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Kap 32 – Segensreiche Abrechnung; Gottes Lehre schließt den Landtag ab

Kapitel 32

Drei lange Tische werden aufgestellt. Daniel forscht: „Was hast du vor, königlicher Freund?“ Cyrus tut geheimnisvoll: „Ein Prophet darf auch mal fragen, was er eben noch nicht weiß. Jedoch ahnen — ? Das wirst du sicher können.“

„Ja, und man teilt die Leute ein, als wäre jedermann bekannt.“ „Sogar genau! Auch nicht erst seit gestern oder heute, wie du fein gepredigt hast. Ich prüfte lang, was außer Landes darf — nicht wer, weißt du? Es darf jeder heim. Aber eben was, war mein Geheimnis.“ „Heute hat der Herr dich eingesetzt, also wird dein Tun auch Segen bringen, selbst wenn einige . . .“ murren mögen, das bringt mich nicht von meinem Plan.“

Die Räte legen Rollen und auch Tafeln auf. In den Rollen stehn die Namen, die der Regent erfassen ließ. Er sagt vernehmlich: „Erst kommen Juda‘s Arme an die Reihe, die den Vorzug haben sollen.“ Das erleichtert manch Verzagten und man flüstert: „O wie gut, daß unser Jordanseher mit dem Perser eng befreundet ist; also geht es sicher rechtlich zu.“

Andere sehen sauer drein. Immerhin — es hat sich mancher Gottes Willen unterstellt. Den Armen sagt der König: „Von Gott gesegnet könnt ihr heimwärts ziehen; wartet aber ein paar Tage, bis Daniel die Reise vorbereitet hat. Denn so arm, wie ihr gekommen oder hier geboren und es heute auch noch seid, so arm sollt ihr in Kanaan nicht leben! Wartet es nur ruhig ab.“ Sein heller Blick läßt manche Herzen höher schlagen.

Ein Reicher murmelt: „Will er unsere Felle scheren? Daraus wird nichts, du hochgeblasener Persermann!“ „Ich halte meine Katze auch nicht hin“, erwidert einer. Da steht Daniel bei ihnen. „Von Gottes Worten habt ihr nichts in euere kalten Herzen eingelassen“, ernst pausiert, „also sind der Segen und die Gnade auch nicht eingekehrt. Soll ich dem König euer ‚Attribut‘ verraten?

Euretwegen unterlasse ich es nicht, das sei vermerkt! Ihr habt Gottes Heil nicht angenommen; seht zu, wie ihr den Tag beschließen mögt. Vielleicht —“ Absichtlich läßt der Seher seine Worte offen. Betreten sehen ihm die Männer nach. „Es wird sich geben; aber alles melde ich nicht an“, sagt ein Dritter.

„Meinst du, es ginge nach Prozenten?“ „Möglich.“ „Ich hörte euch“, sagt ein anderer, „Gottes Worte haben sich mir eingeprägt; und was Cyrus will, befolge ich. Es wird Gottes Wille sein. Sind wir so gesegnet, daß wir gesund nach Hause können, dann sollten wir das Scherflein willig opfern.“

„Wenn es bei einem Scherflein bleibt“, höhnt der Erste. Unwillig wendet sich der Gute ab und geht hin zu seinem Tisch. Bei den Armen fragt Cyrus freundlich: „Wer ist noch nicht aufgerufen worden?“ Sie kommen, geben ihre Namen, Stand, Frau und Kinder an. Sorglich wird es aufgeschrieben.

Am zweiten Tische handeln Oberräte. Auch da wird jeder freundlich aufgefordert, Geld und Werte anzugeben. Weil bei der ersten Gruppe alles ordentlich verläuft, kommt Cyrus her und sagt: „Liebe Leute, ich weiß, daß ihr nicht in Reichtum schwimmt; aber soviel hat ein jeder, um einiges von dem zu opfern, was er in Babylonien erworben hat. Wer gibt freiwillig?“

„Für was ist es denn?“ Der Mann bereut die Frage, denn des Königs Augen blitzen scharf. „Das sage ich am Ende! Was ich erkundet habe, stimmt genau. Du bist Hisebar, ein Advokat, kein guter. Eigentlich gehörst du an den dritten Tisch. Doch so sehr streng gehe ich nicht vor. Ja nicht streng, dafür gerecht; und die Gerechtigkeit tut manchem weh, nicht wahr?

