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Kap 5 – Eine gerechte Anbetung. Das gnadenvollste der Heiligkeit

Eine gerechte Anbetung. Das gnadenvollste der Heiligkeit

In tiefer Ehrfurcht sich neigend, im Herzen den Brand der Liebe, tritt Gabriel vor Gottes Angesicht.

„Allheiliger, gerechter Schöpfer, Priester, Gott und Vater! Dein heiliges Wort durchglühte unsers Herzens Tiefe und hat den Widerhall hervorgerufen, dem nicht einmal Du Selber widerstehen kannst. Doch in Ehrfurcht steht das Bewußtsein, daß wir, aus Dir geboren, von Deiner urheiligen Liebe ewig unsere Nahrung habend, Dich erfassen können, Dich in und mit Deiner hocherhabenen UR-Wesenheit als den ewig-grundguten Vater lieben dürfen.

Wäre diese von Dir zubereitete Erkenntnis nicht das vollgerüttelte Maß für uns, wahrlich, mit meinen Brüdern und Schwestern wollte ich in die Knie sinken und ewig ausrufen: ‚Unfaßbare Gottheit! Was sind wir, daß wir solche Gnade haben dürfen? Wo ist unser Recht, in Deinem Allerheiligsten zu beten, das bewußte Leben als höchste Kostbarkeit zu tragen, in dem das Anrecht unsrer Kindschaft ruht?! — O Du Vater-Gottheit, mache uns urewig zu Strahlen Deines Lichtes, denn nur so sind wir im Stande, Dich zu ehren wie es Dir gebührt!’ Das ist unser Bittruf aus der Ehrfurcht und der Anbetung: Reihe uns in Deines Strahlenmeeres ewig unmeßbaren Heiligkeit und Tiefe ein!

Ich weiß, Du nimmst den Bittruf an. Denn da Du uns aus Deinem Übermaß der Barmherzigkeit, in der die Eigenschaften alle ihren hochgerechten Widerhall erhalten, zu Deinen Kindern machtest, uns die Offenbarung deiner hocherhabenen Gedanken, grundguten Lehren wie auch Deiner wunderbaren Lebensformen schenktest, ja — und Einblick in die Tiefen Deiner Urheit gabst, die wir nur durch Ehrfurcht tragen können, da hast Du mit uns zugleich die innigste Verbindung hergestellt, so daß wir aus derselben auch verborgene Tiefen Deiner Offenbarungen begreifen können.

Dein Opferweg, heilig und Barmherzig über jegliches Verstehen, zerriß den Vorhang, — nicht nur jenen für die armen Irrgegangenen, daß sie nun den Heimweg finden können, sondern auch die Hülle, unter der Dein UR-Ich lag. O, nicht nur einst am Werkanfang der Tat sprachst Du Dein heiliges ‚Es werde’, sondern fortgesetzt im ‚Leben-Bilden’ zeigt sich Dein segenvolles Schöpferwort. Also ist auch die gegebene Enthüllung jetzt ein wundersamstes, heiliges ‚Es werde’, ein Macht- und Kräftestrom, der völlig uns durchpulst!

Darum sei Dir Dank, Lob, Preis und Ehre. Dir gilt der Gruß der Anbetung, heiligguter, liebevollster Vater. Nimm als eine Gabe unsere Liebe an und lege sie auf den Herd des Mitopfertums, der Wiedergutmachung, dem Wege zur verlorenen Welt. Ja, laß uns gehen, Dein zwar umgekehrtes, aber ach noch so fernes Kind mit heimzuführen!

