Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Das Herz bezeichnet den Willen im Menschen. Das Vorzüglichste, was der Herr beim Menschen und dem Engel besitzt, ist der Wille, der im Worte Herz heißt; weil aber aus sich selbst niemand Gutes tun kann, so ist der Wille oder das Herz nicht des Menschen, obwohl er dem Menschen zugeschrieben wird; dem Menschen eigen ist Begierde, die er Willen nennt. <HG 105>
Die Uralten bezogen auch, was himmlisch war, auf das Gebiet des Herzens, und was geistig war, auf das der Lungen, somit das Geistige auf alles, was den Lungen zugehört, wie die Gesangsstimmen und ähnliches, und eben damit auch auf die Stimmen oder Töne solcher Instrumente; und dies nicht nur aus dem Grund, weil Herz und Lunge eine gewisse Ehe darstellen, wie die Liebe und der Glaube, sondern
auch weil die himmlischen Engel zu dem Gebiet des Herzens, die geistigen Engel aber zu dem der Lunge gehören. <HG 418>
Es gibt durchaus keinen anderen Glauben, als den Glauben der Liebtätigkeit. Wer keine Liebtätigkeit hat, kann gar nichts vom Glauben haben. Die Liebtätigkeit ist der eigentliche Grund und Boden, in den er eingepflanzt wird. Sie ist sein Herz, aus dem er ist und lebt. Darum verglichen die Alten die Liebe und die Liebtätigkeit dem Herzen, und den Glauben der Lunge, die beide in der Brust sind. Es ist auch das gleiche, denn ein Leben des Glaubens ohne Liebtätigkeit sich einbilden, wäre wie ein Leben aus der bloßen Lunge ohne das Herz, und daß ein solches nicht möglich ist, kann jedem klar sein. Darum nannten sie Sache des Herzens alles, was zur Liebtätigkeit gehört. <HG 1843>
Im Worte wird hie und da gesagt, daß aus dem Herzen und aus der Seele, oder aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele, und wird dadurch bedeutet aus allem Willen und aus allem Verstand. <HG 2930>
Das Herz, sofern es dasjenige ist, was dem Willen somit was der Liebe angehört, folglich was dem eigentlichen Leben angehört; denn die Liebe, weil sie Sache des Willens ist, macht das eigentliche Leben. Daher kommt es, daß durch Herz das Inwendigste bezeichnet wird. Das Inwendigste bei den Guten ist die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten; das Inwendigste aber bei den Bösen ist die Selbstliebe und Weltliebe. Dieses Inwendigste ist es, was hier verstanden wird. <HG 7542>
Das Herz, sofern es das Böse der Eigenliebe und das daraus hervorgehende Falsche bezeichnet, denn das Herz bedeutet im echten Sinn das himmlisch Gute, welches das der Liebe zum Herrn ist; deshalb im entgegengesetzten Sinn das Böse der Eigenliebe, denn dieses Böse ist dem Guten der Liebe zum Herrn entgegengesetzt, und das Böse der Liebe zur Welt ist dem geistig Guten, welches das der Liebe zum Nächsten ist, entgegengesetzt. <HG 8288>
Im Worte wird an vielen Stellen Herz und Seele genannt, und daselbst durch Herz das Leben der Liebe und durch Seele das Leben des Glaubens bezeichnet. Der Mensch hat nämlich zwei Vermögen, die Leben vom Herrn aufnehmen, das eine wird Wille genannt, das andere Verstand; zu dem Vermögen, das der Wille genannt wird, gehört die Liebe, denn das Gute der Liebe bildet sein Leben; zu dem Vermögen aber, das der Verstand genannt wird, gehört der Glaube, denn die Glaubenswahrheiten machen sein Leben aus. Dennoch bilden diese beiden Leben bei dem Menschen nur eins, und wenn sie eins sind, dann ist das, was Sache des Glaubens ist, auch Sache der Liebe, denn es wird geliebt; und umgekehrt, was Sache der Liebe ist, ist auch Sache des Glaubens, weil es geglaubt wird. Solches Leben haben alle im Himmel.
