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Kap. 11 – Weitere Lehren Gottes; Vermächtnis; Geist oder Wesen; Helia

Kapitel 11

„In der Gnadenzeit, die euch zum Bedenken Meiner Lehre überlassen war, hat sich jeder treu bewährt. Auch trotz eurer Weltlast wankte keiner einen Augenblick. Ich brauchte nicht zu prüfen; nicht, weil Ich es als Schöpfer weiß, vielmehr habt ihr Meiner Führung voll vertraut. Wer so auf diese Weise einmal tut, wird sich nie mehr von Mir trennen.

Das Einemal ist im Symbol das Eine, was hin zum Vater treibt, die eine Segensquelle. Das ist jenes Erbgut, das ein Lichtkind mit auf seine Wanderwege nimmt. Wohl steht die Materie mit offenem Rachen da (OJ. 12, 4), um zu verschlingen, was des Lichtes Kinder aus der Liebe wirken können.

Gerade darum — schwer verständlich — wird vieles zugedeckt. Nicht weggenommen, liebe Kinder. In der Verwahrung, ein Vermächtnisteil der Mittler-Stufe, bleibt‘s erhalten. Vergeblich reißt das Tier den Rachen auf. Zwar kann nicht stets das Erbgut wirken; aber was es schafft, ist gut und trägt die Frucht für eine Lichtgeburt. Solche wirken immer auf das Ende hin.

Ich hob die Mittler-Stufe jetzt hervor und lehrte es, auch Meine Engel“, freundlich zeigt der Herr auf Zuriel und Muriel, „daß Ich jedes Kind vom Schöpfer-, Priester-, Gott- und Vaterwesen immerdar umschließe. Hier zumal ist das Vermächtnis auf der Mittler-Stufe wahrzunehmen. Doch in wieviel Varia das alles sich im Kindesleben wiederholt, darüber gibt‘s nur eine Zahl. Diese liegt in Mir und heißt ‚unendlich‘.

Eine ganz besondere Vermächtnisart hebe Ich hervor. Werdet aber nicht gleich irre, wenn sich eine andere Folge offenbart. In den sieben Empyreumsstufen, die sich in den euch gelehrten gleichfalls spiegeln, könnt ihr auf- und abwärts steigen und wird es immer in der Schöpferordnung sein.

Die erste Folge bilden Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst als die bestimmenden Eigenschaften. Sie gelten als Meine Macht und Kraft, als stehende oder beständige Polarität. Das bedeutet keine Messung zweier Dinge, weil solches Messen es in Mir nicht gibt. Es ist das Grundgefüge, aus dem Schöpfertum hervorgehoben. Darauf gründete und formte Ich die sicht- und unsichtbaren Werke, ihnen so ihr eigenes Vollendet gebend.

Alle Dinge sind in Hinsicht der Beständigkeit in das ‚Mittelsein‘ des Willens und der Weisheit wie in eines Hauses Mauern eingehegt[VH12]. Die Ordnung ist der Boden, der Ernst das Dach. An diesem Haus hat keins der Kinder ein Verdienst, weil keines gibt, was es nicht zuvor als Ursubstanz erhalten hat; bewußt und unbewußt bleibt sich erstens gleich.

Anders bei den tragenden Eigenschaften Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Wohl gehen Meine Gaben ebenfalls voraus. Doch nachdem ein Kind im Ordnungshaus geboren ward, behütet und genährt, wandelt sich das Bild. Des zweiten Teiles Boden bleibt; ohne ihn entfaltet sich das Leben nicht. Er bedeutet die Geduld. Und wahrlich: nichts besseres als die Geduld konnte Ich den Kindern als den Tummelplatz des Daseins richten.

Genauso gibt es hier ein Dach: die Barmherzigkeit, vergleichbar mit dem Himmelsdom, der sich über eure Erde wölbt. Doch wenn nicht im ersten Teil das feste Haus, die Hütte, die Behütung wäre, könnte nicht im zweiten, dem freieren Gehegeteil, der Segen der Entwicklung walten. Wie ein Wiegenkind zu seinem Besten sich gefallen lassen muß, daß es gewickelt wird, vergleichsweise so im Grundstadium das Kind im Hausgehege.

Hernach, gerade und gesund gewachsen, kann es sich selber fort bewegen, aber noch behütet und gehegt. Das Freigehege [VH13] ist die Liebe! Das hat keine Mauern, aber einen festen Zaun. Ja, im Gehege Meiner Liebe kann das Kind im freien Willen wandeln, allerdings am besten, wenn es die ‚Liebe Meiner Herrschaft‘ anerkennt und sich derselben unterstellt.

