2-55 Einmal kommt für solchen kleinen Wasserlauf die Stunde, wo er sich zu einem Durchbruch sammelt. Er durchbricht vielleicht an einem andern Ort die harte Kruste; dann aber spiegelt er sich wieder rein und klar im Licht der Himmelsfeste, die ihm alsbald zur Pforte wird, ein Weg zurück zum UR-Quell, zu Mir, dem UR. Das ist der unverrückbare Segen, der vom UR-Quell über der Feste allem Kindwerk zugesprochen ward in jenem Augenblick, als Ich den Segen dazu gab!
2-56 Erkennet aber auch das andere: Ich bin der Höchste, UR von Ewigkeit zu Ewigkeit, es gibt keinen anderen Geist! Damit hat jeder Teilgeist mit Mir Verbindung oder findet auch zu Mir zurück, sollte einer durch Mißbrauch des freien Willensgesetzes vom selbsthervorgerufenen Unrecht zugeschüttet werden. Euch leuchtet daher ein, daß Ich diese Feste unmöglich als unüberbrückbare Scheidewand errichtete. Denn da müßte Ich ja Teile Meines Geistes ewig von Mir scheiden, sobald sie sich im Sand verlieren. Ich müßte die Urzellen vom UR-Kern lösen, und somit wäre praktisch alles Kind-Werk ein bloßes Gedankenspiel!
2-57 Das solches Meinem heiligen UR-Wesen widerspricht, seht ihr ein. Über die Zeit aber, die Verbindung oder Loslösung bedarf, wäre mehr zu sagen. Noch könnt ihr das nicht erfassen, weil ihr das Zeitempfinden noch nicht kennt. Ihr hört die Sekunden, Minuten, Stunden und den Tag ein- und ausläuten. Da ihr reichst gesegnet seid, ist euch alles Erleben kurzweilig. Doch an des Tages hohem Mittag tritt der Zeitbegriff allmählich näher, wenn ihr Rückschau halten könnt. Da werdet ihr erstaunen, wieviel hehre Werke sich aneinanderreihen. Freude, Arbeit, gute Mittätigkeit lassen die Zeit schnell vergehen.
2-58 Die ganz gleiche Zeit würde zu unheimlicher Last, sobald ein Kind dem Werk zuwider ist und aus Segen sich ein Fluch ergibt. Jede Art Zuwiderhandlung muß vom Teilgeist selber ausgeglichen werden, abgesehen von einem möglichen Schöpfungsopfer! Doch wird im Kind zufolge der Urzelle die ursprüngliche Erstehung und das Zugehörigkeitsgefühl wieder lebensvoll, so hält es nicht mehr schwer, ein falsches Werk auf die Ordnungsbahn zu stellen. Zwar möchte dann ein abgewendetes Kind das begangene Unrecht als ganz ungeschehen wünschen, was aber gerecht nicht möglich ist. Ich will euch die Bedingung zeigen.
2-59 Es wäre ungerecht, dürfte ein Gefallener, der Mir die ihm überlassenen Zeiten stiehlt, nach Erkenntnis seines Unrechts sich einfach an den Ort und in die Zeit zurückversetzen, wo er einst mit Mir, dem UR-Kern, rein verbunden war. Die Urzelle des Teilgeistes, der in das Geschöpf eingehüllte Kraftstoff Meines universellen Geistes, kann niemals fallen, sondern einzig das Geschöpf als Seelenwesen oder als das Kind in seiner freien Willensbefähigung.
2-60 Was an schweren Opfern in solcher Lossagezeit der treuen Kinder wegen auf zubringen wäre, könnte ewig nicht ohne Ausgleich bleiben! Darum müßte solcher Teilgeist die in seinen Lebenslauf eingefallenen Schmutzstoffe ausmerzen. Und das ist nicht so schnell getan. Es müßte Ort und Zeit gegeben werden, wo selbst ein Unrat aufzuspeichern wäre, bis eine Rückverwandlung vor sich gehen kann. Denn die Schöpfung nimmt nicht ohne weiteres ausgestoßenen Schmutzstoff an. Das Licht, in Kindern oder auch im Werk, brächte die Verwandlung auf. Doch solange es noch Reste gäbe, könnte solch ein Teilgeist Meine Feste nicht als eine Tür passieren.
2-61 Dann erlebte er eine lastenvolle Ewigkeit, selbst wenn die Gnade sie verkürzen würde. Dieses Ewigkeitsgefühl ist freilich keiner Tagwerkzeit entnommen, sondern immer gibt das Zeitgefühl die Last. Dieses wäre erst nach der Hälfte eines Rückweges der tatsächlichen Zeit anzupassen, was dann ein Werk der Gnade ist. Solcher Zeitverlust könnte mehrere Stunden eines Schaffenstages betreffen, aber auch nur Bruchteile einer Stunde. Das Gefühl lastender Ewigkeit hängt nicht davon ab. Aber alles würde dennoch Mein unverrückbarer Wortsegen, den Ich als Hochpriester dem Tat-UR-Jahr verlieh, beherrschen; und von diesem angefüllte Zeiten sind wahre Ewigkeiten.
2-62 Ehe ihr aber weiteren Einblick in die Gestaltung des Tagesablaufs nehmt, muß anderes geschehen. Das Äußere hat mit dem Inneren Schritt zu halten, sonst wird eine Seite zu stark belastet, die andere zu leicht erschlaffen. Auch dieser Hinweis ist kein nebensächliches Merkmal der Verbindung des inneren und äußeren Kraftbewußtseins. Denn ist die innere Erkenntnis rüstig ausgeschritten, so muß eine sichtbar fruchtbringende Tat ersprießen, sonst würde jede Art Erkenntnis wenig nützen, ja sogar zum Ballast werden, weil auch die Erkenntnis eine Bürde ist, die der Ausgleichung bedarf. Damit wächst beides gleichmäßig, das Innere und Äußere, wie Ich es vorgesehen habe.
2-63 Auch umgekehrt entsteht ein Mangel, bleibt ein Kind mehr äußerlich bestrebt. Viele Taten können hohlen Nüssen gleichen! Wer dazu noch sagt: Es kommt nur auf die Taten an, der ist ein Schalk, weil er versucht, Mich um die Arbeit zu betrügen! Ehe es das Äußerliche gab, war der innere Lebensgeist!! Bevor die Tat-UR-Schöpfung in das Blickfeld ihres Werdens rückte, erstand die innere Personifikation. Nicht zuerst die Teilgeister erhielten ihre Lebensform, sondern ICH war ewig UR-Licht im UR-Licht, UR-Sein im UR-Sein! Die äußere Gestaltung folgte nach dem Fertigen in Mir, gedacht und ausgesprochen! Keinem Teilgeist gelingen gute dem Gesamtwerk dienstbare Taten, wenn er nicht im voraus seiner Urzelle ihre von Mir eingeräumte hohe Herrschaft überläßt, was durch jeweilige Wechselfolge zwischen innerer Erkenntnis und der Tat geschieht. – So nun auch bei euch. Die Belehrung als innerer Samen kann etwas gestoppt werden, damit die Tat als Frucht zur Reife kommt, was seine Zeit bedarf.
2-64 Da steigt bei unserem Michael die vergessene Frage auf: Was soll ich bauen? Das Haus steht fertig da! — Ja, ja, da wird guter Rat wohl teuer sein. Am besten ist, wir begeben uns ins Freie; etwa hilft die UR-Sonne wieder, die Michael und Elya ein rechtes Sonnenlicht verleihen kann und der schöne Schöpfungstag des Willens nicht leer auszugehen braucht. Also führe uns ins Freie, Cherub Michael, weil du hier der Hausherr bist. Ich bin dein Gast.“ Andächtig lauschten die Kinder der Belehrung, die wie Wasser über aufnahmebereite Auen flutete. Ja, die Wasser! Es war doch wohl nicht früher an der Zeit, solche Lichtwahrheiten zu ertragen. — Michael sagt:
2-65 „O Ewig-Heiliger UR, Schöpfer, Priester, Gott und Vater! Wir stehn in Deinem Licht, inmitten der alles beseligenden Strahlung, in welcher Du Kulminationspunkt bist, wie die Lichtfunken, die ihre ewig geordnete Straße um Dich nehmen. Du hast uns Deinen Lebensborn in einer Weise aufgetan, daß es uns allmählich dämmert, wer und was Du eigentlich bist, aber auch, wer und was wir sein dürfen. Doch nimm zuerst den Dank von uns allen an als eine wohlgefällige Dich ehrende Anbetung. Dich preisen wir und beugen unsere Knie; denn ewig-heilig bist Du; ewig-heilig ist Dein Name! Das Wunder unseres Werdens wird uns selber nie vollkommen klar, dürfen wir auch bis ans Ende Deines heiligen Tat UR-Jahres sehen. Es würde solch ein Blick wohl keine Seligkeit ergeben; denn wie eine Flut würde uns Dein Licht bedecken.
