Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Gehört hat Jehovah” bedeutet im höchsten Sinn die Vorsehung, im inneren den Willen des Glaubens, im inwendigeren den Gehorsam, im äußeren das Gehör. Hier den Willensglauben, der vom Herrn allein stammt. Dies erhellt aus der Bedeutung von hören. Daß hören bezeichnet das Gehör, bedarf keiner Erklärung; daß aber hören im inwendigeren Sinn ist der Gehorsam und im inneren Sinn der Willensglaube, erhellt aus sehr vielen Stellen im Wort; sodann aus der Beschaffenheit des Gehörs verglichen mit der Beschaffenheit des Gesichts. Das Gesicht ist im inwendigeren Sinn der Verstand und im inneren Sinn der Verstandesglaube, und zwar aus dem Grund, weil die Dinge durch das inwendige Gesicht erscheinen, wie beschaffen sie sind, und somit mit einem Glauben, aber nur mit einem Verstandesglauben begriffen werden; was aber gehört wird, das wird, wenn es tiefer nach innen hineinkommt, in etwas dem Gesicht ähnliches verwandelt, denn das, was gehört wird, wird inwendiger gesehen. Daher wird durch das Gehör auch das bezeichnet, was durch das Gesicht, nämlich das, was dem Verstand, wie auch was dem Glauben angehört; aber das Gehör überzeugt zugleich, daß es so sei, und regt nicht nur die Verstandesseite des Menschen, sondern auch seine Willensseite an, und bewirkt, daß er will, was er sieht; daher kommt es, daß hören bedeutet das Verständnis einer Sache und zugleich den Gehorsam, und im geistigen Sinn den Willensglauben. Weil im Hören das verborgen liegt, nämlich der Gehorsam und der Willensglaube, darum wird dasselbe auch durch hören, horchen, aufmerken in der gewöhnlichen Rede bezeichnet; denn hörend sein heißt gehorsam sein, und horchen auf einen heißt auch gehorchen; denn das Inwendigere einer Sache liegt auch zuweilen in den Worten der Rede des Menschen, aus dem Grund, weil der Geist des Menschen es ist, der denkt, und den Sinn von den Worten der Rede inne wird, und derselbe ist in einer gewissen Gemeinschaft mit den Geistern und Engeln, die in den Urbegriffen der Worte sind. Außerdem ist ein solcher Kreislauf der Dinge beim Menschen, daß alles, was durch das Ohr und das Auge, oder durch das Gehör und das Gesicht eindringt, übergeht in seinen Verstand und durch den Verstand in den Willen, und vom Willen ins Tun, so auch das Wahre des Glaubens; dasselbe wird zuerst ein Wahres des Glaubens durch Wissen, hernach ein Wahres des Glaubens im Willen, und zuletzt ein Wahres des Glaubens im Tun, somit Liebtätigkeit.
Daß “sehen” den Wissens- oder Verstandesglauben, und “hören” den Gehorsamsoder Willensglauben bedeutet, kommt von den Entsprechungen im anderen Leben her, und von den Bezeichnungen daher. Diejenigen, die verständig sind, und daher im Glauben, gehören zum Gebiet des Auges, die aber, die gehorsam sind und in Glauben daher, gehören zum Gebiet des Ohres. <HG 3869>
“Und es geschah, da er hörte” bedeutet, als es vernommen wurde. Dies erhellt aus der Bedeutung von hören, sofern es heißt gehorchen, und auch sofern es heißt vernehmen. Die Verrichtung des Ohres ist, die Rede des anderen aufzunehmen und sie dem gemeinsamen Organ der Wahrnehmung zuzuführen, damit dieses daraus vernehme, was der andere denkt; daher ist hören auch wahrnehmen; deshalb liegt es in seiner Natur, daß es dasjenige, was der eine aus seinem Denken redet, in das Denken des anderen hinüberbringt und aus diesem in seinen Willen und aus diesem in sein Handeln; daher heißt hören auch gehorchen. Diese zwei Geschäfte sind dem Gehör eigen; in den Sprachen wird dies unterschieden durch “jemand hören”, das heißt vernehmen, und “auf jemand hören oder horchen”, das bedeutet gehorchen. <HG 5017>
“Und das Volk glaubte, und sie hörten” bedeutet Glauben und Hoffnung. Dies erhellt aus der Bedeutung von Glauben, sofern es soviel ist als glauben im geistigen Sinn, oder der Glaube; und aus der Bedeutung von hören, sofern es ist gehorchen und auch wahrnehmen; hier, Hoffnung haben, denn wer im Glauben und Gehorsam ist, bekommt Hoffnung, wenn er die Bestätigungen wahrnimmt, denn die Hoffnung kommt daher. <HG 7065>
