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Das Ewige Licht – Kapitel 2

Kapitel 2

Der Mond hat sich verkrochen. Bloß ein paar Sterne, die zwischen Wolkenmassen niederblinken, sind zu sehen. Weitab im Wald steht eine Hütte. Kein Weg führt hin. Wer zu ihr will, muß sich selber eine Gasse bahnen. Dunkelmänner wählen solche Orte. Eben dort treffen sich zwei Männer. Ein winziges vergittertes Fenster gibt gerade soviel Helligkeit, um das Innere des Hüttenraumes zu erkennen. Die Angekommenen wissen gut Bescheid, es wird kein Licht gemacht, die Türe wird geschlossen. Sie besprechen ihren ‚Fall‘, der sie hier zusammenführte.

„Wer uns bloß in die Quere kam! Dumm, daß meine Kugel ihn nicht traf. Es war eben für den Augenblick —“ Ein Fluch folgt auf den anderen. „Zu plötzlich kam der Kerl dazwischen. Ich denke, daß er gar nicht ahnte, was . . .“

„Vielleicht“, murrt der eine, ein untersetzter Mann. „Er hat den Schrei gehört, der Idiot! Ha, es wird Zeit, daß wir aus der Klemme kommen. Du hast mir die Hälfte zugesagt. Gilt das beim zweitenmale auch?“ „Und ob“, sagt der Größere der beiden. „Der Goldjunge geht mir auf den Leim; umsonst bin ich nicht sein Freund. Hi hi hi!“ Er lacht verächtlich.

„Sei nicht so laut“, warnt der Kleine, „auch ein Wald kann Ohren haben.“ „Seit Jahren traf ich niemals jemand an. Hast aber recht. Hör zu!“ Der Größere entwickelt seinen Plan. Mitunter korrigiert der Kleinere, was der Große brummend akzeptiert. Bis ins Kleinste exerzieren sie erst alles durch.

„Ich will Moritz heißen, wenn das nicht klappt“, brummt der Große wieder. „Den Fremden muß ich finden, der kommt mir zu verdächtig vor.“ Er denkt an jenen Mann, den er gestern kennen lernte. „Ha, es ging zu rasch, nur daß er groß und schlank gewesen ist, habe ich gesehen“, murrt der Kleine auch.

„Egal, ich finde ihn, verlaß dich drauf!“ Der Große fühlt noch jetzt den scharfen Blick. ‚Etwa ein verkappter Polizist? So sah er nicht gerade aus, eher wie ein Lehrer, der in seiner Wolkenwatte schwimmt. Immerhin — die Augen waren ein Alarm. Ach was, ich fange an zu spinnen! Der Schwarzrock, der —‘

„Verschwinden wir“, mahnt er. „Morgen Nacht um zwei. Ich halte unsern Vogel fest.“ „Wo?“ „Im Hotel ‚Zur Meeresmuschel‘. Auf alle Fälle führe ich ihn auf dem Heimweg hin zur Brücke.“ „Und wenn er fährt?“ „Pah, das Auto ist verschwunden.“ Der Kleine kichert: „Gut bedacht!“ und schleicht davon.

Der Große kichert auch. „Das haut hin! Und der Kleine wird sich wundern, wenn —“ Der Morgen graut, als er ungesehen in sein Zimmer schlüpft. Er hat gerade Zeit, sich zu erfrischen. Von der Arbeit wird er sich am besten drücken, er ist heute eben krank. Sein Chef wird wieder wettern, doch als Freund des Vaters sieht er ihm, dem Sohne, manches nach.

Er begibt sich in den Wald und schläft sich aus. Pünktlich, als ob er von der Arbeit käme, geht er heim. Wer ahnt das dunkle Tun vom Sohne eines angesehenen Vaters? Er wird nie zu Kreuze kriechen, Der Herr Papa mag er schuften, wie er will. Zynisch lacht er vor sich hin. „Eigentlich nicht schlecht, so geht Papas guter Leumund auf mich über.“

Das denkt Robertos Freund, der auf die schiefe Bahn geraten ist. Sein Gewissen hat er totgedrückt, er steht jenseits allem Guten. Er ruft Roberto an, sich mit ihm zu treffen. Eingedenk der Mahnung jenes Fremden, an den Roberto unablässig rätselt, zögert er. Denn immer wieder steht das Ungewisse in ihm auf, ihn bedrängend und er möchte es doch gänzlich von sich schieben. Er kommt davon aber nicht mehr los.

