Wenn du siehst, daß da irgendein wie immer geartet armer Bruder oder auch Schwester wandelt, das heißt, daß er entweder arm ist am Leibe durch die Schwäche oder gar gänzliche Unbrauchbarkeit eines und des andern Sinnes, oder daß er arm ist im Herzen, arm an der Liebe, arm in der Kraft zur Tat, arm am Willen, arm in der Einsicht, arm am Verstande oder ganz verarmt am Geiste und an allem, was des Geistes ist, und du erbarmst dich seiner aus der Liebe deines Herzens zu Mir und daraus erst zum Bruder oder zur Schwester, siehe, dann ist dein Erbarmen ein vollkommenes, da es dann schon eine Aufnahme Meiner großen Erbarmung ist auf gleiche Art, als so der Wind zieht durch den Wald und bewegt da die Bäume und rührt jegliches Blättchen am Baume, darum dann jegliches Blättchen fächelt und durch das Fächeln auch einen eigenen kleinen Wind zuwege bringt, welcher vom allgemeinen großen Winde aufgenommen wird also, als wäre er im Verhältnisse zu ihm wirklich etwas.
[HGt.01_172,20] Du wirst aber auch schon öfters bemerkt haben, wenn der Wind geht, daß er da auch die dürren Blätter rührt; allein, da sie dürre sind und darum steif und tot, so halten sie den Zug des Windes nicht aus, brechen bald vom Zweige und flattern dann tot zur toten Erde nieder. Und führt sie der große Wind auch eine Zeitlang mit, so senken sie sich nach und nach aber doch dahin, wo die Vernichtung ihrer harrt!
[HGt.01_172,21] Das Blatt des Baumes hat solche Bestimmung; aber nicht also der Mensch! Wehe ihm aber, so er am Baume des Lebens ist dürre geworden; wahrlich, er wird seiner Vernichtung nicht entgehen!
[HGt.01_172,22] Solches aber ist zu entnehmen dem Gleichnisse, daß nur der Lebendige zur lebendigen Erbarmung gerührt werden kann durch Meine große Erbarmung; seine Erbarmung wird somit von Meiner aufgenommen, als wäre sie etwas. Gleichwie aber der Wind aufnimmt das gefächelte Lüftchen des Blattes und, es alsdann mit sich führend, es seine Mitblätter bespülen läßt, also auch verhält es sich mit der Erbarmung des Menschen gegen seinen Mitmenschen, darum da ein Bruder dem andern so viel tun soll, als er kann aus der lebendigen, ja von Mir aus und durch Mich lebendigen Liebe heraus, und Ich werde dann seine Tat und seine Fürbitte also ansehen, als wäre sie etwas vor Mir!
[HGt.01_172,23] Siehe, wenn also der Wind geht, so nimmt er deinen Hauch mit, als wäre er etwas! Aber meinst du wohl, dein Hauch werde entweder den Wind verstärken oder ihm wohl gar eine andere Richtung geben?!
[HGt.01_172,24] O siehe, solches vermag wohl der Hauch aller lebenden Menschen zusammengenommen nicht! Denn der mächtige Wind kommt, niemand der Menschen weiß es, woher; und wohin er zieht, weiß auch niemand, sondern allein seine ordnungsmäßige Richtung läßt er aus seinem Zuge dich gewahren. So du hauchst mit der Richtung, da wird dein Hauch aufgenommen und mitgeführt werden; hauchst du aber eigenmächtig dem Zuge entgegen, da wird dein Hauch zurückgestoßen werden und wird sich brechen an deinem eigenen Munde und also ersticken helfen dein eigenes Leben!
Die Haushaltung Gottes, Band 1, Kap.172
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