Im sechsten Tag, an dem Ich — laut Mose — Menschen schuf, herrscht Meine Liebe vor, weil sie als sechste Eigenschaft der Dominant des Tages ist. Sie ist die Mittlerin, besonders für den Fall. Zwischen Kläger und Verklagtem, Gläubiger und Schuldnern, sucht die Liebe auszugleichen, zu vermitteln.

Mit allgemeinen Opfern kann man sich mit Mir versöhnen; doch im LUSTRUM gibt sich EINER dar — für alle. Aus geheiligter Hingabe und Treue! Das höchste Lustrum, die Schöpfungssühne, zeugt aus Geduld den Sühnenden, den SOHN. Er wirkte schon, bevor der arme Fall im Liebetag geschah. Und opfert weiter, bis das Feuer und der Rauch des Gottheit-Lustrums auch das Letzte ausgeräuchert hat, bis kein böser Keim sich mehr entwickeln noch bestehen kann.

Das kann die Liebe nicht allein. Ohne bestimmende Eigenschaften, ohne Geduld und Barmherzigkeit würde sich das Gottes-Lustrum für die Hingestürzten nicht erfüllen. Nur für die, die unverschuldet sind. Doch was brächte Mir das ein, wäre nicht die Armut in das Vaterhaus zurückzubringen? Können durch ein Lustrum Schulden ausgeglichen werden, dann hat dieses ganz und einmalig zu geschehen, wie Ich ein Gott bin, in allen Eigenschaften, in allen Wesenheiten einheitlich, nur eine Personalität! (Sach. 14, 9; Mal. 2, 10; Matt. 23, 8-9; Röm. 10, 12; 1. Kor. 8, 4; Eph. 4, 4-6 u.a.).

Arthasus fragt im Herzen, wie dem ärgsten Geist, jenem Topheth aufzuhelfen sei (1. Sam. 16, 23), der im Abgrund der Materie wütet. Gemäß der Zeit, in weicher eine Umkehr dieses Topheth oder Asmodi als Wesen nicht zu übersehen ist, läßt sich wenig offenbaren. Aber höret zu:

Den ihr als ärgsten Geist bezeichnet, hatte einst den schönsten Namen. Der ist zugedeckt. Ihn auf eine Umkehr zu verwahren, das ist Mein Geheimnis. Nicht wegen Meines Vorrechts; es gilt dem Heil des hingestürzten Kindes. Jetzt heißt dieses Kind ‚Lo-Ruhama‘ = arme, gnadenlose Tochter. Sie ist nicht von Mir aus gnadenlos, sie schlug jede Gnadenwaltung selber aus. Dieser Unterschied ist stärkstens zu beachten.

Aber keinen gibt es für den Geist. Denn GEIST kommt vom bedeckten Gottheitsnamen (OJ. 2, 17 u. a.). Ist die Wandlung aus der Umkehr jener armen Tochter herzustellen, dann wird wieder offenbar, was Ich in Meine Heiligkeit verschloß. Ist Mein Grundprinzip der GEIST, so kann es keine bösen Geister geben.

Geist bedeutet Gott, und Gott ist gut; und das Gute gebe Ich den Kindern. Was ihr böse Geister nennt, sind nur jene Wesen, einst mit Satanas gestürzt (OJ. 12, 7-8) und zum Teil auf keinem Weltplaneten inkarniert. Sie gehen schwer daran, weil sie so die Bindung mit dem Höllengrund verlieren.

Das Höllische bleibt an ihnen lange haften, bis sie die Erkenntnis wählen. Viele kommen kaum zum Glauben, gehen sie den Fleischesweg durch diese oder eine andere Welt. Daher sind sie nach dem Tode eine zweite Art von bösen Wesen, die oft an ihrem Weltort hängen bleiben und versuchen, Menschen zu betören, oder ihnen Böses anzutun, wozu der Höllengrund, aus dem sie aufgestiegen sind, noch seine argen Kräfte leiht.

Seid darüber nicht bestürzt, wenngleich mit diesem Wissen schwer Delajahs Bosheit auszugleichen ist. Es wird zum Segen guter Kinder solche Lehre selten offenbart. Für euch ist‘s nötig; ihr steht vor einem Krieg, vor Menschen bösen Willens. Nun ihr aber wißt, wie ICH die Abgestürzten pflege und betreue — ob sie dies wissen, annehmen oder nicht, bleibt unbeschadet — ‚ alsdann könnt auch ihr den Feinden gegenüber handeln.