Drücke dich nur nicht“, befiehlt Cyrus, als Hisebar verschwinden will, „du bist eben an der Reihe. Wieviel willst du uns freiwillig geben?“ „Hm — was du haben willst; denn ‚ . . .“ „. . . du könntest dich nicht wehren? O doch, mein Jüdlein, heute dürftest du, weil es ein Gnadentag des Höchsten ist. Also sagen wir die Hälfte, ja?“

„Die Hälfte?“ Hisebar wird blaß. Er wagt nicht zu widersprechen. Ein verstecktes Lächeln huscht dem König um die Augen. Er will nur ein Beispiel geben, damit die Harten lernen, weich zu werden. Auch ein Auftrag Gottes! „Nun, sagen wir ein Viertel. Bist du damit einverstanden?“ Hm, ein Viertel — ?‚ das könnte er entbehren.

„Weil du willig bist“, sagt Cyrus „zwar nicht ganz freiwillig, so opfere zweimal einen Zehnt,“ Hisbar atmet auf. Er gewinnt sogar Vertrauen, obgleich er noch nicht weiß, für wen und was der König diese ‚Steuern‘ einbehält. „Du bist gerecht, König Cyrus, und ich danke dir, weil du mir geholfen hast,“ „In was?“ „Mich zu überwinden“, bekennt der Jude frei und offen.

„Recht so!“ Mehr solcher ‚Lehren‘ rollt der König ab. Er ruft Daniel: „Komm, hilf hier weiter; am dritten Tisch bin ich jetzt nötig.“ Das geschieht, um Daniel zu entlasten. Die Reichen sollen hinterher nicht über ihren Fürsten schimpfen. Der Seher ist nicht unterrichtet, für was die Spenden dienen sollen; aber seine Ahnung stimmt ihn freudig. Unentwegt dankt er im Stillen ‚aller Leute Gott‘, wie sein Geist es sagt.

Aufgeschrieben oder aufgerufen ist am dritten Tisch schon jeder, bevor Cyrus kommt. Bei fast allen wurde das Vermögen festgestellt. Daniel war die Nachsicht selbst, absolut nicht ohne Grund. Es ist gut, daß die eigentliche Registrierung sich der Perser vorbehalten hat. Also wird er einmal keinen Ärger haben, kehrt er als letzter Mann ins Jordanland zurück.

Undurchdringlich schaut der Perser drein; seine Mienen aber sind gelöst, als wenn ihn irgendwas umgibt. Die Besseren ahnen: er steht unter Gottes Licht. Zwischendurch ruft er ein paar ‚Böcke‘ auf. Phelag, der vom ‚hochgeblasenen Perser‘ sprach, wird aschfahl, als sein Name fällt. Ob Daniel — ? Ah, er verwünscht sich selbst; denn natürlich unterstehen sie dem persischen Gericht, solange sie noch hier am Euphrat weilen.

„Phelag“, beginnt der König ernst, „ich hörte —“ Ein Hintermann stützt den Wankenden, sonst wäre er gleich umgefallen. Das Zeichen einer Schuld, oder — einer Schwäche? Ja, stundenlang hier Schlange stehen, strengt sehr an. „Ist dir etwa übel?“ Cyrus braucht nicht erst zu fragen, was den Juden wanken läßt. „Da ist ein Schemel, du kannst dich setzen.

Gib dein Vermögen an; genau!“ „Ja, hoher Perser“, ermannt sich Phelag. „Ich habe babylonisches Geld, weil es hier nur solches gibt und . . ‚“ „. . . zehn große Krüge, voll gefüllt mit Edelsteinen, nicht wahr?“ Phelags Mund bleibt vor Erstaunen offen stehen. Woher weiß man den geheimen Schatz?

