Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Das Haar wird etliche Male im Wort erwähnt, und bedeutet dort das Natürliche. Die Ursache ist, weil die Haare Auswüchse im Äußersten des Menschen sind, wie es auch das Natürliche ist in Rücksicht auf sein Vernünftiges und auf das Inwendigere von diesem. Dem Menschen, wenn er im Leibe lebt, scheint es, das Natürliche sei alles in ihm, aber dies ist vom Wahren so weit entfernt, daß das Natürliche vielmehr ein Auswuchs von seinem Inwendigen ist, wie die Haare es sind von dem, was dem Leib angehört; sie gehen auch vom Inneren beinahe ebenso hervor. Daher auch die Menschen, die im Leibesleben eben nur natürlich waren, im anderen Leben, wenn sie ihrem Zustand gemäß sichtbar dargestellt werden, beinahe im ganzen Gesicht behaart erscheinen. Und außerdem wird das Natürliche des Menschen vorgebildet durch Haare; wenn es aus dem Guten ist, durch zierliche und ordentlich gerichtete Haare, wenn aber nicht aus dem Guten, durch unanständige und ungeordnete Haare. Von diesem Vorbild kommt es, daß die Haare im Wort das Natürliche hauptsächlich in Ansehung des Wahren vorbilden. Das Haar, wie das übrige im Wort, hat auch einen entgegengesetzten Sinn, und bedeutet das Natürliche in Ansehung des verkehrten Wahren. <HG 3301>
Weil das Inwendigere des Menschen sich auf dem Angesicht hauptsächlich wie in einem Bilde sich offenbart, konnten die Uralten, die himmlische Menschen waren, und gar nicht wußten, was Verstellung sei, und noch weniger, was Heuchelei und Betrug, die Gefühle eines anderen wie in Gestalt sichtbar in seinem Angesicht sehen; darum wurde auch durch Angesicht bezeichnet Wille und Einsicht, oder inwendiges Vernünftiges in Ansehung des Guten und Wahren, und zwar dieses Inwendigere in Ansehung des Guten durch das Blut und seine Röte, und das Inwendigere in Ansehung des Wahren durch die daraus sich ergebende Form und deren Helle. Dagegen aber das inwendiger Natürliche durch dasjenige, was daraus hervorwächst, wie es die Haare und die Schuppen der Haut sind, nämlich was aus dem Natürlichen kommt in Ansehung des Guten durch die Haare, und was aus dem Natürlichen in Ansehung des Wahren durch die Schuppen; demzufolge wurden diejenigen, die im natürlich Guten gewesen waren, haarige Männer, die aber im natürlich Wahren, glatte Männer genannt. Das Haarige wird gesagt vom Guten und daher Wahren, und auch im entgegengesetzten Sinn vom Bösen und daher Falschen. <HG 3527>
Das Haar bedeutet das Natürliche. Auch entspricht das Haar sowohl des Hauptes als des Bartes im Größten Menschen dem auswendiger Natürlichen. Sinnliche Menschen, d.h. diejenigen, die eben nichts als das Natürliche geglaubt hatten, und nicht einsehen wollten, daß es etwas Inwendigeres und Reineres gebe, als was sie mit den Sinnen begreifen konnten, erscheinen deshalb auch im anderen Leben im Lichte des Himmels haarig, so daß das Angesicht kaum etwas anderes ist als Barthaar. Solche haarige Gesichter sind mir vielmal erschienen. Diejenigen aber, die vernünftige Menschen gewesen sind, d.h. geistige, bei denen das Natürliche gehörig untergeordnet gewesen war, erscheinen anständig behaart. Ja, am Haar kann man im anderen Leben erkennen, wie beschaffen sie sind in Ansehung des Natürlichen. Daß die Geister mit ihrem Haar erscheinen, hat den Grund, weil die Geister im anderen Leben ganz erscheinen wie die Menschen auf der Erde. Daher kommt es auch, daß die erschienen Engel im Wort auch zuweilen hinsichtlich der Haare beschrieben werden. <HG 5247>
Es gibt zweierlei, welches das Ganze bedeutet, nämlich das Oberste und das Unterste; daß auch das Unterste oder Letzte dies bedeutet, kommt daher, weil alles Innere vom Ersten oder Höchsten an in das Letzte ausläuft und hier beisammen ist. Daher kommt es, daß das Höchste durch das Letzte alles Innere, das in der Mitte liegt, in seiner Verknüpfung und Form zusammenhält, so daß es auf einen Zweck hinzielt. Daß das Letzte auch das Ganze bedeutet, erhellt aus vielen Stellen im Worte, wie auch, daß der Mensch Fleisch genannt wird. Weil das Letzte auch alles oder das Ganze bedeutet, deshalb wird auch das Haupthaar, das Haar, der Bart, die das Letzte sind, was bei dem Menschen hervorwächst, für das Ganze genommen, so auch die Füße, ja sogar die Fußzehen und die Finger der Hände. <HG 10044>
Daß die Haare, wenn vom Herrn die Rede, das Göttliche im Letzten bedeuten, kommt daher, weil die Haare das Letzte sind, denn sie wachsen aus dem Letzten des Menschen und in sie läuft das Erste aus; deshalb wird, wenn Haupt und Haare genannt werden, das Erste im Letzten verstanden. <EKO 66>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 1 →
NEUOFFENBARUNG