276. Kapitel – Die heilige Familie beim Lehrer Dumas. Joseph erzählt seine Geschichte. Das
Kindlein bei den Schulkindern.
9. August 1844
[276,01] Als der Joseph nach einigen privaten Beredungen wegen allfälliger
Zimmerarbeiten mit dem Arzte sich auf den Weg machte, da begleitete ihn der Arzt bis zu
einem nächsten Freunde, der da ein Schullehrer in Nazareth war und Dumas hieß.
[276,02] Hier ging der Arzt wieder heim, Joseph aber ging hinein zum Dumas.
[276,03] Dieser aber erkannte ihn nicht sobald; denn er hatte sich seines alten Freundes
ganz entwöhnt.
[276,04] Da fragte ihn der Joseph, ob er ihn denn wohl im Ernste nicht mehr kenne.
[276,05] Dumas aber rieb sich die Stirne und sprach:
[276,06] „Du hast wohl eine auffallende Ähnlichkeit mit einem gewissen Joseph, der
hier vor drei Jahren Anstände wegen einer gewissen Tempeldirne hatte;
[276,07] dieser sonst so biedere Mann aber mußte auch um die Zeit nach Bethlehem zur
Beschreibung, und das mit Sack und Pack.
[276,08] Was dann weiter mit ihm geschehen ist, weiß ich nicht.
[276,09] Und siehe, mit diesem mir sehr teuren Manne hast du wohl die größte
Ähnlichkeit, – aber der wirst du doch sicher nicht sein?“
[276,10] Und Joseph sprach: „Wie, so ich aber dennoch derselbe wäre, möchtest du da
mir keine Arbeit zukommen lassen im Zimmermannsfache?
[276,11] Denn siehe, ich bewohne nun wieder meinen alten Meierhof!“
[276,12] Als der Dumas das von Joseph vernommen hatte, da sprach er:
[276,13] „Ja, jetzt ist es klar, du bist es, du bist wahrhaftig mein alter Freund und
Bruder Joseph!
[276,14] Aber wo um des Herrn willen kommst du denn nun her?“
[276,15] Und der Joseph sagte zu ihm: „Bruder, gebe mir zuerst einen nassen Lappen,
daß ich meine Füße vom Staube reinige, dann sollst du alles erfahren, was da not tut!“
[276,16] Und Dumas ließ sogleich einen nassen Lappen bringen und einen Krug
Wasser, und die ganze Gesellschaft Josephs reinigte sich die Füße und ging dann in das
Schulhaus des Dumas.
[276,17] Joseph erzählte hier ganz kurz gefaßt seine dreijährige Geschichte.
[276,18] Währenddem aber beschäftigte Sich das Kindlein mit einigen Schulkindern,
die gerade hier anwesend waren und lesen und etwas schreiben lernten.
[276,19] Eines der Schulkinder las dem Kindlein sogleich etwas vor, machte aber dabei
Fehler.
[276,20] Da lächelte allzeit das Kindlein und korrigierte dem Leser fleißig die Fehler
aus.
[276,21] Das fiel bald allen Schulkindern auf, und sie fragten Es, wann und wo Es denn
also gut lesen gelernt habe.
[276,22] Und das Kindlein sprach: „O das ist Mir also angeboren!“
[276,23] Da lachten alle Kinder und gingen hin und erzählten das alles dem Dumas;
und dieser ward darauf aufmerksam auf das Kind und fing an, den Joseph zu befragen über
solch ein Vermögen an dem Kinde.
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