Der Sünden Quellader
116. Nun, wie nun Luzifer also königlich gebildet war, daß sein Geist in seiner Formierung oder Bildung in ihm aufstieg und von Gott gar schön und lieblich empfangen und in die Glorifizierung gesetzet war, da sollte er nun augenblicklich seinen englischen Gehorsam und Lauf anfangen und sollte in Gott wallen, wie Gott selber täte, als ein lieber Sohn in des Vaters Hause; und das tat er nicht.
117. Sondern als sein Licht in ihm geboren war im Herzen und seine Quellgeister urplötzlich mit dem hohen Lichte infizieret oder umfangen wurden, da wurden sie also hoch erfreuet, daß sie sich in ihrem Leibe wider Naturrecht erhoben; und fingen gleich eine höhere, stolzere, prächtigere Qualifizierung an als Gott selber.
118. Indem sich aber die Geister also erhuben und also heftig ineinander triumphierten und wider Naturrecht aufstiegen, so zündeten sich die Quellgeister zu hart an; als nämlich die herbe Qualität zog den Corpus zu hart zusammen, daß das süße Wasser vertrocknete.
119. Und der gewaltige und große helle Blitz, welcher im süßen Wasser in der Hitze war aufgegangen, davon die bittere Qualität im süßen Wasser entstehet. Der rieb sich schrecklich hart mit der herben Qualität, als wollt er sie zersprengen vor großer Freude.
120. Denn der Blitz war also helle, daß er den Quellgeistern gleichwie unerträglich war. Darum zitterte und rieb sich die bittere Qualität also hart an der herben, daß die Hitze wider Naturrecht angezündet war. Und die herbe vertrocknete auch das süße Wasser durch ihre harte Zusammenziehung.
121. Nun war aber der Hitze Qualität also streng und eiferig, daß sie der herben Qualität ihre Macht nahm, denn die Hitze entstehet im Quellbrunne des süßen Wassers.
122. Weil aber das süße Wasser durch die herbe Zusammenziehung vertrocknet war, so konnte die Hitze nunmehr zu keiner Lohe oder zu keinem Licht, denn das Licht entstehet in der Fettigkeit des Wassers, sondern sie glomm wie ein angezündet hitzig Eisen, das noch nicht recht glühend ist und ist noch gar dunkel; oder als wenn du einen sehr harten Stein ins Feuer würfest und ließest den gleich in der großen Hitze liegen, wie lange du wolltest, so würde er doch nicht glühend. Das machts, er hat zu wenig Wasser.
123. Also zündete nun die Hitze das vertrocknete Wasser an, und das Licht konnte sich nicht mehr erheben und anzünden, denn das Wasser war vertrocknet und ward von dem Feuer oder großen Hitze vollend verzehrst.
124. Nicht der Meinung, daß darum der Geist des Wassers sei aufgefressen worden, welcher in allen sieben Qualitäten wohnet, sondern seine Qualität oder Oberquelle ward verwandelt in eine dunkele, hitzig und saure Qualität.
125. Denn allhie an dem Orte hat die saure Qualität ihren ersten Ursprung und Anfang genommen, welche nun auch auf diese Welt geerbet ist, welche im Himmel in Gott auf solche Weise gar nicht ist und auch in keinem Engel. Denn sie ist und bedeut das Haus der Trübsal und Elendes, ein Vergessung des Guten.
126. Als nun dieses geschah, so rieben sich die Quellgeister ineinander nach Art und Weise, wie ich droben bei der Figur des siebenfachen Rades vermeidet habe. Denn sie pflegen also ineinander aufzusteigen und einander zu kosten oder sich miteinander zu infizieren, davon das Leben und die Liebe entstehet.
127. Nun aber war in allen Geistern nichts denn eitel hitzige, feurige, kalte und harte Verderbung. Also kostete ein böser Quell den andern, davon ward der ganze Corpus also gar grimmig, denn die Hitze war wider die Kälte und die Kälte wider die Hitze.
128. Weil denn nun das süße Wasser vertrocknet war, so fuhr die bittere Qualität, welche von dem ersten Blitze entstanden und geboren ward, als sich das Licht anzündete, in dem Corpus auf durch alle Geister, als wollte sie den Leib zerstören, wütete und tobete als die ärgeste Gift.
129. Und davon ist die erste Gift entstanden, darinnen wir armen Menschen nun in dieser Welt auch zu käuen haben und dadurch der bitter giftige Tod ins Fleisch kommen ist.
130. Nun in diesem Wüten und Reißen ward nun das Leben im Luzifer geboren, das ist sein liebes Söhnlein im Zirkel des Herzens. Was nun das für ein Leben oder liebes Söhnlein wird gewesen sein, gebe ich einer vernünftigen Seelen zu bedenken.
131. Denn wie der Vater war, so ward auch nun sein Sohn, als nämlich ein finster, herber, kalter, harter, bitter, hitziger, saurer, stinkichter Quellbrunn, und die Liebe stund in der bittern Qualität in ihrem Durchdringen und Schmecken. Die ward eine Feindschaft aller Quellgeister im Leibe des hochmütigen Königes.
132. Also stieg nun der Ton durch das Durchdringen der bittern Qualität durch die Hitze und vertrocknete Wasser und durch die herbe, harte Qualität in das Herze, in das liebe neue Söhnchen.
133. Allda ging der Geist nun aus. Wie er im Herzen geboren war, so ging er nun zum Munde aus. Was er aber für ein willkommener Gast wird vor Gott und in Gott gewesen sein und auch vor den hl. Engeln der andern Königreiche, das gebe ich dir zu bedenken. Er sollte nun mit dem Sohne Gottes inqualieren als ein Herze und ein Gott. Ach und ewig, wer will das genug schreiben oder reden!
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