Daniel, der Königsprophet. Es mutet eigenartig an, wenn man nicht die geistigen Zusammenhänge kennt, daß er, entgegen allen anderen Altbundpropheten, während seiner Lebenszeit mit Königen zu tun hat, ein Weltfürst wird und — ‚Bote aus dem Hause Gottes‘ bleibt, zum höheren Dienen vorbestimmt. Daniel ist in doppeltem Sinn ein Fürst: für das Licht und für die Welt.
Deutet man die Zeiten, so ist zu merken, daß Daniels Geschichte nicht von ungefähr sich so ergibt, wie die Kunde sagt. Siebzig Jahre unter Babylons Regierung, einem Volke, reich an hohem Wissen und an Dämonien aller Art. Neben kulturellem Fortschritt wohnt der Größenwahn und fürchterliche Grausamkeit, worunter viele Völker, nicht zuletzt das eigene Volk, zu leiden haben,
In diese ‚Hochspannung zwischen Licht und Finsternis‘ wird das Kind aus jüdischem Fürstenhaus getragen. Schöne Knaben wie auch Mädchen sind begehrt. Kein Wunder, daß der frühverwaiste kluge, feine Knabe Daniel von ‚Hand zu Hand‘ gereicht wird, bis er am Hofe Nebukadnezars landet. Da ist er etwa zwanzig Jahre alt.
So wie Juda fünfzig Jahrelang gefangen ist, dient er fremden Königen. Hier sei Gottes Wort vermerkt: ‚Das fünfzigste Jahr ist euer Halljahr‘ (Vergebungs-, Versöhnungsjahr; 3. Mo. 25, 11).
Nach der langen Gefangenschaft darf Juda wieder heim nach Kanaan. Die Geschehnisse zeigen sich im Buche auf; aber von den Zeiten ist noch einiges zu sagen.
Mose und Elia stehen in zwei Sonderzeichen: Mose führt das Volk aus ägyptischer Fron; ab Elia geht es seinem Untergang entgegen. Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel sind eng aufeinanderfolgende Propheten. Man nennt sie die ‚vier großen‘, während zu ihrer Zeit und danach die ‚zwölf kleineren‘ erscheinen.
Das sind Schlüsselzahlen der UR-Vierwesenheit und sieben Eigenschaften, die als Geister, Sterne, Leuchter und als Fackeln eine vierfache Darstellung erhalten. Nach Daniel kommen noch vier kleine Sendlinge aus den zwölf, wovon der letzte rund vierhundert Jahre vor Christo kommt. Dann beginnt die ‚arme Zeit‘, bis zur Geburt des Herrn. Soll das alles Zufall sein? nur so gegeben? — ?
Auch Daniels Zeit und Wirken ist keinem Zufall zuzuschreiben. Sinngemäß ist er der letzte Vorläufer des KÖNIGS und hat vorwiegend mit vier Hauptkönigen zu tun. Daß dadurch auch dem Volk geholfen wird, zeigt Gottes Güte und Erbarmung an. Dieser Vorstrahl reicht als Segen bis zum Wendepunkt der End-Epoche (Christi Geburt).
Noch eine Tiefe: Juda, am Euphrat festgehalten. Der vierte Strom aus Eden (1. Mo. 2, 14) symbolisiert die vierte Wesenheit aus UR und deren Eigenschaft Barmherzigkeit. Der siebente Engelsfürst Gabriel als deren Träger hat fast ausschließlich Daniel zu unterweisen. Und Juda ward von Babylonien siebzig Jahre unterjocht, siebzig Jahre alt wird Daniel. Babylonien ist das Land, Babylon die Hauptstadt, Babel ein nördlicher Gau des Landes.
Ist jene Zeit der ‚Großen Babylon‘ auf jetzt zu übertragen? Ohne Zweifel! Wie damals neben reichem Wissen, Kunst, Kultur und Technik, Mord, Intrige, Grausamkeit, Unzucht, ein Niedersinken ganzer Völker vor sich ging, die Lichthoheit der Urchaldäer bloß zu bösem Zweck verwendet ward, nicht anders, außer in sich steigernden Massen, ist die Menschheit heute neben reichem Wissen, Fortschritt, auch gutem Tun, durch die überhandnehmenden Grausamkeiten in den Kriegen der Verderbnis preisgegeben. Die Morde mehren sich, Unzucht steht an der Tagesordnung. Neben der Charitas, hoch gesegnet, herrscht fast völliges Versagen zwischen Mensch und Mensch.
Damals waren es die eng gegrenzten Völker, heute ist‘s die ganze Welt, die sich ihr Grab geschaufelt hat. Darüber aber leuchtet ewig unentwegt UR-Gottes Güte, Gnade, Liebe und Barmherzigkeit. Das sei der Trost für alle Menschen in den letzten Lebensstunden dieser Welt, mit ihrem Untergang als ‚Große Babylon‘.
(A.W. 1968–69)
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