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10. Das heilige Grübchenspiel

Liebe Freunde!

‚Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben!‘ (Jes. 9, 5)

Es weihnachtet! In dieser gnadenvollen Zeit soll man den ‚großen Menschen‘ abstreifen, soll wie ein Kind entgegennehmen, was Gottes Liebe uns beschert. Vielleicht kennen alle noch den Kindervers:

‚Von draußen, vom Walde komm‘ ich her,

ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr;

all überall auf den Tannenspitzen

sah ich goldene Lichtlein blitzen.

Und droben, an dem Himmelstor,

sah mit goldenen Augen das Christkind hervor.‘

Von diesem Christkind will Gott heute zu uns sprechen über Dinge, die trotz Kindhaftem nur mit hellen Sinnen aufzunehmen sind. Doch wir versenken unsre Herzen in den väterlichen Liebestrom, und aus ihm empfangen wir die Gaben der Barmherzigkeit.

In der ‚Jugend Jesu‘ (J. Lorber) liegt als Weisheit tiefem Quell das Grübchenspiel. Es verlangt Verständnis aus der Bilderschau, daß wir das Spiel des Jesukindes auch mit spielen lernen.

Gott, der allmächtige Schöpfer, hat in großer Güte Sein JESU-Leben und vieles von der ganzen Schöpfung offenbart. Eines der schönsten bereits genannten Werke ist die Jugend Jesu, ein Buch für große und für kleine Leute, ja sogar für jedermann. Darin wird die Geburt des Heilandes enthüllt, und alles, was dabei geschah.

Die Flucht der Heiligen Familie erfolgt unter besonderer Betreuung des Hauptmannes Cornelius, der sie zum Statthalter Cyrenius leitet. Dieser läßt sich davon überzeugen, daß im kleinen Jesukind mehr zu Hause ist als in allen Göttern Roms, die ihm ohnehin nicht mehr als ein brauchbares Mittel sind, mit dem das Volk zu führen ist.

Cyrenius sichert die Familie in Ägypten vor den Nachstellungen des Herodes. Er kauft nahe bei Ostracine ein kleines Gut, das er dem, Vater Josef und dessen fünf Söhnen zur Betreuung und Nutznießung überläßt. So oft seine vielen Regierungsgeschäfte es erlauben, eilt der Statthalter als bekannter Kinderfreund zu seinem vielgeliebten Jesus nach Ostracine.

Bei einem Besuch geben Cyrenius und der kleine Jesus gegenseitig ihre unverbrüchliche Liebe kund, wobei der Römer sagt: „Wenn ich nur DICH habe!‘ Gleich darauf stirbt sein Weib Tullia, und Cyrenius trauert sehr. Da betrübt sich das Göttliche im Kind und klagt die wetterwendischen Menschen an. Das kann Cyrenius nicht ertragen; er überwindet sich und erkennt im Tode seines Weibes Gottes Gnade. Dafür segnet Jesus ihn und erweckt später Tullia vom Tod.

Aber ‘vor der Auferweckung fordert Jesus Cyrenius auf‘, zuerst am Mittagmahle teilzunehmen, was dieser auch befolgt, während seine Hofgesellschaft ob der Leiche hungrig bleibt. Nach dem Mahle soll der Statthalter mit dessen acht Kindern, die Josef in der Erziehung hat, und mit Jesus spielen.

Zuerst wird ein Wettlauf gemacht, zweihundert Schritte weit zu einem Baum. Darin liegt eine herrliche Entsprechung und ist absolut kein nur zeitvertreibendes Spiel. Gute Eltern werden, besonders zum Weihnachtsfest, ihren Kindern Sachen schenken, die Freude bereiten und zugleich nützlich und anlernend sind. So auch hier.

Der Baum, vom Hause weit entfernt, bedeutet die Materie, in die manche Kinder Gottes nur zu gerne springen. Im verborgenen Sinne ist‘s der Weg der einstigen Sadhana vom Haus des Vaters fort in die Tiefe ihres Falles. Die ‚2‘ der Schritte entsprechen den zwei Schöpfungsfundamenten, die je in ihrer Art, aber auch gemeinsam, ein einheitlich höchst erhabenes Ganzes bilden, im Symbol der ‚100‘. Das Kind fordert selbst zum Wettlauf nach dem Baume auf.

Der Baum hat seinen fernen Platz; er ist Sinnbild der Entfernung. Weil er aber so den Fall bedeutet, war es nun das beste, daß alle Kinder dorthin gingen, um zu lernen, wie gut sie es im Vaterhaus hatten und wie liebeleer die Fremde ist. Von dort allein ist auch der Rückweg für die armen Hingefallenen ermöglicht worden. Freilich kommt es darauf an, wie der Lauf geschieht.