2-66 Du hast um unsertwillen das letzte Geheimnis einbehalten, in dem ja die Vollendung unseres Seins und Lebens liegt, und Dein höchstes Ziel: der Gottheitsbegriff Vater und Kind! O Herr, wunderbar ist diese Ordnung, hoch erhaben ist Dein Wille! Dich preisen wir und beten Dich an, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger. Du allein hast alle Macht, die Kraft der Gestaltung. Du hältst mit Deiner Allgewalt das Werk und lässest Deine Kinder unter Deiner Stärke wohnen. Uns sind die Wunder Deines Herzens offenbar geworden; o vernimm auch unsern Herzensschlag, der Dich anbetet ewiglich! Du bist heilig, o Herr, heilig, heilig und heilig bis in alle Ewigkeit! Amen.“
2-67 In die Anbetung stimmen alle ein; sie pflanzt sich fort, hallt wider und erscheint als leuchtende Sterne auf den Häuptern der Betenden. Als diese sehen und merken, daß die Sterne über ihnen bleiben, brechen sie in freudigsten Jubel aus. UR tritt mitten unter sie und läßt sich mit hoher Herzensfreude ihre zaghaften Liebkosungen gefallen. Nun steht Michael ernst und demütig vor Ihm und sagt:
2-68 „Allheiliger Vater, Du nanntest mich den Herrn des Hauses, Dich nanntest Du den Gast. Mir kommt das Verhältnis ungleich vor. Gewiß bist Du mir ewig der willkommenste Gast, sobald Du diese Schwelle überschreitest; doch möchte ich Dich bitten, nicht nur das Gastrecht, sondern das Eigentümerecht zu übernehmen. Denn erst, wenn ich Dich als Grundeigentümer hier begrüßen kann, wird mir das Haus zum wahren Segen werden. Bin ich im Allerheiligsten, o mein UR, dann bin ich allerdings Dein Gast und will auch nichts anderes sein, weil Du urewiglich der Eigentümer aller Dinge bist! — Nun will ich aber Dein Gebot befolgen. Über das Eigentümer- und Gastrecht wolltest Du uns bitte noch belehren, denn mir fehlt das tiefere Verstehen.“
2-69 „Du hast recht, Mein Michael. Doch gehen wir ins Freie, damit es bei euch gänzlich tagt, wie es das Werk verlangt.“ Auf dem freien Platze vor dem Haus erklärt UR viele Dinge. Oftmals gleicht es einer inneren Wanderung durch Raum und Zeit. — An einer terrassenförmigen Stelle setzt UR sich nieder, umringt von den Seinen. Er spricht:
2-70 „Meine Kinder, zumal du, zweiter Fürst, betrachtet euch am Heiligtum den Platz vor den vier Toren und prüft, was von dort dem Tag als Willewerk gegeben werden kann. Die Feste und das Wasser darüber und darunter muß in allen Einzelheiten werden.“ Wie befleißigt sich der Engel, unterstützt von Elya und den anderen, bis allgemach das Wort über die UR-Quelle und Ströme, die Wasser und Wässerlein, zu innerer fester Form gelangt. Freudig blickt Michael UR an:
2-71 „O UR, jetzt hat Deine schönste Sonne mir ein rechtes Licht gebracht. Ja, Du hast im vorhinein gewußt: Stets der Gnadenstrahl Deines Sonnenlichtes vermag zu helfen. Du sprachst Dein urheiliges Wort: ‚Es sammle sich das Wasser!‘ Soll es aber nutzbar werden, ist es in Raum und Zeit zu leiten. Ich erkenne nun: Wie die Hügelhäuser vor Deinem Urzentrum als Auffang- und Weiterleitstelle des Lichtes zu errichten waren, so muß es mit dem Wasser auch geschehen. Jedes Haus braucht deshalb einen Brunnen, in dem Deines Lebensbornes Wasser gesammelt werden kann, weil es von hier aus allen Tagen wie auch allen Werken in den Tagen segensreich vermittelt werden muß.
2-72 Nun verstehe ich, warum mein Haus schon fertig war. Das Heiligtum erstand zuerst als höchstes Sinnbild Deines Lichtes, ein Ordnungswerk, ein konzentriertes Fundament für alle Tage! Die heiligen Wasserströme fließen ja nach Deinem Willen, und Du hast sie durch ihn werden lassen. Soll daher vor meinem Hause eine Teil-Lebensquelle sein, die das Wasser aus dem UR-Quell aufnimmt und zum Segen Deiner Schöpfung weiterleiten darf? Habe ich das recht erkannt?“ Da führt UR die Kinder in die Mitte des freien Platzes zurück und erwidert:
2-73 „Du hast es gut erkannt, Mein Michael, ja, wie sollten denn die Wasser über der Feste zu den Örtern unterhalb derselben kommen, wenn nicht durch die Feste selbst? Sie ist weniger Scheidewand als weit mehr Verbindung, vom Inneren zum Äußeren, von Mir zum Kind und Werk und wieder zurück. So schöpfe aus Meinem urewigen Lebensborn, davon alle Durstigen zu laben sind. Bilde die Teilquelle als Brunnen des Willens vor deinem Haus und lasse seine Wasser durch die Schöpfungstage fließen! Mein Segen ist bei deinem Werk.“
2-74 Der Dank ist groß, den UR entgegennehmen kann. In schöner Erkenntnis sagt Elya: „O liebevollster Vater, laß Michael den Brunnen bauen an dem Platz, wo gerade Deine heiligen Füße stehen, denn da ist hochgesegnetes Land.“ UR nimmt Elya an Sein Herz: „Mein Seraph, diese Bitte ist pur in dir entstanden, weil du in Mir dein Höchstes siehst! So will Ich dir und allen, die zu gleicher Erkenntnis kommen, einen reichen Rücksegen geben. Achtet wohl darauf:
2-75 Wenn Ich bei Kindern weile, die Mir ihre Herzen willig weihen, soll der Ort, wo Meine Füße stehn, der Kindesarbeit reiche Früchte bringen, desgleichen auch von da, wo ihr Kinder in einem von Mir geheiligten Dienste euch befindet für viele Kinder und deren Tagwerk! Nun will Ich zur Seite treten, auf daß unser Schöpfungs-Brunnenbauer sein Werk beginnen und vollenden kann.“ Sieben Schritte geht UR auf die Hauspforten zu, und die Kinder bilden mit ihm einen Kreis um den geweihten Platz. Michael und Elya bleiben im Ring vor ihrem ‚König von Salem‘. Und Michael ruft laut:
2-76 „UR, der Ewig-Heilige, will Licht und Leben spenden. Schon hat das Licht in großer Fülle seinen Weg aus der UR-Ewigkeit zu Raum und Zeit genommen; nun soll das Wasser folgen. Wo URs Füße standen, da werde mir ein Brunnen, in dem sich das heilige UR-Quell-Wasser sammeln kann. Kraft des vom Höchsten Herrn gegebenen Lebensimpulses will ich es weiterleiten in den zweiten Schöpfungstag und in alle aus URs heiliger Hand gesegnete Tage des Tat-UR-Jahres. Es werde im heiligen gerechten Willen voll großer Güte und Gnade! Wasser, sammle dich am Ort, den UR gesegnet hat! Werde Brunnen und ströme siebenfach hinaus in Raum und Zeit der heiligen UR-Ewigkeit!“
2-77 Michael und Elya begeben sich an URs beide Seiten. Alsbald hört man ein donnerartiges Geräusch, der Boden zittert, und an der gesegneten Stelle bricht ein Wasserstrahl hervor, gleich einer gewaltigen Fontäne, fällt aber bald zurück als sanfter, belebender Regen. O, welch ein Wunder! Ein fest ummauerter Brunnen wird sichtbar, und das Wasser sammelt sich darin. Aus sieben Öffnungen nehmen sieben Ströme ihren Lauf. UR geht hin und setzt sich auf den Brunnenrand; Er spricht gütig zu den Kindern, die sich stehend um Ihn scharen.
