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297.  Von der Versuchung des Herrn, und deren Entsprechung für uns

297.
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30. Juli 1882
Lukas 4
 

Liebe Kinder!

Nachdem Ich getauft war von Johannes, ging Ich in die Wüste, um Mich zu stärken für Mein Lehramt; denn Mein Entschluß – ganz nach des Vaters Wohlgefallen Meine Aufgabe zu erfüllen – war gefaßt. Siehe, da kam der Versucher mit seinen feinen Künsten, und wollte die Mittel, welche doch nötig waren Mich vor allen Versuchungen zu bewahren, auf listige Weise entfernen.
Es war zuerst das Fasten, das ihn hinderte, weil er wußte, daß bei Nüchternheit die Stimme des Innern viel besser vernommen werden kann; dann wollte er Mir dadurch zugänglich werden, daß er Meine Macht anerkannte, "bis Du Gottes Sohn, so sprich zu den Steinen, daß sie Brot werden!" Hernach legte er seine Schlingen in die Anschauung der weltlichen Herrlichkeiten und dann wollte er Mich zum Übermut im Gottvertrauen veranlassen.
Es sind diese Stufen der Versuchung gleichfalls wichtig für Meine Nachfolger; denn sie zeigen die Abweichungen an, zu welchen sie verführt werden können, wenn sie nicht ganz besonders wachen und beten.
Haben Solche aber sich Mir übergeben, so sind viele stolz darauf, daß Ich mit ihnen in Verbindung stehe, und glauben, Ich solle ihnen als Malzeichen besondere Kräfte zum Wunderwirken verleihen, um, wie sie blindlings meinen, dadurch andere für Mich zu gewinnen.
Und sehet, dies ist eine feine Abweichung von Meinen Geboten, welche nur Liebe lehren zu diesem Zwecke; denn in der Liebe solle die Wunderkraft sein, welche für Mich gewinnt.
Die zweite Versuchung bei einer Seele, welche sich Mir übergeben hat, ist öfters, daß sie zu viel zurückschaut auf die weltlichen Besitztümer, denen sie um Meinetwillen entsagt hat, auch wenn sie dieselben noch inne hat, doch so, daß ihre Sorge darum eine untergeordnete bleiben und ihre Hauptsorge sich um Mich drehen solle; aber da kommt der Feind sehr oft und will es anders ordnen, und hat es nun auch im allgemeinen darin schon sehr weit gebracht, den Menschen die Erdengüter als Hauptsache zu präsentieren, denn das Sprichwort geht von ihm aus: "Geld regiert die Welt!" und wenn Ich darum im Innern an die Meinigen die Frage stelle: was willst du lieber, ohne Geld oder ohne Gott leben? so muß Ich mit Meiner Langmut ihre Antwort anhören; denn wollte Ich ihre Antwort, daß sie lieber Mich wollen, dadurch bekräftigen, daß Ich ihnen ihre irdischen Güter entzöge, so könnten gar wenige es ertragen, und würden viele von Mir abfallen.
Darum sind es bloß ganz wenige Fälle, wo dieses vorkommt, dagegen prüfet euch als Meine wahren Kinder, wie weit eure Antwort und eure Mir schon dargebrachten Opfer, welche Ich anerkennen und segnen will, euch rechtfertigen? Es kommt eben auch dabei noch darauf an, ob die Art und Weise, wie ihr solche verwendet, als die richtige anerkannt wird? Hier muß Ich euch etwas erklären, damit ihr diesen Fall noch besser prüfen lernet.
Schon oft habe Ich euch von dem Einflusse der Geister (auf euch Menschen) gesagt. Da aber auch die Geister infolge ihres freien Willens berechtigt sind, solches nach ihrer eigenen Anschauung zu tun, so kommt es vor, daß gleichzeitig sowohl gute als finstere Geister sich geltend zu machen suchen, und daraus entsteht oft ein recht schwerer Kampf, hauptsächlich wenn es sich um das Reich Gottes und dessen Aufbau handelt; denn da kommen allerlei Bedenklichkeiten, und wird dabei meist nach Äußerem gerechnet.
Ich Selbst bleibe in solchen Fällen neutral, damit die Entscheidung, wenn sie (dennoch) Mir zu Liebe ausfällt, einen desto größeren Sieg und Lohn hat.
Dies wissen die guten Geister, und ihre Liebe treibt sie da an, kräftig zu beeinflussen; daher oft manche Menschen bis ins Unglaubliche zu Schwärmereien getrieben werden; denn solche Menschen, die Mein Reich befördern wollen, stehen der Geisterwelt viel näher als ganz materielle, und gilt daher für sie auch um so mehr der Ausspruch: Wachet und betet!
Darum, liebe Kinder! auch ihr habt das Wachen und Beten besonders nötig, damit ihr zwischen zwei Parteien mitten hindurch zu Mir Selbst eilet; denn wenn Ich dazu eingeladen werde, in solchem Kampfe beizustehen, so verleihe Ich auch den Sieg; doch erwartet nicht, wie es in der dritten Versuchung heißt: "Er wird befehlen Seinen Engeln vor dir, daß sie dich bewahren!" Daß solche Worte sich erfüllen, wenn ihr euch auf die Zinne des Tempels stellet, oder aus Eigendünkel glaubet, daß ihr allein die Auserwählten seid, und ohne euch Meine Sache unterginge, und Ich darum alles wohl wegräumen müsse, was doch ihr selbst zu überwinden habt, da sage Ich euch: "Du sollst Gott Deinen Herrn nicht versuchen, sondern kindlich dich an Sein Vaterherz flüchten und Ihm vertrauen, daß Er es wohl macht, wenn du treu und gehorsam folgest."

Amen!

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