Nur liegt Begütigung, Verzeihung nicht im Augenschließen vor der Niedertracht. Schließt die Seele, daß sie unbelastet bleibt; öffnet euer Herz, um den Strom der Liebe MIR zu opfern. Steht der Geist an erster Stelle, so ist alles vor dem Forum der Gerechtigkeit und Wahrheit zu bereinigen, von euch bezahlt, dennoch von den Schuldnern zweifellos zu tilgen.

Ihr möchtet wissen, wie das Bezahlen vor sich geht; und wenn — wie erwiesen — es Schöpfungsschulden gibt, auf welche Weise solche trotz dem Gottheit-Lustrum abzudecken seien. Zur Offenbarung dessen ist die Zeit nicht völlig reif. Barak fragt, ob auch ihr an diese Zeit gefesselt wäret, die etwa nur auf Un- und Falschgläubige anzuwenden sei, während ihr, wie Ich Selbst bekundet habe, euch gut ins Licht hineingewandelt hättet.

Nicht darum geht es, ob ihr sie nicht ertragt, wenn der Zeit die Reife fehlt. Manche Dinge sind in Hinsicht der Gesamtentwicklung nur zu einem Teile zu erklären. Da die arme Tochter gar nicht daran denkt, ihre Schulden einzusehen, geschweige denn sie zu bezahlen, darum bleibt vom Lustrum noch das Schwierigste bedeckt. Höret aber das, Meine lieben Kinder:

Wann, wo, wie und vor allem was Ich spreche, ist stets ein ewiges Vermächtnis, dessen Strahl nicht bloß den Himmelsraum betrifft. Ob die Hölle will, ob sie sich sperrt, — Meine Worte finden auch in sie den Pfad, durch nichts gehemmt! Vor Meinen Worten stopft die Hölle ganz vergeblich ihre Ohren zu. Und schließt sie ihre Augen vor des Lichtes Kindern, deren Weg in die Materie ein Mahnmal ist, — vor Meinem Licht verhüllt sie sich umsonst!

Da wäre es wohl leicht, die Hölle umzukrempeln, ihre Schluchten auszuräumen, ihren Unflat wegzukehren, wenn ICH nur zu reden und zu leuchten brauchte? Gewiß — durch Zwang! Gezwungen müßten alle Armen zur Erkenntnis kommen, sich gezwungen wenden, führen lassen, — in Fesseln, Meine lieben Kinder.

Ihr sagt, dies sei nicht würdig. Meiner sicher nicht, da habt ihr recht. Denn solang es Fesseln gibt, solange gibt es einen Drang, sie abzustreifen, — mit und ohne Recht. Doch es gilt, in Freudigkeit und Freiheit Mich zu lieben, wie Ich aus Meinem Herrschaftswillen alle Kinder liebe. Nur diese freie Gegenseitigkeit erhält des Kindes Leben schöpfungslang.

Das ist der armen Ferne zugebilligt. Ihr erst recht ist das Leben zu erhalten; denn die freie Umkehr ist der schönste Sieg. Delajah will die Männer zwingen, in den Krieg zu ziehen. Gelänge das, so hätte er im voraus seine Niederlage in der Tasche. Ihr habt niemand aufgefordert, doch die Euren mehren sich. Damit ist der Sieg schon hergestellt. Unter Meiner Führung“, lächelt Gott, „ohne welche ihr nicht kämpfen wollt.

Würde Ich nun diese Offenbarung bis ins Letzte künden, müßte sie die Hölle hören, was die Fesselung bedeutet. Doch Geduld, und Liebe woben eine Decke, die man Langmut heißt. Was Gläubige, ihrer Zeit entsprechend, hören können, das wird auch gesagt. Manche sind nicht vom Geblüt noch vom Willen eines Fleisches, sondern ganz allein aus Gott geboren. Und wer Mich aufgenommen hat, erhält die Macht, Mein Kind zu werden. (Joh. 1, 12-13).

Kis-Abda sinnt, wieso ihr Meine Kinder werden müßtet, da ihr doch aus Mir geboren seid; und was das bedeutet: nicht vom Blut, vom Fleisch geboren. Zuerst wollen wir zu Baraks Frage etwas hören und schließt sich so das andere von selber an. Ihr seid nicht der Zeit verhaftet; denn der Geist ist frei und kann soviel empfangen, als sein Herz, das Lichtgefäß, erfaßt.

