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Magdalena – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Luk.23/52: Joseph von Arimathia ging hin zum Pilatus und bat um des Herrn Leichnam, der ihm von Pilatus auch gegeben ward. Dieser Joseph von Arimathia war ein Freund des Nikodemus und tat solches mehr im guten Namen seines Freundes als in seinem eigenen. Nikodemus war ein großer geheimer Verehrer Christi, aber er getraute sich aus Furcht vor den Hohenpriestern und Pharisäern solches nicht offen zu unternehmen, daher übertrug er dieses seinem Freunde, der ebenfalls auch ein großer Freund Christi war, aber ganz im geheimen. - Diese kurze Vorrede ist notwendig, damit man das Folgende klarer fasse. Wie paßt denn aber demnach dieser Text und überhaupt diese kleine Begebenheit auf unsere Sache?

Stellt euch unter Nikodemus die verborgene Liebe zum Herrn vor; unter Joseph von Arimathia aber den Glauben an den Herrn! Was ist der Glaube bezüglich der Liebe? - Er ist derselben Handlanger! Also war auch Joseph von Arimathia hier ein Handlanger des den Herrn geheim liebenden Nikodemus. Was verlangte aber der Glaube von Pilatus? - Er verlangte den Leichnam des Herrn, wickelte denselben, als er ihn vom Kreuz genommen hatte, in weiße Leinen, nachdem er den Leichnam zuvor mit köstlicher Spezerei gesalbt hatte, und legte ihn dann in ein frisches Felsengrab im eigenen Garten, in welchem Grabe noch nie jemand gelegen war. Was bezeichnet wohl solches alles? - Das alles bezeichnet die Wißbegierde des Glaubens in ihrer Befriedigung. Diese an und für sich edle Wißbegierde sucht alles Erdenkliche auf, um in dem eine lebendige Befriedigung zu finden. Zum Pilatus geht sie und erbittet sich die Erlaubnis, d.h. soviel als: solche Wißbegierde geht zur Welt und sucht in derselben alles mögliche auf, was ihr zur Bestätigung der Wahrheit dienen könnte. Hat sie von der Welt alles empfangen, was sie suchte, dann wendet sie sich zu dem Gekreuzigten. Aber wie? Sie sucht da alle Worte und Erklärungen ins helle Licht zu stellen, alsonach zu befreien von den geheimnisvollen scheinbaren Widersprüchen, die in der Heiligen Schrift vorkommen. Dieses gelingt ihr auch; sie hat den Leichnam richtig vom Kreuze, das in seiner Gestalt eben einen Widerspruch darstellt, befreit. Aber was hat sie, diese edle Wißbegierde nämlich, nun vor sich? - Seht, einen toten Leichnam, in dem nun kein Leben ist! Diese edle Wißbegierde sieht das auch ein, aber sie ist dennoch in sich erfreut über diese glückliche Befreiung vom Kreuz. Sie salbt den Leichnam mit köstlichen Spezereien, wickelt ihn in weiße Leinen und legt dann denselben in ein neues Grab, darin noch nie jemand gelegen ist. Was will das wohl besagen? - Durch gründliche Beleuchtung des Wortes in der Heiligen Schrift wird unfehlbar die Göttlichkeit desselben ersichtlich und wird auch also geachtet und hochgeehrt; das ist die Salbung. Denn nicht selten drückt sich da jemand in den erhabensten Ausdrücken aus über die Würde und göttliche Hoheit der Heiligen Schrift, aber alles das ist die Salbung des Leichnams. Der Mensch mit dieser edlen Wißbegierde umwickelt solche erkannte Wahrheit mit der höchsten und reinsten Hochachtung, - ja, er erschaudert über die Größe und Weisheit in diesem Buche; und das ist nichts anderes als die Einwicklung des Leichnams in weiße Linnen. Wie unschuldsvoll und rein an und für sich solche Linnen sind, also auch ist eine gleiche demütige Erkenntnis. Aber der Leichnam, die Salbe, wie die Linnen sind nicht lebendig und geben auch kein Leben. Man wird aber nun diesen Leichnam in ein neues Grab legen. Was ist denn das?- Die Erkenntnisse, die der Mensch zufolge seiner edlen Wißbegierde sich zu eigen gemacht hat, geben ihm kein Leben, keine lebendige Überzeugung. Daher faßt er sie alle zusammen und legt sie in das Grab seines tieferen Verstandes, legt da einen Stein darüber, was soviel heißt als: er legt über alle diese rein erkannten

Wahrheiten einen recht schweren Zweifel; denn er spricht: “Alle diese Lösungen der verborgenen Geheimnisse in der Heiligen Schrift lassen sich wohl überaus gut hören; aber die anschauliche Überzeugung geben sie dennoch nicht!” Und sehet nun, das ist ja der buchstäbliche Zustand eines jeden Viellesers! Er kann all das Gelesene noch so gut verstehen, vom naturmäßigen bis zum innersten geistigen Sinn; will er aber von all dem wohl Erkannten eine tatsächliche Probe, da erfährt er, daß sich nicht einmal ein Sonnenstäubchen vor seinem Willen beugt! Und will er das Leben des Geistes schauen, so begegnet ihm anstatt desselben allezeit die Grabes-nacht, in die er den Leichnam gelegt hat, oder mit anderen Worten: er bekommt über das Jenseits keine in sich selbst anschauliche Gewißheit, sondern alles ist bei ihm eine nicht erwiesene Behauptung und durchaus nicht mehr, also ein Leichnam im Grabe. Was aber ist ihm wohl damit geholfen? - Wenn er noch so viel gelesen hat, kann aber durch all das Gelesene zu keiner lebendigen Überzeugung gelangen, so gleicht er fortwährend einem Joseph von Arimathia, der wohl einen Leichnam um den anderen vom Kreuz nimmt und salbt ihn und wickelt ihn in weiße Linnen, - aber der Leichnam bleibt Leichnam und wird allezeit ins Grab getragen. Betrachten wir aber daneben wieder unsere Magdalena! Diese hat zwar auch allen diesen Handlungen beigewohnt, aber sie wickelte den Leichnam oder das Wort nicht in Leinen und legte es nicht in das Grab, sondern in ihr liebeglühendes Herz, und als sie dann zum Grabe kam, war der Stein des Zweifels durch die Macht der Liebe hinweggewälzt. Die Leinen lagen gut geordnet zusammengelegt im Grabe, welches soviel sagt als: ihre Liebe hat das göttliche Wort in ihr lebendig geordnet. Sie fand keinen Leichnam mehr; aber dafür fand sie den Lebendigen, Der aus dem Grabe auferstanden ist. Was ist nun wohl besser: den Leichnam in das Grab legen - oder den Lebendigen über dem Grabe finden? - Ich meine, es wird offenbar das zweite besser sein denn das erste. Warum aber fand die Magdalena, was Joseph von Arimathia nicht gefunden hat?- Weil sie wenig gelesen, aber viel geliebt hat. Joseph aus Arimathia aber hat viel gelesen - wie der Nikodemus -, aber dafür weniger geliebt. Daher hatte er auch mit dem Leichnam zu tun, - Maria aber mit dem Lebendigen! <SCHTXT 7/2-22>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 13 →

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