„Brauchst nicht erst zu lügen!“ „Ich lüge nicht“, sucht Phelag sich herauszureden. „Niemand wußte, daß du zur Abgangssteuer auch die Steine einbeziehst.“ „Eine Steuer ist es nicht, obwohl ich sie verlangen könnte. Du müßtest arm, wie du gekommen bist, zurück ins arme Kanaan! Wieviel hast du denn geprägtes Geld?“ Ha, Cyrus weiß von nichts; nur die Krüge hat ein Lump verraten. Daß er es einmal selber war, weiß er nicht.

„Ich müßte es erst zählen.“ Ein Oberrat überführt ihn rasch: „Du hast alles eingepackt; zehn Kamele stehn bereit, die deine Lasten tragen sollen.“ „Mein Hausgerät, was ich brauche.“ „Das halte, wie du willst“, mischt sich Cyrus wieder ein. „Wieviel geprägte Gulden sind in deinen Säcken?“ „Ich habe zwei, mit je tausend Gulden.“

Diese hatte Phelag hingestellt, er ahnte die Kontrolle und sah auch, wie bei anderen, die an der Reihe waren, alles aufgeblättertbward. Da wird ein Karren hergeschoben. Auf diesem liegen die zehn Krüge, außerdem acht Säcke mit je tausend Gulden reinen Goldes. Für die damaligen Begriffe ein immenser Reichtum: Zehn Krüge und zehn Säcke insgesamt.

Cyrus ist nichts mehr verhaßt als Lügen. Er hat manchen, der ihm offen seine Meinung sagte, gern begnadigt; Lügner aber nie. Ein Rat meldet: „Das fanden wir in einem Stall des Mannes.“ „Gehört dies alles dir?“ Zorn loht in des Persers Augen. Schon will Phelag wieder lügen. Jemand stößt ihn heimlich in die Seite.

„König“, jammert er, „du bist mit uns, die wir durch Arbeit reich geworden sind, sehr hart verfahren . . .“ „Die wie du —mit Lügen mir nicht kommen durften! Damit du nicht noch weiter lügst, so sei dir gleich gesagt: deinesgleichen wurden längst bewacht. Du hast in dunklen Nächten deine Schätze selbst zum Stall geschleppt, überdies dein einziger Fleiß. Den Reichtum haben deine armen Diener dir erwerben müssen. Rede daher nicht von einer Arbeit, die dir Schweiß gekostet hätte!

Ich fackele nicht lang! Was willst du opfern? Ich bin heute weder hart noch streng; aber denen wird genommen, die viel haben, und Arme sollen fröhlich sein.“ „Mit meinem Geld?“ fragt Phelag dumm dazwischen. Wieder stößt ihn einer rückwärts an. Er wagt nicht, sich umzusehen. Ein Rat hat es bemerkt und schmunzelt: „Das Rippenstoßen nützt dir nichts.“

„Was ich mit den Opfern tue, ist meine Sache.“ „Nimm einen Krug und einen Sack“, stöhnt Phelag. „Ich nahm allgemein zwei Zehnten, dem dickfälligen Paska ein Drittel. Weil du noch viel schlimmer bist, nehme ich die Hälfte. Oder soll ich lieber alles nehmen?“ „O Gebieter, mache mich nicht arm, nicht —“ Der König ballt die Hände. „Kannst mit nach Persepolis kommen, Schuft! Du hast keinem Kinde je geholfen; und die Groschen, einer Witwe hie und da ‚gnädig‘ in die Hand gedrückt, waren schlechte Münzen.

Du bist der einzige gänzlich Widerliche, daß ich drauf verzichte, dich mitzunehmen! Daniel hat mir von Abraham erzählt, der sogar den letzten Zehnt dem HERRN geopfert hat [VH15]. Nun — neun Zehntel sind die ‚Steuer‘, wie du die Opfergaben nennst. Ein Zehntel ist genug, damit kannst du dir in Kanaan ein Grundstück kaufen. Fleißig mußt du alsdann freilich selber sein.“