Oft gibt‘s ein Überfließen, weil Meine Güte reichlich fließt. Nur geht nichts verloren; das Erd-Reich, Meines Lichtes Raum, nimmt alles auf. Für Un- und Falschgläubige sind die Zeiten Fesseln. Doch nicht diese — der Mensch dreht sich den Strang. Er kann ja seine Zeit vergeuden oder vergewaltigen, beides Strick und Eisen, die seine Hände und die Füße binden. Gar selten kann ein Weltgebundener sich selbst befreien.

Das betrifft auch die Bezahlung. Ein Gefangener schafft für sich selbst, für seine Seele nicht. Wird er aus dem Hause der Gefangenen entlassen, so als ein armer Wicht, der am Hungertuche nagt, weltlich im Symbol, seelisch wirklich. Wovon soll er denn bezahlen, wenn er nicht zum Sammeln kam?

Wie läßt sich vor dem Forum der Gerechtigkeit und Wahrheit fremde Schuld bezahlen, die Schuldner aber ihre Schulden tilgen müßten? Wäre das nicht widersinnig? wie ebenfalls ein Gotteskind zu werden, doch aus GOTT geboren sein? O, da heißt es forschen, um die Wahrheit zu erkennen. Eine Grundschuld und die auf sie bezogenen Schulden sind zweierlei. Nennen wir die nachbezogenen Schulden Zinsen, wie die Welt sie nennt. Sie übersteigen oft die Grundschuld. Der böse Gläubiger läßt dieselbe gerne stehen, um ohne Mühe viele Zinsen einzuheimsen. Das gibt es freilich bei Mir nicht.

Allein: Ich benutze jene freie Hilfe, die des Lichtes Kinder den Gestürzten bieten. Diese Zinsen, die sich für die Hölle häufen, bezahlen alle treu Gebliebenen durch ihre kleinen Lustren, deren Zahl die Hölle niemals kennt. Das sind Myriaden Sonnenfunken, die einen Sonnenball ergäben; so als Symbol gesagt, wie die Zinsschuld ausgeglichen wird.

Aber wie die Grundschuld abzutragen ist, bleibt im Lustrum Meiner Reservatio mentalis jetzt verborgen. Kommt für die Materie die Zeit, so öffnet sich der Himmel, und die Offenbarung kommt als Wort und Tat (JESU) zur Welt. — Soweit habt ihr das verstanden, und wir wenden uns Kis-Abdas Frage zu.

Wenn — wie Ich sagte — manche nicht vom Geblüt, vom Fleische her geboren wären, auch nach der Weltlust einer Ehe nicht, sondern nur aus Mir, so gilt es nun, in eine Tiefe einzudringen, für die ein Weltling keine Reife hat. Immerhin — ihr werdet es dem Sinne nach mit Meiner Hilfe über die Entwicklungszeit hinaus verstehen. Nicht vom Geblüt!

Euer Nationalgefühl verhindert es, sich Fremden anzupassen. Daher euer fortgesetzter Haß gegen jene, die ihr Heiden nennt. Das soll kein Schwergewicht ergeben; nur bleibt manche Rechnung offen. Denn das ‚Geblütsgefühl‘ drängt zumal die Führenden, das äußerliche Juda groß zu machen. Hierzu nimmt man Meinen Namen, Meine Offenbarung und hängt ein Mäntelchen darum, wie es dem einen oder anderen gerade paßt.

Aber das Gewissen läßt nicht locker. Um es totzutreten, wird ein von Mir bewogenes Gericht auf alles übertragen. Wurde wegen Israel die Noah-Flut geschickt? Ihr verneint; denn damals gab es noch kein Israel. Von weit früheren Epochen sei zu schweigen, deren Kenntnis euch nichts Weiter nützt.

Gingen euretwegen Sodom und Gomorra unter? Nein! Jede Last galt denen, die sie heraufbeschworen hatten. Waren Feuer, Wasser, Beben und Orkane eine strafende Justitia, oder wurden sie in Offenbarung Meiner Majestät von MIR benutzt, um die Armen aus dem Seelentod zu retten? Ihr bejahet es.

Ägypten fand der Frevel wegen Seine Strafe, wie durch ‚Meine Hand über Mose‘ mancher Stamm. In jüngster Zeit, weil mancher Richter den Gerichtssinn nicht verstand, zumal seine Großmannssucht zu festigen, hieß es: Gott will, daß wir die Heiden strafen! Frage: Ist Israel so rein und treu geblieben, im Gesetz unwandelbar vor Meinem Angesicht, daß Ich es als Meine Hand benutzen kann, wie Meinen Mose oder Meine Elemente? — ?

