← Zurück zu „V“

verwirren – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Daß “daselbst ihre Lippe verwirren” bedeutet, keiner habe das Wahre der Lehre, kann erhellen aus der Bedeutung der Lippe, daß sie ist die Lehre; woraus folgt, daß die Lippen verwirren heißt, dasjenige verwirren, was Sache der Lehre ist, das ist, die Wahrheiten der Lehre. Verwirren bedeutet im inneren Sinne nicht bloß verfinstern, sondern auch verwischen und zerstreuen, so daß nichts Wahres mehr vorhanden ist. Wenn die Selbstverehrung an die Stelle der Verehrung des Herrn tritt, dann wird nicht nur alles Wahre verkehrt, sondern auch abgeschafft, und zuletzt wird das Falsche als wahr anerkannt, und das Böse als gut; denn alles Licht der Wahrheit ist vom Herrn, und alle Finsternis ist vom Menschen. Wenn der Mensch im Gottesdienst an die Stelle des Herrn tritt, so wird das Licht des Wahren zur Finsternis; und dann wird von solchen das Licht als Finsternis angesehen und die Finsternis als Licht; solcherlei ist auch das Leben nach dem Tod. Das Leben des Falschen ist ihnen gleichsam das Licht, das Leben des Wahren aber ist ihnen gleichsam Finsternis; aber das Licht eines solchen Lebens verwandelt sich in lauter Finsternis, wenn sie sich dem Himmel nähern: Solange sie in der Welt sind, können sie zwar das Wahre reden, ja mit Beredsamkeit und scheinbarem Eifer, und weil eine beständige Reflexion über sich selbst da ist, so kommt es ihnen auch vor, sie denken dasselbe, weil aber der eigentliche Zweck die Selbstverehrung ist, so bringen die Gedanken vom Zweck her es mit sich, daß sie das Wahre nur anerkennen, soweit ihr Ich im Wahren ist. Wenn der Mensch, der das Wahre im Munde führt, von dieser Art ist, so ist offenbar, daß er nichts Wahres hat. Dies zeigt sich deutlich im anderen Leben: dort anerkennen solche nicht nur nicht das Wahre, das sie im Leben des Leibes bekannt hatten, sondern sie hassen und verfolgen es auch, und dies insoweit, als ihnen der Hochmut oder die Selbstverehrung nicht benommen wird. <HG 1321>

Daß “Jehovah verwirrte die Lippe der ganzen Erde” bedeutet den Zustand dieser Alten Kirche, wo der innere Gottesdienst sich zu verlieren anfing. Dies erhellt daraus, daß gesagt wird: Lippe der ganzen Erde, nicht wie 1.Mose 11/7, die Lippen derer, welche die Stadt und den Turm zu bauen begonnen. Durch das Angesicht der ganzen Erde wird bezeichnet der Zustand der Kirche, denn die Erde ist die Kirche. Mit den Kirchen nach der Sündflut verhielt es sich folgendermaßen: Es waren drei Kirchen, die im Worte besonders erwähnt werden, nämlich die erste Alte Kirche, die von Noach den Namen hatte; die Andere Alte Kirche, die von Eber; und die dritte Alte Kirche, die von Jakob, und nachher von Jehudah und Israel

ihren Namen hatte. Was die erste Kirche betrifft, die nämlich Noach genannt wurde, so war sie gleichsam die Stammutter der folgenden, und wie gewöhnlich die Kirchen in ihren Anfängen, noch mehr unversehrt und unschuldig, wie dies auch erhellt aus 1.Mose 11/1, daß ihnen eine Lippe, das ist eine Lehre, nämlich allen die Liebtätigkeit das Wesentliche war; aber im Fortgang der Zeit begann sie, wie dies bei den Kirchen zu geschehen pflegt, ebenfalls zu fallen, und zwar hauptsächlich infolgedessen, daß mehrere von ihnen anfingen den Gottesdienst auf sich überzuleiten, damit sie so über andere hervorragen möchten; solche konnten in der Kirche nichts anderes sein als wie ein Gärungsmittel, oder wie eine Brandfackel, aus der eine Feuersbrunst entsteht. Als nun die Gefahr der Entweihung des Heiligen infolgedessen vor der Tür war, wurde der Zustand dieser Kirche, durch eine Fügung der Vorsehung des Herrn, verändert, dahin nämlich, daß ihr innerer Gottesdienst zugrunde ging, und der äußere blieb, was hier dadurch bezeichnet wird, daß “Jehovah die Lippe der ganzen Erde verwirrte”. <HG 1327>

“Und verwirrte das Heer der Ägypter” bedeutet, daß dadurch die Ausbreitungen des Falschen aus dem Bösen auf sie zurückfielen. Dies erhellt aus der Bedeutung “von das Heer der Ägypter verwirren”, insofern es das Zurückfallen des Falschen aus dem Bösen auf diejenigen bezeichnet, die sich bemühten, es denen einzuflößen, die im Wahren und Guten standen. Dies wird aber durch jene Worte bezeichnet, weil die Gegenwart des Herrn bei den Bösen diese Wirkung hervorbringt; denn die Bösen, die durch das Hineinwerfen oder Einflößen des Falschen und Bösen den Guten Gewalt antun wollen, stürzen sich in die Strafe der Wiedervergeltung, die darin besteht, daß das Falsche und Böse, das sie ihnen einzuflößen beabsichtigen, auf sie selbst zurückfällt. Diese Strafe, welche die Strafe der Wiedervergeltung genannt wird, kommt aus folgendem Ordnungsgesetz im Himmel: “Alles, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut auch ihr ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten”. Deswegen empfangen diejenigen, die das Gute tun aus dem Guten oder aus dem Herzen, Gutes von anderen, und ebenso umgekehrt, die Böses tun aus dem Bösen oder aus dem Herzen, empfangen Böses von anderen. Daher kommt es, daß jedem Guten sein Lohn beigesellt ist und jedem Bösen seine Strafe. <HG 8214>

“Und verwirren alles Volk” bedeutet die Bestürzung alles Falschen. Dies erhellt aus der Bedeutung von verwirren, sofern es die Bestürzung bezeichnet, worüber folgt; aus der Bedeutung des Volkes, sofern es die bezeichnet, die im Wahren sind, somit im abstrakten Sinne das Wahre und im entgegengesetzten Sinne das Falsche. Verwirren bedeutet aber Bestürzung, weil diejenigen, die bestürzt werden, im Gemüt und Herzen so verwirrt werden, daß sie in Wahnwitz verfallen und von selbst ins Verderben rennen. <HG 9328>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 288 →

← Zurück zu „V“