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4. Ein vollkommenes Bild als inhaltschwerer Anfangsbuchstabe dieser Werk

(Empfangen durch J. L. am 11. August 1840)

Ein Vorwort zum Diktat über das Bild des Herrn
(Durch J. Lorber, Graz, 30. Mai 1840, auf dessen Anfrage wegen W. Maler)

   JL.Prosa.004,01] Es kann nicht gleich sein, wie du es dir wünschest, sondern der rechte Zeitpunkt ist nur Mir allein wohlbekannt; so Ich an Jemanden ein Nebenwort richten will – was gehet es dich an?

   JL.Prosa.004,02] Die Zeit dessen ist noch nicht zur vollen Blüthe geworden, an den Ich richten möchte ein Nebenwort, daher noch eine kurze Zeit (Geduld), und bevor Wasser des Lebens aus dem Brunnen Jakobs! dann klein sein und groß sehen, gut hören und stumm in der Rede sein; dann nicht nur Sonnen zählen, sondern mehr noch das bescheidene Gras der Erde; und nicht nur steigen auf des Mondes Berge, sondern vielmehr sich verweilen in den Thälern der Erde!

   (Wer Ohren hat, der höre, wer Augen, der sehe und merke!)

   JL.Prosa.004,03] Sieh! mit Kindern rede ich kindlich, mit Männern als Mann, mit Herren als HErr, mit Fürsten als Gott, mit allen Hohen als der Allerhöchste, mit Machthabern als der Mächtigste, mit den Großen als der Unendliche, mit den Sündern als Hirt und Richter; und so rede Ich mit Jedem nach seiner Art als ein unerreichbarer Gott, aber mit dem Mich Liebenden in aller Demuth (seines Herzens) rede Ich als Vater, Mich wie eine Braut zu ihm hinunterlassend von der Höhe aller unermeßlichen Höhen, als Allerhöchster in all Meiner unendlichen Fülle.

   JL.Prosa.004,04] Daher nur noch eine kurze Zeit, da das Eisen (des eisernen Malers) zu Gold wird (zum Edlen der Liebe), durch den werkthätigen Aufguß des lebendigen Wassers, als Beize des Eisens zum Golde! Amen. Ich, der rechte und allein Wahre, Jesus Jehova Immanuel, Sohn Davids, Amen, Amen, Amen!

   JL.Prosa.004,05] Was den frommen Wunsch betrifft, den schon seit lange hat der Maler, mehr im Kopf als in der Brust und deren Eingewaiden, so sage Ich, daß Mir gar kein Bild, weder aus Farbe, noch weniger als Holz, oder gar aus Metall oder Stein angenehm ist; denn sehet: dieses Alles ist nichts als eine Materie und somit todt, so ihr Mich aber bildlich darstellet in der Materie, so stellet ihr Mich im Tode dar, als ein Wesen, ähnlich Meiner Haut=Außenform, das da oft schon ausgezogen hat den Lebendigen aus euren Herzen und hat an dessen Stelle hingeheftet ein todtes Bild Meiner Haut.

   JL.Prosa.004,06] Daher sollet ihr vielmehr trachten nach dem lebendigen Bilde Meiner Liebe und Meiner Gnade in euren Herzen, als nach dem getreuen Abdruck Meiner Haut; gleich aber wie euer Leben nicht in der Haut, sondern nur im Herzen wohnet, gleich also geht auch aus Mir alles Leben nicht von Meiner Haut, sondern aus Meiner tiefsten Tiefe in euch über, so wie naturmäßig alles Licht und alle Wärme der Sonne ausgehet aus ihrem Zentrum, da ein kleiner Funke Meiner Gnade und Barmliebe ruhend wohnet. Sehet – das ist die Wahrheit. –

   JL.Prosa.004,07] So ihr aber dennoch wohl wollet ein Bild Meiner Haut, so will ich es euch auch geben, wie dem israelitischen Volke einen König.

   JL.Prosa.004,08] Wehe jedoch denjenigen, die es anzubeten sich unterstehen möchten! deren Seele wird matt werden, und deren Geist wird Mein Leben schwerlich je mehr finden voll in sich. Das ist aber die Gestalt Meiner Haut, und zwar die des Kopfes, als der Haare, Augen, Nase, des Mundes, der Ohren, des Kinnes und Halses.

