(Was bedeutet Jesu Leib und Blut? Die römischen Priester als tägliche Fabrikanten ihres Gottes! Daher mehr als Gott? Wie es mit der Beichte und Sündenvergebung beschaffen ist. Priesterlich-polizeiliche Ausforschung durch die Beichte. Wallfahrtsorte und Ablässe sind Schwindel. Gezahlte Gebete erhört Gott nicht. Priester als Schwindler und Betrüger des Volkes.)
„Hat nicht Jesus beim letzten Mahle bloß ein Brot gesegnet, gebrochen und, nachdem Er es an Seine Jünger verteilt hatte, gesagt: ,Das ist Mein Leib’, womit Er die Lehre Gottes bezeichnen wollte, die Er lehrte, und sie aufgefordert: ,Nehmet und esset, und so oft ihr das tut, tuet es zu Meinem Gedächtnisse’. Wäre das Brot wirklich Jesu Leib, dann hätten Ihn die Apostel aufgegessen, und so wäre kein Jesus mehr. Wäre es denkbar, dass das Brot Jesu Leib sei, wenn ein Mensch das Segnungswort ausspräche: ,Das ist Mein Leib’ usw., so würde der Mensch ein täglicher Fabrikant seines Gottes, und somit bedeutend höherstehend als Gott.
Der Gott, den der Mensch fabriziert, anbetet und zuletzt aufisst, ist eben kein Gott, sondern eine finstere heidnische Götzenfabrikation, die an Unsinn alle heidnischen Lehren des Altertums übertrumpft.
Wenn Ich nun euch noch vom Kelch, also vom Blute die entsprechende Aufklärung gebe, dass es die Liebe Gottes zu den Menschen bedeute und die Worte Christi: ,Trinket alle davon’ die Aneiferung der Liebebetätigung zum Nächsten ist, gleich wie Jesus durch Seine Liebe für die Menschen Sein Blut und Leben dahingab, so glaube Ich, dass ihr Mich alle verstanden habt.“ Worauf eine allgemeine Bejahung erfolgte.
„Da wir mit der Messe und Kommunion fertig sind, so muss Ich euch auch die Aufklärung geben, wie es mit der Beichte beschaffen ist. Christi Lehre von der Vergebung der Sünden ist eine logische: Hast du Gott beleidigt, so kann dir nur Gott vergeben. Es ist hier der gleiche Fall, wie wenn man den Kaiser, den König oder Landesfürsten beleidigt; dafür werden die Gesetze in Anwendung gebracht und niemand kann den Verbrecher begnadigen als der Landesfürst, und so kann auch niemand die Sünden vergeben, die ein Mensch gegen Gott begangen hat, als Gott allein. Wer aber sich diese Gewalt anmaßt, ist dadurch selber ein Verbrecher gegen Gott geworden, ohne die Sünden vergeben zu haben, und so werden aus einem – zwei Sünder.
Dasselbe gilt von der Vergebung der Sünden, die jemand gegen seinen Nächsten begangen hat. Muss nicht jeder seine Schulden bezahlen? Kann ein ganz fremder Mensch sagen: ,Du bist deinem Nachbar nichts mehr schuldig?’ Und würde der Gläubiger, der jemandem eine Summe Geldes geliehen, damit einverstanden sein und sagen: ,Weil dir jener, mir ganz fremde Mensch sagte, du bist mir nichts mehr schuldig: Ja, ganz recht, ich bin damit beglichen.’ Oder wird er nicht eher sagen: ,Dieser fremde Mensch ist ein Narr und du der zweite, der du ihm solchen Unsinn glauben konntest. Zahle, oder du hast mit mir zu tun!’
Also ist es auch mit Beleidigungen und Wehetun gegen den Nächsten. Niemand sonst kann dir vergeben als der beleidigte und geschädigte Nächste. Gehe daher zu ihm und bitte ihn um Vergebung und nicht den, den es nichts angeht. Eine Ausnahme davon bildet der Umstand, wenn man den Aufenthalt des Beleidigten nicht weiß. Und wenn der Beleidigte trotz mehrmaliger eigener oder durch seine Freunde vorgebrachter Bitte nicht verzeihen will, dann ist Gott die letzte Instanz, welcher auf Bitte des Sünders vergibt und den Beleidigten mit der Sünde der Unversöhnlichkeit belegt. Eure Priester aber haben damit, besonders seit Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, eine polizeiliche Inquisition eingeführt, um alle Geheimnisse des Volkes zu erfahren, und es dann, wenn etwas Verdächtiges zum Vorschein käme, durch Kniffe oder gedungene Taugenichtse zu verleumden und zu verklagen, sie dann zu verhören, zu foltern und im besten Falle am Scheiterhaufen unschädlich zu machen oder sonst wie immer umzubringen.“
Nach dieser Aufklärung entstand ein großes Gemurmel und Drohen gegen die Priester, die wutschnaubend das Ende Meiner Aufklärungen erwarteten.
„Und eure Wallfahrtsorte und Ablässe sind nach diesen Aufklärungen über die Messe, Kommunion und Beichte, nichts anderes als Schwindel, um die Taschen der verdummten und verblendeten Menschen zu leeren, auszuplündern und die Gläubigen um ihr Seelenheil zu bringen. Denn bezahlte Gebete, Messen und dergleichen werden bei Gott nicht erhört, weil die Gebete nicht aus uneigennütziger Nächstenliebe, sondern gezahlt wie von Tagelöhnern verrichtet werden.
Es ist ein Gleiches, als wenn jemand eine Erfindung macht, und er steht im Dienste eines Fabrikherrn. Doch hat er diese Erfindung nicht während der Arbeit, sondern während seiner freien Zeit gemacht, und nun käme der Fabrikherr und würde sagen: ,Die Erfindung ist mein Eigentum, weil du in meinem Dienste stehst’. Ich frage euch: Welches Recht hätte der Fabrikherr an dieser Erfindung? Ich sage euch, gar keines, und zwar: Der Arbeiter stellt den Zahler dar, dieser ist zwar sein Untertan, aber der Priester ist der ungerechte Fabrikherr, der die Erfindung (das ist der Nutzen) für sich nimmt, ohne ein Recht zu haben, noch den Arbeiter zu entschädigen. Somit wäre der Fabrikherr ein Dieb und ein Räuber, und so ist auch der für Bezahlung betende Priester ein Dieb und Räuber, weil er durch Vorspiegelung seiner Vorrechte bei Gott dem Armen sein Geld aus der Tasche nimmt, und weil gezahlte Gebete bei Gott nichts gelten, also wertlos sind, ihn um sein Geld und um sein Seelenheil betrogen und beraubt hat.“
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