03] Sagt Johannes: Jawohl, Freund; aber freilich kommt es sehr darauf an, was man glaubt! Es könnte dir jemand eine Lüge vorsagen, und du glaubtest sie fest, so würde solch ein noch so ungezweifelter Glaube keine Wirkung haben, weil man darauf, wo es keinen wahrhaft festen Kerngrund gibt, kein Haus bauen kann.«
04] Sagt Aziona: »Das ist alles in der Ordnung; aber wo ist der Probierstein, mittels welchem ich zur vollsten Überzeugung gelangen könnte, daß das eine vollste Wahrheit sei, was mir jemand zu glauben vorgestellt hat?«
05] Sagt Johannes: »Über dies Kapitel haben wir zwar schon gesprochen; allein, um dir noch einen näheren Fingerzeig zu geben, sage ich dir, daß Gott, der Herr Himmels und dieser Erde, einem jeden nach der Wahrheit strebenden Menschen ein Gefühl in sein Herz gelegt hat, das die Wahrheit noch viel eher erkennt und erfaßt als ein noch so durchgebildeter Verstand.
06] In diesem Gefühle weilt auch die Liebe zur Wahrheit, die sie als solche wahrnimmt, bald mit ihrer Lebenswärme durchdringt und also lebendig macht. Wird der Glaube als eine von der Liebe durchdrungene Wahrheit aber einmal lebendig, dann wird er auch sich zu regen, zu bewegen und am Ende selbst zu handeln anfangen. In solchem zuversichtlichen Handeln liegt dann erst auch das volle Gelingen dessen, was man im Herzen, und nicht etwa im Gehirn des Kopfes, als ungezweifelt glaubt.
07] Im Gehirne hat die Seele nur ihre Augen, Ohren, ihren Geruch und Geschmack; von diesen geht aber kein Leben aus, da sie selbst nur Wirkungen des Lebens sind.
08] Soll denn ein Glaube wirken, so muß er eins sein mit dem Leben selbst und nicht, gleich den Augen und Ohren, der Nase und dem Gaumen, als eine bloße Wirkung des Lebens für sich einzeln dastehen ohne einen tieferen Verband als allein den des nötigen äußeren Gebrauchs. Ist aber dein Wahrheitsglaube einmal eins geworden mit deinem Leben, so hat er schon von selbst jeden Zweifel aus sich ausgeschieden, und er darf dann nur wollen, und es wird geschehen, was solch ein Lebensglaube will.«
JL, Großes Evangelium Johannes, Bd.5, Kap.177
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