   JL.Prosa.004,09] Der Kopf sei 10 Zoll hoch ohne die Haare, und 7 Zolle, da er ist am breitsten, ohne die Haare; die Stirne habe 2/5 der ganzen Länge des Gesichts, und seien dann der Nase 1 1/2 Fünftel und so von der Nase bis zum Ende des Kinnes ebenfalls 1 1/2 Fünftel gegeben; die Stirne sei eiförmig gebogen ohne Falten, in der Farbe sehr licht, voll göttlicher Erhabenheit gegen die Haare, die da lichtgoldblond sein sollen; die Augen sollen sein groß, blau die Iris, und die Pupille sehr schwarz verhältnißmäßig zum Blau, die Winkel weiß und rein, die Wimpern frisch, die Brauen stark und dunkelbraun; die Nase gerade und edel, weich und nicht zu breit, auch nicht zu schmal; der Mund voll Würde und Anmuth, halboffen, wie beim Reden eines Liebenden zu seiner Braut, nicht zu schmal, noch zu weit, sondern gerecht, so die obere und so die Unterlippe, weich in den Winkeln und sanft in der Mitte; ein etwas hervorstehendes Kinn, nicht zu breit, noch zu enge, wohlgeschmückt mit einem etwas dunkler als die Haare gehaltenen Barte, letzterer abgetheilt gerecht in der Mitte des Kinnes; der Bart soll sich eitel wenig verlieren längs den beiden Kinnladen, und soll nicht mehr als 1/5 von der Wange einnehmen, so soll auch der Obermundbart sein gerecht, so daß weder die Lippen noch die beiden Mundwinkel beeinträchtigt werden; das Ohr aber soll sein genau nach dem Verhältnisse der Nase, und solle sein frei von Haaren, welche hinter demselben eine Handbreit sanft gewellt über den Nacken fallen sollen; der Hals aber sei mittellang, vollkommen, wie der einer Jungfrau.

   JL.Prosa.004,10] Der Ausdruck soll darstellen einen Bräutigam voll Liebe im wehmüthigen Anblicke seiner ungetreuen Braut, ähnlich dem Abschiednehmenden mit dem liebevollsten Herzen, mit einer Abschiedsthräne der so reinen und wahren Liebe, – – – angethan mit einem himmelblauen israelitischen weiten Faltenrocke mit weißen fingerbreiten Brämen, stehend, barfuß, die rechte Hand ausstreckend nach euch Sündern, gleichsam sagend: "Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und belastet seid, Ich will euch erquicken!" und die linke auf’s Herz legend, gleichsam sagend: "Kinder, da ist der Weg des Lebens, da ist die Thüre zum Vater! wer nicht da durchgeht, der kommt nicht zum Vater!"- – –

   JL.Prosa.004,11] Dieses nun genau beschriebene Bild solle stehen wie auf einem sanften Hügel, hinter dem eine große Glorie aufgeht, zu Meiner rechten und linken Seite sollen sein zwei große Pfeiler, geziert mit 2 feurigen Cherubim, und in der Mitte der Pfeiler befinde sich eine Gebottafel, getragen von einem Seraph; von diesen zwei Pfeilern ziehe sich eine starke Mauer fort; unter dem Hügel in der Ebene sollen dargestellt sein mehrere Menschengruppen, von denen Wenige ihre Augen nach Mir wenden, die Meisten aber sich abwendend von Mir stehen auf klein zerbrochenen Gebottafeln; ganz im Winkel zur Linken befindet sich eine Rotte, Leitern an die Mauern legend und selbe erstürmen wollend, während die Leitern viel zu kurz und zu schwach sind, davon mehrere zerbrochene Stücke zeugen sollen. Hinter Meinem Haupte zeigen sich ganz schwach – wie von lichtem Dunst umfangen – Theile der neuen Stadt der Heiligkeit Gottes, die soeben herabzusteigen hat angefangen vor euch! -*)

   JL.Prosa.004,12] Sehet, das ist dann ein vollkommenes Bild, wann es wird, wie Ich es getreu angegeben habe, aber es wird schwer sein, dasselbe recht zu machen ohne Meine Gnade, wann es aber der Maler, der eiserne **), will machen aus reiner Liebe zu Mir, dann wird die Gnade nicht unterwegs bleiben und das Bild wird in Erstaunen setzen Alle, die es ansehen werden, wenn auch nur aus Vorwitz, und wird zerbrechen manch steinern Herz, da es dann nicht sein wird ein bloses Bild, sondern als solches ein inhaltschwerer Anfangsbuchstabe des neuen Jerusalems, und als solches auch allein angesehen werden solle! Amen! Ich, Jesus, der wahre Christ, voll Liebe und Weisheit! Amen! Amen! Amen.

   JL.Prosa.004,11.FN] *) Nehmlich in den vorliegenden neuen Kundgaben der lauteren Wahrheit.

   JL.Prosa.004,12.FN] **) Wohl, nur einer mit eisernem Liebe=Willen wird es machen können.

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