188. – 8. August 1880 "Vom rechten Beten"
Liebe Kinder!
Gleichwie Meine damaligen Jünger Mich fragten: Wie und was sie beten sollen, so geht es heute noch Vielen, die gerne beten möchten, aber nicht recht wissen, um was eigentlich; weil sie meinen, daß, wenn sie um das Gelingen eines äußeren Wunsches gerne anhalten möchten, dies nicht erlaubt, sondern ein Eingriff in Meine Fürsorge sei, (was freilich auch oft der Fall ist).
Doch, wenn Ich sehe, daß eine Seele ihre Aufgabe nicht lösen kann, und sie dafür auf einem andern Wege zu Mir kommt, indem sie ihr volles Vertrauen auf Mich und Meine Durchhilfe durch Meine Gnade und Erbarmung setzt, da erfülle Ich oft ihre Bitte, weil sie sich Mir nähert, sich Mir willenlos übergibt, ihre eigene Schwachheit einsieht, so daß die Übermacht des Verstandes dem Einflusse Meines Geistes weichen muß.
Daher kommt es, daß Menschen, welche im allgemeinen noch ganz weltlich gesinnt, aber in großer Not sind, dann ihre Zuflucht zu Mir nehmen, oft schnellere Gebets-Erhörungen aufzuweisen haben, als Solche, welche sich "Meine Kinder" nennen, und stets ihr Gebet an Mich zu richten pflegen. Dieselben sind aber deshalb von Mir aus doch nicht verkürzt, nur verziehe Ich da oft länger mit der äußeren Hilfe, damit sie dabei mehr Meinem unerforschlichen Regieren sich hingeben und unterwerfen.
So erreichen Meine Kinder eine höhere Stufe der Vereinigung mit Mir, weil sie dadurch mehr geistig wachsen und also einen bleibenderen Gewinn erzielen, während Weltkinder sich Meiner bloß zeitweise als an einen Wohltäter zur Zeit der Not erinnern, und Ich oft lange warten muß, bis sie wieder an Mich denken. Indessen ist ihr Vertrauen zu Mir oft kindlicher und unbefangener; denn sie kommen nicht kritisch zu Mir, wie es öfter der Fall ist bei Meinen Kindern, die sich zuvor prüfen, wie viel Anrecht sie etwa durch ihre eigene Gerechtigkeit machen können, und Meine Hilfe oft gleichsam als Lohn verlangen. In solchen Fällen muß Ich sie freilich warten lassen, damit ihre Sicherheit nicht unterstützt wird. (Lukas 18, 10 – 14).
Oft ist es auch umgekehrt, und Meine Kinder sind zu unruhig über ihren Zustand, sehen in Meiner Führung eine augenblickliche Strafe, sind Meinem liebenden Vaterherzen gegenüber zu verzagt; alsdann muß Ich Mich auch mit Meinen Absichten verbergen, bis es ihnen wieder selbst mehr klar wird, und ihnen Meine Worte in ihrer Kraft zutönen: "Kommet her zu Mir, ihr Mühseligen und Beladenen".
Es ist darum von sehr großem Segen für euch, wenn ihr immer mehr forschet in Meinem Wort, und also ist es das segenbringendste Gebet, wenn ihr um Erleuchtung durch den Heiligen Geist bittet, welcher euch in solchen Zeiten der Anfechtung, wo ihr euch zu ungeschickt fühlet, um das richtige wahre Gebet tun zu können, die rechte Begleitung geben wird.
Noch sage Ich euch: ein ungeschickter Beter ist Mir viel lieber, als Einer, der das Gebet verachtet, und Ich segne oft solche Gebete doppelt, zeitlich und ewig! Darum, wenn ihr betet, soll es ein Vertrauensgruß zu Mir sein, daß Meine Liebe euch erhört, wenn ihr auch die Erhörung nicht nach euren Begriffen zu fühlen bekommt!
Euer Vater in Jesu Christo. Amen!
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Vom rechten Beten
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