Ein bitteres Leiden trug Dein Herz, da Sadhana dir Widerpart zu setzen suchte. Nun hat sie wohl ihr Antlitz zu Dir aufgehoben, doch schwer fällt ihr, sich ungeteilt dem Lichte zuzuwenden. Darum gib zu unserer Opferbitte Deinen allgerechten Segen und nimm dafür die Dich erfreuende Kindesliebe an. Die wollen wir Dir geben, sie sei der heiligen Erbarmerliebe allezeit geweiht. Denn Du, UR-Meister aller Ewigkeit, hast Dich uns allen ja zuerst geopfert! Halleluja!“

O die Kinder! Sie erheben sich, scharen sich eng um Stuhl und Herd, heben ihre Rechte hoch und rufen: „Halleluja! Nun ist uns das Reich geworden, aus urheiliger Liebe allen Kindern zubereitet!! Wir wollen helfen, das Verlorene wiederbringen als des reiches köstlichsten Besitz. Stärke und Gewalt sei Dem, der uns gebot, die Strahlen Seiner UR-Gottwesenheit zu senden! Sieg und Amen! Die dunkle Tiefe ist gefallen, bis in ihre fernste Ferne leuchtet Gottes Licht in Ewigkeit. Bald kommt auch die Stunde, wo auf ihrem Strom das letzte Leben heimgetragen wird. Dir, urewiger Vater und Gott, hocherhabener Priester und allmachtsvoller Schöpfer gilt unser Hosianna und das Halleluja, Dir das Amen und der Sieg!“ Ein Wonnenstrahl aus liebereichen heiligen Augen trifft die Kinder; da ruhen sie an Gottes Brust, da halten sie des Vaters Arme fest umschlungen; und das Wehen aus dem Heiligen Geist durchbraust die Herzen und den Raum. Nachdem auch der Jubel seine gerechte Grenze erfahren hat, fordert Gott Karmatha auf, zu sprechen. Dieser aber sagt:

„Ich bin zu jung, um Dir, o guter Vater, das zu bringen, was die Ersten, Deiner Sonne Strahlen, brachten. Mein Herz ist noch klein; doch nimm — o heilige Liebe — es ganz gefangen. Ungeteilt sei es Dein Eigentum. Es betrübt mich nur, daß ich Deine heilige Rede nicht ganz verstehen kann. Zwar sagte Gabriel, daß er und Deine hohen Kinder das Tiefste des Geheimnisses auch noch nicht verstanden hätten, obwohl sie ich hellstrahlend Dir geöffnet haben. Ihr Lebendigwerden ist mir noch verborgen. Ich habe nicht den Wunsch, in gleicher weise alles zu verstehen wie die Fürsten, die als Träger Deiner Wesensstrahlen für das Werk Erkenntnis sich erringen müssen; und es wäre töricht, wollte ich mich nun mit ihnen messen.

Du, o Vater, gabst jedem Kind ein Amt. Erfüllt es das getreu, so auch das Amt der Liebe an Deinem Schöpfungswerk. Jedes Deiner Kinder ist ein Rädchen, ein Stück im großen heiligen Getriebe. Darum möchte ich es so erkennen, daß jedes Stück gleich wichtig ist, ob groß, ob klein, weil nur das ganze Werk erhalten und vollendet wird, wenn alle nach Deinem Schöpferimpuls tätig sind.

Aber eines, liebster Vater, habe ich erkannt. Deine gute Lehre sagte mir, daß Du alle Kinder gleichanteilig liebst, sei eines schon — der Zeit entsprechend — hoch vollendet oder nicht, steht es von sich aus Dir nahe oder fern. Ist das aber nicht das Gnadenvollste Deiner tiefen Worte, das Höchste aus dem Kranze Deines Lichts? Öffnet da sich nicht der Gipfelpunkt des in Dir ruhenden ‚Es werde’, mit der Barmherzigkeit gekrönt für alles Werk?!

Mich hast Du, o Vater, aus Rafaels Schar hervorgerufen, im ‚Haus der Liebe’ wurde ich geboren. Dort ruht auch mein Lebensziel, das ich suchen will und — finden. Ist das nicht unverdiente Gnade, die mir zuteil geworden ist? Du hast schon im voraus um des Falles willen Deine Liebe diesem Schöpfungstag zum Fundament gesetzt, eine Brücke, über die die Finsternis in Dein heilighehres Reich gelangen kann.