Traurig verneinend sehet ihr, wie das Geblüt belasten kann. Ich weise auf die Lichtverheißung hin, die Abraham geworden war.“ Gott sieht Muriel an, und der dankt mit einem hellen Blick. Debora und Matthanja ahnen, wer der Engel früher war. Doch der Herr spricht weiter:

„Aus den Sternen und dem Sande nur die Vielzahl herzuleiten, ist verfehlt. Ihr werdet bis ans Ende dieser Welt gezählt! Wie könnten da die ‚Sterne‘ vom Geblüt hervorgegangen sein? Ausschließlich ist das Geblüt der Sand. Die Sterne aber wohnen am oder im Himmel, was bedeutet, daß die Lichter ihres Opferganges wegen und nur während dieser Zeit an den Sand, ans Volksgeblüt gebunden sind. Das gilt nicht allein für Israel; es gilt allen Zeiten, solang die Erdwelt Menschenvölker trägt.

Teils ist nicht einmal das Blut vom Volke her, in das die Sterne ihre Gasse gehen. Sie bleiben unabhängig von Zeit und Volk, weil sie einzig aus dem Grunde kommen oder eine Sendung auf sich nehmen, im Mit-Opfergang die Liebedienste an der Fremde zu erfüllen. O ja, das Nur-Menschliche bleibt der Umwelt, ihrer Zeit verhaftet, sonst wäre es kein Opfergang. Gerade darum bleibt die Herkunft aus dem Licht das führende Prinzip.

Es gibt noch Haupt-Opfergänge, wenn in der Finsternis ein Umbruch eingeleitet wird. Solche übernehmen nur die ersten großen Geister. Dieser Vorrang gipfelt zwar in deren Treue, die niemals übersehen wird. Des Werkes wegen gilt der Vorrang der Erlösung. Dazu bedarf es keiner Fleischgeburt, weder auf der Erde noch auf einer andern Miterlösungswelt.

Wähnet nicht, daß ohne Weltgeburt die Straße leichter sei. Denn die Kräfte zu besitzen und sie aufzuhalten, wo das Lichtherz über all die Frevel weint, wo es all die Armen retten möchte, erfordert ungeheuer mehr, als eine Weltgeburt verlangt. In solcher weiß ja jemand seltenst, wer er ist. Jeder geht gedeckt, um so mehr behütet seinen Weg.

Doch in voller Kenntnis seiner Abstammung, vom Geblüt des Himmels her die Umwelt zu ertragen, kann nur ein großer Lichtgeist auf sich nehmen. Denkt nicht gleich: O wäre unter uns ein solcher Geist, herrlich könnte er uns führen! — Ihr habt ja einen, dem Volke zugehörig und im Opfergang das Fleisch freiwillig angenommen.“ „Debora“, flüstert Barak in glühender Verehrung, die nicht der Frau als Frau, die dem LICHT in ihr gehört.

Unmerklich nickt der Herr. „Nicht vom Geblüt und Fleisch‘ habt ihr erkannt. Selten aber geht aus einem Lustakt eine Lichtgeburt hervor; nur wen Ich erlaube, daß ein Himmlischer die Lasten auf sich nimmt. Er erträgt die Bürde aus dem Lustakt, wodurch beide Elternseelen zu erretten sind.

Blind sagen viele Menschen, das sei ungerecht. Doch erstens wird kein Kind zu solcher Zeugungslast gezwungen, zweitens wächst daraus ein Segen, der weit über eines Kindes Umkreis geht, von ihm nicht bemerkt, von ihm nur das Samenkorn gelegt. ICH Selber ziehe diesen Segenskreis, und ICH mache aus dem Samen einen Weinstock oder einen ganzen Garbenbund. —

Nun kommen wir zum letzten Frageteil. Im Licht besehen ist für das ‚aus Gott geboren‘ — so für euch gesagt — kein Wortsinn da, weil ebenso im Empyreum aus den sieben Engelsfürsten und dem Erstkind alle Licht-Volkschaften kamen. Hingegen jede Lebenskraft von der Zeugung bis zur Lichtgeburt kommt allein von MIR! Sie wird nur den Schaffenden zuteil. ‚Und auf unsrer Welt?‘ fragt ihr. ‚Was gilt da aus Gott geboren?‘

Die Lehre vom Geblüt samt Fleisch und Lust besagt, daß es keine hülle, nur das Eingeborene betrifft. Solch Eingeborener wird immer zur Erkenntnis Gottes kommen, Früher oder später, sehr tief oder sozusagen bloß dem Glauben nach, messe Ich so sehr nicht aus. Bei Mir gilt eine Opfergabe; und die hat jedes Lichtkind gut und frei gebracht. Im übrigen heißt das Eingeborene ebenso das ‚in eine Welt hineingeboren sein‘.

