Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (0ff. 22, 13)
1-1 Licht! — UR schaut zur Höhe auf. Die Sonne, die in gnadenvoller Nacht den einen Tropfen bestrahlt hatte, sich in ihm und allen Tropfen spiegelnd, schwebt im Heiligtum. Makellos im Glanze ihres Goldes.
1-2 Die erste höchstwichtige Sekunde der Tagzeit ist vorüber. Aus UR dringt unaufhörlich Licht um Licht, Strahl um Strahl, eine mächtige Erhabenheit ohne gleichen. Doch so unendlich auch die Sinfonie erklingt: nur eine Herzkammer hat sie geschaffen; und selbst diese ist nur halb am Werk beteiligt, sonst könnte nicht Sein Heiligtum als Hort = Hütte, Obhut sichtbar sein.
1-3 Hoch wölben sich die rötlich gefärbten Mauern aus Kristall. Zwölf Doppelsäulen reihen sich darum; sie tragen das weite, wuchtige Dach. Zwischen den Säulen befinden sich vier Tore und sieben Fenster, zwei Doppelsäulen inmitten der vier Tore. Der Innenraum, dessen Tiefe überwältigt, teilt sich ohne Grenzung in zwei Teile, in die Vorhalle und in das Zentrum. Steht man aber dort, so bilden beide Teile ein einheitliches Ganzes. Sieben Doppelsäulen, die bis zu des Doms wunderbarer Decke streben, flankieren die Innenmauern, die gläsern glänzen. Das Zentrum hat in seinem Mittelpunkt vier Doppelsäulen, deren Füße Löwenpranken sind. Sie stützen im Geviert die feierliche Kuppel, unter deren genauen Mitte die UR-Sonne frei schwebt.
1-4 Unter der UR-Sonne, im Zentral ihrer Strahlung, steht der Heilige Herd. Seine Herrlichkeit übertrifft jede vergangene Schaffung. Er ist rechteckig und ruht auf vier goldenen Löwenköpfen. Seine Platte ist Alabaster. Von ihr ausgehend hängen vier Läufer in den Farben Blau, Gelb, Rot und Weiß herab, die durch die vier Tore bis zur UR-Raumferne reichen. Mitten auf der Alabasterplatte steht ein silberner Teller; auf ihm brennt das ewige Feuer. Über diesem, zwischen ihm und der UR-Sonne, hängt an vier Goldketten eine dunkle Opferschale. Um das Herdfeuer sind sieben Leuchter mit je zwei Kerzen aufgestellt, aber noch nicht angebrannt. Vor jedem Leuchter, von silbernen Glocken verhüllt, ruht ein Zeichen, ebenso je ein großes und drei andere auf den vier Herdecken. Über jeder Glocke schwebt ein Sternenpaar.
1-5 Hinter dem Herd, vier Stufen erhöht, steht der hohe, erhabene Stuhl der Gottheit. Hoch reckt sich seine Lehne, und breit sind die Armstützen. Seine Füße sind gleich zwei gekreuzten Löwen. Rot ist die Farbe des Stuhls, weiß der Baldachin, die Seiten blau und gelb einmal gestreift. Die vier Farben der UR-Ewigkeit. —
1-6 Auf dem Heiligen Herd vor dem Stuhl liegt das mit sieben Siegeln verschlossene Schöpfungsbuch. Seine vier Ecken haben die Form eines doppelt gekreuzten Herzens. Vor dem Herd innerhalb des Vier-Säulen-Raumes steht ein Thronsessel in den Farben des Stuhls, im Halbkreis dahinter sieben Thronstühle, der mittlere in Weiß, rechts und links je zwei in Rot, Gelb und Blau. Ein zweiter Halbkreis von vierundzwanzig Stühlen ist hinter den sieben gebildet. Rechts und links, an den Schmalseiten des Heiligen Herdes, stehen noch vier große Stühle, je in einer Farbe. Offensichtlich wird durch diese Thronstuhlreihen das Allerheiligste vom übrigen Raum isoliert, ohne jedoch Trennung sein zu wollen. Viele Herrlichkeiten schmücken das Heiligtum, noch ruhend wie unter feinem Nebel. Nur der Glanz bricht schon hindurch.