Darum bitte ich Dich herzlich: Darf ich den Mitopferweg beschreiten, so gib, daß ich aus der Liebe dieses Werk vollbringe. Gesegnet, Vater, gib es mir in meine kleinen Hände, die ich in Deine großen legen will, auf daß aus Dir für Dich ein heiliges ‚Es werde’ kommen kann. Dazu mein Bestes hinzugeben, soweit Dein kleiner Karmatha es fertig bringt, ist das Ziel, das ich Deinem Gnadenwort entnahm. Ich will nicht mehr sein als ich sein darf; aber was ich bin, das lasse mich wahrhaftig werden. Dann dringe ich schon noch zur rechten Zeit auch tiefer ein, bis mein Teil von dem erreiche, was den Strahlenträgern jetzt erkenntlich ist. Denn selbst das Heilig-Hohe des Verkündeten ist, so wie mein Herz es fühlt, wohl kaum das Letzte, Tiefste Deiner UR-Gott-Wesenheit. Dein Leben vermehrt sich durch sich selbst, also auch die Offenbarung; es braucht kein Kind besorgt zu sein, je ans Ende Deines Wesens anzulangen.

Ich sah die offenbare Quelle vor Deinem Heiligtum und konnte ihren Ursprung, Grund und Ende nicht ergründen. Wo kommt ihr Wasser her? Wo fließt es ein? Welche zugedeckte Tiefe speist den Brunnen? Frage Deines Reiches Fürsten, und sie können es Dir schwerlich künden! Hierin hat Deine Liebe alle Kinder vor sich gleich gemacht. Du allein der UR-Unendliche, wir alle nur die Endlichen aus Dir!! —

Ich kann nicht deuten, was mich befiel beim Anblick dieser wunderbaren Tagesquelle. Doch ich spüre: Vater, Du bist die UR-Ewigkeit! Wer will Dich ergründen? Laß uns Dich lieben und wir haben Deiner Liebe Grund in uns!“ Gottes Angesicht strahlt auf, und der Widerschein spiegelt sich in allen Engeln. Rafael hebt Karmatha empor, küßt ihn und legt ihn dem Vater in den Schoß, sagend:

„Allheiliger, Dir übergebe ich den Sohn! Er trägt den Strahl, aus dem er wurde, schon soweit in sich, daß Du Dein Liebelicht einst durch ihn offenbaren kannst, ist seine Zeit auf Erden angebrochen. Dir sei jetzt schon unser Dank, ja — Du allein bist unsere Liebe ewiglich!“ Gott hat immer eine freie Hand, und obgleich Er Karmatha im Arme hält, zieht Er auch Seinen Rafael ans Herz und spricht:

„Ja, Meine Kinder, durch Karmatha wie auch durch andere Kinder soll die Finsternis vor ihrer letzten Zeit Meine Liebe abermals erfahren, obwohl Ich Selbst ihr Licht auf Erden angezündet habe. Aus Meinem Opfer wird die Fackel brennen, die Karmatha zur Erde tragen darf. Doch nun habe Ich noch einiges auf eure Worte hinzusetzen.

Meine Fürsten, Wächter, Ältesten und Engel. Meine Heiligkeit breitet fast Unbegreifliches vor euch aus. Ja, hat das aber einen Wert? Was nützt euch, etwas zu erhalten, was ihr nur zum Teil verstehen könnt? Nun bedenket: Nur mit jener Aufgabe wächst jedes Leben! Darum muß die Aufgabe stets höher sein als die Erkenntnis. Das Unerforschliche zu durchforschen ist der ‚heilige Anreiz’ zum fortgesetzten Leben! Was Ich ‚wissend’ euch gewährte, ach — wie bald ginge das verloren, weil nicht erkämpft! Die Fähigkeit zur Weisheit habe Ich schon mit dem Lebensdrang, den Höher-Impuls, der Meinem Schöpferimpuls angeglichen ist, in jedes Kind gelegt. Diesen Lebensdrang habt ihr aus dem Geheimnis auch entnommen, das Ich euch zu erforschen überließ. Und steigt der gute und von Mir geheiligte Wille auf, der als ‚Sofort-zur-Tat-bereit’ weitere Erkenntnis bringt.