2-78 „Michael hat ja seinen Willen wirken lassen! Das Wasser drang bis zur siebenten Grenze hoch. Doch warum, Michael, hast du aus Meiner Vier-Strom Quelle einen siebenfachen Willensbrunnen werden lassen? Sieh, deine Lichtgeschwister sind im Zweifel, ob das Meinem Willen ganz entspricht. Der Brunnen vor dem Heiligtum läßt nur vier Ströme fließen; du jedoch beanspruchst sieben! Ja, ja, ein Baumeister soll im vorhinein bedenken, ob seine Arbeit dauernd Nutzen hat, was immer auf dem Ordnungsweg geschieht. Umbauen hat wenig Wert; denn das muß man tun, wenn das erste Bauwerk Fehler zeigt oder der Erbauer nicht genügend inneres und äußeres Vermögen hat. Nun Michael, was kannst du erwidern?“
2-79 Michael erschrickt, denn URs Worte deuten falsches Wirken an. Doch wie mild ist Sein freundliches Gesicht; Er will in allem sie auf freie Bahn geleiten. Da entgegnet er: „Vater der Barmherzigkeit! Du sprachst zu mir, als sei ich beinah Deinesgleichen, was so unmöglich ist, wie unmöglich ein Schöpfungstag die Fülle eines UR-Jahres in sich tragen kann. Beging ich einen Fehler, so lege ihn Deinem Willefürsten nicht zur Last, All-Heiliger, denn mich beherrschte, Dein Lebenswasser, das Du uns im höchsten Maße schenktest, so reich fortzuleiten, wie es mir immer möglich ist.
2-80 Du bist ewig unteilbar, WAHRHAFTIG ist Dein Name! Um Dich aber so zu offenbaren, damit deine Kinder in Dir nicht nur ein heilig-unnahbares Licht erblicken müßten, sondern allezeit den guten Vater, Der sie voll Gnade an sich drücken will, gabst Du Dir selber vier Enthüllungsformen, unterschiedlich dargestellt, gleich vier Herzkammern zu einem einheitlichen Herzen urgebildet. Auf diese Weise gabst Du uns Dein Blut als Lebensquell, weil Deine UR-Einheit von keinem Kind ertragen werden kann. So bist Du Schöpfer, Priester, Gott und Vater und gibst von jedem ein Viertel, und — Deinem UR-Wesen entsprechend — wenn Du Dich uns offenbarst. Deshalb zeigtest Du im Sinnbild die vier Ströme, die die Tiefe, Höhe und Weite beleben und in Deine allheilige Nähe wiederkehren.
2-81 Du gabst den vier Enthüllungsformen Deine urewigen Sinneskräfte, die sieben Grundlebensstrahlen oder Eigenschaften. Diese hast Du in uns Fürsten werkgestaltet. Machtest Du uns aber nicht im Gnadenlicht zu Deiner Feste? So wollte ich Deine siebenfache hehre Strahlung symbolisieren, wie Du sie aus Deinen vier Herzkammern offenbartest. Nun, wie Du ewig UR wahrhaftig bist, so können Deine Kinder in der Gemeinschaft auch ein Ganzes bilden, nämlich den Brunnen vor dem Haus. Dürfte es demnach nicht rechtlich sein, aus den vier Strömen Deines UR-Herzens die großen sieben Wasserläufe auszusenden?
2-82 Da es Deine Feste und Dein Himmel ist, kann durch die Feste aus dem vierfachen Lebensquell ein siebenfacher Strom geleitet werden, der erst unter Deiner Feste sich in die Wasserläufe aufzuteilen hat. Das, heiliger UR, war mein Gedanke, der nicht ohne oder etwa wider Deine Ordnung gestaltet werden sollte. Und hätte nun mein Wille keinen Ordnungsgrund gehabt, konnten dann wir Kinder solch erhabenstes und schönstes Schöpfungswunder je erleben? Mein Haus stand fertig da und habe ich erkannt, daß man kein Ordnungswerk zu wiederholen braucht. Es ist! Also muß es auch dem Kommenden verbleiben. Die Ordnung schuf die Kraftzentren Deines Lichtes und habe ich damit nichts anderes zu tun, als es in Demut hinzunehmen. Doch soviel ich Lichtanteil besitzen darf, soll er diesem Haus zugute kommen sowie allem, was daraus dem Tag erstehen wird. Habe ich die Arbeit recht bedacht, dann will ich abermals — Dich lobend — mich in Demut neigen; denn Deine UR-Sonne hat mir das Verständnis zugesandt. — Sollte es dennoch nicht nach Deinem hochheiligen Willen gewesen sein, so bitte ich, lehre DU mich, ihn besser zu erkennen und ausüben.“
2-83 Alle sind über Michaels lange Rede erstaunt, doch warten sie auf das hohe Urteil; denn sie nehmen nicht für sich in Anspruch, URs Gedankenbahnen richtig zu erfassen. Aber das heilige Angesicht kommt ihnen wie verändert vor, noch mehr von freundlichstem Licht und Güte überstrahlt. Dankbar erkennen sie: Michael handelte zu URs besonderer Schöpferfreude! Dessen werden sie gewiß, als UR entgegnet:
2-84 „Michael, Mein Willeträger! Jetzt rede Ich zu dir als zu Meinem Willen selbst, darüber hinaus zu dir als Meinem Kind und also auch zu allen. Gewiß haben UR-Sonne und UR-Quell dir die beste Erkenntnis zugeleitet; doch würde Meine Sonne noch soviel des hellsten Lichtes geben, dazu Mein Quell das Lebenswasser und käme beides über euch gleich dem fortgesetzten Segensstrom, so wäre das doch wenig nütze, gäbe sich das Kind nicht willig dieser Segnung hin. Die Fülle bleibt euch ewig zubedacht; allein, das Gesetz des freien Willens ist den Kindern und nicht Mir gegeben. Darum liegt es meistens an den Kindern, ob sie der Segensflut teilhaftig werden oder nicht.
2-85 Du, Michael, verspürst diese Licht- und Wasserflut, hast sie aber aus pur eigenem Vermögen in dich eingehen lassen, sogar mit Willenskraft herbeigezogen und dir einverleibt. Wahrlich, weil du mit großer eigener Erkenntnis, wie Elya zuvor bei der Wahl des Brunnenplatzes, Mein Schöpferwort zur Tat gestaltet hast, soll einst geschehen: Würde der freie Wille ohne Einhaltung der gerecht gestellten Bedingungen wider Licht- und Lebensquell erhoben, so soll der Wille erster Wächter Meines Heiligtums sein! Das gilt bis ans Ziel des Tat-UR-Jahres!! —
2-86 Ja, Meine Kinder, aus den vier Quellströmen sieben Hauptwasserläufe herzuleiten, geschah in vollster Ordnung. Selig seid ihr, wenn ihr siebenfach aufnehmt und siebenfach vergeltet, wie ihr erhalten habt! — Nun wollen wir einen Gang über den Hügel tun, um Michaels Arbeit zu bewundern. Dabei wird noch mancherlei zu lernen sein. Anschließend spreche Ich über das Eigentümer- und Gastrecht. Michael sieht Mich durchaus als Eigentümer seines Hauses an. Nun — wir werden sehen, wie wir beide übereinkommen, damit Gast und Eigentümer zum ganz eigentlichen Recht gelangen.“
2-87 Der Hügel hat eine gewaltige Ausdehnung. Das Wunderbarste ist, daß von den sieben Wasserläufen nur einer den ganzen Hügel durcheilt, freilich in einer vielfachen Verästelung. Die übrigen sechs Hauptläufe haben ihren Weg nach verschiedenen Richtungen um das Allerheiligste genommen. „Warum ist das so?“ fragt Sadhana. UR antwortet:
2-88 „Meine liebe Sadhana, das ist leicht zu erkennen. Siehe, um Mein Urzentrum lagern die Sieben als Vorhüter der Feste. Sie müssen untereinander gut verbunden sein, was durch die Hauptwasserläufe geschieht. Jeder Eigenschaftsträger muß seinen Strom den anderen zuleiten und jeder so viel kleine oder kleinste Bäche abzweigen, als in seinem Bereichsteil Werke werden, in späterer Zukunft besonders für eigenbewußt lebende Kinder, wie ihr welche seid.
