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Gleichnis vom Säen, Wachsen und Ernten

Es tut aber der Herr hier entsprechend das gleiche wie auf der Welt. Siehe, auf der Welt nehmen die Menschen das Weizenkorn und streuen es ins Erdreich. Diese Vorarbeit geschah auch hier, als du dieser gesamten Gesellschaft weise Lehren und Verhaltungsregeln gabst, bei welcher Arbeit ich dich selbst unterstützte. Wir beide streuten sonach den Weizen Gottes in die Furchen ihrer trüben Herzen.

Wenn der Same aber einmal in der Erde ruht, da kann kein Mensch etwas tun, daß dieser wachse und eine reife Frucht brächte. Das tut lediglich der Herr durch Sein unmittelbares Einfließen in diejenigen Naturgeister, die da in vollste Tätigkeit zu treten haben und das Wachstum der Pflanzen, wie auch das der Tiere ausmachend bezwecken. Bei dieser Arbeit sind nur wenige jener Geister mitbeschäftigt, die des Herrn allzeit innigste und erste Freunde und Brüder sind.

Ist diese Arbeit zu Ende, und hat die Saat die Reife erlangt, dann wird sie wieder den Menschen übergeben, daß sie diese dann einsammeln und in ihre Scheunen bringen. Und siehe, diese Arbeit harrt nun hier auch unser!

Wir haben hier den Samen des Wortes Gottes zuerst in ihre Herzen gestreut, worauf sie dann ruhten wie ein Acker, der da besät ward. In dieser Ruhe aber fing des Herrn Arbeit an, weil wir da nichts hätten tun können außer zusehen, was da allein der Herr tut. Gleichwie auch auf der Welt ein Sämann bloß nur zusehen kann, wie das von ihm ausgesäte Korn wächst und für die Ernte heranreift.

Dieses Weizenkorn, diese unsere Brüder und Schwestern aber sind nun durch die allzeit alleinige Mühe des Herrn gereift. Nun ist die Zeit da für uns, sie einzuernten. Und so wollen wir auch von dem großen Segen im Namen des Herrn den rechten Besitz nehmen, und wollen zu dem Behufe die Hände unseres Herzens abermals in vollste Tätigkeit setzen!

Du weißt aber, daß die Ernte allzeit um vieles reicher ist denn die Aussaat; also wird es auch hier sein. Da wir ehedem nur mit einem zu tun hatten, da werden wir nun dafür 30-100 bekommen. Darum freue dich nun, lieber Bruder; denn unser harrt eine reiche Ernte!“

Bischof Martin, Kap.86, 14-19

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