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Kap 21 – Eine Rede, die auf alle Menschen paßt

Eine Rede, die auf alle Menschen paßt

21. Kapitel

Von allen Seiten strömen Leute her: alt, jung, zu Fuß, auf Karren oder Eseln. Wer hat posaunt, ein heiliger Prophet will reden? Jerusalem, Mizpa, Ai, Anathoth, Nob und Rama sind vertreten.

Jarath ließ auf dem Hügel Sonnendächer richten, dazu Brot und Getränke stapeln. Beeroth läßt es sich nicht nehmen, Abelu und die Jerusalemer hinzufahren. Isa-i ist vorausgewandert, ein Schwarm ihm nach. Er stößt auf Reiter, die die Hauptstraße herangeritten kommen. Als er sie erkennt, sagt er leise: „Herr, die Besten führst Du her und hast doch geboten, statt der Liebe ein Gericht zu künden.“

Er hört die Stimme: „Kann Mein Gericht nicht auch von Meiner Liebe zeugen?“ „Ja, Herr; nur bedenke, es ist meine erste Rede vor dem Volk.“ „Deine Rede, aber Meine Worte, die du sagen sollst!“ Indessen sind die Reiter nahe und springen ab. Abjathar, Obed-Edom, Isboseth, Abbuda, Rochaleth, Barthomas, Nathan, sogar Chenos, Assuram vom Batrah-Hof und der Zöllner-Oberste namens Telem.

„Wir sind scharf geritten“, sagt Abjathar, „uns täte eine Pause gut.“ „Kommt sowieso.“ Isa-i zeigt rückwärts, wo noch von allen Seiten Leute laufen. „Wer brachte euch die Kunde?“ Er führt des Chenos Pferd. „Ein Bursch kam wie ein Dauerläufer bei mir an“, berichtet Isboseth. „Er nannte sich Adonia.“ „Ach!“ Isa-i erzählt kurz vom vergangenen Tag. „Fein, daß du mich bedachtest; gern helfe ich mit aus“, sagt Abbuda. „Ich auch, ich auch“, rufen die Jerusalemer. „Om-Sabra weiß Bescheid, wo es noch fehlt“, rät Isa-i.

Man bringt Roß und Reiter unter windgeschützte Plachen. Trotz vieler Hunderte stellt sich dank der Volksratmänner rasch die Ruhe ein. Barthomas lehnt am Gemäuer, verstohlen streicht er drüberhin. „Ich lachte damals, als Yps meinte, jemand hätte uns geholfen. Er hatte recht.“ Die größte Hitze ist vorbei, ein sanftes Blau leuchtet nieder. Isa-i besteigt einen Rasenkamm, sein Auge gleitet über alle hin. „Sikhas Augen oder — Gottes Licht“, murmelt Abelu. Und also predigt der Prophet:

„Mein Volk, Tochter Zion, ein Licht auf dieser Welt! Vor zwölf hundert Jahren schloß der Allmächtige einen Bund mit Abraham. Eine lange Zeit! Was wißt ihr noch von jenem Bund, vom Gnaden heil, auf einen Mann gelegt, aus dessen Geist und Lenden Scharen zum Symbol des Lichts und zur Erlösung der Gestürzten kamen?

Einst hatten Gottes erste Kinder als ein Opfer Blütenzweige dargebracht (s. Urwerk, 3. Schöpfungstag). Doch das Reis der Tochter wurde dürr, als sie aus dem Himmel fiel. Und genauso wendete sich Israel vom Herrn und bedachte nicht, daß in gewollter Gottesferne GOTT SELBER ferne bleibt. Aber wo Gott ferne ist, wie kann da Seine Gnade oder Liebe wirken, wie auch die Hand, die das All erhält und trägt? Wohl kommt die Stunde, wo der dürre Zweig ergrünt und rankt sich hoch am Stabe der Gerechtigkeit, dessen Spitze Milde, dessen Griff Erbarmung heißt.

Dann ist die erste Tochter wieder lieb und wert, wie die Welt, auf der wir unsre Wege wandeln. Erhält sich Gottes Volk den Zweig, so werden seine Blüten wieder schön. Denn dann hat Gottes Opfer alle Töchter reingewaschen und die Schuld der Söhne abgetan. Danach ist das Licht-All wieder zubereitet für die Schar, die sich auf Gottes Berg (s. Urwerk: Berg Mahapatra) versammeln wird.

Da ist keine Hitze, keine Nacht, Schauer oder Schnee: Der harte Seelenkampf im armen Welten-All, wo das verlorene Kind die Treber ißt (Luk. 15, 16). Und Gott öffnet Seine Hütte, wie zu Mose‘s guter Zeit. Die erste Hütte (Lichttempel) kannte keinen Vorhang; nur ‚ein Raum als Obhut‘ war geschaffen worden. Das ist die Ewigkeit!

Ich weiß wohl, wie ihr es schwer versteht. Wer aber seinen Blick nach Oben richtet, dem fällt das Licht von Oben zu! Der Vater Selber wird die Tochter Zions retten. Was himmlisch war, spiegelt sich auf Erden wider. In diesem Spiegel siehe dein Gesicht, Israel, da dich Gott als einen Segen Abrahams erkor. Ich muß dir sagen, wie die Erwählung heißt und was sie ist.