Gott ist stets der ERSTE; und so wundert sich Cyrenius nicht, daß der kleinste Läufer, in dem er GOTT erkennt, zuerst am Baume ist; ER, der erste Retter! Doch beim Start zum Rücklauf bückt sich der Quirin, hebt das Kind an seine Brust und wird mit IHM der Erste! Ein herrliches Symbol! Der Lauf zum Baum, hin zur Welt, bringt niemand den Gewinn. Cyrenius verkörpert jene Lichtkinder oder Menschen, die in der Fremde das ‚Himmlische Heimweh‘ erfaßt und alsbald — klug geworden — ‚mit dem Herrn‘ zurück zum Vaterhause eilen.

Um die Symbolik dieses Spieles und der Mitspieler wahrzunehmen, sehen wir uns die Personen näher an. JESUS, unseren Spielleiter, kennen wir, ebenso Cyrenius, den Kinderfreund. Die vielen, gerade anwesenden Leute, Josef mit seiner Familie und des Römers großer Hofstaat, befassen sich nur mit der Leiche, beziehungsweise mit der mittlerweile auferweckten Tullia, also mit der Welt Bloß Cyrenius sowie dessen acht Ziehkinder sind am Spiel beteiligt.

Von den acht Kindern erweist sich das älteste, ein Mädchen, als ein sehr weltliches, eigensinniges Ding, das fortgesetzt mit dem Jesusknaben streitet. Wer wollte darin nicht das Bild für Sadhana erkennen, die am sechsten Schöpfungstage — in die Entwicklungszeit gekommen — sich als erstes Kind erhebt und trotz der Mahnungen und Liebe mit Gott, dem Schöpfer, rechtet?

Das Mädchen wird durch Schreckmittel entfernt und spielt zeitweilig nicht mehr mit. Im Sinnbild: Sadhana wird aus dem Himmelsraum in die Materie versetzt. Und wie sonderbar: Beim dritten Schub des Spieles, es folgen insgesamt vier Schub, kommt das Mädchen weinend zurück und bittet, wieder mitspielen zu dürfen.

Jesus gewährt es gern. Es ist auch nicht von ungefähr, daß das Mädchen beim dritten Schub ins Ministergrübchen, also zu gewisser Herrschaft kommt. Die sieben andern Kinder ordnen sich der Leitung unter, die in JESU festen Händchen ruht. Sie stellen die sieben Engelsfürsten dar, die vom ersten Schöpfungstag der Tat stets treu geblieben sind. Das Spiel, richtiger der Zank, weswegen vier Schube getan werden, hängt mit de Entwicklung der Materie zusammen.

Sixtus, nach dem Mädchen das älteste der Kinder, symbolisiert den ersten Engelsfürst der Ordnung, Uraniel. Er wird auch beauftragt, die Grübchen herzustellen, in denen sich die Spielregeln abwickeln. Er macht zehn kleine Erdgruben, den zehn Geboten entsprechend. Somit steht alles auf dem guten Ordnungsgrund.

Von den zehn Grübchen, die auch die zehn Weltstände darstellen, hebt das Jesuskind nur vier hervor. Das Grübchen des Landmannes! Wir befinden uns in der ersten Woche des Tat-UR-Jahres, einer Schöpfungszeit, in der das tätige Element ausschlaggebend ist. In dem von GOTT eingesetzten Tätigkeitsjahr offenbaren sich drei weitere Grübchen, von denen zwei die eigentliche Bestimmung haben, das dritte die Verbindung zwischen beiden darstellt. Der Reihe nach genannt sind sie das Vater-, Mutter- und Kindergrübchen.

Die vier Grübchen und die vier Schub offenbaren UR in Seiner hochheiligen Vier-Wesenheit. Erkannt soll werden, daß das Vatergrübchen hinter jenem des Landmannes genannt wird, demnach Ur als Schöpfer Sich in Seiner TAT zuerst enthüllt, wobei die Wesenheiten Priester und Gott zum Vater führen. Trotzdem stellt Er Sich als VATER schon vor Erschaffung von Geist-Lebewesen dar (s. Jesaja Kap. 9, 5-6).

Das Muttergrübchen ergibt die Verbindung zum Kindergrübchen, wie Sadhana als erster Geist das mütterliche Prinzip der Liebe manifestieren sollte und durch sie die Verbindung zwischen Schöpfer und Geschöpf gegeben war. Nicht umsonst wurde sie einst als noch rein und gut seiend ‚der ganzen Schöpfung Kind‘ genannt.