2-89 Gerade sie müssen solchen Zufluß haben, denn Ich sagte euch ja von der dem Teilgeist anhaftenden Urzelle. Ob der Teilgeist sich einmal eine Scheidewand errichtet oder nicht — die Verbindung vom UR-Kern zur Urzelle ist niemals zu lösen! Zu all diesem, Meine Sadhana, dienen die vielen Wasseradern; in ihnen ruhen die den Urzellen zuzuführenden Nährstoffe, kommend aus dem UR-Kern, aus Mir! Nun erkennt ihr alle den Zweck und hohen Sinn dieser Gestaltung, und es herrscht in euch große Freude.“ Da sagt der siebente Lichtfürst:
2-90 „O, welche Barmherzigkeit, daß ein Kind auf diese gnadenreiche Verbindung immerdar zurückgreifen darf! Damit hast Du, Ewig-Heiliger UR, Dich als VATER offenbart. Denn Barmherzigkeit – gestützt auf Deine andern Eigenschaften — kann im voraus also handeln! Da gebührt Dir auch im voraus unser höchstmöglicher Dank; denn auch uns kommt das zugute. — Deine Gedanken, große wie kleine, sind Werke, die zu Deiner Zeit in Erscheinung treten. Du trägst nicht nur diesen einen Schöpfungstag vollendet in Dir, sondern das ganze Tat UR-Jahr und sicherlich alle Räume und Zeiten Deiner UR-Ewigkeit, weil Du der UR-Ewigkeitsträger selber bist! Nimm für diese Wunder unser aller Dank entgegen. Siehe, den bringen Dir unsere Herzen freudig dar.“
2-91 „Gut, sehr gut gesprochen, Mein Lichtfürst“, erwidert UR. „Euer Dank wird ein Segensstrahl. Ja es ist ein gnadenreiches Band, und weil du erkenntnisreich gewesen bist, soll die Barmherzigkeit als Segen allen Kindern werden. Bewahre ihn in deinem Innern für jenen Schöpfungstag, der dir zugedacht sein wird. Doch halte ihn für jeden andern Tag bereit, sollte er zuvor benötigt werden, ehe die Barmherzigkeit die Tagregentschaft übernimmt. Dann ist er über eine andere Eigenschaft zu spenden, bis ein Schöpfungssegen, etwa ein ‚Erlösungssegen‘, daraus werden muß. — Wir kehren nun zurück zum Haus des Michael; der Hausherr brennt darauf, seine Gäste zu bewirten.“ UR lächelt, auch die Kinder, denn Michael schaut drein, als wolle er sagen: ‚Den Wirt will ich gern machen, aber nicht als Eigentümer.‘
2-92 Sie gehen über weite lichtbestrahlte Gefilde. Zunehmend enthüllt sich alle Herrlichkeit des Hohen Hauses, je mehr UR Belehrungen über den Willen, über andere Strahlung und deren Verbindungen erteilt. Die Kinder sehen — obzwar erst bildlich — eine herrlich schöne Stadt. Sadhana ruft: „O du Stadt mit goldenen Gassen!“ Ja, sie hat recht, denn das goldene Licht der UR-Sonne flutet über die ‚Stätte‘ und hüllt sie wie in ein flimmerndes Gewebe ein. Wieder am Brunnen angelangt, gehen sie ins Haus. UR entfacht das Feuer, begibt sich auf den Thron, und nachdem die Kinder ihre Stühle eingenommen haben, die dem Altar näher stehen als im Heiligtum dem Schöpfungsherd, fragt Er zuerst den Michael:
2-93 „Mein Engelsfürst, wolltest du uns nicht bewirten? Sieh, auf dem weiten Weg haben wir viel uns aufgenommen. Das will getragen sein! Wir brauchen daher eine Stärkung, damit das geistig Genossene völlig verwertet wird.“ Michael entgegnet: „Unser heilig liebevollster Vater, für die angeforderte Stärkung will ich mit DIR rechte Sorge tragen. Dir, meinem UR, gilt als ein sicher wohlgefälliger Trunk mein Herz und meinen Lichtgeschwistern, was ich zu geben schuldig bin. Doch wie Du Inneres durch Äußeres verkörperst und das Außen durch das Innen segnest, so sollen meine Gaben äußerlich gestaltet sein. Ich bitte Dich daher, mich mit Elya einen Augenblick zu entlassen, und mit Deiner Hilfe bringen wir das Richtige herbei.“
2-94 „Handelt nach eurer Erkenntnis, Michael, Elya; verlaßt euch aber nicht allein auf Meine Hilfe. Ihr sollt als freigeborene Kinder nicht immerzu an Meinem Kleide hängen. Wäre dies gegeben, Ich deutete es an, so genügten die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen, und das freie Willensgesetz wäre dadurch überflüssig sowie völlig ohne Wert.“
2-95 Michael verneigt sich. „Du gibst Seligkeiten, von denen eine die andere übertrifft. Dir danke ich, mein UR!“ Er begibt sich mit Elya zum Brunnen. Sie wollen UR als Dankgabe Wasser bringen. Aber wie es schöpfen? Sagt Elya: „Michael, laß mich Becher schaffen.“ „Becher? wie meinst Du das?“ „Auf dem Heiligen Herd steht ein Gefäß zwischen Feuer und Schöpfungsbuch, in das sich Wasser füllen ließe. Denn schöpfst du es mit deinen Händen, kannst du wohl ein wenig trinken, aber so läßt sich‘s nicht weitertragen.“ „Wie wahr, Elya! Gern überlasse ich dir dieses Werk.“ Elya fragt innerlich, ob sie das heilige Gerät als Vorbild nehmen dürfe. Sie erhält ein trostreiches Wort:
2-96 „Wer nach Meinen Dingen schaut und zur Freude anderer handelt, der tut nach Meinem Wohlgefallen!“ Da legt Elya ihre Hände auf den Brunnenrand und schafft neun Becher nach der Form des heiligen Symbols, einen großen für UR, acht kleine für die Kinder. Sie leuchten wie schimmerndes Kristall. Daß das Gerät des Heiligen Herdes einmal zum Opferkelch wird, ist dem Werk nicht offenbar. — Michael und Elya tragen jubelnd die gefüllten Becher in ihr Haus. UR belobt Elya, und als alle kosten, merken sie erstmals die Bedeutung: sie trinken vom Schöpfungsquell. Der Herr erklärt das neue Sinnbild und spricht anschließend über das Eigentümer- und Gastrecht. Er sagt:
2-97 „Meine Sadhana und Engelsfürsten! Die Verbindung zwischen Mir und euch ist eine einzige und eine doppelte. Ihr seid aus Mir gezeugt, aus Meinem Lebensgeist geboren. Das ist ewiglich die ursächliche Verbindung. Die doppelte wird aus der ersten hergeleitet, und zwar der Werke wegen. Im Aufbau Meines inneren Kraftbewußtseins bleibt die ursächliche Verbindung bestehen, wozu eurerseits es nichts bedarf, was zu mir führen müßte, weil in Mir kein Einzelbildnis lebt.
2-98 Äußerlich und im Sinne jeweiliger Werke findet die doppelte Verbindung als wechselseitiges Geben und Nehmen statt. Bin Ich zwar auch hier zuerst der Gebende, womit ein Sondersegen auf euch fällt, muß aber der Empfänger sofort Rückgeber werden, muß aus eigener Erkenntnis mit Ernst und großem Fleiße die Verbindung mit Mir wollen. Denn Ich habe sie mit hehrem Ernst und Gotteseifer angestrebt und kraft des vorerwähnten Sondersegens zu einer fortdauernden gemacht, was Ich bei der Erklärung über Urkern und Urzelle schon bewies.
2-99 Das Verhältnis der Doppelverbindung kann jedes Geschöpf zum vollendeten Kinde machen. Ich gab im vorhinein die Voraussetzung dazu. Letztere veranlaßt aber nicht bloß Mich, Weg und Steg offenzuhalten, Mich zu den Meinen zu begeben, sondern auch die Kinder sollen zu Mir gehen, was ganz bewußt und au sich selbst mit eigener Anstrengung, aus gesteigerter Erkenntnis zu geschehen hat.
2-100 Ich verweise auf die dem Tat-Zyklus verliehenen Grundpfeiler, die zu Meinen Gunsten vorbehaltenen Bedingungen, den zu euren Gunsten gegebenen freien Willen. Hierin ruht die segensvollste Verbindung, ob ihr nun Geschöpfe, Geister, Seelenwesen oder alles in allem seid, was das Ziel jedes Einzeltages ist. Hinget ihr unentwegt von Meiner Hilfe ab, wahrlich, ihr wäret nur Geschöpfe und könntet euch unter derart magerer Bedingung nicht einmal zum freien Geist entfalten, viel weniger denn zum Seelenwesen oder gar zum Kind.
2-101 Gewiß bedarf es allenthalben Meiner Hände, die zu höchstmöglicher Vollendungsstufe helfen. Doch das untersteht der Erstverbindung, die ohne sichtbares Werk aus Mir die unwandelbare zwischen UR-Kern und Urzelle ist. Da es sich hier lediglich um Mein Geben handelt, hängt dieses weder mit den Bedingungen wie auch nicht mit dem Freiheitsgesetz zusammen, sondern ist eine rein innere UR-Angelegenheit. Damit ist diese Hilfe gleichfalls unabhängig von Meinem Schöpferwillen sowie auch von anderen Eigenschaften und bringt Meine freigeborenen Kinder in keiner Weise in irgendeine falsche Abhängigkeit.