Daniel will vermitteln, doch Cyrus streckt die Hände aus: „Frage Gott, ob ich falsch gehandelt habe!“ Nein — ein Exempel kann nicht schaden; bloß wird er — — „Unbesorgt, Daniel! Ich hatte mit Fürst Sesbazar gesprochen, zu deinem Schutz absichtlich ohne dich, und ich gebot ihm, sich von dir zurückzuhalten, womit er dir am besten dienen könne.“

Vermutet hat es Daniel, nur nicht gewußt, warum der Benjaminite selten bei ihm war, viele Jahre, seitdem man Sesbazar — mit seiner Zustimmung — zum Fürsten wählte. Nun hat Gott es wunderbar geordnet, ach, welch Jubel steigt zum Himmelsthron des Höchsten auf. Daniel sagt zu Phelag: „Ja, du bist der Einzige, dessen ich mich schäme, für das ganze Volk!“

Noch muckt Phelag einmal giftig auf: „Du hast gut reden mit dem Reichtum und dem großen Schloß, keinesfalls von deiner Hände Arbeit stammend.“ „Du?“ droht ein Rat, „sei still, wenn du keine Ketten spüren willst!“ Das hilft zwar jetzt, doch er brütet Rache. Ist er erst in Kanaan, dann soll — — —

Das Registrieren geht rasch weiter, trotz der Menge. Nun, die meisten sind ja arm, da wurden nur die Namen vorgelesen oder jene aufgeschrieben, die noch zu erfassen waren. Am dritten Tische währt es länger, obwohl bei ihm die kleinste Gruppe stand. Es wird oft lange hin und her gefeilscht. Noch ein anderer wenig Guter kommt nach Phelag an die Reihe.

Da schiebt sich einer vor: „König, nimm mich dran, damit —“ ein Blick auf Daniel, „— er und du auch eine Freude haben sollt.“ „Das läßt sich hören! Wie heißt du denn?“ „Ich bin Aroboas, eigentlich ein Arzt, nebenbei bin ich noch Kaufmann und war befreundet mit dem Händler Hilkia (Kap. 17).“ Daniel bestätigt es. Endlich jemand, der das Gute Juda‘s repräsentiert.

„Es hat sich manches zugetragen“, beginnt Aroboas, „viel Bosheit und viel Haß. Weil — ich will‘s bekennen — Phelag, Paska, Pochereth und Genossen gegen unseren Propheten hetzten . . .“ „Gegen mich wohl nicht?“ fragt Cyrus leicht verschmitzt.

„Das auch. Du wirst jedoch verstehen, daß man da ein anderes Maß benutzen kann. Wir sind Gefangene gewesen, fünfzig Jahre lang und vorher zwanzig Jahre unterdrückt — drei Generationen. Da muß sich automatisch die Rebellenglut entfachen. Nicht wenige haben Kores, Darius und dich, König Cyrus, für gut befunden, besser, als manche Judenkönige es waren. Das will ‚viel heißen! Daniel wollte man zur Seite schieben. Phelag und die Hörigen sind die Bestecher, unter anderen bei dem damaligen Priester Lysumacha. Babylonier und Perser wurden aufgehetzt, um dir das ‚Löwenurteil‘ abzupressen.“ (wie bei Pilatus das ‚Kreuzige Ihn).

„Davon höre ich erst jetzt“, zürnt Cyrus heftig. „Daniel hatte es verboten, dir zu berichten,“ „O Jordanseher, diese Schmach hast du mir angetan?“ Cyrus wird wieder persisch. Jener lächelt fein. „Es war keine Schmach, es war die geheime Hilfe Gottes — über mich. Da waren welche, die dich vom Throne stürzen wollten. Durch Gottes Wunder wurde es verhütet.“

Der Arzt berichtet weiter: „Fürst Sesbazar hat vorgesorgt. Die ‚faulen Feigenbäume‘ können — mindestens für eine Zeit — in Kanaan nicht wuchern. Ich hetze nicht; doch Rechtsgeschwüre sind wie Wunden zu behandeln. Der Ärgste, Phelag, hetzte, Daniel wär ohne Arbeit reich geworden. Ich hielt dagegen: er hat hart geschafft, nicht zuletzt als erster Fürst der Könige, ist durch unentwegte Arbeit reich geworden.