1-7 Die zweite Sekunde ist vorüber, randvoll gefüllt mit einer Gottheitsgabe. Wer den die Kinder, die zu ihrer erstbewußten Geburt erwachen sollen, all dessen würdig sein? Vier Glockentöne trägt die Ewigkeit: Sekunde, Minute, Stunde, Tag. Sie sind in den vier Grundtonoktaven abgestuft. Im Verlaufe werden sie ab und zu erwähnt; aber jede Glocke klingt zu ihrer Zeit an allen Schöpfungstagen.
1-8 Mit dem aus Seinem Quell gehobenen Lebenstropfen ging UR in der ersten Sekunde einmal durch den Raum des ersten Tages Seiner Tat, während der zweiten Sekunde durch dessen Zeit. Als nun eine helle Glocke die dritte Sekunde kündet, öffnen sich die vier Tore des Heiligtums, und UR kommt herein: denn die Kindgeburt ist da!!
1-9 Wer kann Ihn in Seinem feierlich erhabenen Glanz beschreiben? — Laß, o Herz, das Höchste fühlen, und nur der unterste Saum Seiner Herrlichkeit ist zu erahnen. Könnte auch ein Engel künden: weiß, in makelloser Reinheit, strahlt Sein faltenreiches Kleid, dessen drei Säume die drei Schöpfungsfarben haben. Seine Augen gleichen Feuerbränden; Sein Haar dem Kernlicht Seiner Sonne; die Siebenzackenkrone der unerhört majestätischen Macht, die bis über jede Grenze des gemachten Tages von goldenen Sandalen hinterlassen wurde. Sonnenstoff ist Sein königlicher Mantel, der vorn bis zu den Knien, am Rücken bis hinab zum Grunde fällt. Und Sein Antlitz? Nein, kein Engel könnte es in Menschensprache sagen, wollte er es schon vermitteln.
1-10 UR nimmt Seinen Stuhl ein. Im Augenblick, da Er sich setzt, wird das UR-Sonnenlicht flammendes Leben. Auch das Feuer des silbernen Tellers loht empor, bis die Opferschale in Schwingung gerät. Morgennebel wallen auseinander, und das Morgenrot leuchtet durch die sieben Fenster hinaus und herein. URs heilige Wesenheit füllt Raum und Zeit des Tages, Seine Augen ruhen auf dem Schöpfungsbuch, schauen einmal durch das Kommende und bleiben abermals am Werkbuch haften. In Seinem Blick funkelt schon das ‚Ist und wird sein‘! Nun spricht Er an das Werk:
1-11 „Es geschehe! Du erster Tag des Tat-UR-Jahres, habe deinen Anfang in der Sichtbarkeit! Was Ich in Mir formte, soll außer Mir Bestimmung sein. Ich, UR, Schöpfer, Priester, Gott und Vater, will nun haben, daß ihr, die zu eigenbewußten Kindern vorbedachten Gedanken, zu eurer Zeit zum Leben erwachen sollt. Alle Mittel und Wege stehen euch zur Verfügung; denn Höchstvollendung sei das Tagesende! Dann sollst du, Mein Werk, Mich loben und Mir danken ewiglich!
1-12 Langsam schenke Ich Mein Werk den Kindern, daß sie — heilig reifend — ewig ihre Freude haben. Mir verbleibe die gerecht gestellten Bedingungen; aber du, Werk, gebäre ein Zweites: den freien Willen für die Kinder! In den sieben ersten Tagen soll die Macht der Bedingungen und des freien Willens sich erproben. Doch der sechste Abend soll enthüllen, ob das Jahr die Krone tragen kann, jene nämlich:
1-13 Meine Kinder sollen aus sich selbst Mich lieben in der Freiheit ihres Willens und in der Anerkenntnis Meiner Macht. Aus ihrer Lebenstiefe sollen sie in Meine Höhe steigen, aus ihrer Höhe aber in den Grund. Aus der Weite treibe sie die Sehnsucht heim, daß am Ende dieser ersten Tat-Jahr-Woche sie in Mir die ewige Vereinigung erlangen. Und Ich will sie in der Kammer Meines Vaterherzens hüten, damit sie neue Stärkung haben. Dann gehen sie zum zweiten Male aus zu weit herrlicherer, heiligerer, freier Tat!