2-102 Sobald nun jemand über Kenntnis und Erkenntnis zur Anerkennung alles dessen kommt, bedarf es einer sorgsam abgewogenen Führung, damit Bedingung und freier Wille gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten haben. Da heißt‘s zuerst große Geduld aufzubringen, denn Mein Schaffens- und Vollendungsdrang ist ungeheuerlich. Trotzdem habe Ich Mir vorbehalten, in Macht, Kraft, Gewalt und Stärke das Tat-UR-Jahr zu keinem Selbstzweck, sondern für Meine Kinder zu gestalten. Ihnen soll Mein Reich und dessen Herrlichkeiten werden!!
2-103 Da verhalte Ich Mich oft wie unbeteiligt und lasse bloß die innere Hilfe wirken. Ein Kind, immer an der Hand geführt, verfehlt seines Daseins Zweck und Sinn. Sollte Ich, der Ich mit Meiner Macht auf dem Ordnung-Wille-Weg alles zur vorgesehenen Vollendung leiten kann, in der Tat armselige Teilgeister gezeugt haben, die vorwärts gehen können, wenn Ich allein bei allen Dingen im Kontakt direkter Hilfe Meine Kinder halte?! Das wäre Mir ein rechtes Armutszeugnis; denn so hätte Mein urewiger Geist unbefähigte Teilgeister gezeugt, die nicht aus sich den Weg noch das bedachte Ziel erreichten.
2-104 O, da wäre es windschief um Mein Haus bestellt, und es wäre besser, weiterhin gedanklich schaffen wie in Meiner zeitlosen Zeit vor der viergeteilten Schöpfung! — Darum ließ Ich Michael und Elya selber werken, räumte die aus der Doppelverbindung herzuleitende Hilfe hübsch beiseite, und ihr seht: Meine Kinder sind befähigt, kraft des erhaltenen Geistes selbständig zu handeln.
2-105 Wenn ihr etwas vollbringen wollt, so beachtet die ursächlich gegebene Hilfe. Freilich ist es dienlich, selber die Verbindung anzubahnen, die sich dann auch steigern läßt. Pflegt ihr sie, so erwächst euch die Erkenntnis, daß trotz Selbständigkeit ohne ursächliche Verbindung wenig zu erzielen ist. Das Zugehörigkeitsgefühl zu Mir muß in euch wesenhaftig werden. Habt ihr das erreicht, so genügt das Wissen, daß Ich jederzeit bei euch bin wie ihr bei Mir. Um Einzelkraft, um Einzelhilfe bitten, sagt Mir nicht zu.
2-106 Zu sagen: ‚Ohne Deine Hilfe vermag ich nichts‘, ist keine Demut. Wer um diese unlösbare Verbindung weiß, trägt sie wie einen Schatz in sich, der nicht immer auf dem Markte feilgeboten werden darf. Wohl verschließe Ich Mich keiner Bitte eines Mir zugeneigten Herzens; allein, da läge keine innerste Verbindung vor, und Ich müßte manches Mal ganz anders helfen, was dann nicht verstanden wird.
2-107 Doch wer voll Glaubensmut aus vollem Herzen sagt: ‚Sieh, o Vater, ich will mich ganz fest mit Dir verbinden, denn auf diese Weise kann ich ja mein Werk vollbringen‘, dem gelingt es auch. So macht er sich das zu eigen, was Ich ihm zu tragen gab. Das ist die ewige Verbindung zwischen Mir und dem Geschöpf als Geist und Seele, vornehmlich als Kind! Da bin Ich ihm dann Schöpfer, Priester, Gott und Vater und noch alles das, was Ich dem Tag und kommenden zu geben weiß.
2-108 Nun komme Ich auf das Gast- und Eigentümer- bzw. Grundeigentümerrecht zu sprechen. Michael hat gut erkannt, daß Ich im Allerheiligsten als Meinem UR-Eigentum alleiniger Hausherr bin. Wer in dasselbe kommt, genießt Gastrecht und soll sich kein Kind über Meine Gastfreundschaft beschweren können. So ist auch jeder von euch Eigentümer seines Hauses. Nur rein schöpfungsmäßig bin Ich der Grundeigentümer, weil aller Baustoff Meinem Geist entstammt. Doch herrscht noch ein besonderes Verhältnis zwischen Eigentümer und Grundeigentümer vor, und zwar gemäß der Art von der einfachen und doppelten Verbindung.
2-109 Mir ist lieber, Michael betrachtet sich als Eigentümer und Mich als Darlehensgeber seines Hauses. Doch bliebe alles nur ein Darlehen, so wäre es alleinig Meine Arbeit. Wozu also Kinder? Bei den Werken kann wohl die Hälfte der nötigen Baustoffe vom Bauer selber aufzubringen sein; die andere Hälfte mag er sich gerne bei Mir leihen. Ich bin kein Geizhals! Habe Ich etwa die Hälftedarlehens mäßig zugesteuert, so will Ich dennoch keineswegs als Eigentümer eurer Werke gelten. Der Herr bleibt da der Bauer selbst! Es liegt an ihm, die Darlehenssumme rasch zurückzuzahlen, damit er baldigst schuldenfreier Eigentümer wird. Damit will Ich nichts anderes sagen als:
2-110 Nehmt das freie Willensgesetz und Meine Gaben voll in Anspruch, wirkt und schaffet auch aus euch, so werdet ihr höchste Seligkeit und Ich höchste Schöpferfreude haben!! Und wahrlich, so seid ihr mit Mir Grundeigentümer des ganzen hochheiligen Schöpfungstages!
2-111 Nun ist das Gastrecht noch zu klären. Soweit ihr fähig seid, habe Ich euch manche Tiefe Meines Daseins offenbart, daß ihr nachgerade bald bei Mir zu Hause seid. Als pur Geschöpfe könntet ihr niemals im Allerheiligsten ein Hausrecht haben, sondern wäret Fremdlinge, denen notfalls Obdach zu gewähren ist. Auch nur als Geist käme mehr ein Obdach- denn ein Gastrecht in Betracht. Erst wenn aus Geschöpf und Geist kraft der Verbindung zu dem Schöpfer-, Priester- und Gott-Herzteil das Seelenwesen wird, sage Ich zu euch: ‚Tretet ein, fühlt euch als liebe Gäste bei Mir zu Hause; und Ich will euch auf das Freundlichste bewirten, solang es euch bei Mir gefällt.‘ Ich werde niemals sagen: ‚Es ist Zeit, lieber Freund, gehe; andere Gäste wollen Einkehr halten!‘ Immerhin wird das Verhältnis so sein, daß Ich den Gästen gegenüber mehr als Wirt erscheine denn als Vater.
2-112 Ganz anders aber ist‘s, wenn Kinder kommen, die ihr Kindsein aus ursächlicher Verbindung und eigener Willensanstrengung erwerben. Zu denen sage Ich: ‚Tretet ein! Ihr habt ein Anrecht an des Vaters Haus wie Ich ein solches an dem euren.‘ Damit wird die schönste, weil einzig wahre und urewig bleibende Verbindung hergestellt, daraus die Kinder den gerechten Anteil schöpfen. So nehmen sie Mich in sich auf, wie Ich sie urewig in Mich aufgenommen habe!
2-113 Michael ist also Eigentümer seines Hauses und Ich des Meinen. Doch durch diese Verbindung haben wir ein gegenseitiges Eigentümeranrecht erlangt. Es ist das höchst Erreichbare, wenn ein Kind in Auswirkung des Rechts Mir in seinem Hause Anteilnehmerrecht gewährt und somit Anteilnehmer Meines Hauses wird. Nun saget, liebe Kinder, ob euch dieses Recht behagt und ob es so für alle Zukunft gelten soll. Als Mithelfer an Meinem Werk will Ich eure Zustimmung für Dinge haben, die beide betreffen, Mich und euch, das Innere und Äußere.“
2-114 Da sind die Ersten sehr erstaunt, und die Allmachtsgüte überwältigt sie. Im Halbkreis knien sie vor dem Altar nieder; wortlos flammen ihre Herzen UR entgegen, bis die Sterne über ihren Häuptern sich vergrößern. URs Angesicht ist jetzt heller als das Licht der Sonnen. Allmählich ertragen die Ersten diese Strahlung, sie sind ja eins geworden, mit ihrem UR. Ihre Andacht ist freie Willensgabe, denn sie unterstellen sich der Herrschaft URs. Seine Belehrungen sind in ihnen gleich den sieben Wasserläufen aus dem Wille-Brunnen lebenswahr geworden.