Keine Wahl kann irdisch-weltlich sein, sonst brächte die Materie Lasten, denen niemand widersteht. Was geschähe denn mit euch, wenn ihr weltlich die erwählte Tochter wäret? Seht an Salomo den bitteren Fall. Sein Herz kam rein zur Erde nieder, mit vielen Gaben aus dem Licht. Als er aber seines Thrones Glanz als Schatten auf die Erde warf, da ward seine Seele stumm, und der Geist ward lahm. Er hielt seine Wahl mit zehn Fingern fest, und hatte keinen frei, sich am Lichte festzuhalten.

Doch der Goldrausch dieser Welt war für Salomo sehr kurz; kein Strahl hob ihn vom Staube auf, zu dem er sich erniedrigt hatte. Erst vor seinem Tod vertauschte er sein goldenes Bett mit einer armen Schütte Stroh.

Gab Gott euch SEINEN NAMEN (2. Chron. 7, 14), so fragt was ‚Israel‘ bedeutet. Jakob blieb ein Jakob; dennoch hielt er JENEN fest, Der ihn aus dem Himmelsnamen JESURUN gesegnet hatte (1. Mo. 32, 27; 5. Mo. 33, 26; s. S. 121). So nennt sich der Allmächtige, wenn Er Sich zum Kleinsten niederbeugt. Aus dem Namen, den Er sich bewahrt für eine Zeit, wann die Gnade das Verirrte wieder in die Heimat trägt, strömt jenes ATMA, von dem Er jedem Kind verlieh. Aus diesem Namens-ATMA kam das ‚Volk des Lichts‘ als Gottes Ebenbild!

Wie reinigt man das Ungetreue? Säubert man beschmutzte Füße denn im Schlamm? O nein! Soll die Materie gewaschen werden, so muß das Licht die Finsternis durchziehn. Auch du, Volk Israel, sollst Teil von diesem Lichte sein: alle Großen, die sich GOTT vermählen, alle Kleinen, die IHM dienstbar sind. Diese kann man zählen; jene Dunklen aber nicht, die den Abfall untermauern.

Dreihundert Jahre (Z. 4) habt ihr Zeit, um ein Anteil jenes ‚Israel vom Licht‘ zu werden, dem alle guten Menschen angehören. Verliert ihr Gottes Offenbarung (400 v. Chr.), geht ihr in siebenhundert Jahren unter. Erst zuletzt sind alle Menschen wieder einzuschließen in das Lichtvolk Gottes, das nicht von dieser Erde ist. (OJ. 5, 11).

Wer weltlich denkt, verliert den Himmel; wer diesen wählt, dem ist der Erdenweg die ‚Arbeitsstunde auf dem Gottesacker‘. Es ist jedes Menschen Sache, den Geist über die Materie zu heben, bis die Lichter wieder in das UR-Licht kommen und man nicht das Ziel verliert. Denn jedes Ende lag bereits im Anfang, den der Höchste in Sich trug, aus dem Er dann am Anfang für die Kinder Seine Tage zu den Jahren Seiner Herrlichkeit erschuf. (Joh. 1, 1; 1. Mo. 1, 1)

JESURUN hat Sein Israel als Samenkorn in die Materie gesenkt, dran gute oder böse Trauben reifen können. Es wäre Gottes Lob, so ihr süße Beeren seid! Doch da sieht es wüste aus; all zu viele verletzen das Gesetz des Herrn. Beinah muß man auf zehn Leute einen Richter setzen, während man die Guten mit Laternen suchen muß. Aber brüsten, GOTT hätte euch erwählt, — das könnt ihr auf allen Gassen singen!

Niemand ist vom Blutstamm her erwählt. Nur wer den Höchsten liebt und Sein Gesetz beachtet, fällt in Gottes Wahl hinein. Wohlan, ihr Bürger Israels, erhebt die Herzen zu dem Herrn; und Er kommt gnädig wieder wie zu Mose‘s Offenbarungszeit. Und wird Er kommen, dann sind Sein Kleid die Liebe, der Mantel Seine Gnade, die Schuhe Seine Güte, und Sein Hut ist die Barmherzigkeit!

Heute öffnet sich das Tor, wenngleich die Wächter an den Säulen stehn. Der Bittende erhält; wer sucht, wird finden; wer an die Türe klopft, dem läßt Gott sagen: ‚Kommet alle her, die ihr mühselig und beladen seid (Matt. 7, 7; 11, 28), ICH öffne euch! Die Mühseligen haben ihre eigene Last, die Beladenen sind Meine Helfer! Aber auch der Mühselige kann tragen helfen, und der Beladene kann Mir in Treue seine Mühsal bringen. Doch Mühsal und Beladenheit gleiche Ich, der Herr des Himmels- und der Welten-Schöpfung, aus!

Wer Mir vertraut, der hat gewonnen! Den Gewinn verwahre Ich, damit er nicht im Abgrund einer argen Welt verschleudert wird. Baut euern Pfad auf Meine Bahn, und eure Kammer in Mein Haus. ICH sage euch: Selig ist, wer zum Volke Meines Eigentums gehört! Laßt Israel nicht irdisch sein; laßt es werden, was es ewig ist, ehe diese Erde eine Welt geworden war.

Ihr gehöret dann zum priesterlichen Volk wie jene, die einst treu geblieben sind. Und ob ihr höret oder schaut: Ich bin bei euch alle Tage, die die Welt nicht zählen kann! — Nun haltet Meine Worte, klammert euch an Meinem Stabe fest.

Merkt es euch: Der Stab der Liebe und Gerechtigkeit bin ICH, euer GOTT von Ewigkeit zu Ewigkeit!«

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