„Ich weiß nicht, ob es geht“, sagt er. „Heute habe ich noch viel zu tun.“ „Abends auch?“ fragt Vilpart wie bedauernd. „Du Armer! Man geht heim, wenn die Fron vorüber ist. Dein Alt . . .“ Er verschluckt sich heftig, er darf mit diesem Ausdruck nicht den Plan gefährden, „ . . . deine alte Arbeit kann doch einmal ruhn. Dein Vater ist doch nicht so streng mit seinem Einzigen.“

Roberto merkt es, weshalb Vilpart sich verschluckt. Wieder will ihn Ärger übermannen. Doch er ist sein Freund. Trotzdem sagt er barsch: „Mein Vater ist nicht streng; ich hab‘ mir selbst die Arbeit vorgenommen. Bald will ich ihn entlasten. Dazu gehört, daß ich die Betriebe übersehen kann, was nicht so einfach ist. Überdies hat meine Schwester in der Wirtschaftssparte bestens abgeschnitten, sie will später durchaus bei uns tätig sein. Ich freue mich darüber und die Eltern auch.“

Roberto wäre das niemals entschlüpft, hätte er den Freund durchschaut. Daß dieser wenig tüchtig ist, weiß er ja; sonst — Wirklich Schlechtes traut er ihm nicht zu. Mitten im Gespräch sieht er wie visionär des Arztes Augen, als ob sie warnen wollten. Er streicht sich über seine Stirn. So ein Unsinn! Plötzlich sagt er zu. „Ich bin gegen neun Uhr abends auf dem Markt. Wir unternehmen eine Tour oder gehn in ein Lokal.“

Vilpart lockt: „In der ‚Meeresmuschel‘ gibt es heute eine Attraktion: Tanzgruppe aus dem Orient. Hast du keine Zeit, so besorge ich uns einen Tisch.“ „Gut; sag‘ dem Ober Manzzu: für mich.“ Roberto hängt rasch ein, er hört den Vater kommen. „Noch so fleißig? Das ist brav! Über unsre Kleine hab‘ ich mich gefreut, Mutter auch. Mit sechzehn schon geschafft! Übers Jahr ist sie zu Hause.“ Unbewußt kommt er dem Sohn entgegen.

„Im Hotel ‚Zur Meeresmuschel‘ gibt es eine Sonderschau. Da gehst du hin, hast zu wenig Abwechslung. Und suche dir ein nettes Mädel aus. Hier, hast du eine Extrawurst!“ Gutmütig drückt der Fabrikant Roberto einen größeren Geldschein in die Hand. „Eigentlich nicht nötig, ich komm‘ mit meinem Gelde aus. Habe mir sogar gespart, was du gar nicht weißt“, dankt Roberto.

„Junge!“ Was kaum geschieht — der alte Herr umarmt den Sohn. „An einem Tag zwei Freuden! Dies zeigt mir an, daß meine beiden Kinder würdige Nachfolger sind und ich um meine Mühe einmal nicht betrogen werde. Mach‘ so weiter! Aber jetzt wird das Büro geschlossen. Mit wem willst du gehen?“

„Vilpart rief mich an.“ Argwöhnisch zieht der Vater seine Brauen hoch. „Du hast nur diesen Freund, was ich bedaure. Er gefällt mir nicht, Roberto, und wenn du kannst, dann löse dich von ihm.“ „Das riet mir gestern Abend auch schon jemand an“, entfährt‘s dem Sohn. Er hatte von der bösen Nacht und von dem Fremden nichts verlauten lassen.