“Und Josua hörte die Stimme des Volkes in seinem Geschrei” bedeutet die Musterung und Wahrnehmung, von welcher Beschaffenheit das Innere jener Völkerschaft war. Dies erhellt aus der Bedeutung von hören, sofern es eine Musterung und Wahrnehmung bezeichnet; denn jetzt ist von jener Völkerschaft die Rede, wie sie innerlich beschaffen war, somit von welcher Art ihr Inneres war. Aus der vorbildlichen Bedeutung Josuas, sofern er das musternde und wahrnehmende Wahre des Wortes darstellt, denn er war Moses Diener und durch Mose wurde das Wort vorgebildet; daher wird durch den Diener das Wahre vorgebildet; denn alles Wahre gehört dem Wort an, hier das musternde, erforschende und wahrnehmende Wahre. <HG 10454>
“Und welche hören die Worte der Weissagung” bedeutet, daß dieselben leben nach der Lehre des Himmels. Dies erhellt aus der Bedeutung von hören, sofern es bedeutet inne werden und gehorchen, somit auch danach leben. Denn die, welche inne werden und gehorchen, leben auch danach. Ferner aus der Bedeutung der Worte der Weissagung, sofern es Wahrheiten sind, die der Lehre des Himmels angehören, denn Worte bedeuten
Wahrheiten. Und die Weissagung ist die Lehre; hier die Lehre des Himmels, weil sie die Weissagung des Wortes ist, das aus dem Himmel ist. Hören ist soviel als gehorchen und leben, weil das, was gehört wird, bei den himmlischen Engeln ins Leben eingeht. Weil dies aber unbekannt ist, so möchte ich es mit wenigem beleuchten. Dem Menschen sind zwei Sinne gegeben, die als Mittel dienen, dasjenige aufzunehmen, durch welches das Vernünftige gebildet wird, wie auch das, wodurch der Mensch gebessert wird, nämlich den Gesichtssinn und den Gehörsinn. Die übrigen Sinne dienen anderen Nutzzwecken. Das, was in den Gesichtssinn eingeht, geht in seinen Verstand ein, und erleuchtet ihn; daher wird durch das Gesicht der erleuchtete Verstand bezeichnet, denn der Verstand entspricht dem Sehen des Auges, wie das Licht des Himmels dem Licht der Welt. Das aber, was durch den Gehörsinn eingeht, geht in den Verstand und zugleich in den Willen ein. Daher wird durch das Gehör das Innewerden und der Gehorsam bezeichnet. Dies ist der Grund, warum in den menschlichen Sprachen herkömmlich ist zu sagen: einen hören, und auch auf einen hören, sodann gehorsam sein, und aufhorchen. Durch einen hören wird verstanden innewerden, hingegen durch auf einen hören wird verstanden gehorchen, wie auch durch gehorsam sein, und beides durch aufhorchen. Dies ist in die menschlichen Sprachen eingeflossen aus der geistigen Welt, in welcher der Geist des Menschen ist. Woher aber dies in der geistigen Welt kommt, soll auch gesagt werden: Diejenigen, die dort in der Provinz des Ohrs sich befinden, sind gehorsam aus Innewerden. Die Provinz des Ohrs aber ist in der Achse des Himmels und ebendarum fließt in sie, oder in diejenigen, die in ihr sind, die ganze geistige Welt ein mit dem Innewerden, daß man so tun soll; denn dieses Innewerden ist herrschend im Himmel. Daher kommt es, daß diejenigen, die sich dort befinden, gleichsam nur Gehorsam und Innewerden sind. Daß das, was durch das Gehör eingeht, unmittelbar durch den Verstand in den Willen eingeht, kann noch beleuchtet werden durch die Belehrung der Engel des himmlischen Reichs, welche die weisesten sind. Diese empfangen alle ihre Weisheit durch das Gehör und nicht durch das Gesicht. Denn alles, was sie von göttlichen Dingen hören, nehmen sie aus Ehrfurcht und Liebe mit dem Willen auf und machen es zur Sache ihres Lebens. Und weil sie es sogleich mit dem Leben und nicht vorher mit dem Gedächtnis aufnehmen, darum reden die Engel nicht über Glaubenssachen, sondern antworten, wenn sie von anderen ausgesprochen werden, nur ja, ja oder nein, nein, gemäß den Worten des Herrn bei Matth. 5/37. Hieraus wird offenbar, daß vornehmlich das Gehör dem Menschen gegeben ist zur Aufnahme der Weisheit, das Gesicht aber zur Aufnahme der Einsicht. Weisheit ist nämlich Innewerden, Wollen und Tun. Einsicht ist Wissen und Innewerden. <EKO 14>
“So jemand Meine Stimme hört” bedeutet, wer auf die Gebote des Herrn merkt. Dies erhellt aus der Bedeutung von hören, sofern es bedeutet aufmerken, d.h.
