Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Abend ist jeder vorhergehende Zustand, weil er ein Zustand des Schattens oder der Falschheit und des Unglaubens, d.h. kein Glaube ist, und bedeutet auch im allgemeinen alles Eigene des Menschen. <HG 22>
Abend ist ein Wort der Wiedergeburt, und zwar desjenigen Zustandes, derselben, da der Mensch noch im Schatten ist, oder da nur erst ein klein wenig von Licht bei ihm erscheint. <HG 883>
Abend ist auch, wenn eine Kirche beginnt aufzuhören, d.h. wenn Liebtätigkeit und in der Folge der Glaube aufhört zu sein. Diesem Abend folgt die Nacht. Da aber vom Herrn vorgesehen wird, daß immer eine Kirche auf Erden ist, so entsteht zur gleichen Zeit eine neue Kirche, und dann bedeutet Abend der Beginn der Liebtätigkeit und des Glaubens; dieser Abend ist die Dämmerung vor dem Morgen. Weil Abend jene zwei Zustände der Kirche bedeutet, so bedeutet er auch die Heimsuchung (Prüfung), die dem Gericht, d.h. die Rettung der Gläubigen und die Verdammung der Ungläubigen vorausgeht. <HG 2323>
Der Mensch hat ein vernünftiges Gemüt (oben) und ein natürliches Gemüt (unten). Das natürliche Gemüt ist im Verhältnis zum vernünftigen Gemüt dunkel und heißt daher Abend und bedeutet auch das Wahre, das dem natürlichen Gemüt angehört. <HG 3197>
Wenn der Mensch umgebildet wird, erlernt er zuerst Wahrheiten aus dem Wort oder der Lehre und legt sie im Gedächtnis nieder. Diese Wahrheiten können so lange nicht in das Gute eingeführt und mit demselben verbunden werde, bis das Böse der Selbst- und Weltliebe im natürlichen Menschen gewichen ist. Auf daß daher eine Verbindung des Guten und Wahren geschehen kann, müssen die Wahrheiten zunächst verdrängt werden. Dieser Zustand, wenn der Mensch der Wahrheiten scheinbar beraubt wird, wird im Wort Abödung genannt und wird auch verglichen mit dem Abend, ehe der Mensch in den Morgen kommt. <HG 5270>
Abend bedeutet das Ende des vorhergehenden Zustandes, weil die Zustandsveränderungen im anderen Leben sich wie Tageszeiten in der Welt verhalten. Alle in der geistigen Welt durchlaufen Zustandsveränderungen, denn ohne diese kann niemand vervollkommnet werden. Wenn Morgen dann sind sie in der Liebe, wenn Mittag im Lichte oder im Wahren, wenn aber der Abend eintritt, sind sie im Dunkeln in Ansehung des Wahren und im Lustreiz der natürlichen Liebe. <HG 8426>
Abend bedeutet das Ende des vorhergehenden Zustandes. Abend tritt im Jenseits ein, wenn das natürlich Gute oder das Äußere des Menschen im Hellen, das geistig Gute oder das Innere des Menschen im Dunkeln ist. <HG 8431>
Abend und Nacht bedeutet die Beraubung des Guten und des Wahren. Die Zustandsveränderung in der geistigen Welt entstehen nicht durch den Herrn, sondern durch die Aufnahme des Guten und Wahren der Engel und Geister. <HG 8812>
Bei dem Menschen ist sein erstes Natursein ein tiefer Abend, also Nacht. So ein Kind zur Welt geboren wird, da ist es in dessen Seele vollkommen finster und somit Nacht. Wenn das Kind heranwächst und der Verstand durch Unterricht einsichtig wird, so entspricht dies dem Abend. <JE I,157/7,10,11,13,14>
Und ferner heißt es: “Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.” Was ist der “Abend”, und was ist hier der “Morgen”? - Der Abend ist hier derjenige Zustand, in dem sich die Vorbedingungen zur endlichen Aufnahme des Liebelebens aus Gott durch den Einfluß des allmächtigen Gotteswillens zu konstatieren und zu ergreifen anfangen, gleich den einzelnen Gedanken und Begriffen zu einer Idee. Sind diese einmal konstatiert bis zum letzten Ringe unter der Fruchtähre, so hat da die Verrichtung des Abends ein Ende, und es beginnt dann die freie und selbständige Tätigkeit zur eigenen Sichselbstbildung in der Frucht. Wie die Menschen aber den Übergang der Nacht in den Tag den Morgen nennen, so auch ward entsprechend der Übergang des vorhergehenden gerichteten, unfreien Zustandes der Kreatur in den freien, selbständigen der Morgen genannt. Und sehet, da hat Moses durchaus keinen logischen Fehler begangen, so er aus dem Abende und aus dem Morgen den ersten und alle darauffolgenden Tage entstehen läßt! Daß Moses sechs solche Tage aus dem Abende und Morgen entstehen läßt, hat zum Grunde, weil nach sorglicher Beobachtung und Forschung ein jedes Ding von seinem Urbeginne bis zu seiner Vollendung als das, was es ist, genau im Wege ein und derselben göttlichen Ordnung die sechs Perioden durchzumachen hat, bis es als das, was es vorderhand sein soll, vollendet dasteht, gleich einer vollreifen Weizenähre am abgestorbenen Halme. Die Samenlegung ins Erdreich bis zum Erkeimen: erster Tag; von da die Bildung des Halmes und der Saug- und Schutzblätter: zweiter Tag von da die Bildung des letzten