← Zurück zu „Emanuel Swedenborg im Jenseits“

Wiederholtes Wunder durch Vermehrung der Speisen und Getränke


(Die Mohammedaner bekehren sich zum Christentum und werden bewirtet, Wiederholte wunderbare Vermehrung der Speisen und Getränke. Kniefälliger Dank für die Speisung. Gesang angekommener Engel, die sich zur Gesellschaft begaben und in Dienst beim Bruder Liebe traten, der sie die Mohammedaner zu belehren hieß.)

Die mohammedanischen Geistlichen und ihre Gläubigen standen da wie verzaubert und wußten nicht, wie es mit ihnen steht, daher wandte sich der Bruder Liebe an sie und fragte sie: »Nun, was saget ihr dazu, habe ich meine Behauptungen als wahr erwiesen oder nicht?« »Ja, bei Allah, es ist wahr, was wir nicht geglaubt haben, darum wollen wir auch nicht mehr mit dir streiten, sondern Christen werden, wie ihr es seid und es wird sich zeigen, ob wir würdig sind, als solche angenommen zu werden.« »Es ist gut, daß ihr nach einem so starken Beweis doch breitgeschlagen seid, statt daß ihr mich breitschlaget, wie ihr mir versprochen habet. Da ihr aber hungrig seid, so wollen wir euch zuerst bewirten, damit ihr sehet, daß wir wirklich gute Menschen sind und Böses mit Gutem vergelten, wollen wir euch gleich eine Satzung Christi in Erfüllung gehen lassen.

Und daher setzet euch gruppenweise so, daß man euch die Speise darreichen kann.« Darauf wandte sich der Bruder Liebe an seine Gesellschaft und sagte ihr: »Setzet alle eure Vorräte vor euch, damit sie gesegnet werden vom himmlischen Vater, wie letztesmal, und daher genügen für die große Menge der neuen Gäste.«  Sogleich bereitete ein jeder das Mitgebrachte vor sich und wartete ruhig auf den Bruder Liebe, daß er den Segen vom Himmel erbäte. Doch diesmal wollte er nicht sogleich, sondern wandte sich an Swedenborg und fragte ihn, ob er nicht versuchen möchte, den Segen von Oben zu erbitten. Dieser aber geriet in Verlegenheit, denn er getraute sich nicht, diese große Gnade zu erbitten und bat, da der Bruder Liebe einen viel größeren Glauben und mehr Erfahrung habe, er wolle nur selber wieder um den Segen bitten, denn er (der Swedenborg) habe zuviel Zweifel am Gelingen, und also dürfte es ihm mißlingen.

»Ja, wenn so, dann muß ich es freilich selber tun«, erwiderte ihm der Bruder Liebe und segnete sogleich die Speisen und ließ sie von jedem selber verteilen, und es blieb wieder ein großer Überfluß; man sah unter der Hand, daß sich die Nahrungsmittel mehrten, und daher herrschte eine große Freude unter den Austeilenden, denn am Ende hatte ein jeder beinahe soviel über, als er anfangs vor der Verteilung hatte und somit auch genug, sich selbst daran zu sättigen, was auch geschah.

Und wieder erscholl dasselbe Loben des guten Geschmackes und Wohlgeruchs, wie bei dem letzten Segen, und deshalb waren alle Leute in einer sehr fröhlichen und guten Stimmung. Nachdem das Mahl verzehrt war, sagte der Bruder Liebe: »Es soll nach einer Mahlzeit jedesmal der liebe Vater im Himmel, der sie uns gab und segnete, auch mit der Liebe des Herzens gebührend bedankt werden, damit Er Freude an Seinen guten Kindern habe.« Sogleich knieten alle nieder und dankten in tiefer Demut des Herzens dem Geber und Spender der guten Mahlzeit für Seine Güte und Seinen Segen, der die Speisen so himmlisch gut zu genießen machte.

Als dies geschah, hörte man in großer Entfernung ein wunderschönes Lied von einem großen Chor von Menschen singen, welche immer näher zu kommen schienen. Und tatsächlich erblickte man in der Entfernung, von wo der Gesang herkam, eine Lichtung am Firmament und eine große Zahl Menschen heranziehen, die das herrliche Lied sangen. Die ganze Gesellschaft schaute neugierig auf diese Erscheinung, die näher und näher schwebte und ein hohes Danklied dem guten Vater im Himmel sang.

Als der Sängerchor über der Gesellschaft war, blieb er am Platze und sang weiter. Dieser Gesang war aber so schön, daß alle ganz wie außer sich und in himmlische Höhen emporgehoben zu sein schienen. Unverwandt schauten alle die Sängergruppe an, die aus lauter herrlichen Jünglingsgestalten bestand und herunter auf die Menge schaute. Endlich verstummte der Gesang und der Sängerchor schwebte langsam herunter zur Gesellschaft, die voller Verwunderung war, was das wohl bedeuten möchte.

Der Bruder Liebe sagte nun zur Gesellschaft: »Wie es scheint, kommen selige Geister zu uns, und daher müssen wir sie freundlich aufnehmen; denn sie sind auch unsere Brüder, wenn auch höher geistig ausgebildet.« Alle stimmten bei und meinten: »Was bringen uns diese herrlichen Jünglinge für eine Botschaft?« Der Jünglingschor kam nun herab, bildete eine runde Kreisordnung vor dem Bruder Liebe und verbeugte sich tief vor ihm und sagte: »Lieber Bruder, wir sind ausgesandt von der göttlichen Liebe, Dir und deiner Gesellschaft zu dienen, wenn du uns wünschest.«

Darauf sagte der Bruder Liebe: »Ganz recht, ich habe genug Arbeit für euch, denn wir haben heute eine vieltausendköpfige Menge neue Christusbekenner bekommen, und diese müssen im christlichen Glauben unterrichtet werden. Daher habet ihr sogleich eine Arbeit und könnet euch sogleich daran machen. Wir aber wollen derweil untereinander plaudern. Und so machet euch an eure Arbeit und unterrichtet die neuen Brüder und Freunde in allem, was nötig ist. Denn, wie ihr sehet, sind das Mohammedaner und benötigen daher eine diesbezügliche Auseinandersetzung der Widersprüche gegen die christliche Religion, damit sie sich dann in allem auskennen, was zu einem friedlichen Zusammenleben und geistigen Fortschreiten gehört.«

← Zurück zu „Emanuel Swedenborg im Jenseits“