2-115 Nach der stillen Andacht segnet UR die Seinen, und von ihnen gefolgt geht Er zu Uraniels Hügel, auf dem Weg noch manches offenbarend. Dabei vergeht nahezu der Wille-Tag. Die Kinder können die Zeit nicht messen, wie auch nicht den Raum, durch den sie wandeln; und sind doch beide, Raum und Zeit, ein Bruchteil der UR-Ewigkeit.
2-116 Auf dem Hügel fragt Uraniel, ob er auch einen Brunnen bauen dürfe. UR verweist ihn an Michael: „Er ist der Schöpfungswassermeister, wende dich an ihn.“ Auf Uraniels diesbezügliche Bitte sagt jener: „O Uraniel, du bist als Erster dem Werke vorgesetzt. Doch trotz geordneter Reihenfolge soll keiner von uns mehr oder weniger sein. Nun — du hast mir das Haus bereitet, und ich baue dir den Brunnen.“ Alsbald wird derselbe, auch auf URs Geheiß wie durch Elya die Becher. UR belehrt im Haus noch weiterhin die Kinder über den ‚unwiderruflichen Willen‘ und sagt am Ende:
2-117 „Euch scheint das ein Widerspruch zu sein, nachdem Ich doch vom freien Wirken sprach. Ich deute nochmals den Zusammenhang dahingehend, daß der unwiderrufliche Wille allein dort einzusetzen ist, wo es sich um die Gestaltung und Erhaltung Meiner Werke handelt oder bei Mißbrauch des freien Willens. Allein, der unwiderrufliche Wille ist in ein großes Gnadentuch gehüllt, in die Erbarmung Meiner Liebe, die bei etwaigem Mißbrauch waltend wird, wie Ich‘s dem siebenten Lichtfürst anheimstellte, den Gnadensegen auch über eine andere Eigenschaft auszuteilen, sollte noch sein Tag verziehn. Darum braucht ihr euch in puncto unwiderruflichen Willen allein um die ‚große Verbindung‘ mit Mir zu kümmern. Das andere könnt ihr MIR alleinig überlassen; es wird für Mich und euch gerecht verwaltet werden. —
2-118 Noch etwas sei erklärt, dann wollen wir uns recht von Herzen über eine schöne Feierabendstunde freuen. So höret: Ich sagte, daß ihr, Meine Lichtträger, die Feste Meines Himmels seid. Habt ihr über die entsprechende Belehrung nachgedacht, so könnt ihr es bei kleinem selbst verspüren, welche Bewandtnis diese Feste in Verbindung mit euch hat. Zeugen ja die ungezählten Bäche, die aus euren Hauptwasserläufen kommen, von der Bedeutung ersten Ranges dieser Feste. Ja, erstrangig seid ihr eingesetzt und wird es nun noch weniger Kinder geben, die in dieser Hinsicht eurer Rangordnung anzugliedern sind.
2-119 Ihr habt im All die Feste als etwas Daseiendes gesehen und dabei bemerkt, daß sie an keinen eigentlichen Ort zu bannen war. Denn ob er oben oder unten, fern oder auf der Zinne Meines Berges — überall war Himmel! Ich will euch das Geheimnis lüften. Seht, Ich bin dem Worte nach mit euch durch das große Schöpfungsall gegangen, und ihr habt anhand eurer himmlischen Berufung überall den Himmel hingetragen.
2-120 Aber wo ihr selber standet, sahet ihr die Feste nicht, weil ihr sie an solchem Platze in euch tragt. Das leuchtet euch nun ein. Nur von der letzten Grenzraumwelle erschien der Himmel euch wie eine Winzigkeit in unermeßlicher Entfernung, worüber ihr noch rätselt.
2-121 Das sollte euch belehren, den Weg zu Mir aus euch zu finden, aber auch künftigen Kindern als Himmelspförtner die Pfade durch die Feste zu Mir aufzuzeigen. Das kann auch eine schwere Gasse werden, so daß Meine Herrlichkeit recht klein erscheint. Doch bei voller Sehnsucht wird — wie das festzustellen war — auf dem Rückweg diese anfänglich so kleine blaue Zelle riesengroß, sie wächst ins Unermeßliche. Das ist einer jener herrlichsten Herrlichkeiten, denn dann ist das Kind vom Himmel eingeschlossen, ist bei Mir im Heiligtum zu Haus!
2-122 Schon gut, denkt ihr, wir sind durchaus zufrieden, daß Du, lieber UR, Alles in Allem bist. Aber inwiefern stellen wir die Feste dar? Meine Kinder, denkt darüber nach, daß — wer Mein Wesen ganz erkennen will — jeder sich der sieben Lebensstrahlen zu bemächtigen hat, sonst erreicht er nicht des Himmels Zentrum! Erlangt auch in kommenden Schöpfungstagen Meine Feste eine sich steigernde Bedeutung, so bildet sie doch um Mein Urzentrum einen Ring, festgehalten in euren vorgelagerten Hügeln. Hier seid ihr Wächter Meiner Eigenschaften. — Wer nicht alle sieben Eigenschaften sich erwirbt, kommt schwerlich in das Innerste der Herrlichkeit. Darum nannte Ich euch den Himmel, der erstürmt sein will, daß ein Kind nächst der ursächlichen Verbindung aus der erläuterten Doppelverbindung selbst zum Kinde wird!
2-123 Ja, nun verstehet ihr, daß ihr selbstredend nicht gestaltlich die gesetzte Feste seid, aber sie als Meinen Himmel durch die euch anvertrauten Lebenswasser Raum und Zeit vornehmlich den künftigen Kindern zuzuleiten habt. Eine schöne, hehre Schöpfungsaufgabe, die euch geworden ist! Bleibet ihr stets eingedenk! — Nun erhaltet noch den Ordnungssegen. Der Abend naht, und ihr sollt vom Felde eurer Tätigkeit heimkehren können, bei Mir ausruhen und geborgen sein.“ — Nach dem Segen führt UR die Seinen über den blauen Teppich heim.
2-124 Sadhana geht an URs rechter Seite, die Fürsten folgen. Und das erste Kind schmiegt sich an des Heiligen Schulter an, erfaßt Seine Hand und sagt: „O UR, mein Licht und Leben, wie überaus glücklich hast Du uns an diesem Tag gemacht! Eine Frage möchte ich noch stellen dürfen. Sieh, Du hast Deinen Engeln viel Arbeit anvertraut, die sie kraft ihrer Verbindung mit Dir selbständig ausführten. Mich hast Du zu Deinem Negativ, Deinem Widerschein gemacht, mit Dir besonders engverbunden. Wie kann denn das geschehen, wenn ich keinen Auftrag auszuführen habe, der auch zum gerechten Segen werden kann? Wie darf ich mich bewähren?! Mich würde sehr betrüben, wenn Du an mir, Deinem ersten Kinde, keine Schöpferfreude hättest.“
2-125 O Kind, dein Herz hat einen schönen Abglanz demutsvoller Liebe! „Meine Sadhana“, sagt UR, „sorge dich nur nicht, ob du hinter der Erkenntnis und schöpferischen Fähigkeit der Fürsten stehst. Das ist nicht der Fall! Siehe, am Abend des Ordnungstages fragtest du Mich um das Verhältnis, wie du zu Mir stündest, da Ich die Sieben Meine Kinder nannte. Weißt du Meine Antwort noch?“ „Ja, mein UR, Du erleuchtest mich, Du nanntest mich das ‚Kind der ganzen UR Schöpfung‘.“
2-126 „Recht gesprochen! Ja, die zu eigenbewußten Leben erwachten Teilgeister sollen Meine Kinder sein; du aber jenes einer UR-Schöpfung! Du hast einst verstanden, was Ich dir an Höchstgesegnetem verlieh, nämlich: Du bist im gerechten Widerhall Mein Negativ; Ich schaffe mit dir und durch dich und du mit Mir und durch Mich! Alles, was in einer Schöpfung wird, geht aus Mir und somit auch aus dir hervor. Daran erkenne deine Mittäterschaft an den gewordenen Werken.
2-127 Ich gab dir das Herrlichste, was einem Kinde zu geben ist. Das berechtigt Mich, von dir ein Höchstes einzufordern; und billig ist zu verlangen, daß du dich allein in Mich begibst, also nicht persönlich selbsttätig bist wie Meine Engelsfürsten oder Kommende. Sie alle schaffen Einzelwerke mit; du schaffst mit Mir das Ganze eines Tages, denn du warst ein umfassender Werkgedanke, der in Mir seinen Raum besaß. Behalte daher nicht das Einzelne im Auge, sondern stets das Ganze gleich wie Ich. Wirst du ein Einzelwerk gestalten wollen, so wirst du einmal Meinem Herzen ferner stehen, als bei der Wanderung die blaue Himmelszelle in unmeßbarer Ferne blinkte.
