485. – 18. Dezembe4r 1885 Vom Säman
Er legte ein Gleichnis vor, und sprach: „Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf deinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind, und säete Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs, und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. „Da traten die Knechte zum Hausvater und sprachen: „Herr, hast Du nicht guten Samen auf Deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?“ u.s.w. (Matth. 13. 24.)
Liebe Kinder!
In diesem Gleichnisse heißt es: „Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind“; denn wenn die Menschen sicher sind und unbekümmert um das, was um sie her vorgeht, wie es im Schlafe der Fall ist, so können ihre Feinde sich ihrer bemächtigen, und ihnen allerlei Übles zufügen.
Dies ist schon beim natürlichen Schlafe der Fall; aber noch weit mehr, wenn der Mensch in einer geistigen Sicherheit lebt, so hütet er sich nicht vor einem Überfalle von Seite des Fürsten der Finsternis durch Wachen und Beten.
Durch dieses Sicher- und Unbekümmersein um seine geistige Entwicklung wird dem Feinde Gelegenheit geboten, die gute Saat, welche durch die Gnade in das Herz eingelegt worden ist, zu verdrängen, und allerlei Unkraut oder Anregungen zu materiellem Erhaschen verderben dann die guten Vorsätze, welche durch den guten Samen erzeugt werden; so daß beide neben einander den Menschen regieren; und dadurch wird die Ernte der guten Frucht spärlich ausfallen.
Die Knechte oder Diener in Meinem Reiche, welche Ich zu den Menschen schicke, als unsichtbare Leiter und Beschützer, bei euch „Schutzgeister“ genannt, sind darum oft recht besorgt um ihre anvertrauten Zöglinge, und möchten dieselben oft mit Gewalt durch starke Zuchtmittel von Unkraut reinigen; allein Meine Weisheit weiß wohl, daß dadurch der Mensch nicht viel gebessert wird, im Gegenteile oft dabei zu Grunde geht.
Darum tröste Ich dieselben bis zur Zeit der Ernte, oder auf die zeit, wo Ich eine Seele durch den Tod abfordere; denn da will Ich zu den Schnittern sagen: „sammlet zuvor das Unkraut, und bindet es in Büscheln, daß man es verbrenne.“ Wenn ihr daher einen Menschen sehet, bei welchem die Kräfte gebrochen sind, und der vielleicht ans Lager gefesselt ist, so denket, die zeit der Ernte ist da vor der Türe, und Ich habe die Schnitter angewiesen, das Unkraut zuvor zu sammeln, dadurch daß die Kraft und Lust seine Leidenschaften auszuüben, ihm durch Untauglichkeit seines Körpers entzogen wird, und darum nun die Seele einer andern (besseren, weil mehr geistigen) Richtung folgt, wozu sie sonst nicht gelangt wäre.
Es ist diese Einrichtung für Viele, die größte Gnade, welche Ich an ihnen beweise; darum aber wachet! und betet! auf daß der Feind nicht zu viel Unkraut auf euren Herzensacker säe, damit zur Zeit der Ernte Meine Schnitter nicht mit scharfen Sicheln das Unkraut entfernen müssen, und ihr gar kleine Garben in Meine Scheune mit hinüberbringet!
Amen! Euer Vater.
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