1-14 Ich will den Triebkräften die Bewährung setzen. Es sei das freie Willensgesetz, ihr eigenes Schöpfungsfundament, aber aus seiner Inanspruchnahme sollen sie die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen über ihren freien Willen als Symbol und Tribut erheben. Erreicht der sechste Schaffenstag nicht das vorgeschaute Soll, so fließt das Tat-UR-Jahr in das Unbegrenzte Meiner Wesenheit zurück. Selbst bringe Ich ein höchstes Opfer, sollte dadurch die Erfüllung möglich sein. Die Bewährungskrone ist die Macht als Grund Meiner Herrlichkeit, die Kraft als Höhe Meines Hauses, die Gewalt als Weite Meiner Wesenheit und die Stärke als das Wunder Meiner Heiligkeit!!
1-15 Und so beginne Ich Mein Tagewerk!“
1-16 UR erhebt sich. In heiliger Hand hält Er das Buch. Er bläst in das Feuer auf silbernem Teller, bis es über die Opferschale lodert und den Strahlenkranz der UR-Sonne trifft. Einmal! Dann sinkt es zurück und brennt als reine Flamme weiter, deren Wärme die Opferschale berührt und in steten Schwingungen erhält, im ewigen Kreisrhythmus der Schöpfungstage. Ihr entsteigt balsamhafter Weihrauch, der die Stätte der Gottheit, den Sitz ihrer Majestät erfüllt.
1-17 Als die Opferschale den ersten Kreis beendet hat, öffnet UR das Buch, nicht aber schon ein Siegel. Seine Rechte legt Er darauf und behaucht viermal das Buch, das Feuer, den Herd und die Opferschale. Diese Symbolik trägt den Sinn des Werkes: höchstes Leben! Alsbald bilden sich außerhalb des Heiligtums viele Formen, noch keimhaft im letzten Nebel einer hehren Nacht. Es soll ja erst die Offenbarung haben, wenn das Kind-Werk den Tag besitzen wird.
1-18 Aus dem Feuer flammt weißer Rauch; er verdichtet sich vor dem Herd durch des Schöpfers Hand. UR spricht: „Ich will! Sein Leben! !“ Ruht nicht auf dem Thronsessel, UR gegenüber, eine hauchfeine Gestalt? wie eine Elfe? — Die Menschensprache hat die Worte nicht, um zu vergleichen. Auch genügt zu offenbaren, was da wird. URs Mund berührt die Stirne des Gebildes. Ein Schöpferkuß! Der erste, der einem Lebewesen wird. Um den ungeheuren Titanenjubel, die Macht Seiner Wesenheit zu dämmen, entringt sich Seiner Brust ein äonenfacher Freudenschrei. UR wiederholt den vierfachen Lebenshauch und ruft: „Erwache, erwache! Dein ist das Leben, du Gedanke aus Mir!!“
1-19 UR, UR, wer will Dich begreifen?! — Du rufst dich selbst aus Dir! Was in unzählbaren Raumzeiten in Dir war, aufs neue stets geboren und jedem Einzelwerk in stetiger Vervollkommnung geschenkt, das ruht vor Dir; kindgewordener Gedanke!! Ja, da strahlen Deine heiligen, sanftdunklen Augen hell; und alle zukünftigen Legionen Sonnen nehmen ihren Strahl daraus, den sie — Dich anbetend — Deinem ersten Kinde bringen. Bist Du gleichwohl Schöpfer an dem ersten Tag des Tat-UR-Jahres, so stehst Du schon als VATER für das Kind im Brennpunkt Deiner eigenen UR-Wesenheit. — Das hat den Titanenjubel ausgelöst.
1-20 In der zarten Gestalt ist viel Schöpfungsschönheit angesammelt. Ihre Augen, den Schöpferaugen ähnelnd, tun sich auf wie beim Erwachen eines Erdkindleins nach dessen ersteh Lebensschlaf. UR verfolgt jede geringste innere und äußere Bewegung Seines Erst-Kindes, dem Er Geist und Seele gab. Er nennt Sein Geschöpf das ‚Kind der Schöpfung‘ und haucht über den Herd bis zum ersten Lebenswunder hin. Da wird ihm Sprache und Verstehen zuteil. Mit der ihm eingehauchten Kraft erhebt es sich und da — da sieht es UR. — Die kaum wahrgenommene Herrlichkeit ist versunken, der Raum und was drinnen ist. Es hört nicht, was All und UR-All durchbraust, nicht den hehren Glockenklang, der eine neue Ewigkeitssekunde kündet. Es sieht nur UR.