2-128 Bleibe jederzeit an Meiner Hand, wie jetzt zu Meiner wahren Vaterfreude; und Ich halte Mein gegebenes Wort, demzufolge Ich in Deine Hand die Tage Meines Tat-UR-Jahres lege! Nun, erfüllt dich das nicht mehr, als wenn du Einzelwerke schaffen kannst? Siehe, jeder Engel trägt einen Teil in sich; du aber sollst sie allesamt in dir verwahren.“ Voll Glück sieht Sadhana empor, schmiegt sich wieder an UR an und sagt: „Führe mich an Deiner heilig-guten Hand; Dein will ich sein und nicht mehr ich!“ Die Fürsten wetteifern, dem UR-Kind von sich den besten Teil zu geben. UR erwidert:
2-129 „Gesegnet sei dein Wort, Meine Sadhana! In Mir bist du geboren, du bist Mein, dich trug Meine Innerheit! — Doch auf ins Heiligtum! seht, die UR-Sonne hat sich gewendet, bald läutet die Glocke den Feierabend ein.“ Die Kinder kehren vom Schöpfungsfeld ins Vaterhaus zurück. Ihr Wirken war sehr groß, und UR freut sich über ihren guten Willen. Im Allerheiligsten begibt Er sich auf Seinen Thron, Sadhana legt Weihkraut in die Opferschale, und das Feuer vom silbernen Teller loht hell auf. UR ergreift Sein ‚Arbeitsbuch‘ und sagt:
2-130 „Meine Kinder, soweit der Tag des Willens eine Einheit mit Mir vorgesehen hat, habt ihr sie erreicht. Gesegnet könnt ihr ruhen in der zweiten Nacht, die gesteigerte Kräfte bringt, um den Morgen samt dem dritten Tage zu erleben. Aber eines liegt noch vor: Die vier ersten Arbeitstage verlangen vier Entscheidungen. Am Ordnungstag habt ihr zuerst die Anerkennung der Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen und des freien Willensgesetzes herbeigeführt.
2-131 Ich wies besonders darauf hin, das kraft des freien Willens wohl einmal ein Kind von sich aus die Verbindung lösen kann und die aufgehobene Verbindung schwierig wiederherzustellen sei. Deshalb kann es nicht bei der einen Entscheidung bleiben, die Meinen Bedingungen als unwandelbaren Gesetzen sowie dem freien Willen als wandelbaren Gesetzen gilt. Das erste ist Mein Grund, das zweite ist der Grund des Segens, der den Kindern zur freien Entwicklung gegeben ist. Ihr habt beides anerkannt, und Ich knüpfte eine ‚Wiedergutmachungsfolge‘ an bei Mißbrauch des freien Willens zum Schaden einer Schöpfung. Die zweite Frage lautete:
2-132 „Soll eine Wiedergutmachung durch das freie Willensgesetz oder durch die Mir vorbehaltenen Bedingungen geschehen?‘ Das ist noch zu entscheiden, dann mag der Tag zur Ruhe gehen, und Ich will euch in dieser heiligen Schöpfungsnacht sorgsamst tragen. — Michael, bringe als Dominant des Willetages die erste Antwort dar.“ UR gibt Sein Buch auf den Heiligen Herd zurück. Die feierliche Stille läßt die Kinder die gewaltige Bedeutung dieser Frage ahnen. Ernsthaft ziehen sie alle gesammelten Erkenntnisse zu Rate. UR ist unsichtbar geworden. An der ruhig brennenden Flamme messen die Ersten ihre eigene Unruhe, die sie befallen hat. Doch die Flamme lehrt: ‚Ihr seid nicht allein!‘ Aus dieser Lehre entnehmen sie auch die Entscheidung.
2-133 Doch schnell ist das nicht getan; davon hängt mehr als nur ein Tagwerk ab. Ein schwerer Ernst, verlagert auf das ganze Jahr, tritt an sie heran, und sie fühlen drückend eine Spannung zwischen den gerecht gestellten Bedingungen und dem Freiheitsgesetz. Hat UR das Tat-Werk nicht zum Selbstzweck, sondern zum Kindzweck geschaffen, dann müßte auch der freie Kindwille vorherrschend sein. Sind aber nicht zuvor unzählige Werke an innerheiliger Größe gewesen bis zur herrlichst vorgebauten viergeteilten Schöpfung, die den Tat-Zyklus geboren hat? Wie könnte also für das hehre Schöpferwerk das zugunsten der Kinder gegebene Freiheitsgesetz bestimmend sein? — Jede bisherige Schöpfungsfolge war ursächlich auf die Bedingungen gegründet und werkmäßig vollendet worden. Müßten also die Bedingungen nicht ausschlaggebend sein? —
2-134 Welche Fülle UR der Freiheit gab, haben sie genug verspürt. Daß sie dadurch je woanders hingelangen könnten, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. UR sprach von Kommenden. Die Glocke schlägt die letzte Tagesstunde an; ihr Hall läßt Raum und Zeit erbeben. Michael und Elya gehen zum Heiligen Herd, und da ist UR wieder sichtbar. Sein hehres Antlitz ist von unnennbarer Güte überstrahlt, und der Glanz Seiner majestätischen Gestalt bricht sich an den kristallenen Mauern des Allerheiligsten. Und also entscheidet der Fürst des Willens:
2-135 „Hohe Macht und Kraft, Erhabener! Gewalt ist Dein Name, Stärke ist Dein Wesen! Wer sieht die Flügel, die über Deine Werke ausgebreitet sind, die alles tragen, unter denen alles ruht? Deine Füße sind der Grund; wer will ihn ergründen? Deine Augen spiegeln Deine Höhe; wer kann sie erreichen? Deine Hände formen jede Weite. O Heilig-Heilig, wer will sie messen, da man DICH nicht messen kann? Dein Herz als heiligvollste Nähe ist Unendlichkeit; kein Kind wird dessen ersten oder letzten Schlag vernehmen! Denn beim letzten Werkton streichen Ordnung und Wille in der Schöpferallmacht wie mit leisem Hauche über alle Werke hin, und es steht ein Neues auf, ungeahnt gewaltig!
2-136 Du bist das All und es kam aus Dir; Du ließest es zur Offenbarung Deiner Herrlichkeiten werden! Du, der Ewig-Heilige! Niemand kann von dieser Offenbarung als einer Halbscheid sagen: Siehe hier, siehe da! Ich weiß gewiß und bezeuge es kraft Erkenntnis und des Willens: O Heilig-Heilig, ewigwahr der Einige, es gibt nichts außer Dir! Nichts geschieht ohne Dich; alles ist Deine Grund-UR-Sache!
2-137 Hast Du uns zur undenkbaren Freude und süßesten Seligkeit einen Schöpfungsrang eingeräumt, der Dir im Sinne eines Tages herrlich angeglichen ist, so gebührt Dir gleichfalls höchste Freude, die Dir als Dank durch Deine Kinder werden soll. Doch eben daraus kann sich das entwickeln, daß wir kraft des Freiheitsgesetzes, welches wir am Ordnungstag anerkannten, einen Weg und eine Richtung beibehalten müssen, ein Gebot befolgen, einem Willen dienstbar sind. Das muß in Deiner heiligen UR-Wesenheit verankert sein!
2-138 Du gabst, noch zugedeckt, dem zweiten Fundament zwei Richtungsarten. Die eine führt über Deine erhabene Tiefe, Höhe und Weite in Dein Herz, wie Du gesegnet vorgesehen hast; und die andere kann bodenloseste Tiefe und entfernteste Verirrung zeitigen. In beiden Möglichkeiten ruht die Allgewalt Deiner Offenbarung, der innigen, nie ergründbaren Hingabe an Dein Kindervolk! Ach Herr, All-Höchster und All-Heiliger, wer will das je begreifen?!
2-139 Vor der Macht Deiner ursächlichen Hingabe müßten auch wir vergehen, wenn wir ein kleines Ende davon schauen möchten. Allein, unter Deinem All-Segen geborgen sind diese Herrlichkeiten zu ertragen!
2-140 Dein höchster Schöpferjubel ist, uns neben und in Deine Herrlichkeit und hohe Heiligkeit zu stellen, um Anteilnehmer Deines wunderbaren Grundeigentums zu werden. O Ewig-Heiliger UR, laß mich jubeln und Dir danken bis in Ewigkeit, weil Du — kaum am Anfang Deines Tat-UR-Jahres — bereits krönend Deine Machtherrlichkeit enthüllst und uns hast werden lassen zu Deinem Grundeigentum, daß wir Dich bei uns haben dürfen als unsern schönsten und heiligsten Besitz!
