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18. Kapitel – Von der Scböpfung des Lichtes in dieser Welt

Von der Scböpfung des Lichtes in dieser Welt

81. Allhier tue die Augen deines Fleisches ein wenig zu, denn sie sind dir allhie nichts nütze, dieweil sie blind und erstorben sind, und tue die Augen deines Geistes auf, so will ich dir die Schöpfung Gottes recht zeigen.

82. Merke: Als nun Gott den verderbten Salitter der Erden und Steine, welcher sich in der äußersten Geburt durch die Anzündung geboren hatte, zusammengetrieben hat auf einen Klumpen, so war darum die dritte Geburt in der Natur in der Tiefe über der Erden nicht rein und helle, sintemal der Zorn Gottes noch darinnen brennete.

83. Und obgleich die innerste Geburt licht und helle war, so konnte es doch die äußerste, welche im Zornfeuer stund, nicht begreifen, sondern sie war ganz finster.

84. Denn Moses schreibt: Und es war finster auf der Tiefe, Gen 1,2 f. Das Wort "Auf" bedeutet die äußerste Geburt, und das Wort "In" bedeutet die innerste Geburt.

85. So aber die innerste wäre finster gewesen, so hätte der Zorn Gottes ewig in dieser Welt geruhet und wäre ewiglich nicht lichte worden, aber also hat der Zorn das Herze Gottes nicht berühret.

86. Darum ist er ein süßer, freundlicher, gütiger, sanfter, reiner und barmherziger Gott nach seinem Herzen in der innersten Geburt in dem Loco dieser Welt blieben, und seine sanfte Liebe dringet aus seinem Herzen in die äußerste Geburt des Zorns und löschet denselben. Darum sprach er: Es werde licht!

87. Hie merke den Sinn in der höchsten Tiefe. Das Wort "Sprach" ist auf Menschenweise geredet. Ihr Philosophi tut die Augen auf, ich will euch in meiner Einfalt die Sprache Gottes lehren, als es dann sein muß.

88. Das Wort "Sprach" fasset sich zwischen den Zähnen, denn die beißen sich zusammen, und zischet der Geist durch die Zähne raus, und die Zunge beuget sich in der Mitten und vorne spitzet sie sich, als ob sie hörete, was da zischete, und sich fürchtete.

89. Wenn aber der Geist das Wort fasset, so machet er das Maul zu und fassets am hintern Gaumen über der Zungen in der Höhle in der bittern und herben Qualität.

90. Da erschrickt die Zunge und schmäuget sich in den untern Gaumen. Alsdann fähret der Geist aus dem Herzen und schleußt das Wort, welches sich am hinter Gaumen in der herben und bittern Qualität im Zorn fasset, und fähret durch die Grimmigkeit stark und mächtig als ein König oder Fürst hervor und schleußt das Maul auch auf, und herrschet mit starkem Geiste aus dem Herzen durch den ganzen Mund und außerhalb des Mundes, und macht eine mächtige lange Silbe als ein Geist, der den Zorn zerbrochen hat, gegen welchen sich der Zorn mit seinem Kirren in der herben und bittern Qualität im hintern Gaumen in der Höhle auf der Zungen spreuzet, und behält sein Recht für sich und bleibet an seinem Orte sitzen, und läßt den sanften Geist aus dem Herzen durch sich aus, und donnert mit seinem Kirren hernach, und hilft das Wort bilden und formen, und kann aber mit seinem Donner nicht von seinem Sede, sondern bleibet in seiner Höhle als ein Gefangener, und erzeiget sich schredchch.

91. Das ist gar ein groß Geheimnis. Hie merke den Sinn: Begreifest du das, so verstehest du die Gottheit recht; wo nicht, so bist du noch blind im Geiste. Richte nicht, oder du laufest allhie wider eine starke Porten und wirst gefangen, fängt dich das Zornfeuer, so bleibest du ewig drinnen.

92. Nun siehe, du Menschenkind, was dir der Geist für eine Porten des Himmels, der Höllen und der Erden dazu der ganzen Gottheit aufschleußt.