1-21 Spürt das kaum erwachte Kind die heilige Verbundenheit? Auf silbernen Sandalen schreitet es über den kostbaren weißen Raumteppich, der zwischen den vier Säulen über den vier Läufern liegt. Nun steht es — durch den Herd getrennt — UR gegenüber. Wie wundersam erwachen in dem Kindgeschöpf Gedanken und Gefühle. Es spürt seine Zugehörigkeit zu dem Seienden, aber auch das sich kristallisierende Bewußtsein des Gewordenen. Da beugt es beide Knie, da bettet es sein Haupt in beide Hände, die sich auf den weißen Teppich pressen.
1-22 UR! Bei keiner noch so wunderbarster Schaffung hattest Du jemals solch heiliges Gefühl unsagbarer Freude! So ist Sein Gedanke, O, Er möchte zu dem Kinde eilen, es an Seine Brust zu drücken. Aber Seine rechte Hand auf dem Buch hält sich zurück. Ein erstes Gedankenkind muß erzogen werden, damit es seine Bestimmung erlangt; sich IHM anzugleichen als gerechter zweiter Schöpfungspol. So will es Seine Ordnung! Und nun erstmals spricht Er so, daß Seine heilige Sprache einen Widerhall in einem personenhaften Wesen findet.
1-23 „Sadhana! Mein Geschöpf! Geist von Meinem Geist, Wesen von Meinem Wesen, Mein Kind!“ Sadhana hebt den Kopf, lauscht den Worten nach, die im Heiligtum stehenbleiben. Ihre Brust durchbebt ein beseligendes Gefühl. Sie möchte ihre Augen schließen und doch das hehre Antlitz unentwegt betrachten. Diese Anschauung füllt die vierte Sekunde aus. Dabei lernt Sadhana ihre eigene Sprache. Sie fragt: „ Wer bist Du, Mächtiger und Erhabener, der Du auf einem großen Stuhle sitzt und mich gerufen hast?“ O wie lieblich ist die Stimme, wie demütig jedes Wort; sie treffen das Herz des Höchsten. Er spricht:
1-24 „Ich bin UR, der Raum- und Zeitlose. Ich bin Schöpfer und schaffe Meine Werke; Ich bin Priester und weihe meine Geister; Ich bin Gott und leite Meine Wesen; Ich bin Vater und erziehe meine Kinder.“ „Wer und was bin ich?“ „Du bist Sadhana, Mein größter, schönster Gedanke. Dich trug Ich in Mir, als Ich in Meines Wesens Innerem die Werke schuf ohne Raum und Zeit und ohne jede Zahl; und jedes war vollkommen! In allen Schaffungen warst du Mein erster Gedanke. Also wurdest du Mein Negativ, an dem Ich Meine positive Macht, Kraft, Gewalt und Stärke verherrliche. Nun bist du Geschöpf aus Ordnung und Wille, Geist aus Weisheit und Ernst, Seele aus Geduld und Liebe und warst, bist und sollst werden ein Kind Meiner Barmherzigkeit.“
1-25 Sadhana schweigt. Heilige Stille steht zwischen ihr und UR. Da — bittend streckt sie ihre Hände aus. „Wie kann ich wissen, was ich zuerst Dir werden soll? Dein Geschöpf? Ich fühle Deine Allmächtigkeit und liege unter ihr zu Deinen Füßen. Wie soll ich Dich erkennen? Deinem Geistanteil in mir wird zwar Deine erhabene Höhe bewußt, doch ich kann sie nicht erfassen. Als Seele erschauere ich vor der Unermeßlichkeit Deiner Weite. Darf ich wissen, Dein Kind zu sein, so spüre ich zwar seligst Deine Nähe — aber ach, wie unendlich erhaben ist sie! Du hast mich zur Persönlichkeit gemacht, Gedanke aus Deinem Gedanken und kann wohl auch Gedankliches in Vielzahl haben. Ich lebe außer Dir, nicht mehr in Deinem Sein. Du gabst mir Gestalt und hast Dir selbst eine Schaubarkeit geschaffen, um Dein Geschöpf vor einer Angst vor Deiner Allmacht zu bewahren. Ich aber spüre sie!