„Und du Mein liebes Kindergrübchen“, sagte Jesus, „bleibe wie du bist; ein steter Lehrer der Weisen, zur Weisheit in Gott!“ Welch ein hehres Wort! Das Tat-Jahr schaffender Kräfte war für die Kinder zubereitet worden, darin UR in allen Seinen Grundtiefen Ewig-Vater war, dem Heiligsten Seines Herzens!

Beim Anfang wird befohlen: „Es darf nicht gelacht werden; wer lacht, kommt in Strafe!“ O ja, das heilige Lebensspiel, bei dem aus Geschöpfen Kinder werden, erfordert höchsten Ernst und, intensivste Arbeit, verlangt Anerkenntnis der UR-Heiligkeit. Denn auch das fordert Jesus: „Wer eine GNADE will, muß kniend zu Mir kommen!“

Mancher weiß mit der Heiligkeit nichts anzufangen; er behauptet, Gott wolle nicht angebetet sein, wir brauchten nur die Liebe. Diese Gläubigen, gleichgültig welcher Religion sie dienen, kennen Gottes LIEBE nicht! Nichts ist heiliger als sie, die ihre Inkarnation im Opfersohn besaß! Wer will Golgatha nicht heilig nennen — ?!

O Grübchenspiel, in welche Tiefe führst du uns hinein! In das UR-Herz mit den vier Kammern! Darum werden vier Schub getan, die den Schöpfungsablauf lehren. Beim ersten Schub wird Jesus KÖNIG! Als solcher regiert Er in Seiner Schöpferherrlichkeit und Allmacht. Das gleicht der Zeit der ersten Lebensprobe, wo jeder zum König kommen muß, auch das erste Mädchen, um sich eine Gnade zu erbitten.

Im Spiele ist‘s die kindliche Scheu, weil sie im Muttergrübchen die natürliche Gewalt über die Kindergrübchen besitzt, in das — o Wunder — Cyrenius ‚schob. Beim Wettlauf war er ja zum Kind geworden, weil er zurück zum Hause JESUS auf den Arm genommen hatte. Er wollte keinen Lauf mehr ohne Jesus tun. So wurde er das ‚echte Kind‘ von Anfang an.

Der König will aber alle Beteiligten zu ihrem Lebensrecht gelangen lassen. Also schickt Er das Mädchen, das keine Mutter sein mag, wie Sadhana nicht nur das Schöpfungskind — und wir werden sehen, wie sich das entpuppt —‚ zu den Priestern, weil alles ursächlich nur geistig verwaltet wurde. Erst mit dem Schöpfungsfall tritt das Geistige zurück und liegt beim zweiten Schub allein beim König.

Denn die Priester lachen, was verboten war. Sie nehmen ihre Aufgabe nicht ernst, so daß der König die Kugeln zum zweiten Schub verteilt. Wieder wird Er König und überstrahlt das nun unbesetzte Priestergrübchen. UR enthüllt Sich nebst dem Schöpfer als Priester, und Seine Heiligkeit tritt offen in den Vordergrund.

Das symbolisiert den Fall, deutlich gemacht, da das Mädchen gegen den König und die Ordnungsgrundregeln rebelliert. Um die Schöpfung hier das Spiel — im GUTEN zu erhalten, verjagt Jesus die Törichte durch Mäuse, durch einen Erziehungsakt. Doch die sieben Fürsten, hier einheitlich von Cyrenius dargestellt, sind unendlich gewachsen. Er wird Minister. So will UR einem Kind, das sich des Schöpfers Willen beugt, einen Teil der Mitregentschaft übergeben.

Durch das Mädchen ist auch der zweite Schub gestört. Für die Welt ist der erste Schub die Zeit von Adam bis zu Mose. Mit diesem beginnt der zweite Schub: Der Ordnungsträger bringt die Zehn Gebote. Zehn Grübchen hat das Spiel. Doch die Verbindung fehlt, die im Muttergrübchen lag zufolge heiliger Bedingung. Darum kann auch diese zweite Folge, wenigstens nicht für die Materie, die Erwartung nicht erfüllen. Und der König ruft zum dritten Schube auf.