Im Worte wird aber das Leben der Liebe, oder was dasselbe ist, der Wille, das Herz genannt, und das Leben des Glaubens, oder was dasselbe ist, der Verstand, wird Seele genannt, weil diejenigen, die in der Liebe zum Herrn sind, und Himmlische genannt werden, im Größten Menschen oder im Himmel das Gebiet des Herzens bilden, und diejenigen, die im Glauben an den Herrn und dadurch in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind, das Gebiet der Lungen bilden; daher kommt es, daß das Herz im Worte die Liebe bedeutet, die das Leben des Willens ist, und die Seele den Glauben, der das Leben des Verstandes ist; denn das Wort Seele wird in der Grundsprache von atmen hergeleitet, das Sache der Lungen ist. <HG 9050>
Wenn im Wort vom Menschen die Rede ist, bezeichnet Geist das seinem Verstandesgebiet eingeschriebene Gute und Wahre, und demnach das Leben desselben, denn es gibt ein Leben des Verstandesgebietes und ein Leben des Willensgebietes. Das Leben des Verstandesgebietes ist: wissen, sehen und verstehen, daß das Wahre wahr ist und das Gute gut ist; das Leben des Willensgebietes aber ist: das Wahre um des Wahren willen, und das Gute um des Guten willen wollen und lieben; dieses Leben heißt im Wort Herz, jenes aber Geist. <HG 9818>
“Und alle Gemeinden werden erkennen, daß Ich es bin, Der Nieren und Herzen erforscht” bedeutet die Anerkennung aller Angehörigen der Kirche, daß der Herr allein das Äußere und Innere und was dem Glauben und der Liebe angehört, weiß und erforscht. Dies erhellt aus der Bedeutung von prüfen, wenn vom Herrn die Rede, sofern es heißt, daß Er allein weiß und erforscht. Aus der Bedeutung der Nieren, sofern sie die Wahrheiten des Glaubens und deren Reinigung vom Falschen bezeichnen, worüber folgt. Und aus der Bedeutung der Herzen, sofern sie das Gute der Liebe bezeichnen. Daß das Herz das Gute der Liebe bedeutet, kommt daher, weil zwei Dinge es sind, die im Menschen regieren und aus denen alles Leben seines Körpers kommt, nämlich das Herz und die Lunge, und weil alles, was im Körper des Menschen ist, dem entspricht, was in seinem Gemüt ist und hier auch zwei Dinge sind, die regieren, nämlich der Wille und der Verstand. Diese zwei Reiche des Gemütes entsprechen den zwei Reichen des Körpers, nämlich der Wille dem Herzen und seinem Pulsschlag, und der Verstand der Lunge und ihrem Atemzug; ohne diese Entsprechung lebt der Körper nicht, nicht einmal ein Teilchen desselben. Weil das Herz dem Willen entspricht, so entspricht es auch dem Guten der Liebe, und weil die Lunge dem Verstand entspricht, so entspricht sie auch den Wahrheiten des Glaubens. Von dieser Entsprechung kommt es, daß das Herz die Liebe und die Seele den Glauben bedeutet. Daher kommt es, daß im Wort so oft gesagt wird “vom Herzen und von der Seele”, worunter verstanden wird, aus Liebe und Glauben. Daß die Nieren und die Herzen prüfen auch bedeutet, das Auswendigere und Inwendigere des Menschen erforschen, beruht darauf, daß das Wahre außerhalb
und das Gute innerhalb ist. Das geistig Gute aber, das in seinem Wesen das Wahre ist und insbesondere durch die Nieren bezeichnet wird, ist das auswendigere Gute, hingegen das himmlisch Gute, das insbesondere durch Herz bezeichnet wird, ist das inwendigere Gute. <EKO 167>
