20.- Verschiedene Kinderstuben des himmlischen Vaters.
Den 18. August 1882.
Kinder!
Wir wollen (heute) miteinander in eine oder (eigentlich) in zwei Kinderstuben gehen, um dort herauszufinden, welche Kinder ein Vater am liebsten hat, und dann zweitens zu erfahren, welche Kinder wohl den Vater am besten erkennen, und demselben das größte Vertrauen entgegenbringen.
In der ersteren sehet ihr viele Pracht, viel Kunst und durch dieses werden die Kinder sich klar, daß sie am ehesten dadurch zu erreichen meinen, daß sie alle Kunst sich anzueignen suchen, sowie auch die Weisheit des Vaters; Eines aber entgeht denselben doch dabei, daß nämlich der Vater auch noch viele Menschen leibt außer den Kindern, was diese aber für eine Nebensache halten, und nur soviel diesem Punkte nachkommen in ihrem stolzen Adel, daß derselbe nicht verletzt wird, sie befriedigten sich damit recht eifrig des Vaters Wesen zu studieren, um demselben recht wohl zu gefallen, und kommen dadurch auch mit Ihm fleißig in Verkehr; aber es liegt eine Berechnung darin, sie tragen das Bewusstsein in sich – dessen würdig zu sein, es verdient zu haben, *) daß sie in Vieles eingeweiht werden, und vergessen bei diesem Strebe-Eifer, daß sie es nicht mit einem Vorgesetzten, sondern mit ihrem Vater zu tun haben.
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*) man lese Predigt 36 vom Pharisäer und Zöllner, Luk. 18, und denke an das Wort des Herrn: „und wenn ihr alles getan habt, so bekennt, daß ihr faule Knechte seid!“ Luk. 17, 10. D. Hsg.
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Die zweite Wohnung, welche Ich als Beispiel anführe, ist sehr einfach, Vater und Kinder wissen da wenig von Unterschied, die Kinder fragen nicht danach, ob der Vater reich, geschickt oder weise ist, sondern sie machen sich eben von Ihm abhängig, er versorgt sie ja stets und liebt sie, und darum leiben sie ihn wieder, entdecken aber immer neue gute Beweise Seiner Vaterliebe, und freuen sich stets darob mit dem Vorsatz, denselben noch inniger zu lieben, und so haben diese Kinder es viel leichter und bequemer die Vaterliebe zu erlangen, und treten nicht scheu zurück im Gefühle ihrer Unwissenheit und Schwachheit, sondern es ist unter ihnen alles (im festen Vertrauen) abgemacht, die gegenseitige Liebe macht keine weiteren Ansprüche.
Nun, liebe Kinder, die welche Stube gefällt euch am besten? Ich will euch selbst wählen lassen, indem Ich euch sage: in beiden Wohnungen bin Ich der Vater; glaubet ihr, daß ihr, wie im ersten Falle, durch Studieren und Abmühen Mir näher kommet, und (von Mir) mehr geliebt werdet als die Zweiten, welche harmlos zu Mir kommen, mit dem vollen Vertrauen: „der Vater hat mich lieb, ich folge Ihm, ohne daß ich alle Seine Weisheit und Macht und Seine Führungen durchschauen kann“; glaubet ihr, daß Ich nach solchen Kindern Meine Vater-Arme zuerst ausstrecke? „ja“, das ist so – die Liebe bloß brauche Ich zu Meiner Vaterfreude, und Ich will dieses kindliche Zutrauen so lange festhalten, alsnur möglich, weil die Zahl derer viel geringer ist, die Mich in der Lieber erforschen, als derer, die durch ihre Bewunderung und Anstaunen Mich ehren und hernach auch lieben lernen; aber sie schmücken den Weg zu Mir vorher mit ihren Fantasiebildern, und setzen den Thron, worauf Ich sitzen und mit Meiner Liebe thronen solle, gar hoch, so daß sie einfache Seelen davor zurückschrecken, weil solche meinen, zu dieser Erreichung Meiner Liebe gehöre große Ausstattung in der Gelehrsamkeit, so daß Viele verzagen, und sich scheuen Mich zu suchen; denn durch zuviel gelehrte und phantastische Schriften werden die Leute mutlos, weil sie zu wenig davon begreifen können.
Will Ich deshalb Kinder wieder für Mich gewinnen, so muss Ich ihnen Worte zukommen lassen, die der Kinderspeise, gleichen, einfach und milde; darum Ich auch solche Medien für Mich erwählte, die frei von aller Gelehrsamkeit, nur in Meiner Schule erzogen werden, welche da ist allerlei Leiden, um sie zum kindlichen Vertrauen zu veranlassen, und durch Meinen Beistand sie zu belehren, daß ich ihr Vater bin.
Dieser Aufblick einer solchen geprüften Seele hat mehr Werth als alle Vielwisserei; darum Ich in der Jetztzeit überall nur einfache Menschen erwähle (als Arbeiter oder direkte Werkzeuge) zu Meinem Reichsplane, welche auf die Hilfe derer angewiesen sind, die sich in der erst(genannt)en Reihe befinden, *) und sich Meiner Liebe gleichfalls würdig zu machen suchen, nur auf andere Weise, auch sie werden Meine Vaterliebe erreichen wenn sie die vielen Versuchungen, die in ihrer Art von Streben liegen, überwinden; doch die Hauptsorge aller Meiner Kinder muß es sein – Mich zu lieben! Seid daher ruhig, ihr Meine Kindlein, wenn ihr an Anderen sehet, welche Gedankenfülle sie in geistigen Dingen haben, das alles ist ebenso eine Gnade, die zu Mir führen soll, während ihr durch die Gnade die Versicherung in euch aufgenommen habt, daß Ich euer Vater bin, Der euch liebt; wartet, was die Liebe euch noch beschert; alles Selbstabmühen kann euch keine höheren Genüsse verschaffen, als die, an welchen ihr euch seither sehntet, ein wahres Kind des himmlischen Vaters zu sein in der Liebe! Darum gehet langsam aber sicher fort in der Erziehungsschule, wo Ich Selbst der Vorsteher bin; im Rückblick auf den Anfang und Fortgang derselben habt ihr Ursache genug, euch über den Segen zu freuen, der euch und Andern da schon zugeflossen ist. Nehmet zu Herzen, was Ich euch (hier) sage, und Meine Vaterliebe wird euch auch ferner segnen.
Amen!
Euer Vater Jesus.
*) „Dienet einander mit dem Pfunde, das ihr empfangen habt.“ D. Hsg.
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