92. – 5. Januar 1879 "Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden!" (Matth.5, 6)
Meine lieben Kinder!
Diese Worte will Ich euch näher erklären, denn viele Menschen meinen, sie seien gerecht, so sie Niemand beschuldigen kann, etwas Unrechtes (im bürgerlichen Sinne) geredet oder gehandelt zu haben, und zwar insoweit man es nach außen beurteilen kann; aber zu der Gerechtigkeit, welche beseligt, gehört ein weit feineres Gefühl.
Es soll euch hungern darnach, ihr sollet sie mit Sehnsucht in eurem Innern verlangen, ihr sollet Mich bitten euch zu helfen, daß ihr gerecht denken und urteilen lernet; denn nur wenn ihr gerecht seid, könnet ihr wahre Liebe üben; aber nicht immer beruht die Liebe auf Wohltun, es gibt auch Fälle, wo sie sogar Strenge verlangt (Liebe mit Ernst und Weisheit).
Darum ist die Gerechtigkeit so nötig, damit einem Jedem das gegeben werden kann, was zu seinem ewigen Wohle dient; denn Ich rede mit euch von der göttlichen Liebe und Gerechtigkeit, die immer nur sucht dauernd und ewig, also wahrhaft zu beglücken.
Diese Gerechtigkeit muß oft viel leiden, *) und ist deshalb gleichfalls eine Eigenschaft, welche durch Kampf errungen werden muß, indem sie mit Hintansetzung des eigenen Ichs oft etwas zu beurteilen hat. Gerade dann ist sie göttlicher Natur, weil sie uneigennützig auftritt, und der Grund – Andere zu beglücken, statt sie zu richten – in ihr vorwaltet.
Auch Ich, euer Vater, bin in der Gerechtigkeit am meisten verkannt, weil die Menschen nur noch äußerlich sind, und äußerlich (kurzsichtig) deshalb alles auffassen, was in Meiner Regierung vorkommt. Sie wollen nur noch einen solchen Gott der Liebe, Der (gleich einer schwachen Mutter) alle ihre Begierden und Wünsche befriedigt; aber gegen ihr Seelenheil sind sie gleichgültig. Daher muß Ich Mir den bittersten Spott und Hohn heute noch gefallen lassen, wie zur Zeit Meines Erdenwandels, um Seelen zu retten; und auch Allen, welche auf Meine Seite getreten sind, kann Ich keine bessere Lage versprechen, als daß sie um der göttlichen Gerechtigkeit und Liebe willen nach Meinem Beispiele tragen, dulden, lieben, absehen vom Sichtbaren aufs Unsichtbare, und also hungern nach der Gerechtigkeit. Amen!
*) wie solches am meisten beim Herrn Selbst ersichtlich ist, wie vielfach klagen da die Menschen über ihre Führungen u.s.w. -der Herausgeber-
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