Weiter: ob jemand, aus Meiner Lebenskraft gekommen und im Glauben bleibend, erst Mein Kind werden muß oder dadurch, wer Mich aufnimmt (S. 135, 2), was ja den Glauben zweifelhaft erscheinen läßt, sonst dürfte es nicht heißen ‚wer‘.

Fühlt ihr euch als Meine Kinder?“ Aus heißen Herzen steigt ein frohes Ja. „Ihr braucht es also nicht erst noch zu werden. Nun die zweite Frage: Seit wann fühlt ihr euch als Meine Kinder?“ Ja — seit wann? Arthasus sagt: „Seit ich meinen Fuß auf diesen Hügel setzen durfte.“ Die Engel lachen; man hört es silbern läuten. Gott sagt zu Zuriel:

„Nimm die Binde weg! Zwar hat die Demut sie gewoben; doch sie ist nicht gut genug für unser Reich.“ ‚Unser Reich‘ — als ob sie am Erstehen einen Anteil hätten. Zuriel belehrt: „Meine Brüder, sagte unser Vater-Gott von jener Lebenskraft, aus IHM gekommen, so wäre leicht zu sehen, daß im Daseinswerden auch die Kindschaft wird. Und ist der Himmel eure Heimat, von der ihr ausgegangen seid, in die euch eure Straße wieder führt, so ist abermals bewiesen, seit wann ihr Gottes Kinder seid. Oder nicht?“ Eine Pause benutzt Jedothun und bekennt:

„Von IHM aus sind wir ewig Seine Kinder! Aber denke ich an die Vergangenheit, wo mir Gott so ferne war, wie die Wolken einem tiefen Tal — — “ er schluckt. „Ich war ein glaubensloser Sünder und wußte doch: es gibt einen Gott. Daher gilt für mich die Kindschaft, obendrein in Gnaden hergeschenkt, vom Augenblicke an, da auch ich dies Haus betrat.“

„Was meinst du, Zuriel“, fragt Gott, „ob man diese Antwort gelten lassen kann?“ Keiner, der nicht fühlt: Jetzt redet Gott mit Seinen ersten Dienern. Es geht um ein Geheimnis, das der Himmel herrlich aufbewahrt. Zuriel erwidert: „Sie taugt; sie entspringt ja reiner Reue und der guten Dienstbarkeit, wie bei Arthasus. Der Rückerwerb der Kindschaft, in der Welt verloren, erfolgte für fast alle hier im Hügelhaus.“

„Gut, jeder soll sie wiederhaben, wer sie vorübergehend in der Welt verlor. Daß es aber recht verstanden wird, füge Ich hinzu: Wer zur armen Tiefe geht, dessen Kindschaft hebt die Bundeslade auf. Die in Silo nicht“, winkt der Hohe ab, als einige erstaunt die Köpfe schütteln. Kein Ort ist Gottesärmer als da, wo Gottes Bundeslade aus der Wüste steht.

„In des Reiches Sanktuarium [VH14] steht der ‚Heilige Herd‘ als ewige Bundeslade, wo alles Lichtgut aufgehoben wird. Jeder nimmt nur soviel mit, als die Materie ertragen kann. Auch haben alle MIR die Kindschaft anvertraut, um sie für ein Hingestürztes wieder zu erwerben. Das wird aber einst enthüllt. Jetzt genügt zu wissen, daß ihr euere Kindschaft aus der Welt herausgerettet habt; und es mag sich jeder einen Glaubensarmen wählen, für den er aus dem Geiste wirken will.“

Rasch ruft Debora: „Ich will Delajah dienen!“ „Du hast dir einen harten Brocken vorgenommen, liebe Tochter“, sagt Gott ernst. „Wirst du ihn bewältigen können?“ Sie erwidert gleichen Tones: „Hier nicht ganz, o lieber Vater; nur mit Deiner Hilfe baue ich die Brücke, um ihm sein Schlangenpfädlein leicht zu machen, bis es den geraden Weg zu Dir ergibt.“ „Das soll geschehen!“