93. Du sollst nicht denken, daß Gott zu der Zeit auf Menschenweise geredet hat, daß es nur ein ohnmächtig Wort gleich einem Menschen gewesen sei. Des Menschen Wort fasset sich wohl auch in solcher Form, Proporz, Qualität und Geschicklichkeit, allein daß es der halbtote Mensch nicht verstehe; und ist dieser Verstand gar edel und teuer, denn er wird allein in Erkenntnis des Hl. Geistes geboren.

94. Gottes Wort aber, das er dazumal in Kraft geredet hat, das hat Himmel und Erden und aller Himmel Himmel, ja die ganze Gottheit umfasset.

95. Es fasset sich aber erstlich zwischen den zusammengebissenen Zähnen und zischet. Das bedeutet, daß der Hl. Geist ist im Anfange der Schöpfung durch die harte verschlossene Mauer der dritten und äußersten Geburt, welche im Zornfeuer in dieser Welt stehet, gefangen. Denn es stehet geschrieben: Und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser, Gen 1,2.

96. Die Tiefe bedeutet die innerste Geburt, und die Finsternis bedeutet die äußerste verderbte, in welcher der Zorn brannte; das Wasser bedeutet die Sänftigung des Geistes.

97. Daß aber der Geist durch die Zähne zischet, bedeutet, daß der Geist ist aus dem Herzen Gottes durch den Zorn gefahren. Daß aber die Zähne zubleiben, weil der Geist zischet, und sich nicht auftun, das bedeutet, daß der Zorn den Hl. Geist nicht hat begriffen.

98. Daß sich aber die Zunge im untern Gaumen schmäuget und vorne spitzet und läßt sich zu dem Zischen nicht gebrauchen, das bedeutet, daß die äußerste Geburt samt allen Kreaturen, die darinnen sind, den Hl. Geist, der aus der innersten Geburt aus dem Herzen Gottes ausgehet, nicht können begreifen, auch mit ihrer Macht nicht aufhalten und ihm wehren.

99. Denn er gehet durch alle verschlossenen Gemache und Geburten und darf keiner Aufschließung gleichwie ihn die Zähne nicht können halten, daß er nicht durch sie ausgehet.

100. Daß aber die Lippen offen stehen, wenn er durch die Zähne zischet, bedeutet, daß er mit seinem Ausgange aus dem Herzen Gottes in der Schöpfung dieser Welt hat die Himmelsporten wieder aufgeschlossen und ist durch die Porten des Zorns Gottes gegangen, und hat den Zorn Gottes feste verriegelt und zugelassen, und dem Teufel sein ewig angezündet Zornhaus feste zugeschlossen, daraus er ewig nicht kommen kann.

101. Weiter bedeuts, daß der Hl. Geist gleichwohl eine offene Porten in dem Zornhause dieser Welt habe, da er sein Werk treibe, der Höllenporten unbegreiflich, und da er ihm einen heiligen Samen sammle zu seinem ewigen Lobe, ohne Willen der festen höllischen Porten und derselben auch ganz unbegreiflich.

102. Gleichwie der Geist seinen Ausgang und gefaßten Willen durch die Zähne verrichtet und sich die Zähne doch nicht bewegen oder des Geistes Willen begreifen können, also bauet ihm der Hl. Geist, ohne Begreifung des Teufels und des Zorns Gottes, ohn Unterlaß einen heiligen Samen und Tempel in dem Hause dieser Welt.

103. Daß sich aber das ganze Wort "Sprach" im hintern Gaumen über der Zungen in der Höhle mitten in der herben und bittern Qualität fasset und kirret, das bedeutet, daß Gott den Locum dieser Welt beim Herzen in der Mitten gefasset hat und hat ihm wieder ein Haus zu seinem Lobe gebauet wider alles Grunzen und Murren des Teufels, darinnen er mit seinem Hl. Geiste herrschet.

104. Gleichwie der Geist vom Herzen durch das Murren und Kirren der herben und bittern Qualität stark und mächtig ausgehet und herrschet mit seinem Ausgange in der herben und bittern Qualität, der herben und bittern Qualität unbegreiflich, als ein mächtiger König, also auch herrschet der Geist Gottes in der äußersten Geburt dieser Welt, in dem Zornhause, mächtig und gebäret ihm einen Tempel darinnen, dem Zornhause unbegreiflich.