1-26 Ewigkeiten stehen zwischen Dir und mir; wie soll ich denn zu Dir gelangen? Du nennst Dich UR und bist heilig, überheilig. Sieh, aus Deinem Wortquell kommen meine Worte, und erst indem ich rede, spüre ich den Sinn. Du bist UR, alles — alles! Ich bin nichts vor Deiner Allgewalt. O UR, hilf mir!“ fleht Sadhana. Höher reckt sie ihre Hände, denn sie erlebt ihr Werden.
1-27 Auch URs Vaterherz erbebt, doch herrscht in Ihm der Schöpfer vor; und das ist gut. Noch kann das Kind Seine volle Sprache nicht verstehen. Ein Blick aus der Tiefe Seiner Wesenheit — Sadhana umfassend — schenkt ihr aus den sieben Grundlebensstrahlen und der Vierwesenheit alles das, was zu ihrem Aufbau nötig ist. Ein Gedanke strömt durch ihr Herz; doch sie zögert, wozu sie es im Innern drängt. Da ruft UR:
1-28 „Sadhana!“ Über das Feuer auf silbernem Teller springt ein Lebensfunke ihr entgegen, der jede demutsvolle Hemmung niederzwingt. Wie eine Blume erhebt sie sich, schreitet rechts um den Herd und steht zur Linken URs. Hier sinkt sie nieder, überwältigt von der unfaßbaren Nähe. Langsam neigt sie ihr Haupt, bis ihr Antlitz auf URs Knien ruht; sie schlingt ihre Arme um die Füße und beugt sich plötzlich, bis ihre Lippen sie berühren. Allein, schon fühlt sie sich von guten Händen hochgehoben, und bevor sie weiß, wie ihr geschieht, liegt sie am Herzen URs. Ist das Wirklichkeit? — Und Er spricht:
1-29 „Sadhana, Meine Liebliche! Das herrliche Kleinod aller Meiner Werke ist Deine Demut. Nie je ist Köstlicheres entstanden! Wie könntest du Mir also ferne sein? Behalte wohl die gerechte Ehrfurcht und Demut, denn beide vereinigt lehren dich die wahre Liebe zu Mir!
1-30 Aber weder du noch ein anderes Kind soll Meine Füße küssen! Dein erster Kuß sei getan für alle Zeit. Nur als Geschöpf kannst du Mich nicht sehen; auch als Geist wäre ewiglich gerecht, vor Mir zu knien. Kannst du dazu bewußt die Lebensseele wirken lassen, so magst du vor Mir knien oder stehen mit erhobenem Haupt. Nun bist du das alles und außerdem Mein Kind! Freiherrlich bist du geboren, freiherrlich sollst du und alle nachkommenden Kinder erzogen werden, um mit Mir, dem UR als Vater, im Vertrauen zu verkehren!
1-31 Der schönste Platz für ein Kind ist das Vaterherz; und an Meiner Vaterbrust ruhen dürfen ist der höchste Lohn für alle Dienstbarkeit. Ehrfurcht bringt Gehorsam, Demut die Erkenntnis. Paart das ein Kind, so geht es Meine Wege freibewußt. Prüfe ernstlich, ob du solchen Weg beschreiten willst. Denn müßte einmal ein Tag Meiner UR-Heiligkeit entrissen werden, an dem Kinder Meine Heiligkeit verletzen — dann wehe diesem Tag und seiner Zeit; viermal wehe aber solchem Kind!!
