Die rechte Geburt Gottes
68. Siehe, wie ich oben erzählet habe, so ist die Geburt Gottes in seinem innersten Wesen in diesen vier Qualitäten also scharf.
69. Du mußts aber nicht eigent verstehen. Die herbe Qualität ist also scharf in ihrer eignen Qualität in sich selber. Sie ist aber nicht allein oder außer den andern, auch nicht von sich oder in sich selber geboren, daß sie ganz frei ist, sondern die andern sechs Geister gebären sie. Und die haben sie auch bei dem Zügel und mögen ihr Gewalt lassen, wieviel sie wollen. Denn das süße Quellwasser ist flugs die Peitsche über die herbe Qualität und sänftiget sie, daß sie ganz dünne, sanft und weich wird, dazu ganz lichte.
70. Daß sie aber also scharf in sich ist, das ist zu dem Ende, daß kann ein Corpus durch ihre Zusammenziehung gebildet werden, sonst bestünde die Gottheit nicht, viel weniger eine Kreatur. Und in dieser Schärfe ist Gott ein allbegreiflich- und allfaßlicher scharfer Gott, denn die Geburt und Schärfe Gottes ist allenthalben also.
71. So ich dir aber die Gottheit in ihrer Geburt soll in einem kurzen runden Zirkel recht in der höchsten Tiefe beschreiben, so ist sie also: Gleich als wenn ein Rad vor dir stünde mit sieben Rädern, da je eines in das andere gemacht wäre, also daß es auf Erden gehen könnte, vor sich und hinter sich und quericht und dürfte keiner Umwendung. Und so es ginge, daß immer ein Rad in seiner Umwendung das ander gebäre und doch keines verginge, sondern alle sieben sichtlich wären. Und die sieben Räder gebären immer die Naben inmitten nach ihrer Umwendung, daß also die Nabe frei ohne Veränderung immer bestünde. Die Räder gingen gleich vor sich oder hinter sich oder quericht oder über sich oder unter sich. Und die Nabe gebäre immer die Speichen, daß sie in dem Umwenden überall recht wären, und doch auch keine Speiche verginge, sondern sich immer also miteinander umdrehete, und ginge, wohin es der Wind drehete, und dürfte keiner Umwendung.
72. Nun merke, was ich dich bescheide: Die sieben Räder sind die sieben Geister Gottes. Die gebären sich immer einer den andern, und ist wie man ein Rad umwendet, da sieben Räder ineinander wären und eines drehete sich immer anders als das ander in seinem Innestehen, und wären die sieben Räder ineinandergefelget wie eine runde Kugel. Da man doch gleichwohl alle sieben Räder, eines jeden Umgang insonderheit sähe, sowohl auch seine ganze Geschicklichkeit mit seinen Felgen und Speichen und mit seiner Naben. Und die sieben Naben inmitten wären wie eine Nabe, die sich im Umwenden überall hinschickte, und die Räder gebären immer dieselben Naben, und die Nabe gebäret immer in allen sieben Rädern die Speichen, und verginge doch auch kein Rad, sowohl auch keine Nabe und auch keine Felge und Speiche. Und dasselbe Rad hätte sieben Räder und wäre doch nur ein Rad, und ginge immer vor sich, wo es der Wind hintriebe.
73. Nun siehe: Die sieben Räder ineinander, da eines immer das ander gebäret, und auf allen Seiten gehen und doch keines vergehet oder sich umwendet, das sind die sieben Quellgeister Gottes des Vaters. Die gebären in den sieben Rädern in jedem Rad eine Nabe und sind doch nicht sieben Naben, sondern nur eine, die sich in alle sieben Räder schicket.
74. Und das ist das Herze oder der innerste Corpus der Räder, darinnen die Räder umlaufen. Und das bedeut den Sohn Gottes, den alle sieben Geister Gottes des Vaters in ihrem Zirkel immer gebären. Und er ist aller sieben Geister Sohn, und sie qualifizieren alle in seinem Lichte, und ist inmitten der Geburt und hält alle sieben Geister Gottes. Und sie wenden sich in ihrer Geburt mit ihm also um.
75. Das ist, sie steigen nun über sich oder unter sich oder hinter sich und vor sich oder quericht. So ist das Herze Gottes immer inmitten und schickt sich immer zu jedem Quellgeiste. Also ists ein Herze Gottes und nicht sieben, das von allen sieben Geistern immer geboren wird, und ist aller sieben Geister Herze und Leben. Nun die Speichen, die von der Naben und den Rädern immer geboren werden und doch sich in alle Räder im Umgehen schicken und ihre Wurzel, Anhalt oder Einpflocken, darinne sie stehen und daraus sie geboren werden, die bedeuten Gott den Hl. Geist, der aus dem Vater und Sohne ausgehet. Gleichwie die Speichen aus der Naben und dem Rade, bleiben doch auch in dem Rade.
77. Nun gleichwie der Speichen viele sind und gehen immer in dem Rade mit um, also ist der Hl. Geist der Werkmeister in dem Rade Gottes und formet und bildet alles in dem ganzen Gott.