2-141 Zufolge dieser urherrlichen Gaben, die Du mit dem Freiheitsgesetz als Brücke zur seligmachenden Verbindung mit Dir Deinen Kindern zukommen läßt, soll das freie Willensgesetz grundlegend eine Wiedergutmachung bei rechtloser Inanspruchnahme dieser Freiheit bringen, und die dem Gesetze innewohnende Freiheitsfülle soll die Umkehr und Umwandlung einer falschen Tat ergeben. Eine Wiedergutmachungsfolge aus den Dir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen kann Dir, Heiliger, keine Genugtuung sein. Du wärest dann auch der alleinige Vollbringer! O Herr, ewig hast Du recht, daß es Deiner unwürdig wäre, vollbrächten Deine freigeborenen Kinder nichts aus sich! —
2-142 Die Wiedergutmachung bestünde auf solchem Wege nur dem Namen nach, weil Du sie kraft der unwandelbaren Gesetze zuwege brächtest. Darum hätte sie von seiten jenes Kindes selbständig und freiwillig zu geschehen, dem sie zur Last zu legen wäre. Auch dann, wenn Du vielleicht einmal Dein ganzes Kindertum an eine Wiedergutmachungsfolge anschließen müßtest, soll sie freiwillig möglich sein.
2-143 Die ursächliche Verbindung zwischen UR-Kern und Urzelle wird ihren Anteil tragen müssen, denn sie ist unaufhebbar, weil der ihr innewohnende Schöpfungssegen Dein heilig-guter Werksegen ist. Es dürfte dieser auch alleinig sein, der den Wiedergutmachungswillen stärkt und das Gelingen dazu gibt. Gründe es, All-Heiliger UR, auf das freie Willensgesetz und lasse dabei Deinen Schöpfungssegen als Geheimverbindung walten. — Denn Dein ist der Raum, Dein ist die Zeit und Dein ist das Geschehen! ‚Vollendung‘ heißt Dein Werk.
2-144 Laß uns DICH preisen“, alle stellen sich bei diesem Aufruf im Halbkreis vor dem Heiligen Herd auf, „laß uns Deinen Namen lobsingen; und Dir sei wohl gefällig unser Dank und unsere Anbetung. Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr und Höchster, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Amen.“
2-145 Die Mauern, Säulen und Geräte des Heiligtums geben das mit großer Kraft gesprochene Wort zurück an den, der mächtig auf Seinem Stuhle sitzt, dessen Name Wunderbar, Rat, Macht und Kraft, Ewig-Wahrhaftig, Hochpriester Melchisedek und König von Salem ist. Das Allerheiligste erstrahlt in erhabenem Schöpferglanz einer Tagvollendung.
2-146 Die Jubelnden halten ihren Atem an, denn feierliche Stille senkt sich nieder. Im hehren Schweigen sehen sie URs leuchtende Herrlichkeit. Ist Michaels Antwort so bedeutend, daß geschieht, als wenn UR Selbst entschieden hätte? Noch wissen es die Kinder nicht; selbst eine Antwort wird nur soviel vermitteln, als der Werkfortgang es nötig macht. Auch sie werden nie die Tiefe dieses Sinnes fassen können und die Tragik eines Geschehens erst erkennen, wenn eine Abwandlung geschehen ist. Aber bis dahin? Ach, UR sieht voraus, die Erbarmung deckt schon jetzt die Hände über ein Geheimnis, und Sein Herz ist bereit aufzunehmen, was am Boden einst zerschlagen liegt.
2-147 Doch es sind getreue Kinder Ihm zur Seite, und der Willefürst hat seine Arbeit gleichfalls gut vollendet wie am Tag vorher der Träger Seiner Ordnung. — So blicken Seine Augen freundlich auf die Kinder nieder, Er streckt über sie die Hände aus und erteilt den letzten Abendsegen. Dann öffnet Er das Herz, damit die Ersten in Ihm ruhen können. Noch einmal nimmt Er das Schöpfungsbuch zur Hand, das noch aufgeschlagen liegt, seit heiliger Frührotschein die verborgene Quelle traf, an der Er, der Höchste, den Tag aus Seinen heiligen Lebenswassern schöpfte. Und Er spricht:
2-148 „Amen! Und noch ein dem Werk geheiligtes Amen! Es soll der Wille über dem Gesetz und der Erfüllung walten, damit nicht anderes geschieht, als was Mein Willeträger angefordert hat. Wäre aus einer von Mir geleiteten Erkenntnis die Entscheidung gefallen, so könnte jederzeit ein unwandelbares Gesetz die Folge bringen.
Doch kraft eurer Erkenntnis und freiem Willensentschluß
bleiben die wandelbaren Gesetze zum höchsten Segen Meiner Kinder
als Vollendungssymbol der Wiedergutmachung bestehen!
2-149 Ein Geheimnis behalte Ich MIR vor, über das ein anderer Tag die Frage und die Antwort geben soll.
*
2-150 Nun naht die Nacht, die Zeit Meines ureigenen Schaffens, denn sie ist Mein inwendigster Tag und voll Meines Lichtes. Da erhaltet ihr — unbewußt des Lebens — frische Kraft, und der nächste Morgen schenkt euch seine Herrlichkeit. Die Nacht verwahrt in ihrem ersten Teil den abgelaufenen Tag und seine Güter. Ich allein bewirke, daß alle Tagesgüter zu neuem Aufbausegen für den neuen Tag umwandelt werden.
2-151 In vier Stunden bis zur Mitternacht wird alles bis zum höchstgesegneten Abschluß eingeordnet. Sendet dann die Mitternachtsglocke ihren letzten Ton durch die UR-Ewigkeit, so gestalte Ich in vier Stunden, in denen je ein Wesenszug Meines UR-Ichs wirkt, viermal vier Tagesstunden vor im Aufbau und im Ziel. Richtung und Lauf, die den Aufbau dem Ziel entgegentragen, bleiben dem Kindvolk überlassen. Sie werden von Mir mit dem Erfüllungssegen vorbedacht, damit der ganze Tag die Krönung durch das Ziel erreichen kann.
2-152 Nun nehmt den Abendsegen dieses reichgefüllten Tages hin. Meine Kinder, Ich als Schöpfer segne euch; denn beide Tage, die Meinem Schöpferwesen galten, sind vollbracht und — gut geworden! Alles ist gut, aus Mir und auch aus euch. Darum fließt der volle Segen euch aus Meiner Schöpferherzkammer zu. Werdet ihr aber einmal Meinen UR-Segen erhalten, nachdem ihr aus allen Meinen Wesensteilen in euch aufgenommen habt, dann — ja dann bricht ein Abend über euch herein, dessen Übermaß Ich euch mittragen helfen muß!
2-153 Doch schon jetzt sind eure Herzen bis zum Rand gefüllt, weil ihr Mir von eurem Leben soviel dargegeben habt, als euch in den zwei ersten Tagen des Tat-UR-Jahres möglich war. Darum kommt die Fülle eurer Darbringung als Abendsegen auf euch zurück. Eure Arbeit ist geheiligt, und so ist euch auch der Lohn gewiß, der den nächsten Tag erleben und vollenden hilft. Nun aber seid ihr schaffensmüde.“ —
2-154 UR schreitet links um den Herd und begibt sich mitten unter Seine Kinder. In der linken Hand hält Er das Buch, mit der Rechten teilt Er Seinen Segen aus. Da sehen sie Ihn, ach, wie herrlich nah! Keine Stunde brachte ihnen je ein solches Maß glückseligsten Gefühls. Sie sind an der Vaterbrust geborgen. — Der Weihrauch löst sich aus der Opferschale, er hüllt die Szene ein. Die Gesegneten schließen ihre Augen, und UR schließt auch das Schöpfungsbuch, in dem der zweite Tag als ‚heiliger Gewinn‘ verzeichnet steht. UR bettet sänftlich Seine Kinder in Sein Wesen ein. Am Herd bedeckt Er das Feuer mit Seiner Rechten, bis eine kleine stille Flamme brennt, ganz stetig und gewiß. Die Opferschale ruht, die Geräte werden eingehüllt. Nun ist das Heiligtum in der Gottheit und nicht mehr UR im Heiligen Haus wie während jedes Tages um der Kinder willen.
2-155 Heilige Einsamkeit umgibt den Höchsten. Diese Einsamkeit schafft einen neuen Tag.
NEUOFFENBARUNG