1-32 Sieh, zuerst hattest du Gedanken, nach denen sich die Worte formten. Auch Ich formte Meine Werke vom Gedanken her zum Wort. Nun ist daraus die Tat her angereift, die ihre Folge haben wird. Wie aber ein Gedanke das Wort prüft, was zu sprechen ist, so die Taten ihre Folgen, die ihnen das Gepräge geben. Ein Kind wird dann erst höchste Seligkeit genießen, wenn es Mich in Meiner Vollheit sehen kann, der Fähigkeit des Kindes angepaßt. In dir, Sadhana, Mein Widerhall, du gerechtes Negativ, soll die Schöpfung ihre hohe Folge finden!“ —
1-33 Der fruchtbare Herzboden des Schöpfungskindes, vom Himmelslandmann durch Äonen gut bestellt, nimmt den wunderbaren Samen auf. Heiligernstes Wort! Das ‚Wehe‘ ist der größte Samenkern, er fällt inmitten auf den Acker. Sadhana fragt: „O heiliger UR, kann je geschehen, daß ein Gedanke aus Dir — in vorstelloser Gnade zum Kind geworden — Dich nicht ewig walten läßt?! Nie werde ich den urseligsten Augenblick vergessen, in dem ich das Dasein bewußt empfing und Du mich erhobest an Dein Herz! Nun bin ich zu Dir entbrannt; Du siehst es ja in Deinem Feuer. Laß bitte nie dies ‚Wehe‘ sich erfüllen.“ UR schlingt Seine Arme fester um das geliebte Kind, das schöne Haupt drückt Er an Seine Schulter; doch mit schattentiefem Ernst entgegnet Er:
1-34 „Meine Sadhana, unlösbar bist du mit Mir verbunden! Kein Gedanke trennt sich ewiglich von Mir. Vorübergehend zwar kann es zu einer Löse kommen; aber eine Spaltung gibt es nie! Daß es jedoch möglich ist, liegt im Gesetz des freien Willens, da Ich dem Tat-UR-Jahr als Maßstab zwischen Mir und Meinen Werken gab. Davon sollst du später hören. — Jetzt darfst du Mir helfen; denn KINDER sollen werden.“
1-35 Sadhana denkt: ‚Was geht in UR vor? Wie kann ich helfen, selbst erst aus ungründbarer Macht geboren? Ist nicht aus IHM alles heilig, überheilig?‘ Ein Schauer überrinnt den zarten Leib. O reine Wonne, die Sadhana eine süße Seligkeit verschafft.
1-36 „Setze dich auf deinen Stuhl“, sagt UR, „und überlasse Mir dein Herz, so wirst du sehen, wie Ich dich zu Meinem Heilswerk brauchen kann.“ Eine Hand führt Sadhana, obwohl UR auf Seinem Throne sitzen bleibt. Er hat Sein Werkbuch wieder aufgenommen, siebenmal haucht Er ins Feuer Seines Herdes, so daß die Flamme heller loht und der Weihrauch aus der Opferschale die UR-Sonne wundersam umschwebt. Wie in zarte Schleier ist alles eingehüllt. Harfentöne dringen sanft aus urweiter Ferne. Wer ist der Harfenspieler? Hehre Glocken klingen, sieben Farben fallen nieder. Einen Chor hört Sadhana. Wer sind die Sänger? Was bedeutet das vielstimmige Lied? Und Chor und Glocken, Harfen und Farben verschmelzen zu unfaßbarer Harmonie.
1-37 In Urferne schaut das Kind, die Mauern des Heiligtums sind letzte, ungekannte Grenzen. Da weiß es, daß das Heiligtum ein wunderbarster Kindzweck ist. Mehr unbewußt sieht Sadhana, wie UR zum zweiten Male siebenfach ins Feuer haucht und das erste Siegel Seines Buches löst. Feurigen Zungen gleich enteilen Seinen Augen ganze Strahlenbündel, wie wenn die Lichtgewalt der UR-Sonne in siebenfacher Teilung aus Seinem Innern bricht. Feuerlohen sind Seine Worte:
1-38 „Also geschehe es!! Meine Ordnung und Mein Wille tretet aus dem Schöpferstrom; Weisheit und Ernst aus dem Priesterstrom; Geduld und Liebe aus dem Gottesstrom; Barmherzigkeit aus dem Vaterstrom. Seid personifiziert eine jede Eigenschaft in zwei Gestalten, doch harmonisch gebunden, in eines durch den gerechten und schöpferischen Ausgleich der positiven und negativen Erscheinungsform.
1-39 In sieben Tagen sollt ihr für euch Macht, Kraft, Gewalt und Stärke durch jenes Gesetz erproben, das im ersten Siegel des Tat-UR-Jahres ist. Höre, Mein Werk! Ich bin der Ewig-Heilige UR, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige! Das ist Mein Name der UR-Ewigkeit! Jedes Schaffen war in Meinem Quell verwahrt; nun leite Ich darum vier Ströme, auf daß die heiligen Gewässer es ganz umspülen. Was Ewigkeiten tranken — nun ist es Werk geworden! Darum nimm den Aufbruch Meines ersten Siegels hin als deines Lebens gesegneten Beginn. Höre, Mein Werk!!
