erwartet hatte, so ward der Tisch Josephs zu klein, als daß am selben auch die Familie Josephs
hätte Platz haben können.
[235,03] Daher sagte heimlich das Kindlein zum Joseph: „Vater Joseph, lasse für uns
im nebenanstoßenden Zimmer einen kleinen Tisch decken!
[235,04] Und dem Cyrenius sage, daß er sich darob nicht kränken solle,
[235,05] und sage ihm, daß Ich schon nach der Mahlzeit wieder zu ihm kommen
werde!“
[235,06] Und der Joseph tat also, wie ihm das Kindlein geraten hatte.
[235,07] Der Cyrenius aber sagte zum Joseph: „Das geht nicht! – So der Herr der
Unendlichkeit unter uns ist, da werden wir Ihn doch nicht zum Katzentische setzen!
[235,08] O das wäre doch die allersonderbarste Ordnung von der Welt!
[235,09] Ich sage dir, gerade Er und du müßt vor allem obenan sitzen!“
[235,10] Und der Joseph sprach: „Liebster Bruder, das wird diesmal wohl nicht
angehen;
[235,11] denn siehe, es sind nun viele Heiden aus der Stadt da, und denen könnte die zu
große Nähe des Herrn gar übel bekommen; daher ist des Kindleins Wille hier wie überall und
allzeit zu respektieren.“
[235,12] Und das Kindlein kam hinzu und sprach: „Cyrenius! Joseph hat schon recht,
folge nur seinen Worten!“
[235,13] Da fand der Cyrenius keinen Anstand mehr und begab sich sogleich mit seiner
Suite und mit der Deputation aus der Stadt zum Mittagsmahle.
[235,14] Und der Joseph bestellte sogleich im nebenanstoßenden Zimmer auch einen
recht tüchtigen Tisch, bei dem er, die Maria, das Kindlein mit Seinem Jakob,
[235,15] der Jonatha, die Eudokia und die acht Kinder des Cyrenius Platz nahmen.
[235,16] Es wurden aber natürlich auf den Tisch der Gäste mehr und die besseren
Speisen aufgetragen und auf den Haustisch weniger und die minder guten.
[235,17] Und das Kindlein sprach: „O du Schandfleck von einem Erdboden! – mußt du
denn gerade für deinen Einigen Herrn das Schlechtere hervorbringen!?
[235,18] O du jetzt fruchtbares Land zwischen Asien und Afrika, du sollst darum für
alle Zeiten mit großer Unfruchtbarkeit geschlagen werden!
[235,19] Fürwahr, wahr! – hätte unser Tisch nicht einige Fische, da wäre für Mich rein
nichts Genießbares da!
[235,20] Hier ein Milchkoch mit etwas Honig, was Ich nicht mag, und da eine
gebratene Meerzwiebel, und da eine kleine Melone, und da ein altbackenes Brot und daneben
etwas Butter und Honig, –
[235,21] das ist unsere ganze Mahlzeit; lauter Speisen, die Ich nicht mag, bis auf die
wenigen Fische!
[235,22] Ich will aber nicht, daß es etwa die Gäste schlechter haben sollen als wir;
[235,23] aber das ist denn doch auch nicht recht, daß wir es um vieles schlechter haben
sollen als die Gäste!“
[235,24] Joseph aber sprach: „O lieber Jesus, so schmolle doch nicht, denn siehe, es
geht uns ja allen gleich!“
[235,25] Und das Kindlein sprach: „Gib Mir vom Fische, und dann ist es gut für jetzt.
Aber ein andermal muß es anders gehen; denn mit dieser Alltagskost kann Ich Mich nicht
allzeit begnügen!“ – Joseph merkte sich das und gab dem Kindlein vom Fische zu essen.

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