UR offenbart sich nun als GOTT in Geduld und Liebe, dadurch gekennzeichnet, daß Er zum dritten Schube ruft; ferner, daß Er das böse Mädchen zum Mitspiel auffordert. Er schiebt Sein Küglein ins Kindergrübchen. Die Zeit ist also da, wo Gott der Menschensohn der Erde wird. Das Mädchen aber wird Minister und Cyrenius läßt Er ins Königsgrübchen schieben. Das bedeutet:

In dieser Zeit darf ein Kind in ‚URs Heiligtum‘ sichtbar an die ‚erste Stelle Gottes treten; und das ist Rafael, Lichtfürst der Liebe. Er waltet jetzt des hohen Amtes. Nun ist auch verständlich, daß gerade Rafael so oft als Engel sichtbar bei dem Herrn auf Erden weilte. Er tut nichts ohne seinen heiligen UR; und es ist Sinnbild, daß Cyrenius das Jesuskind bittet, auch den vierten Schub Selbst zu leiten. — Aber erst, was zwischendurch geschieht.

Das Mädchen als Minister ist während der Erdenzeit des Herrn an ihre äußerste Machtgrenze gelangt. Sadhana-Luzifer hat Gewalt über den Menschensohn; und wohin auch das ‚Kind‘ läuft, erhört es doch kein Stand, bis es zum König, wieder in den hohen Himmel geht und dabei zum vierten und ewig letzten Schub aufruft! Da wird auch das störrische Mädchen geheilt; denn es schiebt mit allen Kindern samt Cyrenius ins Kindergrübchen und JESUS ins Königsgrübchen! Und nun kommt das Herrlichste der Offenbarung aus dem Spiel:

Die Kugel als ‚Macht Seiner Herrschaft‘ wird pures Gold. Jesus nimmt sie und legt sie ins Vatergrübchen. So offenbart Sich UR, die Gottheit, nacheinander als Schöpfer, Priester, und Vater, wie es die Entwicklung des Tat-UR-Jahres, das Werk des Tätigseins, begehrt. Die Grundordnung ist wieder hergestellt! Denn schon vor dem Fall, beim ersten Schub, gab es den Vater und die Kinder!

Das Spiel-Ende entfällt in den Abend des sechsten Tages, an dem als Dominant die Liebe herrscht. Da zeigt sich auch das Gegenüber: Werkmeister und Werk in den vier Spielteilen als Schöpfer-Geschöpf, Priester-Geist, Gott-Seele, Vater-Kind! So geht das Schöpfungswerk die Pyramidenstufen hoch, bis aus URs Aufbau, Richtung und Lauf das hehre Ziel errungen ist: die Kind-Vollendung, die sich darin offenbart, daß alle Geschöpfe URs Kinder geworden sind, zumal alle armen Abgeirrten, wie im Spiel das erste Mädchen.

Es wären noch viel göttliche Geheimnisse des Lebens aus dem Spiel zu lernen; doch die Hauptsache bleibt, daß man sich nicht bloß an dieser schönen Kindergeschichte erfreut, sondern wie Cyrenius den Heiland auf die Arme nimmt, eben in unser Tun und Lassen, in unser Denken und Erleben einbezieht und allein mit IHM den Rücklauf vom Baum zum Hause tut, aus der armen Welt zum Vaterhause flieht.

Tun wir das, so gehören wir mit zu den Ersten und erreichen auch beim vierfachen Lebensschub die Reihenfolge des Cyrenius, nämlich: Unter URs Schöpfermacht bleiben wir das kindgewordene Geschöpf. Dafür dürfen wir, wenn der heilige Priester offenbar regiert, ihm zur Seite stehen als Minister (s. Ministrant), als ein eingesetzter Mitarbeiter, als „Gottes guter Knecht und treue Magd“.

Und werden wir aus Liebe zu Gott des Vaters Kind, dann können wir ein König und ein Priester sein (1. Pet. 2, 9), nämlich uns beherrschen und nach Gottes Lebensgrundgesetzen handeln.

Auf diese Weise werden wir beim vierten und ewig letzten heiligen Lebensschub das vollwahre Kind des Ewig-Heiligen UR-Imanuel! Und dann finden unsere Seligkeit und Freude nie ein Ende.

Wohlan, beherzigt es. Laßt uns das Spiel von nun an täglich spielen, mit allem Ernst und großem Fleiß; dann werden sich die wunderbaren Licht- und Lebensstrahlen über uns ergießen und ewig werden wir in Raum und Zeit des UR-Vaters liebe Kinder sein.

HERR JESU!

Dir sagen wir unseres Herzens Bitte:

Sei und bleib‘ D U in unserer Mitte;

laß uns Dein heiliges Spiel erkennen

und Dich den lieben UR-Vater nennen;

bis einst auch wir Deinen Engeln gleich

Dich loben und preisen im Himmelreich!

HERR JESU

Amen

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