1-40 Das freie Willensgesetz soll dem Tat-UR-Jahr zugunsten Meiner Kinder dienen, die Ich aus den vier Wesensströmen nähren, durch die sieben Grundlebens strahlen lehren, lenken und vollenden will. Jeweils in Führung einer Wesenheit und einer Eigenschaft soll sich jeder Tag aus den Gesetzen der Bedingung und der Freiheit erproben, bis der siebente Tag seine höchstmögliche Vollkommenheit erreicht. Doch Ich erkläre das Gesetz als nichtig, wenn ein zur Schöpfungserfüllung etwa nötiges und von MIR gebrachtes Opfer einen von Kindern auf Grund des ihnen gegebenen freien Willens hervorgerufenen Übergriff nicht innerhalb eines Schöpfungstages zu beseitigen vermag.
1-41 Ich will als Schöpfer Ordnung und Wille, als Priester Ernst und Weisheit, als Gott Geduld und Liebe, als Vater die Barmherzigkeit dem Kind-Werk und dem Opfer weihen. Das Opfer soll die Grenzen aufheben oder festigen, je nachdem die Kinder freiherrlich Mich lieben oder sich in ungerechter Freiheit von Mir wenden. Wahrhaftig ist Mein Wille, gesiegelt ist Mein Wort und die Sprache an Mein Werk. — Ihr sieben Träger Meiner Eigenschaften, erwacht zum Leben und zur Spruchbarkeit des ersten Schöpfungssiegels! Steht auf, ihr Lichter; ihr Fackeln, nehmt euren Stuhl der Herrschaft ein! Mit Meiner Sadhana sollt ihr schaffen und wirken. Nun beginne unser erstes Tagewerk! !“
1-42 Sadhana ist aufs engste mit UR vereint; das sich regende Leben registriert ihr Herz. Durch das Feuer gleitet ein Kraftstrahl zu ihr hin. Aus Licht und Flamme gehen sieben Formen über die gewaltige Bogenbrücke, die das Kind-Werk an UR bindet. Wie sieben Ringe tauen sie herab, heilig überstrahlt vom Glanz der Sonne, schweben durch das Herdfeuer und stehen dann im Halbkreis vor dem Schöpfungsherd.
1-43 UR zündet die Kerzen der sieben Leuchter an der Herdflamme an, und die sieben Geräte werden einmal sichtbar, aber wieder zugedeckt; ein jedes hat ja seinen Tag. O, welche Herrlichkeit! Wieder loht in UR unmeßbarer Jubel auf, daß Er sich in Seinen vierfachen Zügel fallen muß. Und welches Entzücken für Sadhana! Sieben Gestalten werden sichtbar, dann neben ihnen je eine andere, in Form und Wesen ihr gleich. So eng aber ist die jeweilige Verbindung, daß man sie nur als Körper trennen kann. Die ‚Sieben Geister des Ewig-Heiligen UR‘ haben ihre Ausdrucksform erhalten.
1-44 Der Weihrauch weht um die Opferschale; stetig brennt das Feuer; atmende Ruhe wohnt im Heiligtum. Freude, Dank, Jubel und Ehre legt Sadhana als stilles Opfer vor UR hin. Die ‚Sieben‘ erhalten ihre erste Belehrung. Als sie der Sprache aus Erkenntnis mächtig werden, fallen sie in höchster Demut nieder. Viermal beugen sie ihr Haupt, kreuzen ihre Hände auf der Brust, das Antlitz bis zum weißen Raumteppich neigend. Ihr erstes „Heilig, Heilig, Heilig, Heilig“ braust durch den Dom, das eine Schöpfung auf einmal ins Leben rufen, auf einmal in ein Nichts verwandeln kann.