mit Aufmerksamkeit sehen und zuhören oder gehorchen, denn was durch das Gehör eingeht, wird nicht nur im Verstand gesehen, sondern, wenn es mit der Neigung des Menschen übereinstimmt, auch befolgt; denn die inwendigere Neigung verknüpft sich mit den gehörten Dingen, nicht aber ebenso mit den gesehenen Dingen. Daher kommt es, daß hören und auf jemand hören in der gemeinen Rede zweierlei Bedeutungen hat, nämlich einen hören oder anhören, und auf einen hören und merken, denn dieses heißt gehorchen, jenes aber wahrnehmen; und daher kommt es, das “höre doch” soviel ist als “sei gehorsam”, aber “siehe doch” heißt “sei verständig”. Daß solches sich in der gemeinen Rede findet, kommt aus der geistigen Welt, in welcher der Mensch in betreff seines Geistes ist. Und aus der Bedeutung von Meiner Stimme oder der Stimme des Herrn, sofern diese die Wahrheiten bezeichnet, die dem Wort, der Lehre und aus dieser dem Glauben angehören, somit die Gebote. Es wird gesagt: wer auf die Gebote des Herrn merkt, und darunter verstanden, wer die Wahrheiten wissen und sie aus dem Wort erforschen will. Dies kann aber keiner, der in Bösem des Lebens ist, und der sich in Falschem der Lehre begründet hat. Die, welche sich in Falschem der Lehre begründet haben, merken auf nichts anderes im Wort, als was ihren falschen Grundsätzen günstig scheint; das übrige übergehen sie entweder, wie wenn sie es nicht gesehen hätten, oder sie verkehren und verfälschen es. Die aber im Bösen des Lebens sind, bekümmern sich nichts um die Wahrheiten, und wenn sie dieselben hören, so hören sie doch nicht; mit der einen Fähigkeit des Gehörs, welche ist sehen und wahrnehmen, nehmen sie es auf, aber nicht mit der anderen Fähigkeit des Gehörs, welche ist darauf hören oder es befolgen. Hingegen die, welche die Wahrheiten wissen und sie aus dem Wort erforschen wollen, sind es, die in der geistigen Neigung zum Wahren sind, und das sind die, welche das Wahre lieben, weil es wahr ist, und in dieser Neigung sind die, welche nach den Wahrheiten aus dem Wort, somit nach den Geboten des Herrn leben wollen. Diese sind es auch, die verstanden werden unter den Worten: “So jemand Meine Stimme hört und die Türe auftut, zu dem werde Ich eingehen und mit ihm das Mahl halten und er mit Mir”. <EKO 249>
“Hat jemand ein Ohr, der höre!” bedeutet die Aufnahme von seiten derer, die ein Verständnis des Wahren und daher ein Innewerden des Guten haben. Dies erhellt aus der Bedeutung von: hat jemand ein Ohr, so höre er!, insofern es den bezeichnet, der versteht und mit Aufmerksamkeit hört, was der Herr in Seinem Wort lehrt; daher wird auch durch diese Worte die Aufnahme des göttlich Wahren von denen, die ein Verständnis desselben haben, bezeichnet. Daß auch die gemeint sind, die ein Innewerden des Guten haben, kommt daher, weil durch: ein Ohr haben und hören, sowohl das Verstehen des Wahren, als das Innewerden des Guten bezeichnet wird. Das Verstehen ist aber Sache des Denkens und das Innewerden Sache der Neigung, beides aber bezieht sich auf das Ohr und auf das Hören; denn was zum Ohr eingeht, kommt zur Anschauung des Verstandes und auch zur Neigung des Willens, deshalb wird durch Ohr und durch Hören
das Aufmerken und der Gehorsam bezeichnet, und daher bedeutet “jemand anhören” ihn verstehen, aber “auf jemand hören” ihm gehorchen, und “auf jemand merken” bedeutet beides. <EKO 808>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 147 →
NEUOFFENBARUNG