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28. Voranstalten zur Bekehrung der Räuber

(Beschau des zusammengeraubten Festungsmuseums und der Festungsräume. Zerstörung der Festung und Verwandlung des Bodens samt der Schlucht in ein ebenes Feld. Einnahme der Mahlzeit.)

Wir beschauten das schöne, sehr bedeutende Museum des Festungskommandanten, das er sich durch Beraubung der durchreisenden Geister eingerichtet hatte. Dann wanderten wir weiter durch verschiedene große Räume, welche Wohnungen der übrigen Räuber waren, was alles sehr schön aussah; denn mit geraubtem Gut ist leicht prunken.

Ich will euch nicht verschweigen, dass die Räuber auch ihre Weiber hatten und diese mit den Gefangenen das Los teilen mussten. Nachdem wir die ganze Feste durchwandert hatten, kehrten wir zurück auf den Platz, wo die bekehrten Räuber mit den Gefangenen verhandelten.

Als wir wieder am Platze erschienen, gab es eine große Schimpferei der Gefangenen über uns, dass wir wie Räuber eingedrungen seien und dass wir nun in ihren Magazinen plünderten, ohne ein Recht dazu zu haben. Daher wollten sie nichts von den Zureden der bekehrten Räuber hören und verlangten, in ihre Rechte als Herren der Festung eingesetzt zu werden.

Ich näherte Mich deshalb den Schreienden und sagte: „Welche Rechte habt ihr denn auf diese Feste? Ihr habt doch gesagt, dass ihr nur angeworbene Söldlinge des Landesherrn seid. Wenn aber dies, dann seid ihr keine Herren, sondern von uns besiegte Gefangene und als solche habt ihr nichts zu reden, sondern zu gehorchen, was wir mit euch beschließen. Übrigens, wir sind bereit, euch sogleich frei zu lassen, wenn ihr euch ausweisen könnet, dass ihr wirklich das seid, für was ihr euch ausgebet.“

Diese entschiedene Sprache brachte die Schreier zur Besinnung, dass sie mit jemandem zu tun hatten, der ihnen entgegentreten konnte. Daher schwiegen sie zuerst, dann aber fingen sie von neuem an, dass sie in der Festung belassen werden müssten, weil sie dieselbe bewachen müssten und daher solle man sie in Ruhe und weiterziehen lassen, denn sie hätten uns nichts getan, als ein wenig gedroht und wir hätten das gleich als Kriegserklärung aufgenommen, sie überfallen, besiegt und die Festung eingenommen.

Ich machte ihnen nun begreiflich, dass sie nach dem Kriegsrecht im Geisterreich nichts zu reden hätten, da sie dieses Recht in ihrer Feste eingeführt und fleißig gehandhabt hätten, was das große Museum von geraubten Gegenständen beweise. Daher sollten sie sich nicht wundern über uns, wenn wir nun ihre Festung sogleich zerstören würden.

Nun gab Ich den Engeln einen Wink und diese gingen eiligen Schrittes an die Befestigungen, als wollten sie diese zu zerstören anfangen, und gingen im Laufschritt herum, während man ein großes Krachen und Donnern von niederstürzenden Mauern hörte.

Die Räuber hörten mit Entsetzen das Krachen und Donnern an und wussten nicht, ob das möglich sei, da die Engel keine Werkzeuge hatten.

Nun sagte Ich zum Festungskommandanten und seinen Abteilungsführern: „Kommet her, um mit Mir eure Festung zu besichtigen, wie sie nun ausschaut!“

Sogleich erhoben sich alle, auch die gewöhnlichen Soldaten und gingen mit Mir und Meinen Begleitern, zu schauen was da geschehen war. Wie erstaunten sie aber, als nichts mehr von den Befestigungen zu sehen und auch die Schlucht vollgefüllt mit Erdreich war. Sie trauten ihren Augen nicht und schauten uns verwundert an, wer wir seien, dass wir dieses Bild der Schlucht und der Festung so schnell zu einem ebenen Felde umgestalten konnten.