Im Nu kniet Jizri vor dem Herrn. „O Vater, möchtest Du mir bitte wegen Artham helfen?“ „Er hat dich bitterlich gekränkt, was ICH aufgeschrieben habe.“ „Bitte, streiche es doch wieder aus“, fleht Jizri. „Ich ließ dem Zorn die Zügel schießen und verklagte ihn bei Sallumin. Ich erlebte bei Debora Deine Herrlichkeit, während Bruder Artham ohne Kenntnis Deiner Gnade ist. Darum überwiegt mein Fehl das seine.“

Gut ist, daß alle ihre Köpfe neigen und den Strahl nicht sehen, der aus Gottes Augen bricht. Er verdeckt ihn wieder, als Er Jizris Haupt zu Sich erhebt. „Das war ein Fürbittdienst, dem Meiner Tochter gleich. Weltlich hast du recht gehandelt; denn ein Artham brauchte einen Tunker, weil der falsche Priesterrock ihn an den Rand des Abgrunds brachte.

Du, Mein Sallumin, lasse diese Schrift bestehen und führe Jizris Klage durch zum Heile des Verirrten. Er wird wie Deboras Sorgensohn sehr lange brauchen, ehe seine Gasse sauber und gerade wird. Um so größer ist die Freude, wenn dann einstens eure Schutzbefohlenen MIR zuzuführen sind.“

„Bitte“, drängt Matthanja, „gib mir Hattus bei (S. 69, 6-7).“ „Der stammt aus dem ärgsten Höllengrund“, erklingt es schwer betont, „der ist extra hergekommen, euer Gutes zu zerstören [VH15]!“ „Ich sah ja seine Finsternis“, sagt Matthanja, „er braucht den Hilfedienst am nötigsten.“ „Tue wie du willst“, sagt Gott gütig und legt Seine Hand auf des Propheten Haupt.

Barak wählt sich Hamer, Gibbar Bezai, Salthiel Kisjath, Bichras Paros, Elam gar den Jabin. Da stockt die Reihe. Kann dieses Amt den Fremden gelten? Elam zeugt: „Liebet eure Feinde! Denken wir nur an die Unseren, so fehlt ein Teil der Dienstbarkeit.“ (Matt. 5, 44-47); 2. Mo. 23, 9) „Sehr gut, Mein Elam, du hast eine Brücke zu des Volkes Feinden hergestellt.

Wohl ist erst nahe aufzuräumen; dann erst läßt sich weitergreifen und die Mauern stürzen, die man widersinnig baut. Daher nimm nur Jabin auf und bringe viel Gebetswerk vor Mein Angesicht, damit auch dieser dunklen Seele aufzuhelfen ist.“ „Dir danke ich!“ Mehr kommt nicht aus Elams Mund.

Nun wählt Jedothun den Sisera, der viel Ungerechtigkeit an Israel verübte. „Darf man auch Verbrecher nehmen?“ fragt Sallumin. „Warum nicht? Sind das nicht Gestrauchelte, die mit der Zucht viel Güte brauchen?“ „O guter Gott, Du zeigtest mir den rechten Weg“, dankt Sallumin. „Im Gefängnis ist ein junger Räuber. Wieviel Morde seinen Händen zuzuschreiben sind, weiß ich noch nicht; bisher waren sechs gefunden. Er rühmt sich sogar seiner bösen Taten. Könnte ich ihm seelisch und auch irdisch helfen?“

„Das ergibt sich noch“, sagt Gott freundlich. „Du hast dir einen ausgesucht, der besonders eine Hilfe braucht. Seine Seele ist nicht wirklich arg; sie ist nur gesunken, freilich tief, aber durch der schlechten Eltern Schuld. Diese haben ihn von Kindheit an zum Dieb erzogen und dem Richter weisgemacht: er ist noch klein, und wir wußten nichts davon.

Fessele die Seele im Gebet, Mein Sallumin; doch den jungen Leib lasse nicht in widerlicher Zelle schmachten. Dann wirst du schnell erleben, wie er sich deiner Führung beugt. Gib ihm in deinem Hause Arbeit, nur ziemlich lange unter Aufsicht. Auch braucht er statt des Richters einen echten Vater, den er nicht besaß. Ohne Liebe aufgewachsen, hatte er bloß einen Zeuger und die Gebärende. Paare bei ihm Zucht und Liebe.“ Sallumin ist glücklich über seinen ‚guten Fang‘, wie er es in Freude nennt.