1-45 URs Antlitz widerstrahlt den Ruf. Ernst und doch mit wunderbarem Lächeln blickt Er auf die Sieben nieder. Aufs Unnennbarste ist Seine Wesenheit fast überfüllt. Schäumend fließen die vier Ströme in Sein Herz. In hehrer Harmonie tönen alle schöpferischen Stimmen, und Er sieht das Tat-UR-Jahr im Glanze Seiner Sonne. Er legt das Werkbuch aufgeschlagen auf den Herd und führt jeden Seiner sieben Geister zu ihrem Throngestühl. Die Berührung gibt den Erwachten neues Licht. Noch ist‘s verwoben, dennoch spürten sie ihr Sein in den vergangenen Äonen. UR begibt sich wieder auf den Herrschaftsstuhl, berührt im Vorbeigehen am Heiligen Herd die Leuchter samt den Glocken, die die Geräte der ersten Schöpfungswoche decken. Und Er spricht:
1-46 „Meine Kinder! Ich bin UR, der Ewig-Heilige, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige. Alles, was da ist, was Form und Wesenheit erhält, kommt aus Meines Reichtums Fülle. Da ruhte es, und Unendlichkeiten ruhen noch darin. Ich bin der Ewig-Mächtige und Ewig-Kraft, der das Sicht- und Unsichtbare formt; Meine Ewig-Gewalt und Ewig-Stärke leiten bis zur Höchstvollendung jedes Werk. Dieses ist Mein Name!
1-47 Mancher wird noch offenbar; aber jedem Werk enthüllt Sich Meine Vielfalt anders. Doch der Name ‚UR‘ bleibt der höchste, weil in ihm Mein Reichtum eingeschlossen ist. Wollt ihr Mich erkennen, bedarf es der Erkennung der geheimen wie der offenbarten Dinge. Seid ihr auch Meine Kinder, so bleibe Ich doch euer UR! Denn die UR-Wesenheit hat euch gezeugt. Meine Gedanken wurden zur erhabenen Ordnungsbahn, ursächlich in der Dienstbarkeit des Willens. Beide sind der Aufbau eines jeden Werkes. In Ordnung und in Wille bin Ich Schöpfer, denn aus Meinem UR-Reichtum schöpfte Ich zuerst das Werden. In der Sammlung dieser Lebensquelle ist die Schöpfer-Wesenheit der erste Strom, der das Werdende durchfließt. Er kommt aus Meines Herzens erster Kammer, die als Teil des Grundquells ihn für alle Werke speist. Um eines Kindwerkes willen Meine Allmacht so zu teilen, war nicht leicht; denn ewig war, bin und bleibe Ich der einzige, der Ewig-Untrennbare UR!! Und doch soll Mein schönstes Werk die reife Frucht erhalten. —
1-48 Ich bestrahlte dieses Vorbild mit dem Lichte Meiner Weisheit und wollte urbedingt die plastische und selbständige Persönlichkeit der Kindgedanken. Also wirkte Ich in Meinem Ernst, und alsbald stand in und außer Meiner Schöpferwesenheit die herrlichste Gestaltung da. Meine Heiligkeit spürte es wie eine Weihe. Da nannte Ich den Wesensteil, der aus Weisheit und aus Ernst das Gewordene zu Mir erhob, den Priester, und ließ dessen segensvolle Fluten — abgezweigt als Meinen zweiten Lebensstrom — durch die zweite Kammer Meines Herzens pulsen. Mit ihm erhielt das aufgebaute Werk seine Richtung. Als es damit seine Kraft empfing, trug es in sich selber schon den Rücktrieb in Mein Ich. Ein Jubel aus Äonen war Mein Lohn, und Ich bezähmte Mich, damit nicht einfach alles fertig vor Mir stand. Das hatte nie Mein Wille vorgesehen und lag nicht im Bauplan Meiner Ordnung; auch nicht in Meiner Weisheit noch in Meinem Ernst.
1-49 Hätte Ich das Werk aus einem UR-Gedanken also fertig hingestellt, so hätte Ich ja auch den Jubel haben können, aber nie das Kindwerk, wie es im UR-Zyklus vornehmlich im dritten Jahr der Tat vorgesehen war. Da galt allein Geduld als Heilsplan für das Werk! Allmählich mußte jeder Kindgedanke sich vollenden aus der Vollendungsgabe, die ihm durch die Art Meiner Offenbarung überkam. Ich liebte sie über alle Maßen, erschloß den Großteil Meines Herzens mit dem dritten Strom, den Ich eben aus Geduld und Liebe allen Kindgedanken gab. Das offenbarte Meine dritte Herzkammer als Gott, weil Ich das Gute dieses Werdens sah. In Geduld führte Ich die Gesamtheit wie auch jedes Einzel an der Hand und verschenkte so im vorhinein die Liebe.
NEUOFFENBARUNG