Ich wandte Mich zum Festungskommandanten und sagte: „Nun, du wirst doch nicht verlangen, dass wir dir dein Raubnest wieder aufbauen sollen? Hast du aber einen Landesherrn, vor dem du die Klage gegen uns erheben kannst, so wollen wir mit euch hingehen und unsere Strafe entgegennehmen. Also erhebe dich mit deiner Räuberbande und führe uns zu deinem Landesherrn! Denn siehe, Ich ließ dir alles zerstören, jetzt sind auch die inneren Wohnräume samt deinem Wohnhause und dem sehr kostbaren Museum von geraubten Gegenständen bis auf den Grund verschwunden. Also hast du gar nichts mehr zu suchen und zu bleiben.“

Der Kommandant schaute ängstlich nach dem Ort, wo seine Wohnung stand und da er nichts mehr von allem früheren bemerkte, blieb er wie starr vor uns stehen und musterte uns mit ängstlichen Blicken.

Ich aber sagte ihm: „Fürchte dich nicht, wir tun dir kein Leid an, sondern Ich ließ nur dein Trugbild hier zerstören, damit du erlöst wirst von deinen Wahnvorstellungen, die du dir mit deinen Helfern aufgebaut hast. Jetzt bist du und deine Schar frei von allem, was euch lieb und teuer war, aber kein Gutes aus euch erzielen ließ.

Nun sage Mir, was willst du mit deiner Schar beginnen? Willst du dich bekehren samt deinen Spießgesellen, dann will Ich euch mitnehmen und mit allem versorgen. Willst du etwas anderes anfangen, so sage es Mir frei. Denn wir sind keine Räuber oder Kriegsknechte und machen daher auch keine Gefangenen, sondern wir suchen nur, was aus dem Schafstalle Gottes verloren ging. Willst du zu Gott, dann bist du Mir willkommen.

Willst du nicht, dann bist du frei von uns. Denn zu verklagen hast du uns nirgends, da du keinen anderen Herrn kennst, als dich selbst. Ich aber bin ein gewaltiger Herr und vor Mir muss sich alles beugen. Würdest du z. B. wieder eine neue Festung irgendwo anlegen, so kannst du sicher sein, dass Ich dich finden werde. Und dann kannst du dasselbe erleben, was dir hier geschehen ist. Also bedenke wohl, was du wählen wirst. Von Mir aus bist du frei.“

Nach diesen Worten wandte Ich Mich zu den bereits bei uns eingetroffenen Engeln und sagte: „Kinder! Ihr habt eure Aufgabe gut vollendet. Daher wollen wir hier wieder rasten und einen Imbiss einnehmen. Schaffet daher auch das nötige Brot und Wein her, aber soviel mehr, dass auch diese traurigen Freunde mit ihren ängstlichen Weibern zu essen bekommen, bevor wir scheiden, falls sie sich derweil nicht besinnen, bei uns zu bleiben.“

Die Engel entfernten sich eiligen Schrittes und verschwanden im nahen Wald, der sich neben der gewesenen Festung befand, erschienen aber wieder nach einigen Minuten voll beladen mit Brot und Wein und legten das Ganze vor Mich hin. Nun streckte Ich die Hände über die Nahrung, segnete sie und ließ sie unter alle verteilen, was schnellst besorgt wurde.

Darauf sagte Ich: „Esset und trinket zur Ehre Gottes, eures Vaters Jesus, der auch beim letzten Abendmahl das Brot segnete, brach und sagte: Nehmet und esset, und so oft ihr das tut, gedenket Mein! Also auch segnete Er damals den Wein wie Ich heute und sagte: Trinket alle davon, denn das ist das Blut des neuen Bundes, das für euch viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird. Also trinket auch heute zur Ehre und Erinnerung an dieses historische, hochwichtige Ereignis, als unter dem Brote die Lehre Gottes und unter dem Blute die Liebe Gottes als geistige Entsprechung zum Ausdruck kam. Nun aber setzet euch und nehmet die Mahlzeit ein.“

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