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52. Die Reformation als Gottesstrafe gegen die päpstlichen Dogmen

(Worin die göttlichen Strafen bestehen. Die protestantische Gegenbewegung. Beleuchtung der Gottesstrafen an der römischen Kirche. Der Höllenkrater schließt sich wieder. Die Freiheit der Handlungen. Aufklärung über die Hölle in der Wolkenregion. Das Gebot der Nächstenliebe. Die Geister bekennen ihr Unrecht und bitten um Unterweisung in der echten Christuslehre.)

Darauf erwiderte Ich: „Eure Glaubensbeichte ist sonst ganz richtig, nur in dem Falle nicht, dass Gott nicht straft. Wie könnet ihr als Priester das behaupten und sagen, Er straft nicht, da ihr die Bibel kennt und wisst, dass Gott einzelne Menschen wie ganze Völker gestraft hatte?“

Sie erwiderten Mir: „Das haben wir wohl gelesen, aber die Geschichte der römischen Kirche raubte uns allen Glauben, da wir das Grundübel dieser Kirche immer ungestraft höher steigen sahen, und doch zeigte sich nirgends eine Hilfe, diesem Ungeheuer ein Ende zu machen.“

„Ihr meint also, dass es dann keinen Gott gibt,“ wandte Ich ein, „weil ihr keine Strafen bemerkt habt? Das ist allerdings fatal, dass ihr den Wald vor lauter Bäumen nicht seht, es hat doch eine Menge Strafen gegeben. Nur das ist der Fall, dass Strafen Gottes mit Bosheiten und bösen Taten der Menschen abwechselten und ihr die Motive nicht wusstet, warum dies und jenes geschah. Es hat böse Päpste, Herrscher und Völker gegeben, und die Strafen folgten nach geistiger Berechnung. Dies zu sehen, war euch nicht gegeben, weil ihr immer äußerlich und mit Voreingenommenheit geurteilt habt. Saget Mir: Für was schauet ihr die protestantische Gegenbewegung an?“

Als die Priester diese Frage gestellt hörten, fingen sie an nachzudenken und sagten: „Ja, wie, soll das eine Gottesstrafe sein? Und wir beteiligten uns selbst fleißig daran und halfen, die Protestanten zu verfolgen und ihnen wehe zu tun im Leben, wie jetzt im Geisterreich.“

Darauf erwiderte Ich: „Gerade das ist eine große Strafe für den römischen Schwindel, Lug und Betrug, der durch die Dogmen der Päpste die Welt verpestet und das Volk in die heidnische Finsternis hineinzieht. Die Priester wissen vor lauter Hochmut, Habsucht und Herrschgelüsten nicht, wie sie die ganze Menschheit noch mehr verdummen und dann knechten und ausbeuten können, und siehe, hier steht der Mann, der als Strafe Gottes über die Römer kam und ihnen die Speise gehörig versalzte. Und Ich sage euch, das wird gute Früchte tragen und das Römertum immer mehr schädigen und ihm Abbruch tun. Dann wird auch die Wissenschaft immer stärker das böse Gebäude des römischen Heidentums zu untergraben anfangen, und so wird sich alles mögliche herausbilden und wie ein Krebs an der römischen Kirche fressen und ihr garstiges Innere aufdecken, wodurch die Gläubigen immer stärker abfallen und zuletzt ganz ausbleiben werden.

Sehet, das ist die Zukunft von der feilen Buhle, die ums Geld alles tut und keinen anderen Gott kennt als sich selbst. Nun, was saget ihr dazu?“

„Ja, sehen die Strafen so aus? Dann merkt sie ein befangener Mensch nicht,“ erwiderten die Priester. „Wir dachten an sichtbare Vernichtungen und Gewaltmaßregelungen, und diese sahen wir bisher nicht, nun aber verstehen wir die Sache schon. Aber lieber Herr! Wir sehen mit Schrecken noch immer die Flammen und den Rauch aus dem Berge steigen, den Du spalten und für uns die Hölle öffnen ließest. Wir tun gern alles, was Du willst, nur mache den Höllenkrater wieder zu, dass wir etwas mehr Leben und Freiheit bekommen.“

„Es geschehe nach eurer Bitte,“ antwortete Ich. „Aber ihr seid wert, ein wenig von dem zu kosten, womit ihr euren Zuhörern die Freiheit geistig und leiblich unterdrücktet, um sie widerstandslos zu machen, selbst zu denken und zu handeln. Bei euch bewährt sich der Spruch: ,Wo der Geist des Herrn ist, dort ist Freiheit.’ Da bei euch vollkommene Glaubenssklaverei herrschte und auf der Welt noch herrscht, so ist es doch offensichtlich, dass in euch und in allen Freiheitsunterdrückern nicht der Geist des Herrn, sondern des Satans ist, welcher den Gegenpol Gottes vorstellt.“