78. Nun hat das Rad sieben Räder ineinander, und eine Nabe, die sich in alle sieben Räder schicket, und alle sieben Räder an der einen Naben. Also ist Gott ein einiger Gott mit sieben Quellgeistern ineinander, da immer einer den andern gebäret, und ist doch nur ein Gott, gleichwie alle sieben Räder ein Rad.
79. Nun merke: Das Rad in seinem zusammenkorporierten Baue bedeutet die herbe Qualität. Die zeucht das ganze körperliche Wesen der Gottheit zusammen und hält es und vertrocknet es, daß es bestehet. Und das süße Quellwasser wird von dem Umtreiben oder Aufsteigen der Geister geboren. Denn wenn sich das Licht in der Hitze gebäret, so erschrickt die herbe Qualität vor großer Freude. Und das ist wie ein Niederlegen oder Dünnewerden, und sinket das harte körperliche Wesen nieder wie eine Sanftmut.
80. Der Schrack oder Anblick des Lichts steiget nun in der herben Qualität fein sanft und zitternd auf und zittert. Der ist nun in dem Wasser bitter. Und das Licht vertrocknet ihn und macht ihn freundlich und süße.
81. Darinnen stehet nun das Leben und die Freude, denn der Schrack oder Blitz steiget nun in allen Qualitäten auf wie ein oberzählet Rad, das sich umwendet. Da steigen alle sieben Geister ineinander auf und gebären sich gleichwie in einem Zirkel. Und das Licht wird mitten in den sieben Geistern scheinend und scheinet wider in alle sieben Geister. Und darinnen triumphieren alle Geister und freuen sich in dem Lichte.
82. Gleichwie die sieben Räder an der einigen Naben umgehen als an ihrem Herzen, das sie hält. Und sie halten die Naben; also auch gebären die sieben Geister das Herze, und das Herze hält die sieben Geister, und gehen allda auf Stimmen und göttliche Freudenreich, herzliches Lieben und Küssen.
83. Denn wenn die Geister mit ihrem Licht ineinander wallen, sich umdrehen und aufsteigen, so wird immer das Leben geboren, denn ein Geist gibt immer dem andern seinen Geschmack, das ist, er infizieret sich mit dem andern.
84. Also kostet einer den andern und fühlet den andern. Und der Schall oder Ton dringet von allen sieben Geistern gegen das Herz und steiget in dem Herzen im Blitze des Lichts auf. Da gehen auf Stimmen und Freudenreich des Sohnes Gottes. Und alle sieben Geister triumphieren und freuen sich in dem Herzen Gottes, ein jeder nach seiner Qualität.
85. Denn in dem Lichte in dem süßen Wasser wird alle Herbigkeit und Härtigkeit und Bitterkeit und Hitze gesänftiget und lieblich, und ist in den sieben Geistern nichts denn ein liebliches Ringen und wunderliches Gebären, wie ein heiliges Spiel Gottes.
86. Ihre scharfe Geburt aber, davon ich oben geschrieben habe, die bleibet als wie ein Kern verborgen, denn sie wird von dem Licht und süßen Wasser gesänftiget.
87. Gleichwie ein saurer und bitterer grüner Apfel von der Sonnen gezwungen wird, daß er fein lieblich ist zu essen, und man schmecket doch alle seine Qualitäten, also behält auch die Gottheit ihre Qualitäten, aber sie ringet fein sanft wie ein lieblich Spiel.
88. So sich aber die Quellgeister würden erheben und geschwinde ineinander durchdringen und sich hart reiben und quetschen, so quetschte sich das süße Wasser aus und zündete sich die grimmige Hitze an. Alsdann würde aufgehen das Feuer aller sieben Geister wie im Luzifer.
89. Das ist nun die wahrhaftige Geburt der Gottheit, die von Ewigkeit an allen Enden ist also gewesen und bleibet in alle Ewigkeit also. Aber im Reiche Luzifers des Verderbers hats eine andere Gestalt, wie ich oben von der Grimmigkeit geschrieben habe. Und in dieser Welt, welche jetzt auch halb angezündet ist, hats jetzo auch eine andere Gestalt, bis auf den Tag der Wiederbringung. Davon will ich bei der Schöpfung dieser Welt schreiben.
90. Nun in diesem herrlichen, lieblichen und himmlischen Salitter oder göttlichen Qualitäten ist das Königreich Luzifers auch geschaffen ohne einige größere Bewegung als der andern. Denn als Luzifer geschaffen war, so stund er da ganz vollkommen und war der schönste Fürst im Himmel, geschmückt und angetan mit der schönsten Klarheit des Sohnes Gottes.
91. So aber Luzifer in der Bewegung der Schöpfung wäre verdorben, wie er fürgibt, so hätte er seine Vollkommenheit, Schönheit und Klarheit niemals gehabt, sondern wäre alsbald ein grimmiger finsterer Teufel gewesen und nicht ein Cherub.
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