Mich als UR-Gott-Vater zu erschauen, hat euch trotz aller Liebe manchmal schon bedrückt. Ihr glaubt, eure Hilfe für Mein Rückführwerk sei nicht tatkräftig genug gewesen. Doch Ich sage euch: Was ihr bisher getan, wird im gleichen Umfang ein anderes Kind nur schwer erreichen! Ihr staunt und versteht es nicht. Hier aber sage Ich: Es genügt für den ganzen Rest des Liebetages, wenn Ich’s verstehe! Eher werdet ihr das Letzte aus dem letzten Siegel lesen können, als den Grund dieses Wortes zu ergründen! Und das ist gut. — Ahnend leuchtet ‚Demut’ vor euch auf. Damit sei es auch genug. Doch eure Bitte sei erfüllt. Geht den Weg zur armen Tiefe, wie, wann und wo es euch gefällt; mein Segen ruht zu jeder Zeit auf eurem gang. Doch vorher kehre jeder bei mir ein, daß Ich ihn weihe und er die Kraft empfängt, ohne welche auch der beste Wille nicht viel nützt.

Doch nun zu Karmatha. Er legte eine recht gesteigerte Erkenntnis an den Tag und kann die nächste Stufe schon beschreiten. — Wer will unsern Liebling jetzt betreuen?“ Sogleich treten Muriel und Pargoa hervor. Der Cherub legt eine Hand auf des Vaters Schulter, die andere auf des Kindes helle Locken und spricht:

„O Vater! Du fragst uns in einer wahrlich kaum faßbaren Liebe! Steht es nicht bei Dir allein, zu tun nach Deinem Wohlgefallen, wie es auch ewig richtig ist? Doch dürfen wir mit Dir beschließen, so sei Du unser Ratgeber allezeit, damit wir Deinen heiligen Sinn zur vollgerechten Tat gestalten helfen. Wenn wir nach Deinem ewigen Entschluß nun richtig wählen, so soll für Karmatha sich das Haus der Weisheit öffnen. Sein Erkennen, daß der Weisheit Lebensstrahl den Fortschritt bietet, regt sich schon im helleren Licht.“ Der Vater segnet Muriel und Pargoa, beruft Zuriel und Helia zum Heiligen Herd, übergibt ihnen Karmatha und sagt zu allen:

„Ihr habt Meinen Ratschluß gut erkannt, habt ihr ja Meine sieben Strahlen euch zum Grund gesetzt. Dafür seid gesegnet! Auch du, Karmatha, empfange Meinen Segen. Ein neuer Wesensteil tut sich dir auf. Sei fleißig und bemühe dich, Mir zur Ehre wie auch zur Freude des Zuriel-Hauses jederzeit zu handeln. Muriel und Pargoa gilt Mein Segensdank für eure treue Mühe, mit der ihr Karmatha geleitet habt. Euch, Zuriel und Helia, ist Mein Segen eine Kraft und das Geleit, zu des Kindes Fortschritt das Eure beizutragen.

Allen aber sage Ich: Bereitet euch nun vor, Mir abermals das Liebeopfer darzubieten. Es wird zwar ehe schlichte, fast verborgene doch um so schwerere Straße sein, weil sie Meinem Opferweg in allen Stücken anzugleichen ist. Doch Mein Friede bleibt das unlösbare Band, das euch mit Mir verbindet. Ziehet hin in Meinem Namen!“

Da braust ein Halleluja durch den wunderbaren Gnadenraum, durch das Allerheiligste. Die Ersten umringen ihren UR, Der über aller offenbaren Heiligkeit den Mantel Seiner unerhörten Vaterliebe trägt. Er erhebt Sich und tritt mitten unter Seine Schar, so daß sie alle Ihn, Seine Hände, Sein Gewand, ja, auch Sein liebes Angesicht berühren können. Mit vollgefüllten Krügen schreiten sie, wie traumgesegnet, aus dem Priesterhause und begeben sich gemeinsam in das Haus des Fürsten Zuriel und Helia, die Träger von URs priesterlicher Weisheit sind.

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