105. Daß aber der herbe und bittere Geist also murret, wenn der Geist vom Herzen durch sein Haus gehet und mit Gewalt herrschet, das bedeutet, daß der Zorn Gottes samt den Teufeln sei in dem Hause dieser Welt der Liebe entgegengesetzt, daß die beiden werden die ganze Zeit dieser Welt miteinander kämpfen und streiten wie zwei Kriegsheere, daher dann auch der menschliche und tierische Krieg und Streit aller Kreaturen seinen Ursprung hat.

106. Daß sich aber die herbe und bittere Qualität mit zum Wort fasset und miteinander konkordieren und doch gleichwohl nur der Geist des Herzens das Wort zum Munde ausspricht, bedeutet, daß alle Kreaturen, welche allein durchs Wort sind hervorgegangen, als da sind die Tiere, Vögel, Fische, Würmer, Kraut und Gras, dazu Bäume und Stauden, werden von dem ganzen Leibe böse und gut formieret werden, und daß in denen allen wird stehen die zornige und verderbete Qualität und auch die Liebe Gottes, und wird doch alles durch den Geist der Liebe getrieben werden, und werden sich die zwei miteinander reiben, quetschen und pressen.

107. Dadurch dann in mancher Kreatur wird das Zornfeuer also hart entzündet werden, daß der Leib mit samt dem Geiste wird einen ewigen Zornsalitter in der Höllen geben.

108. Denn der Geist, der im Herzen geboren wird, der muß mitten durch der Höllen Porten in seinem Leibe wandeln, und kann gar leicht entzündet werden; es ist wie Holz und Feuer, geußt du nicht drein, so brennets.

109. 0 Mensch, du warest nicht mit den Tieren durchs Wort geschaffen von Böse und Gut. Hättest du nur nicht von Böse und Gut gessen, so wäre in dir nicht das Zornfeuer, aber so hast du auch einen tierischen Leib kriegt; nun erbarme es die Liebe Gottes, es ist geschehen.

110. Daß sich aber nach Zusammenfassung des Worts in der herben und bittern Qualität im hinter Gaumen über der Zunge das Maul weit auftut und fähret der zusammengefaßte Geist miteinander zum Munde aus, der da ist aus dem Herzen und auch aus der herben und bittern Qualität geboren, bedeutet, daß die Kreaturen werden in großer Angst und Widerwärtigkeit leben und sich nicht werden können durch einen Leib gebären, sondern durch zweene.

111. Denn die herbe und bittere Qualität nimmt dem Geist aus dem Herzen die Kraft und infizieret sich mit demselben. Darum ist die Natur nun zu schwach worden im Geiste des Herzens und vermag die eigene innerste Geburt des Herzens nicht zu entheben, und hat derowegen die Natur ein Weiblein und Männlein geschaffen.

112. Auch so bedeutet es den bösen und guten Willen in der ganzen Natur, sowohl in allen Kreaturen, daß nun werde ein stetiges Ringen, Kämpfen und Würgen sein, davon diese Welt recht ein Jammertal voller Kreuz, Verfolgung, Mühe und Arbeit heißt. Denn als der Geist der Schöpfung ist ins Mittel getreten, da hat er mitten in der Höllen Reiche müssen die Schöpfung formieren.

113. Weil dann nun die äußerste Geburt in der Natur zweifach ist, das ist: böse und gut, so ist ein stetiges Martern, Quetschen, Jammern und Heulen, und miissen sich alle Kreaturen in diesem Leben wohl martern lassen, und heißt diese böse Welt billig eine Mordgrube des Teufels.

114. Daß aber der herbe und bittere Geist im hintern Gaumen auf der Zungen bleibet in seinem Sede sitzen, und bellet durchs Wort mit dem Munde raus, und kann doch nicht von dannen, bedeutet, daß der Teufel und der Zorn Gottes werde wohl in allen Kreaturen herrschen, werde aber nicht vollen Gewalt in ihnen haben, sondern werde in seiner Gefängnis müssen bleiben und werde in alle Kreaturen bellen und dieselben plagen, aber nicht überwältigen. Sie wollen dann selber gerne aus eignem Willen in seinem Loco bleiben.