Arthasus hat eine Anverwandte. Ihre Eltern halten es für sie mit einem reichen Ammoniter. Er hat versucht, das Kind zu retten, früher weniger des Glaubens als mehr der Sippe wegen. In letzter Zeit hat er oft an sie gedacht. Nun bittet er für dieses Mädchen und will es in die Obhut des Gebetes nehmen.

„Gleichfalls eine gute Tat“, lobt Gott den Priester. „Ihr fragtet nicht: ‚Ist er es wert?‘, womit das Ärgste schon beseitigt ist: die Abwehr solcher Seele. Ihr meint, die wüßte es doch nicht und wäre das auch besser. Mit Letzterem habt ihr recht und hängt es mit dem Ersteren zusammen.

Die Abwehr liegt höchst selten im bewußten Wissen, vielmehr wie ein Giftkorn unter Schlamm. Das wächst nicht hoch; aber es ist da und stets im Widerstreit zu Licht und Glauben stehend. Meine Worte überdenkend, fällt es euch nicht schwer, Haß und Unmut zu ertragen. Auch ist‘s nicht immer nötig, im Wort zu werben. Nein — die Ausdauer des Gebetes läßt das Giftkorn sterben. Ist das tot, erst unwissend für die Seele, so wird allmählich aus dem Schlamm ein noch brauchbares Feld gewonnen.“

Kis-Abda hat noch nicht gewählt; er ringt mit sich, was sogar der Höchste billigt. „Mein Sohn, bring‘ dein Ungeheuer her, wir werden mit ihm fertig.“ „Du ja, guter Vater-Gott“, fällte der Altrat nieder. „Aber ich? Der Bube ist‘s, der mich morden wollte und auch für die Kinder und mein Weib gedungen war.“ Die Rechte auf Kis-Abda legend, sagt der Herr:

„Gut gewählt! Sie alle kamen aus der Finsternis. Nur Hamer, der Räuber und das Mädchen sind unverantwortlich an ihrem Fall. Da sie aber einst sich in den Abgrund reißen ließen, galt auch ihnen keine andere Befreiung als durch eine Weltgeburt. Diese drei sind bald zu retten. Das verringert aber eure Mühe und den Segen nicht, Barak, Sallumin und Arthasus.“

Plötzlich führt Debora ihren Charkros vor den Herrn. „Da ist noch ein Sohn“, bittet sie für ihn, „laß ihn auch zum Dienst gelangen.“ „Ja“, bestätigt Gott ein wenig heiter, „er saß bescheiden in der Runde, und nicht alles ging in seinen Kopf hinein. Doch ins Herz hat es hineingestrahlt! Er dachte — Nun, lieber Charkros, das kannst du selber sagen, was du dachtest.“ So aufmunternd sieht der Herr den Diener an, daß der die Tränen tropfen läßt und sich fest in seinem Haarschopf wühlt.

„Ach ach“, fleht er, „das geht nimmer über meine Zunge, weil das falsch gewesen ist.“ „Also müssen wir dir helfen.“ Der Herr winkt Muriel herbei: „Rede du für ihn, auf daß die ‚Treue dieses Treuen‘ offenkundig wird.“ Vor Scham bedeckt sich Charkros, doch Muriel entwindet ihm sein Tuch.

„Für seine Herrin will der Sohn der Wüste bitten, Tag und Nacht die Augen offen halten und die Hand bereit. Und ich, ein erster Engel Gottes“, lichternst sind Muriels Antlitz und sein Wort, „sage vor dem Herrn des Infinitums: Das Beste hat er sich gewählt! Nicht zum Nachteil aller Wahlen.

Unser kleiner Bruder aus dem Licht nahm freudig auf sich seine Dienerschaft, wenn in ihm das Amt auch schlummerte. Hier trieb das Samenkorn in GOTTES ERDE hoch; und nun es Gott gesehen hat, weiß es um den Dienst, den es auf der Welt erfüllen darf. O Vater, segne diesen Sohn, das Himmelskind aus meinem Haus.“

Lange ist es still. Gott segnet Charkros: „Bleibe meiner Tochter und dem Hause treu, und schließe in die Wunschkraft deinen Fürsten auch mit ein.“ „Das will ich tun“, erwidert jener rasch, „nur habe ich — “ „ — nicht alles mitbekommen“, vollendet Muriel. „Die Palme wird es dich noch lehren.“ „O Dank, tausend Dank!“ Charkros küßt die Schuhe Gottes, den Mantelsaum der Engel und setzt sich wieder an die Tür — als treuer Wächter.

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