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3. Kapitel – Von der Substanz und Eigenschaft des Vaters

Von der Substanz und Eigenschaft des Vaters

8. Wenn Man nun betrachtet die ganze Natur und ihre Eigenschaft, so siehet man den Vater. Wenn man anschauet den Himmel und die Sterne, so siehet man seine ewige Kraft und Weisheit. Also viel Sterne unter dem Himmel stehen, die doch unzählig und der Vernunft unbegreiflich, auch ein Teil unsichtlich sind, also viel und mancherlei ist Gottes des Vaters Kraft und Weisheit.

9. Es hat aber ein jeder Stern am Himmel eine andere Kraft und Qualität als der andere, welche auch machen so vielerlei Unterschied in und unter den Kreaturen auf Erden in dem ganzen Geschöpfe. Nun aber herrühren alle Kräfte, die in der Natur sind, aus Gott, dem Vater, alles Licht, Hitze, Kälte, Luft, Wasser und alle Kräfte der Erden, bitter, sauer, süß, herbe, hart, weit und das man nicht erzählen kann, das hat alles seinen Ausgang vom Vater.

10. Wenn man aber den Vater mit etwas vergleichen will, so muß man ihn der runden Kugel des Himmels vergleichen. Nicht mußt du denken, daß jede Kraft, die in dem Vater ist, an einem besondern Teil und Orte in dem Vater stehe wie die Sterne am Himmel; nein, sondern der Geist zeiget, daß alle Kräfte in dem Vater ineinander sind wie eine Kraft, wie man dessen ein Bild hat im Propheten Hesekiel Kap. 1,15, der sieht den Herrn im Geist und Vorbild gleich einem Rade, da vier Räder ineinander sind und waren alle viere eines wie das ander, und wenn sie gingen, so gingen sie schlechts für sich, auf welche Seite der Wind ging, da gingen sie alle viere für sich und durfte keines keiner Umwendung. Also ist auch Gott der Vater, es sind alle Kräfte in dem Vater ineinander wie eine Kraft, und alle Kräfte bestehen in dem Vater in einem unerforschlichen Licht und Klarheit.

11. Nicht mußt du denken, daß Gott im Himmel und über dem Himmel etwa stehe und walle wie eine Kraft und Qualität, die keine Vernunft und Wissenschaft in sich habe, wie die Sonne. Die lauft an ihrem Zirk herum und schüttet von sich die Hitze und das Licht, es bringe gleich der Erde und den Kreaturen Schaden oder Frommen, welches denn freilich geschähe, so die andern Planeten und Sterne nicht wehreten. Nein, so ist der Vater nicht, sondern ist ein allmächtiger, allweiser, allwissender, allsehender, allhörender, allriechender, allfühlender, allschmeckender Gott, der da ist in sich sänftig, freundlich, lieblich, barmherzig und freudenreich, ja die Freude selber.

12. Er ist aber von Ewigkeit zu Ewigkeit also unveränderlich. Er hat sich in seinem Wesen noch nie verändert, wird sich auch in alle Ewigkeit nicht verändern. Er ist von nichts herkommen oder geboren, sondern ist selber alles in Ewigkeit, und alles, was da ist, das ist von seiner Kraft worden, die von ihm ausgehet. Die Natur und alle Kreaturen sind aus seiner Kraft worden, die von ihm ist von Ewigkeit ausgangen. Seine Weite, Höhe und Tiefe kann keine Kreatur, auch kein Engel im Himmel erforschen, sondern die Engel leben in des Vaters Kraft ganz sänftig und freudenreich, und singen immer in des Vaters Kraft.

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