115. Gleichwie der sanfte Geist des Herzens durch die herbe und bittere Qualität fähret und überwindet dieselbe, und ob er gleich mit dem herben und bittern Geiste infizieret wird, noch dennoch reißt er durch als ein Überwinder; so er aber wollte freiwillig in der Hölle im herben und bittern Geiste bleiben sitzen und sich lassen fangen und nicht kämpfen, so wäre die Schuld seine.

116. Also auch ists mit den Kreaturen, die da nur wollen stets im höllischen Feuer säen und ernten, sonderlich der Mensch, welcher in stetiger Begierde der Hoffart, Geizes, Neides und Zornes lebet und will keinmal wider dasselbe mit dem Liebegeist und Feuer kämpfen und streiten, der zeucht ihm den Zorn Gottes und das brennende höllische Feuer selber über Leib und Seele.

117. Daß sich aber die Zunge also hart in den untern Gaumen schmäuget, wenn das Wort ausfähret, bedeutet den animalischen Geist der Kreaturen, sonderlich des Menschen. Das Wort, welches sich im obern Gaumen fasset, welches mit dem herben und bittern Geiste inqualieret, bedeutet die sieben Geister der Natur oder die siderische Geburt, in welcher der Teufel herrscht und der Hl. Geist sich ihm darinnen entgegensetzet und den Teufel überwindet.

118. Die Zunge aber bedeutet die Seele, die wird von den sieben Geistern der Natur geboren und ist ihr Sohn; wenn nun die sieben Geister wollen, so muß sich die Zunge nach ihrem Gefallen bewegen und muß ihre Sachen fördern.

119. Wenn nun die siderischen Geister nur nicht falsch werden und buhlen mit dem Teufel, so verstecken sie den animalischen Geist und halten ihn selbst in ihren Banden gefangen als einen Schatz, wenn sie mit dem Teufel fechten, gleichwie sie die Zungen verstecken, wenn sie mit der herben und bittern Qualität ringen als ihr bestes Kleinod.

120. Also hast du eine kurze und doch wahrhaftige Anleitung des Worts, das Gott gesprochen hat, in Erkenntnis des Geistes recht beschrieben nach meinen Gaben und überantwortetem Pfunde recht mitgeteilet.

121. Nun fragt sichs: Was hat denn Gott gesprochen? Er sprach: Es werde Licht, und es ward Licht, Gen 1,3.

122. Die Tiefe: Das Licht ist aus der innersten Geburt gegangen und hat die äußerste wieder angezündet.

123. Merke: Es hat der äußersten wieder ein eigentümlich Licht gegeben. Nicht sollst du denken, daß das Licht der Sonnen und der Natur sei das Herze Gottes, welches im Verborgenen leuchtet. Nein, du sollst das Licht der Natur nicht anbeten. Es ist nicht das Herz Gottes, sondern es ist ein angezündet Licht in der Natur, welches Kraft und Herze stehet in der Fettigkeit des süßen Wassers, und der andern Geister alle in der dritten Geburt, die man nicht Gott heißt, ob sie gleich in Gott und aus Gott geboren ist, so ist es doch nur sein Handwerksgezeug, welches die klare Gottheit in die Geburt zurücke nicht wider ergreifen kann, gleich wie das Fleisch nicht kann die Seele begreifen.

124. Aber nicht also zu verstehen, daß darum die Gottheit von der Natur abgetrennet sei; nein, sondern es ist wie Leib und Seele. Die Natur ist der Leib, das Herze Gottes ist die Seele.

125. Nun möchte einer fragen: Was ists denn für ein Licht gewesen, das da ist angezündet worden? Ist es die Sonne und Sterne gewesen? Nein, die Sonne und Sternen sind erst den vierten Tag aus demselben Lichte geschaffen worden. Es ist ein Licht in den sieben Geistern der Natur aufgangen, das hat keinen eigenen Sitz oder Ort gehabt, sondern hat überall geschienen, aber nicht helle gleich der Sonnen, sondern gleich im Himmelblau und Lichte nach der Quellgeister Art, bis hernach ist die rechte Schöpfung und Anzündung des Feuers im Wasser in dem herben Geiste mit der Sonnen erfolget.

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