Dem Seher beizukommen, sogar leiblich, konnte stets verhindert werden; nur wenige zerren noch am schwachen Seil des Hasses. Siehe an, König Cyrus, hinter mir stehen noch elf reiche Männer, die so denken und so handeln wollen wie ich selbst. Befrage sie, und sie bestätigen, was ich dir enthüllte.“

„Das sehe ich den Männern an.“ Gegen Phelag donnert er: „Du bist ärger als der — der — ja, wie hieß der Drache, Daniel?“ „Leviathan“, sagt dieser ernst. Viel Eiter spritzte aus der bösen Wunde dieses armen ‚Rechts der Welt‘. „Ja, ja, dieser böse Leviathan, das ist Phelag! Ich hätte große Lust, ihm auch den letzten Zehnt zu nehmen und ihn obendrein . . .“

„Laß ihn laufen“, mahnt Daniel. Aus der Sicht kommt ihm das Wort:

„Über unsern Händen waltet GOTTES Hand;

über unserm Recht steht GOTTES Recht;

über unserm Willen leuchtet GOTTES Wille!“

Es wird so still; als hätte Gott Sein hohes Richterurteil Selber kundgetan. Vorausgesagt: Phelag sieht die Heimat nicht. Er stirbt auf der Heimfahrt, mitten in der Wüste. Welch ein Mahnmal an die Menschen, damals — heute ebenso!

Man schiebt einen Wagen her. Aroboas sagt zum König: „Wir wissen nicht, für wen du alle diese Opfer einbehältst. Daß du damit Gutes tust, ist nicht anzuzweifeln, selbst wenn du damit bloß die Armen Persiens bedenkst. Das Recht hast du dazu. Doch mir ist, du würdest unsere Armen nicht vergessen.

Zum Aufbau der noch trostlosen Heimat genügt uns eine Hälfte des Vermögens. Der Erwerb war ehrlich durchgeführt.“ Der Perser nickt wiederholt dazu. „So nimm die Hälfte dessen, was auf diesem Wagen liegt. Wir haben außer unserm Hausgerät und unseren Tieren nichts behalten noch versteckt. Bitte, glaube unserer Ehrlichkeit.“ Das übermannt Cyrus so, daß er die Männer stumm umarmt. Und Daniels Jubelherz läuft über.

„Die Sonne ist am Sinken“, er zeigt ins goldene Abendlicht hinauf, „aber uns ist eine Sonne aufgegangen, die — möge Gott sie uns zu jeder Zeit bescheren — niemals untergehen soll. Sie heißt Treue, Liebe, Ehrbarkeit und Hilfsbereitschaft gegen jedermann.“ „Ja, nach des Tages Mühe habt ihr mich sehr froh gemacht“, dankt Cyrus den zwölf Männern.

Da drängen sich die Letzten vor: „Laß uns auch mit helfen. Nimm von uns, o König, was du willst!“ Und sie breiten ihre Schätze aus: Gold, Salbe und manch feinen Edelstein. Es sind nicht die Reichsten von den Reichen, daher nimmt der Perser, wie er vorgesehen hat, nur je zwei Zehnt von aller Habe.

„Liebe Leute“, sagt er ergriffen, „die meisten gaben ihre Opfer willig her. Man bringt sie in das Duraschloß. Wählt siebzig Männer und kommt morgen nach dem Mittag hin. Dann ist abgeschlossen, was ich vorgesehen hatte. Ihr erfahret, was Gott Selbst mir angegeben hat — in einem Traum.

Vier Tage voller Mühe sind vorbei. Ich mußte wachen lassen; denn auch andere Störenfriede gingen um (Bels Priestermagier). Doch wie hoch und herrlich sich der Himmel ausgebreitet hatte, so viel höher und viel herrlicher stand Gottes Gnade über diesem Werk, das zum Frieden führen sollte. Und es ist getan! — Nun hat Daniel noch ein letztes Wort zu sagen.“ Oder ist‘s der Herr — — —

Da steht er, siebzig Jahre alt und ungebeugt. Der letzte Strahl der Sonne hüllt ihn in des Lichtes Mantel ein. „Volk Juda, Völker dieser Welt vom Aufgang bis zu ihrem Niedergang: Ich habe diese Welt erkoren, die — im Kranz von allen Welten — die kleinste, ärmste ist. Ihr denkt, sie wäre reich an vielen Gütern. Doch wer hat den Wert der Güter ausgedacht? Habt ihr nicht selbst die Norm gesetzt, danach ihr eueren Handel treibt?!