In vielen Stellen des Wortes wird der Geist genannt, und wenn vom Menschen die Rede ist, wird durch Geist das göttlich Wahre bezeichnet, das im Leben aufgenommen wird, somit sein geistiges Leben. Wenn aber vom Herrn die Rede ist, wird unter dem Geist das Göttliche verstanden, das von Ihm ausgeht und das mit einem allgemeinen Ausdruck das göttlich Wahre genannt wird. Weil aber heutzutage wenige sind, die wissen, was unter Geist im Wort verstanden wird, so möchte ich zuerst aus den daraus angeführten Stellen zeigen, daß der Geist, wenn vom Menschen die Rede ist, das im Leben aufgenommene göttlich Wahre, somit sein geistiges Leben bedeutet. Weil aber zwei Dinge es sind, die das geistige Leben des Menschen machen, nämlich das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens, darum wird in mehreren Stellen gesagt Herz und Geist, wie auch Herz und Seele und durch Herz wird das Gute der Liebe bezeichnet, durch Geist das Wahre des Glaubens; ebenso durch Seele, denn unter dieser wird im Wort sein Geist bezeichnet. Weil Herz das Gute bedeutet und Geist das Wahre, beides aufgenommen im Leben, darum bedeutet Herz im entgegengesetzten Sinn das Böse und Geist das Falsche. Denn das meiste im Wort hat auch den entgegengesetzten Sinn. Der Grund, weshalb durch Geist, wenn vom Menschen die Rede, das Wahre oder Falsche und sein Leben aus dem einen oder dem anderen bezeichnet wird, ist, weil unter Geist eigentlich der Geist verstanden wird, der im Menschen ist und denkt und derselbe entweder aus Wahrem oder aus Falschem denkt. Aber, wie oben gesagt worden, es sind zwei Dinge, die das Leben des Menschen machen: der Verstand und der Wille. Das Leben des Verstandes ist, denken aus Wahrem oder Falschem, und das Leben des Willens ist, das was der Verstand denkt, anregen oder mit Liebe entzünden; diese zwei Leben des Menschen entsprechen den zwei Leben seines Körpers, nämlich dem Leben des Atmens der Lunge und dem Leben des Pulsschlags des Herzens; durch diese Entsprechung ist der Geist mit dem Körper im Menschen vereinigt. <EKO 183>
Durch die Seele wird nämlich im Wort, wo Seele und Herz genannt wird, der Glauben bezeichnet und der Verstand, und durch Herz die Liebe und der Wille; denn unter Seele wird im letzten (oder Buchstaben-) Sinn das Atmen des Menschen bezeichnet, das auch Geist genannt wird; daher sagt man auch hauchen für atmen, und seinen Geist aufgeben oder seine Seele hingeben, wenn der Mensch stirbt. Daß die Seele auch den Glauben und den Verstand bedeutet, und das Herz die Liebe und den Willen, kommt von der Entsprechung her; denn der Glaube und der Verstand entspricht dem Hauchen und dem Atmen der Lungen, und die Liebe und der Wille entspricht der Bewegung und dem Pulsschlag des Herzens. <EKO 745>
Der Herr: Alles Leben wird wohl wie von außen her angeregt und geweckt, aber die Entstehung, Entwicklung, Entfaltung, Formung und Festung geht dann immer von innen aus. Ebenso müssen auch Tiere und Menschen die Nahrung zuerst von außen her in sich aufnehmen; aber dieses Aufnehmen der Speise und des Trankes ist noch lange die wahre Ernährung des Leibes nicht, sondern diese geht erst dann vom Magen in alle Teile des Leibes aus. Wie aber gewisserart der Magen das Lebensnährherz des Leibes ist, so ist auch das Herz im Menschen der Nährmagen der Seele zur Erweckung des Geistes aus Gott in ihr, und Meine Lehre ist die wahre Lebensspeise und der wahre Lebenstrank für den Magen der Seele. Und so bin Ich denn in Meiner Lehre an die Menschen ein wahres Lebensnährbrot aus den Himmeln, und das Tun nach ihr ist ein wahrer Lebenstrank, ein bester und kräftigster Wein, der durch seinen Geist den ganzen Menschen belebt und durch die hellst auflodernde Liebesfeuerflamme durch und durch erleuchtet. Wer dieses Brot ißt und diesen Wein trinkt, der wird keinen Tod mehr sehen, fühlen und schmecken in Ewigkeit. <JE IX,72/12-14>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 99 →
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