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331. Gethsemane – Auch jetzt sind viele Christen eingeschlafen!

331.
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Den 18. März 1883
Markus 14, 36 ff.
Zum Palmsonntag

Liebe Kinder!
Heute wollen wir nach der Kirchenordnung uns richten, welche diesen Tag "Palmsonntag" nennt, der den Anfang der Woche bildet, in welche die Gedächtnistage der Christen an Meine Leidenszeit und an Meinen Kreuzestod fallen.
Was aber Meine Leidenswoche sonst noch in sich birgt, nämlich die große Trauer um die Meinigen, daß sie eben wiederum, wie einst jene im Garten Gethsemane, schlaftrunken sind, und nicht ahnen welch großen Liebesplan Ich in Meinem Herzen trage, um alle Menschen zu retten, das ist auch in der Jetztzeit gar nicht mehr ins Andenken genommen; mit den Trauerkleidern ziehen sie auch die Liebe zu Mir wieder aus, und sind froh, daß der ernste Karfreitag vorüber ist, welcher zu ihrer Unbequemlichkeit mehr Rücksicht verlangt nach außen, als sonst ein Tag.
So steht es bei der Mehrzahl Meiner Christen, und ihr werdet begreifen, daß Ich bei solchen nun ebenso verkannt bin, wie einst bei den Juden; auch sie heften Mich abermals ans Kreuz; denn auch sie stoßen das Heilbringende Meiner ausgestandenen Leiden mit Gleichgültigkeit zurück, so daß Ich abermals ausrufen muß: "Abba, Mein Vater, es ist dir alles möglich, überhebe Mich dieses Kelches; doch nicht wie Ich will, sondern was Du willst geschehe!" – und Ich kam und fand sie schlafend!
Auch jetzt sind viele Christen eingeschlafen, und nehmen an Meiner Liebe keinen Anteil, so daß Ich Mein Kommen mit großer Langmut verziehen muß. Und wie kann Ich solchen die Heiden anvertrauen, daß sie auch diese Mir als dem alleinigen Hirten zuführen, auf daß "eine Herde und ein Hirte" werde! – Es wird dieses zwar, aber nur auf langsamem und spärlichem Wege geschehen, und Ich muß es sogar so einrichten, daß die Heiden an den Christen kein Ärgernis nehmen, sondern Erstere in ihrer Herzenseinfalt so lange erhalten bleiben, bis ihnen dasjenige als Lehre gegeben werden kann, was für ihren Zustand ihnen als von einem Gott fassbar ist und entspricht; denn der Urglaube der Menschen an einen Gott besteht darin, daß sie einen solchen Gott wollen, Der sieht und hört und mit ihnen verkehrt, auch handelnd Sich bezeugt, so daß Er ihnen ihre Wünsche erfüllt und sie beglückt;*) daher viele, um diesen Gott näher um sich zu haben, sich ein Bild von demselben machen. Sehet, so ist das Bedürfnis in die Menschen gelegt, einen Gott zu haben, Der sie liebt; und da dieses Bedürfnis in der Jetztzeit sogar bei den Christen mehr erloschen ist, als bei den Heiden, das erhöht Meine Leidenszeit, und darum suche Ich dieselben aufzuwecken!
"Wachet!" rufe Ich jetzt zum dritten Male, "ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug, die Stunde ist kommen, siehe des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände! – stehet auf, lasset uns gehen, der Mich verrät – ist nahe!"
Auch jetzt wird Mir wiederum nachgestellt; Meine Liebe, die Mich zieht mit Meinen Kindern zu verkehren, wird verspottet und verleugnet, und nur ganz Wenige bleiben Mir treu. Ein Petrus und ein Judas waren damals unter den Wenigen Meiner Jünger; und auch jetzt gibt es unter denen, die zu Meinen wahren Jüngern gezählt werden, noch Glaubensschwache und Heuchler, die Mich – teils aus Ungewissheit teils aus Bosheit – verleumden, und dadurch verraten, daß sie Meine innige Verbindung mit Meinen wahren Kindern zu bestreiten suchen, und somit Meine demütige Liebe nicht achten, sondern Mich ferne von Ihrem Herzen halten, als einen (über dem Irdischen weit erhabenen) majestätischen Gott!
Wollet aber ihr Mir eine wahre Teilnahme beweisen, so müßet ihr Mein Hauptleiden kennen; darum weise Ich euch darauf hin, damit ihr für eure Mitchristen im Gebet wachet! "Simon schläfest du? Vermöchtest du nicht eine Stunde zu wachen?!"
Oh ihr Lieben, die ihr meinet, im wahren Glauben zu stehen, wachet! Umsonst forderte Ich Petrus nicht besonders dazu auf, denn Ich mußte um seine Schwachheit und warnte ihn; auch euch möchte Ich deshalb besonders zurufen:
Wachet! auf daß ihr Meine Nachfolger bleibet – im Glauben, in der Liebe, und in der Treue, und kräftig genug werdet, Mich auch da zu bekennen, wo es gilt, um Meinetwillen zu leiden!
Amen! Euer Jesus!

*) Nicht wie die jetzige rationalistische Richtung auch bei den Gläubigen, wo man den Gott so fern als möglich in die Unendlichkeit hinausrückt, um selbst ein bisle Gott spielen zu können. Das Eritis sicut Deus! – ihr werdet sein wie Gott – spukt immer noch. d. Hsg

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