Ja, reich ist die Stätte, da ihr wandelt, unwissend, warum dies ist. Manches wird bedeckt der Straße wegen, die die Ersten und die Letzten in die Heimat bringt. Denkt nicht ans Irdische, die ihr zum Jordan strebt. Das vergeht, wie alle Welt; denn nur so wird euch die Bahn ins Licht geöffnet werden. Wer das Vergängliche liebt, dessen Seele wandert lange in der Finsternis, bis er müde wird, bis er wie ein Kindlein weint. Dann komme Ich und helfe jedem, der im Flammenmeer der Sehnsucht zu Mir brennt.

Wähnt ihr, daß Ich dann erst niedersteige, um das verirrte Kind zurückzubringen? Muß Ich Zeiten setzen, dies und jenes heute, morgen oder andermal zu tun, wie ihr Menschen auch die Zeit in eure Normen preßt? Weit gefehlt! Meine Zeiten, für euch unermeßlich, füllen ungeheure Ewigkeiten aus! Diese heißen bei Mir GNADE und ERBARMUNG, deren Grund das Recht des Schöpferwillens ist!

Manche kennen Meinen Reichtum, den Ich eurer Erde lieh, der in ihren Gütern glänzt, denen ihr das Weltmaß gebt. Vom Inneren haben Wenige den Grundbegriff. Das Nichtbegreifen messe Ich nicht allzu scharf, weil der Mensch auf seinem Weg in der Materie den höchsten Sinn des Lebens kaum erkennt — bis auf die Wenigen, die sich in allen Dingen von MIR leiten lassen.

Meine Worte, an das Jordanvolk gerichtet, gelten allen, die sie heute hören, gelten der Materie von ihrem Aufgang bis zum Niedergang und allerwärts. Denn was ICH sage, ist so ewig, wie ICH SELBER ewig bin! Wer kann denn Meine Ewigkeit erfassen? Aber was Ich nun in Meinem Wort als SEGEN fließen lasse, das ist aufzunehmen und als unvergängliches Edelgut im Herzen zu bewahren.

Der Mensch vergeht! Unvergänglich ist sein Herz, des Geistes und des Lichtes Sitz. Nicht verliert derselbe Meinen Reichtum, der vom Himmel kommt und diesem angehört. Wer so den Schöpfer kennt, Der zu aller Zeit sein VATER ist, der bleibt mit Mir verbunden — auch aus sich selbst, wie Ich jedes Kind ans Vaterherz gebunden habe, ehe es im Lebenssein sich selbst erkannte.

Ich mache Meinen Bund nicht neu, den Ich mit den Kindgedanken schloß, als sie noch in Meines Geistes Tiefe ruhten. Ich erneuere ihn nur von Zeit zu Zeit — der Materie und Weltbewohner wegen, weil diese — auch von Zeit zu Zeit sich vom Bunde lösen und ihn nicht mehr kennen mögen. Was sie sich damit verscherzen — oh!, sie würden sich vor Leid verzehren, wenn eben ICH den Bund nicht immer wieder wie als einen neuen offenbaren würde!

So auch jetzt! Wer sich heute in den Gnadenbund begibt und ihn sich bewahrt bis ans Ende auf der Welt, der Ich den Grundstock der ERLÖSUNG gab, aus welchem die Erlösung alles überstrahlt, der mag bleiben oder wandern, kann im armen Reichtum oder in der reichen Armut stehen, der mag die Güter dieser Welt verlieren oder auch behalten, — eines wird er nie verlieren:

MICH, den Vater, und den SEGEN, den pur Ich zu geben weiß!

