11. Der Hochmut, die Hauptsünde aller Sünden.
(1899, 18. September, Graz.)
Vater Jesus gibt das Mittel an, womit man gegen Hochmut mit Erfolg auftreten
und ihn ganz bekämpfen kann.
1. Der Hochmut ist eine sehr eingebürgerte Sünde, so daß kaum ein Mensch sagen
dürfte, er wäre oder ist nicht hochmütig. Man probiere einen Menschen durch eine
Verdächtigung, Beleidigung, Geringschätzung, Herabsetzung, Einschränkung seiner
Lieblingsneigungen, seines persönlichen Ansehens und Wertes! ― und man wird bald
sehen, wie hoch seine Tugend „Demut“ steht!
2. Der Mensch wird durch seine Kenntnisse, Vorzüge, Vorrechte,
Vermögensumstände, Standeshöhe, entscheidendes Besserwissen wie Andere
fortwährend zum Hochmut gereizt, und wer ihm da entgegentritt, dem läßt er sein
Vorrecht in allem fühlen. Gelehrter sein, unabhängig und überall als Erster angesehen
und dabei demütig und liebevoll, zuvorkommend und geduldig gegen Schwächen
Geringerer, das ist eine Seltenheit, die man weit und breit suchen muß.
3. Wie es aber für jede Krankheit ein Kräutlein gibt, so gibt es auch eines für diesen
gefährlichen Feind geistig-göttlicher Existenz auf der Welt. Und dieses heilbringende
Kräutlein ist: Erkenne dich durch und durch, was du bist! Das Fleisch ist eine tote
Masse; die Seele ein Luftgebilde menschlicher Gestalt, ohne fühlen, sehen, hören,
urteilen, noch sich bewegen zu können, somit eine pure Null. Der Geist Gottes aber ist
Alles in dir: Er ist liebe, Weisheit, Kraft, Macht, Wille, Gefühl, Hören, Sehen, Urteilen,
Sprache, Riechen und Impuls zu Allem, außer zum Bösen und Ungeistigen, welches der
Satan an der vom Geist belebten und mit allen Vorzügen ausgestatteten Seele, sowie,
an dem durch die Seele belebten Leibe ist. Auf was kannst du Mensch, als auf dein
Eigen stolz und hochmütig sein, da du ohne den Geist eine Null, ein wertloses Gebilde
bist!?? Sei daher immer eingedenk deiner Nichtigkeit vor Gott als deinem Geiste und
gib bei jeder Gelegenheit, wenn der Hochmutsgedanke aufsteigen beginnt, schnell Gott
die Ehre: Lieber Vater, Dir sei alle Ehre, Liebe, Anbetung, Preis, Ruhm und Herrlichkeit!
Amen; denn Du bist Alles, ich aber Nichts! ― Im Gespräche, wo die Gedanken schnell
fliegen, sage man schnell: Dir zur Ehre lieber Vater! und ihr werdet sehen, welche
magische oder zauberhafte Wirkung diese kleine Ehrenbezeugung, die ihr Gott gebet,
Der in euch wohnt, für die Demütigung eurer hochmütigen Seele wird! Es ist ein
Zaubermittel ersten Ranges, wenn man ― eingedenk seines Nichts ― nur Gott allein
alle Ehre gibt! ― Jeder Dank, jedes Lob deiner Tugenden, Kenntnisse, Kräfte, Vorzüge,
überhaupt Alles, was dir zu Ehren geschieht, gereicht gebührt usw., behalte nicht für
deine Person! sondern übertrage es sogleich Mir, deinem Gott und Vater! und du wirst
sehen, wie dieses göttliche Kräutlein Wunder wirkt!
Aus: Christlich-Theosophisches Gebetbuch – Franz Schumi
NEUOFFENBARUNG