„Wer war denn das?“ Roberto berichtet von dem Arzt, der zugleich ein Priester wäre. Vom Gift verrät er nichts, und nicht die Nacht. „Den will ich kennen lernen“, wünscht der Vater, „es wäre sicher interessant.“ Doch denkt er dabei nicht ans Priesterliche, sondern an den ‚Arzt‘. Noch weiß niemand, daß er dann und wann am Herzen etwas merkt. Es tut nicht wirklich weh, doch es spannt und zieht, und vielleicht — —

„Solltest du ihn treffen und es ergibt sich so, dann sage ihm, er wäre mir willkommen.“ Eigenartig, daß Roberto sich darüber freut. Er kommt von diesem Mann nicht los, von dem ernsten, guten Blick, nicht von der Warnung, die er in den Wind zu schlagen sucht und bringt es nicht zuwege. —

Im Hotel ‚Zur Meeresmuschel‘ geht es vornehm zu. Was vom fernen Osten man zu bieten weiß, bleibt im Rahmen der Gesellschaft, sehr faszinierend, trotzdem ethisch. Bloß ein paar Lüstlinge sehen in den durchaus edlen braunen Mädchen jenes Wild, das zu jagen sie gern möchten. Aber wie — ? Auch Vilpart flucht verhalten, als er im Gang ein Mädchen fassen will, doch von harter Hand zurückgerissen wird. Der Hoteldirektor hat für Sauberkeit und Schutz aufs beste vorgesorgt.

Mißmutig kehrt er an den Tisch zurück, an dem Roberto jetzt mit zwei der Tänzerinnen sitzt. Man hatte sie ihm zugeführt. Die fernen Gäste sollten nicht bloß dienen, und Roberto ist bekannt, da sind die Mädchen ebenso beschützt wie von den Männern, die sie heimlich zu bewachen haben.

„Ah“, hänselt Vilpart, „was verboten ist, das wird hier feilgehalten.“ Er will ein Mädchen angeln. Dunkelbraune Augen warnen, die Kleine hält sich an Roberto fest. Bei ihm ist Reinheit, während Vilpart gierig seine Lippen leckt. Es naht jedoch der letzte Tanz und dann gehn die Mädels schlafen, Mitternacht ist ‘schon vorbei, Roberto mahnt zum Aufbruch. Einmal wähnte er, als stünde vorn am Eingang jener Fremde, den er nicht vergessen kann. Unsinn, Priester gehn nicht zum Vergnügen.

Vilpart unterbricht das Sinnen: „Spendiere erst noch einen guten Roten, zum amüsieren kommen auch noch andere Mädels her.“ „Du“, sagt Roberto böse. Er hat sich schon geärgert, mit dem Freund die Schau besucht zu haben. Allein hätte er sich mehr gefreut an all dem Schönen, an der Kunst, der Reinheit jenes letzten Tempeltanzes, den die braune Gruppe bot.

„Du“, betont er abermals, „ich nicht! Wie oft habe ich dir schon gesagt, ich liebe keine Firlefanzerei. Kein Mädchen ist für mich ein Wild, wie du manchmal zynisch sagtest. Und ich will . . .“ „Höre mal, die Braunen sind an sich schon Wilde, unkultivierte Dinger. Wer weiß, aus welchem Winkel sie hervorgekrochen sind. Da braucht man nicht . . .“

‚Hörst du jetzt nicht auf“, zürnt Roberto, „dann hast du mich das letztemal gesehen!“ „Kann sein“, entfährt es Vilpart, überbrückt sein Versehen und lächelt: „Du solltest mich ja kennen, daß ich‘s nicht so meine. Du hast kühles Blut, ich ein heißes, also brauchst du meine Worte nicht zu sehr zu wägen. Wie steht es nun mit einem Roten?“ sucht er hastig abzulenken. Er muß Roberto bis zur von ihm festgesetzten Stunde halten.

Roberto wehrt, aber Vilpart winkt dem Ober und bestellt. Um kein Aufsehen zu erregen, bleibt er sitzen. Doch immer drängt sich ein Gedanke auf: der Mann, der Priester ist und Arzt, der ihn wie sein Vater warnte. Beide Männer sind in einem Älter, wo Erfahrungen des Lebens die Erkenntnis formten. Er, Roberto, ist noch jung, er will überall ans Gute glauben, obwohl er mancherlei Enttäuschung kennen lernte, nicht zuletzt gerade von dem Freund, dem einzigen, wie er vor sich selbst entschuldigt.

