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DIE LETZTE VISION

Ich schwebe fern von Mallona im Weltenraum. Der Planet ist umgeben von Daempfen, sodass von seiner Oberflaeche nichts zu sehen ist. Da zuckt es ploetzlich hell auf. Flammen spriessen aus den Duensten, und ich sehe wie der Erdball in tausend Truemmern auseinander sprengt. Die Monde, die ihn umgaben, verlieren ihren Umlaufkreis und irren mit den Truemmern im Raume umher. Nach allen Seiten schiessen gleich Sternschnuppen die Reste des gewaltigen Weltkoerpers. Teile treffen auch auf die andern Planeten unseres Sonnensystems und koennen erzaehlen von jener furchtbaren Schicksalstragoedie im Weltenraum.

Jetzt sehe ich, wie eine glaenzende Gestalt hernieder steigt, gleichsam wie aus dem Kern Mallonas entstanden. Sie schwebt der Sonne zu. Ein siebensterniges Strahlendiadem schmueckt das Haupt, die Hand haelt eine Friedenspalme, unendliche Guete und Milde zeigt das Antlitz. Die Gestalt winkt mir zu und spricht:

„Gib Kunde von dem, was Du gesehen! Einst sollte Mallona der Traeger hoechster Liebe werden. Es sollte ein Menschengeschlecht erzeugen, dem freie Selbstbestimmung eigen, damit es die hoechsten Gueter des Geistes erringe und gottaehnlich werde. Nur dort, wo der Mensch ein Engel oder Teufel werden kann, erblueht die Freiheit des Geistes. Erkennt er die Liebe Allvaters und die Weisheit Seiner Gesetze, so besiegt er den Tod und erringt das ewige Leben. Verschmaeht er beides, trifft ihn sicherer Untergang. Nur eine Kraft herrscht im All, nur eine weisheitsvolle Liebe. Sie kennt die Wege und die besten Mittel des ewigen Schoepfungsplans.

Ein anderer Planet wird jetzt erwaehlt, Traeger der hoechsten Liebe zu werden. Sieh dort hinab, Du kennst ihn wohl, es ist Dein irdisches Heimattal. In dieser Stunde entsteht dort der erste Mensch, dem tief ins Herz ich pflanze den Geistessamen hoechster Menschenwuerde. Nichts wird ihn hemmen fortzuschreiten zu hoechster Stufe der Kultur, vergisst er der Liebe nicht. Geistesfreiheit wird das neue Geschlecht dann erringen und ueber alles Boese triumphieren!"

Die Gestalt senkt sich hinab und ich sehe die Erde immer naeher kommen. ich erkenne ihre Oberflaeche und sehe die Entstehungsperiode, die man heute die Tertiaerzeit nennt. ich erkenne in wilden Gegenden laengst ausgestorbene Tiergattungen, sehe den Hoehlenbaeren und auch den Urmenschen.

Da glueht ploetzlich im Osten ein rosiges Licht. Ein gelindes Brausen zieht durch die Luefte und mir ist es, als fluestere mir eine Stimme zu:

"Dort im fernen Osten ward jetzt ein Menschenpaar geboren als das erste, dessen Seelen das Samenkorn des ewigen Geistes empfingen. Von diesem werden nunmehr die Voelker ausgehen, die einst wandeln sollen im Lichte der Wahrheit!"

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