Niemand fällt aus Meiner Hand, auch wer sich selbst durch seinen Arg herausgewunden hat. Mit solchem Lebenswandel steht er außerhalb des Segens, aber außerhalb des Rechtes nicht! Er bliebe sonst nicht lebensfähig, weder für das Reich, erst recht nicht auf der Welt. Im Recht erhalte Ich die Kinder, aber bloß Mein Segen öffnet jedem einst das Vaterhaus.

Sehet zu, daß ihr den Reichtum Meiner Worte, Meines Segens, nicht verliert, nicht vergebt um das Vergängliche der Welt, die — wie schon gesagt — vergeht, wenn noch alle Himmelslichter glänzen. So wie diese kann das Herz des Kindes ewig glänzen, kann ein Schmuck im Heiligtum des Vaters sein!“

Die samtene Decke einer gnadenvollen Nacht ist mit unzählbaren Sternen übersät. Sie sind der hehre Schmuck im Haus und Heiligtum des Herrn. Da sinkt einer von den Menschen um den andern nieder, wie sich die Seele neigt; die Augen sehen hoch, wie sich der Geist zu Gott erhebt. Alle gehen lautlos fort, wie man auch den Gang der Sterne nicht vernimmt. — — —

Im Duraschloß versammelt, sagt Cyrus zu Fürst Sesbazar, der zum Landtag hergekommen war: „Was hast du einst durch Mithredath vom Tempelschatz erhalten? Eigentlich ist nach den Listen alles da.“ „König Kores gab mir eine Abschrift jener Listen“, gibt Sesbazar Bescheid, „auf denen manches aus den Fürstenhäusern, die verwüstet wurden, ebenfalls mit aufgezeichnet steht.

Es war nirgends besser als im königlichen Schatzhaus aufbewahrt. Kores sagte mir: ‚Die Listen gelten wie der Schatz, du kannst dich fest darauf berufen. Man wird meinen Willen achten.‘ Für mich sind die Listen wie die Schätze selbst (Esra 1, 8 ).“ Cyrus fragte nur, damit vor vielen Zeugen alles ausgeliefert werden soll. Dann folgt des Königs gute Tat.

„Wer war nicht verwundert, warum ich soviel Opfer nahm? Daniel belehrte mich vom ‚Recht der Wiedergutmachung‘. Diesem Höhenfluge konnte ich kaum folgen, wohin er sich ganz leicht erhob. Ich, mit schweren Erdenflügeln noch behaftet, konnte es nur in Gedanken tun. Oder ist‘s ein kleiner Höhenflug, wenn ich die Wiedergutmachung, die sich pur aufs Geistige bezieht, heute für das Äußere bedenke?, an eine Wiedergutmachung zwischen Völkern?

Was Babylonien getan, das ist auszugleichen. Ein Beispiel sollte Phelag sein. Abraham, aus königlichem Altgeschlecht, gab aus der ‚Schlacht des Rechts‘ den letzten Zehnten her, und — empfing aus diesem Opfer durch die Hand des Höchsten vielfach das Geopferte zurück. Das gab mir zu denken. Allgemein ist‘s auf der Welt nicht durchführbar; aber dann und wann — ?

Wir hörten jene Worte von der Bunderneuerung — dann und wann. So sind wohl auch die Wiedergutmachungen menschlich anzusehen. Genug: in den Morgenstunden träumte mir: ‚Was du dir vorgenommen hast, ist eine Wiedergutmachung von Volk zu Volk. Sei darob gesegnet.‘ So kurz der Traum, so lang die Freude meines Herzens. Darum gebe ich die Steuern, die ich rechtlich einbehalten kann, zurück.

Kanaan liegt noch darnieder, trotz mancher Mühe, von tüchtigen und guten Männern in den letzten Jahren aufgebracht. Ich weiß, ihr könnt jetzt nicht zurück, wie ich von Josua die Kunde kenne: kommen und besitzen. Viel Land ist neu zu kaufen. Nun, die Zehnten sollen euerem Volk zugute kommen, sie sind durch Fürst Sesbazar und seine Helfer an die Armen zu verteilen. Aber das gerecht zu tun, ist euere Angelegenheit.