Vilpart trank mit Absicht langsam, und niemand hat gesehen, als er in das andere Weinglas etwas fallen ließ. Es ist kein Gift, es macht bloß gedankenschwach; und eben so muß er Roberto haben. Als Geisel bringt er ihm ein reiches Lösegeld. Ob man ihn dann leben läßt? Lieber nicht; denn einmal wird er merken, wer der Entführer war. Den Schacht hat der Kleine ausgesucht, wo keiner den Vermißten finden wird, nicht einmal die Knochen, wenn sie bleichen werden. Und der Kleine — ? Ha, der müßte eigentlich — — Abwarten, wie es sich ergibt.

Der Zeiger zeigt auf zwei Uhr nachts. Wie übermüdet stemmt sich Vilpart hoch. „Nun ist es doch sehr spät geworden, ich werde dich begleiten, Roberto, du hast viel getrunken.“ „Ich? Nein!“ Es kommt mühsam aus Robertos Mund. Niemals hat er sich betrunken, er weiß doch, daß er heute mäßig war. Dennoch überfällt ihn eine sonderbare Schwere, die ihn wie betrunken schwankend macht. „Bringe mich zu meinem Wagen. Halt! ich rufe in der Villa an, der Hausmann soll mich lieber holen.“

„Du wirst den alten Mann doch nicht aus seinem Schlafe wecken?“ entrüstet sich der Freund. „Ich komme mit dem Auto gut zurecht und bringe dich nach Hause. Komm, Roberto, laß dich führen!“ Willig und wie unter einem Zwang geht dieser mit hinaus. Die Hotelbedienung sieht die beiden nicht, zumal gerade viele Gäste an Bezahlung und an Aufbruch denken.

Die Kühle in der Nacht müßte eigentlich erfrischen; bei Roberto legt sie sich wie Mehltau auf die Glieder. Noch nimmt er wahr, daß sein Auto nicht am Parkplatz steht und Vilpart ihn in eine Seitengasse drängt. Sein Gehirn gleicht einem leeren Sack und so merkt er nicht, was jetzt geschieht.

Vilpart wittert hinter sich, er muß Roberto stützen, also bleibt die Wachsamkeit geteilt. Im trüben Licht sieht er die Brücke und da lehnt der Kleine. Weiter vorne steht ein dunklen Wagen. Alles ist bereit. Eben fällt Roberto hin. Vilpart winkt um Beistand, er hat gehofft, sein Opfer käme bis zum Wagen. Die Gestalt löst sich vom Geländer. Vilpart übersieht, ‚daß es nicht der Kumpel ist, und daß an beiden Brückenenden mehrere Personen stehen. Er muß Roberto schleppen.

Vier Fäuste greifen den Verbrecher und der Fremde steht vor ihm. Zwei von zehn Polizisten, von jenem alarmiert, heben den Betäubten auf und betten ihn in ihren Streifenwagen. Es war absolut nicht leicht, die Polizei zu überzeugen, was in dieser Nacht geschehen sollte. Robertos Name gab den Ausschlag, doch bereit zu sein. Erst hatten sie gemurrt und den Priester einen Scharlatan genannt. Er blieb fest und ließ nicht locker. Nun, wenn es stimmt, würden sie, die Retter, vom Fabriksbesitzer reich belohnt. Dafür ist derselbe stadtbekannt.

Einer von den Offizieren sagt zum Fremden: „Sie hatten recht! Wir bitten um Verzeihung, weil wir . . .“ „Abgetan“, winkt der Priester freundlich mit der Hand. „Mißtrauen ist der Warner, den der Mensch erhält — zu seinem Schutz. Manchmal freilich ist er fehl am Platz, nicht wahr?“ Zustimmend nickt der Offizier. Vier seiner Leute halten Vilpart und bringen ihn zu einem anderen Wagen. Er wehrt sich mit Gewalt, tobt und schreit:

„Was wollt ihr denn von mir? Wenn Beocana keinen Wein verträgt, sollte er nicht saufen! Sein Auto muß gestohlen sein, ich fand es nicht und wollte ihn nach Hause bringen.“ „Du Lügner!“ zankt der Offizier. „Dein ‚Kleiner‘ hat bereits gesungen; den haben wir, dank der Aufmerksamkeit eines Fremden. Brauchst nicht zu lügen und wir bringen es heraus, was du mit dem jungen Beocana machtest. Da wird deine Hand im Spiele sein, was? Los, steig‘ ein, in unserem Quartier kannst du ebenfalls schön singen! Wir bringen deine Schandtat rasch heraus, darauf kannst du dich verlassen!“

Vilpart atmet auf, also hat der Kleine nichts verraten. Er denkt nicht an die Schmach, die er über seine Eltern häuft; er sinnt, wie er sich befreien kann, notfalls mit Gewalt. Haßerfüllt sieht er den Priester an. Er reißt sich von den Polizisten los, stürzt sich auf ihn und — liegt verkrümmt am Boden. Sogar die Ordnungshüter sind verblüfft, wie der Fremde blitzschnell reagierte. Den ‚Handgriff‘ hat man nicht gesehen. ‚Den muß man kennen lernen‘, wünschen sich die Männer. Allerdings — viele Jahre in der Wildnis, da lernt man eben etwas mehr.

Vilpart wird gefesselt abtransportiert. Der Arzt läßt Roberto zu sich in die Wohnung bringen. Im Beisein eines zweiten Offiziers untersucht er ihn: „Ich habe es; er mußte etwas schlucken, und das betäubte ihn. Ich habe aber vorgesorgt: das Glas, aus dem Roberto trank, wird untersucht. Gefährlich ist es nicht“, beruhigt er den Offizier, der ihn rückhaltlos bewundert. Er bereitet eine Medizin, die er dem halb Bewußtlosen einflößen muß. Danach schläft Roberto ruhig ein.

„Wir müssen zu Herrn Beocana“, befiehlt jener. „Kommen Sie doch bitte mit“, fordert er den Fremden höflich auf. „Aber jetzt nicht gleich, und Sie tun gut, die Eltern mit dem Schrecklichen nicht nachts zu überfallen. Auch will ich meinen Kranken nicht verlassen. Wenn er erwacht, dann ist es besser, daß er sich behütet fühlt. Die ‚Schlafnarkose‘ des Verbrechers löschte das Gefühl nicht aus, bedroht zu sein, freilich ohne vollem Wissen. Da ich ihn schon gestern warnte — ich berichtete Ihnen ja das letzte Nachterleben — ‚ blieb der Gedanke in ihm haften, sein Freund könne doch kein guter Umgang für ihn sein.

Wissen Sie“, sagt der Priester, während er Roberto unablässig überwacht, „Gedanken, die man jemand sozusagen injiziert, bleiben hängen, auch wenn der Injizierte sie zu übertönen sucht. Roberto mußte auf dem Weg zur Brücke die Gefahren spüren, er konnte sich nur nicht dagegen wehren. Das bricht auf, sobald er aus dem Schlaf erwacht. Einer von den Herren könnte bei mir bleiben; in der Frühe treffen wir uns bei Robertos Eltern. Gegen sechs Uhr, da steht der Fabrikant schon auf, könnten Sie ihn unterrichten, daß sein Sohn wegen Trunkenheit noch schläft, so gesagt, daß sich der Vater nicht erregt. Botschaften dieser Art muß man in Portionen reichen, soll aus einem Unglück nicht ein zweites werden. Der Vater könnte einen Herzanfall erleiden.“

„Richtig“, bekennt der Offizier. Meist fällt man mit der Tür ins Haus. „Können wir Roberto dann vernehmen?“ „Gewiß; bloß muß er den Zusammenhang erst kennen lernen.“ Die Polizei verläßt das kleine, gelbe Haus. Der Offizier bleibt neugierig und beeindruckt von dem Arzt, der Priester ist und vieles mehr: ein Menschenkenner, ein solcher, der noch die verlorene Kunst besitzt, aus Raum und Zeit zu schauen, auf dem längst unbekannten Weg zu helfen.

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