Da der Höllenkrater sich wieder schloss, bekamen auch die Geister mehr Mut und sagten: „Es ist eine bekannte Sache, dass man unter dem Druck der Gewalt und Strafdrohung furchtsam wird und alles zu tun verspricht. Daher bitten wir Dich: Gib uns vollkommene Freiheit zu bleiben oder zu gehen, dann können wir uns entscheiden, was wir tun wollen.“

Ich erwiderte ihnen: „Glaubet ihr, dass Ich euch wirklich strafen werde? O nein, Ich wollte euch nur die Hölle genug heiß machen, mit der ihr eure Gläubigen immer geschreckt habt. Bei Mir gibt es solche Strafen nicht, sondern ihr hättet euch durch die Menge eurer Sünden immer mehr in die Finsternis, in Zorn und in die Unzufriedenheit hineingearbeitet. Und so wäret ihr selbst immer tiefer nach unten gefallen.

Die Schwere eurer Sünden hätte euch immer tiefer zum Grunde der Hölle gedrückt, bis ihr endlich, ganz höllisch geworden, eure Sünden erkannt hättet. Derweil hättet ihr aber viel gelitten und ausgestanden. Glaubet ihr, dass euer Kriegsleben in den Wolken keine Hölle ist? Auf der Erde ist ein Krieg, Morden und Rauben, welches gegen das fünfte, siebente und zehnte Gebot Gottes verstößt, also eine Satanssünde. Soll euer Wolkenkrieg etwas anderes sein? O mitnichten! Ihr mordet den Menschen ihre Liebe, also das Edelste, die Gottheit im Menschen. Ihr raubet den Gegengeistern die Ruhe, den Frieden, die Zufriedenheit und denen auf der Erde das materielle Glück. Somit seid ihr böse und Diener des Satans und werdet den Strafen nicht entgehen, welche von sich selbst eintreten, wenn man die Gebote Gottes nicht respektiert, sondern sie übertritt.

Saget Mir: Seid ihr bei eurem Wolkenkrieg glücklich? Was habt ihr für einen Nutzen davon? Wer hat euch beleidigt und aufgefordert, Krieg zu führen und Böses zu tun? Die Protestanten gewiss nicht, sondern aus eigenem Antriebe ihr selber. Sehet ihr das nicht ein, dass, wer Böses tut, ein Teufel und ein Diener des Satans ist?

Heißt das ,Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst’ dadurch zu erfüllen, wenn man gegen Gottes Gebote handelt und den Nächsten als Bruder und Gottes Kind verfolgt und ihm wehe tut? Saget Mir, ihr argen Teufel, ist das nicht das direkte Gegenhandeln gegen die Gottes- und Christuslehre?“

Diese Donnerrede machte die Priester und ihre Truppe kleinlaut und verzagt und sie wussten nicht, was sie Mir antworten sollten. Sie besprachen sich untereinander und fragten auch ihre Anhänger, was ihre Meinung darüber sei und was sie Mir antworten sollten. Diese aber meinten: „Der Herr hat in allem Recht und wir können Ihm nichts als Recht geben. Und weil wir einsehen, dass wir unrecht handeln, daher ist es unsere Aufgabe, umzukehren und anzufangen, christlich zu leben.

Aber wer gibt uns die rechte Lehre, denn eure bisherige Lehre ist Seinen Ausführungen nach eine Teufelslehre, weil wir teuflisch handelten und dachten, wir tun recht. Wisst ihr was? Bekennet unser Unrecht und bittet Ihn, ob Er nicht wüsste, uns die echte Christuslehre anzugeben, nach welcher wir recht und gut leben und handeln möchten.“

Die Priester meinten: „Die echte Christuslehre ist doch in der Heiligen Schrift enthalten, aber wir sind so finster, dass wir aus dem großen Chaos der Kirchenväter und päpstlichen Dogmen selbst nicht mehr das Reine und Richtige erkennen. Aber wir wollen doch den Willen unseres mitziehenden Volkes tun.“ Und so kehrten sie zu Mir zurück und sagten: „Lieber Freund! Deine Aufklärungen sind wohl ganz richtig und wir sehen ein, dass wir böse Geister sind. Aber was wollen wir machen, da wir aus dem großen Chaos unserer Lehren und Erläuterungen der heiligen Schrift nicht mehr herauskennen, was gut oder schlecht ist. Und da uns unsere Anhänger aufgetragen haben, Dich zu bitten, uns die wahre Lehre zu erläutern, so tun wir das um so lieber, da wir selbst des wahren Lichtes in der Sache ermangeln. Sei so gut, wenn Dir das genehm ist, gib Du uns das wahre Licht des Glaubens nach Jesu Lehre! Alles übrige wird sich dann schon machen.“

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