203. – 21. November 1880 "Simon Johanna – hast du Mich lieb? – Johannes 21, 17 –
Meine lieben Kinder!
Wenn Ich einem Petrus dreimal die Frage vorlegte: "Simon Johanna, hast du Mich lieb?" so werdet ihr wohl begreifen, welch große Bedeutung diese Frage enthält! Sie fordert den Glauben zur Liebetätigkeit auf; denn nur so kann der selig machende Glauben bestehen.
Gleichwie aber Petrus ohne weiter zu prüfen, Mir sogleich Antwort gab: "Herr, Du weißt ja alle Dinge, und auch daß ich Dich lieb habe," so spricht der Glaube heute noch; allein wenn Ich den Auftrag gebe, Meine Schafe zu weiden und sie zu behüten, so fehlt es oft noch gar sehr an der wahren Liebe; denn Ich will vom Glauben keinen Dienst für Mich in Anspruch nehmen, sondern nur für die Meinen, welche Ich so gerne durch die Liebe zu Mir mit dem wahren Himmelsbrot gesättigt wünsche, und Ich will Niemand zwingen, sich Meiner Schafe anzunehmen; darum fragte Ich immer wieder: " hast du Mich lieb?" und erst dann (auf die bejahende Antwort) sagte Ich: "so weide Meine Lämmer!" (denn:)
Es muß dieses Hirtenamt durch die Liebe verwaltet werden, wenn es für Mich Seelen gewinnen soll. Darum Ich auch dem Petrus keine weiteren Bedingungen machte, als die Liebe zu Mir, welche aber nur dann bestehen kann, wenn diese Liebe nach Meinem Willen geordnet ist, und diese göttliche Ordnung ist die Nächstenliebe. Alle Liebe, welche Mir die Menschen auf eine andere Art beweisen wollen, führt zu Verirrungen, wie ihr euch aus der Kirchengeschichte überzeugen könnet; denn wie viele Opfer, wie viel Prunk und welche Kasteiungen hat der falsche Glaube erfunden, und zwar wie er es heißt – aus Liebe zu Mir (ad majorem Dei gloriam d.h. zur größeren Ehre Gottes), und die Folge davon war stets eine immer größere Gott-Entfremdung!
Nun, liebe Kinder, gerade wie Ich an euch Meine Liebe walten lasse, still und verborgen, ohne Prunk und doch beglückend, so sollet ihr`s Mir, dem Vater nachmachen; ohne alles Aufsehen sollet ihr die Liebe zuerst im engern Kreise walten lassen, und dann im Allgemeinen; und wenn es euch sauer ankommt, diesen oder jenen Menschen (oder Geist) nach Meinem Willen zu behandeln, so denket an die Frage, welche Ich an Petrus oder an euren glauben richtete: "Hast du Mich lieb?"
Erst, wo euer eigenes Wollen oder Lieben in den Kampf tritt, da fängt die göttliche Liebe an in den Herzen zu zünden, und macht dieselben tüchtig für die Seelsorge Anderer, obgleich ihr Mir vorher die Versicherung gebet, daß ihr Mich liebet.
Erst dann, wenn ihr "das Hüten oder Weiden Meiner Schafe" begreifet und dankbar es annehmet, auch beim Überblick der damit verbundenen Schwierigkeiten; erst dann werdet ihr euch selbst erkennen, wie viel (oder wenig) ihr Liebe zu Mir habt!
Bei Allem, was ihr also um Meinetwillen tuet oder lasset, höret im Innern auf die Frage: "Habt ihr Mich lieb?" Daher erwartet von Mir keinen Extra-Auftrag! Die Liebe ist beauftragt, für ihre Mitmenschen eine gute Weide herzustellen. Das Wo, Wie und Wann wird die Liebe, wenn von Mir regiert, schon selbst herausfinden.
Auch ihr seid feurige Petruse; darum gilt auch euch die Frage: "Habt ihr Mich lieb?" Euer Jesus.
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Simon Johanna – hast du Mich lieb? – Johannes 21, 17
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