Was die Reichsten opferten, gehört zum Aufbau eures Tempels. Von dem Geopferten der anderen und dem der Übeltäter könnt ihr nebenher noch Schulen oder Synagogen bauen. Mit Fleiß und sich gegenseitig helfend, wird nach Jahr und Tag das Land am Jordan neu erblühn. Ich wünsche gern, daß ihr Juden selbst das Ziel erreicht, welches Gott euch setzte, wie Daniel mir kundgegeben hat.

Noch rate ich: Zieht nicht in vollem Schwarme fort. Überlaßt es euern Fürsten, euch in Heimkehrgruppen einzuteilen. Wenn ihr wie der in dem Segenslande wohnt, dann denket nicht in Haß an Babylonien zurück, nicht mit Groll an Kores, Darius und an mich. Denkt daran, ob es nicht Gottes Wille war und ich zuguterletzt als kleinster Willeträger wirken durfte.“

Es sind verantwortungsbewußte, ernste Männer, und die Fremde hat sie auch gehärtet. Nun — ? Wenige, die ihr Gefühl hinunterschlucken können. Kaum einer, der mit Worten dankt. Auch Daniel dankt stumm. Er reicht Cyrus eine Rolle. Ein Rat will fragen, warum der König sich die Steuer nicht behielt. Daniel winkt ab. „Du meinst‘s nicht schlecht; aber willst du deines Königs Freude mindern?“ Nein, das will der Hofbeamte nicht.

Indessen bricht der Perser beide Siegel auf und liest, zunehmend erstaunt: „Ich, Daniel, genannt der Jordanseher und ein Fürst der Könige, vermache das in Babylon mir zugewendete Eigentum dem Perserreich und zwar so: Das Schloß ist für Witwen und für Waisen auszubauen. Meine Werte sind zum Erhalt desselben und der Menschen vorgesehen. Schutzherr des Vermächtnisses ist König Cyrus oder wen er einst als Schutzherr wählen wird.

Dies ist mein Dank für viele Güte, die dem Judavolke, sowie mir von den drei Königen Kores, Darius und Cyrus stets zuteil geworden ist. Möge auf dem Willen, der hier mein letzter ist, Gottes Segen ruhen. Ich bin gewiß, daß König Cyrus diesen meinen Willen ehrt. So geschrieben im Schloß zu Dura im Landgau Babel unter Persiens Regiment.“

Da jubeln alle: Gefangene und Befreier, Perser, Babylonier und Juden. Kambasy bittet: „König Cyrus, ich habe Daniel geschworen, bei ihm zu bleiben bis zu seinem Tod. Ich möchte — er hat —“ „Erlaubt! Auch ein Zeichen dieser Stunde, daß zwei Männer aus verschiedenen Völkern sich die Treue halten. Aber du, Freund Daniel, du willst wirklich fort von mir?“

„Außerlich; dem Herzen nach bleibt unser Bund, von Gott gesegnet. Meine Stunden sind gezählt. Dort, wo ich geboren ward, soll mein Leib begraben sein. Mein Geist verläßt die Welt, aber —“ „— was du, Prophet, aus Gottes Licht den Menschen bringen durftest, wird nicht verwehn, solang die Welt bestehen bleibt!“ Das sagt Fürst Sesbazar, und man stimmt ihm zu.

Schwer ist die Trennung, als am andern Morgen Cyrus scheidet. Und Trupp um Trupp verläßt das Volk die Fremde, von persischen Soldaten bis zum Jordan heimgebracht. Noch drei Tage und die letzten sieben Wochen runden sich für Daniel.

„Herr, wann rufst Du mich nach Hause?“ Noch wohnt der Seher auf der schönen Durahöhe. Und er hört: „Hier noch, am Vaterstrome der Barmherzigkeit, zwar nur weltlich ausgedeutet, sollst du das Letzte deiner Bilder sehen, ein Beispiel für die Gotteskinder, denen diese Welt die Fremde ist. Alsdann ziehe hin nach Kanaan. Aber du, ein Ältester an Gottes Thron, kehrst heim!“ O Jubel über dieses Wort. Heim! Heim! „Herr-Gott, Dir danke ich!“

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