82. – 17. November 1878 "Hauptlebenswinke"
Meine lieben Kinder!
Seid wahrhaftig! gleichwie euer Vater im Himmel wahrhaftig ist, gegründet auf Liebe!
Je mehr Liebe ihr habt, desto genauer werdet ihr es mit der Wahrheit nehmen, weil sie zugleich eine Wohltat ist; denn nur, wenn ihr glaubet, daß das, was Ich euch schon in der heiligen Schrift gesagt habe, und nun heute noch sage, wahr ist, könnet ihr ein Vertrauen zu Mir fassen, und das wird euch in manchen Lagen des Lebens zum Troste; ihr zaget dann nicht – wenn ihr keine augenblicklichen Beweise sehet, über dieses oder jenes Versprechen.
Dieses Vertrauen aber gründet sich auf Erfahrung, und zwar Mir gegenüber auf Herzens Erfahrung, weil Ich Geist bin, und geistig mit euch verkehre; dagegen sollet ihr euren Mitmenschen gegenüber eure Wahrhaftigkeit im gewöhnlichen Verkehre beweisen durch Wort und Tat; und erst, wenn ihr euch dadurch bei ihnen ein Zutrauen erworben habt, wird euch auch in geistiger Beziehung Eingang verschafft, und werden die ewigen Wahrheiten anerkannt werden.
So könnet ihr immer wieder sehen, wie euer Körper der unentbehrliche Diener des Geistes ist, und wie Ich alles geordnet habe, um demselben Gelegenheit zu geben, sich nach Meinem Bilde zu bilden. Alle Eigenschaften, welche Ich besitze, könnet ihr euch durch einen eifrig guten Willen aneignen, auch solche, welche euch unerreichbar erscheinen.
Wenn ihr z.B. ganz wahr seid, so findet ihr an dem Nächsten seine Unlauterkeit alsbald heraus; aber darum muß sich eure Wahrheit ebenfalls auf Liebe gründen, die nicht geneigt ist, schnell ein Urteil zu geben, sondern alles zuvor in die Waagschale legt, ehe sie Nachteiliges annimmt, gleichwie Ich nicht menschlich richte, sondern Barmherzigkeit, Weisheit und Gerechtigkeit harmonisch verbinde; also sollet auch ihr, wenn ihr Wahrheit prüfen wollet, diese Eigenschaften mit verbinden, und dann seid auch ihr wahr!
Es gehört dazu, daß ihr zuerst wahr von euch selbst denket, ehe ihr andere prüfen könnet.
Liebe Kinder, wie viele Aufgaben sind euch noch vorgezeichnet, bis ihr nicht mehr kindisch seid, und meinet, daß Ich euch als Arbeiter brauchen könne. Kann auch ein Vater seinem Sohne das Geschäft übertragen, wenn er es nur stückweise begreift, oder nur zeitweise dazu Freudigkeit hat? wird er nicht mit Sehnsucht auf die Zeit warten, wo er ihn ganz mitarbeiten lassen kann? er wird kein Mittel scheuen, ihn dazu heranzubilden, und also ist es auch bei Mir der Fall.
Als Mittel zu eurer Erziehung sind in euren Lebenslauf gelegt, sowohl Freuden zur Ermunterung, als Leiden zur Warnung, gute und böse Menschen in eurer Umgebung zur Übung, Entbehrung zur Selbstverleugnung, Besitztum um Wohltaten ausüben zu können, und das Höchste, was euch dazu geboten wird, ist Mein Wort und Meine Wahrheiten; wer dieselben fest hält, sie durch Tat und Leben zur Wahrheit werden läßt, dem ist Mein Ebenbild zugesagt. Amen!
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„Hauptlebenswinke“
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