← Zurück zu „Vaterbriefe Band 3“

Bittet – aber bittet recht – so wird euch gegeben

395. – Den 3. Mai 1884  „Bittet – aber bittet recht – so wird euch gegeben“

„Bittet, so wird euch gegeben! Suchet, so werdet ihr finden! klopfet an, so wird euch aufgetan! Denn wer da bittet, der nimmt, und wer da suchet, der findet, und wer da anklopft, dem „wird aufgetan!“ (Luk. 11, 9, 10.)
           

Liebe Kinder!

Diese Worte sprach Ich zu Meinen Jüngern, nachdem sie Mich vorher gebeten hatten, sie beten zu lehren. Wenn ihr diese Worte nun leset, so werdet ihr herausfinden, daß die Gebetserhörung, welche Ich verheißen habe, sich auf geistige Dinge bezieht; denn wo das Verlangen nach solchen in einer Seele ist, und diese sich deshalb im Vertrauen an Mich wendet, so ist ihr die Gewährung der Bitte zum Voraus zugesagt.
           
Darum seid auch ihr unverzagt im Bitten, und seid überzeugt, daß wenn dasselbe auch noch so oft an Mich geschieht, es euch doch jedesmal Segen bringt, wie es im Gleichnisse heißt: „Ich sage euch: „und ob er nicht aufsteht und gibt ihm darum, daß er sein Freund ist, so wird er doch um seines unverschämten Bettelns willen aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf; wie viel mehr wird der Heilige Vater denen geben, die Ihn bitten“; besonders wenn sie um wahre Geistesspeise zu Mir kommen, so will Ich ihnen geben im Überflusse, damit sie nicht allein sich laben und erquicken, sondern auch Andern mitteilen können.

Wenn sich eine Seele arm fühlt, so komme sie mit ganzem Vertrauen zu Mir, Ich werde sie reich machen über Bitten und Verstehen, nur muss sie sich gewöhnen an der Gabe sich zu erfreuen, mit welcher Ich sie zu ewiger Freude bereichern möchte, und den wahren Wert der geistigen Güter von den weltlichen zu unterscheiden wissen, weil Ich als treuer und weiser Vater keinen Stein gebe, statt wahrem Himmelsbrote, oder Schlangen statt Fische, sondern nur Edles und Wahres zum ewig Beglücken; und weil alles Irdische nicht ewig beglücken kann, so gebe Ich geistige Güter, welche aber von den Bittenden auch mit dankbarem Herzen empfangen werden sollen.
           
Aber eben daher bin Ich so vielen Betern ein unerforschlicher Gott, weil ihre Gebete gleichsam Mir Verhaltungsregeln vorschreiben, wie Ich bald da bald dort einschreiten und handeln solle; denn dieselben erkennen zu wenig, daß Ich geistig mehr Gutes tun will in Fällen, wo Ich äußerlich oft als lieblos gerichtet werde, weil sich die Menschen gar wenig Mühe geben, Meine Regierungsweise zu erforschen. Würden sie Mir mehr Aufmerksamkeit in diesem Punkte schenken, so könnte es ihnen stündlich mehr klar werden, daß Ich nur Gutes will, auch wenn Ich äußerlich oft Heimsuchungen zulassen muss.
           
Darum ist es so nötig, daß Meine Kinder Mich und Mein ganzes Wesen immer mehr kennen lernen, damit Ich sie desto mehr segnen kann durch ihre Führungen, welche Ich ihnen angedeihen lasse. Darin liegt in jetziger Zeit der größte Verfall der Menschen, hauptsächlich der Christen, weil sie zu sehr mit einem blinden Glauben zufrieden sind, und sich blinden Leitern anvertrauen; daher auch dem Blinden gleichen, der sich von einem andern Blinden führen lassen will, wo dann Beide in die Grube fallen.

Würden die Menschen nach dem wahren Lichte trachten, so kämen sie, wenn auch erst nach lange vergeblichem Suchen, doch endlich zu Mir, und somit zum wahren Lichte; ehe aber dieses bei einer Seele geschieht, stößt sie sich oft zuvor in der Finsternis an gar viele Steine; bald verwundet sie sich selbst, bald wird sie sonstwie aufgerüttelt aus ihrer Nacht. Sehet! Also muss die Gnade stets sich Wege bahnen, welche die Menschen gar nicht verstehen, und anstatt Mir dafür zu danken, fluchen Viele über Mich!

Euer Vater Jesus.

← Zurück zu „Vaterbriefe Band 3“