Ringes knapp unter dem sogleichen Ansatze der ersten Anlagen zur Bildung der Ähre: dritter Tag; von da die Bildung und Einrichtung der hülsenartigen Gefäße gleich den Brautgemächern zur Einzeugung des freien, selbständigen Lebens, wozu auch der Blütenstand zu nehmen ist: vierter Tag; von da der Abfall der Blüte, die Entstehung der eigentlichen, schon ein freies Leben tragenden Frucht und deren freie Tätigkeit - obschon noch im Verbande mit den früheren, unfreien Zuständen, aus denen noch ein Teil der Nahrung zur Bildung der Häute genommen wird, obschon von da die Hauptnahrung aus den Himmeln des Lichtes und der wahren Lebenswärme genommen wird - bis zur vollen Ausbildung der Frucht: fünfter Tag; endlich die gänzliche Ablösung der in der Hülse reif gewordenen Frucht, wo der Kern dann schon ganz allein zu seiner vollsten Konsolidierung und eben
so allein und nun schon vollkommen selbständig die reine Kost der Himmel verlangt, sie annimmt und sich damit frei sättigt fürs freieste, ewig unzerstörbare Leben: sechster und letzter Tag zur Bildung und vollen Freiwerdung des Lebens. Am siebenten Tage tritt dann die Ruhe ein, und das ist der Zustand des nun fertigen, vollreifsten und für die Ewigkeit bestandfähig aus den früheren Zuständen konsolidierten Lebens, ausgerüstet mit der vollen Gottähnlichkeit. <JE II,221/3-6>
Der Herr: Ich betrachtete mit den Jüngern die schöne Naturszene, und Johannes sagte zu Mir: Herr, ich weiß es wahrlich gar nicht, warum so ein schöner Morgen auf mich stets einen so angenehmen und mein Herz ganz hehr aufrichtenden Eindruck macht, während mich die Mittagssonne ganz gleichgültig und die Abendsonne mehr ernst und trübe stimmt! Sagte Ich: Das rührt von einem Menschen besserem und richtigem Lebensgefühle her. Der Morgen gleicht der heiteren und unschuldigen Jugend des Menschen, daher er denn auch jeden reinen und richtig fühlenden Menschen ganz jugendlich heiter stimmt. Der Mittag gleicht dem kräftigen Manne, der im Schweiße seines Angesichtes sich das Brot erarbeiten muß; daher wird der Mittag auch keine so zarten Gefühle mehr erwecken wie der Morgen. Denn im ernsten Mannesalter hat die jugendliche Lebenspoesie aufgehört, und nur der gewisse sorgenvolle Lebenernst ist an seine Stelle getreten, und das zieht (erweckt) in einem richtig fühlenden Gemüte auch wahrlich keine Anmut, sondern nur einen gewissen Ernst, an dem das Herz eben nie eine besondere Freude hat, obschon er zur Gewinnung des wahren Lebens dasein muß. Und endlich der Abend, als Sinnbild des irdischen Todes und des Vergehens aller Dinge, kann auf ein richtig fühlendes Gemüt keinen anderen als nur einen düstern Eindruck machen, obwohl er, d.h. der Abend, auch ebenso notwendig ist wie der Morgen und der Mittag. Denn gäbe es für den Menschen keinen Lebensabend, so könnte für ihn auch der ewige Lebensmorgen nie zum Vorschein kommen und zur ewigen Wahrheit werden. Siehe, darin liegt ganz einfach der Grund deines ganz richtigen Gefühls, das aber auch nicht bei allen Menschen gleich ist! Denn es gibt Menschen, denen der Abend weit lieber ist als der Morgen; ja es gibt Menschen, auf die eben der Morgen einen ganz unangenehmen Eindruck macht, der Mittag einen besseren und den allerbesten aber der Abend, und besonders die Nacht. Allein die Menschen, die so empfinden, gehören zumeist zu der verkehrten Art, und es ist schwer, solche Menschen eines besseren zu belehren und sie auf den rechten Glaubens- und Gefühlsweg zu bringen; denn die haben sich in dieser Welt mit allem Fleiße nur solche Schätze gesammelt, die der Rost angreift, und welche die Motten verzehren. Und die einmal auf dem Punkte stehen, die sind schwer auf einen anderen zu stellen. <JE VI,193/2-6>
Mark.14/17: “Als es Abend war, kam Er mit den Zwölfen”. Der Herr: Wer kam? - Der Herr von Ewigkeit kam! Wann denn? - Am Abend! Und wohin kam Er denn? - In den von Seinen Jüngern bereiteten Speisesaal! Mit wem? - Mit Seinen erwählten zwölf Aposteln! Was tat Er dann in dem Speisesaale? - Er hielt ein Abendmahl, an dem sich einige sättigten und einige ärgerten; und zugleich wurde am selben Abend beim Abendmahl der Verräter bezeichnet. Hier liegt einmal das komplette Bild vor euch, und seine Sache ist mit den Händen zu greifen. Was ist der Abend? - Er ist ein halblichter Zustand des Tages, bei dem das Licht im fortwährenden Schwinden ist so lange, bis endlich nicht eine Wirkung der Sonnenstrahlen irgend mehr zu entdecken ist. Warum aber ist beim Menschen ein solcher Abend? - Sicher, in geistiger Hinsicht betrachtet, dann, wenn er schon sehr viel gelesen und durchstudiert hat, welches viele Lesen und Durchstudieren dem Einfallen der Sonnenstrahlen den ganzen Tag hindurch gleicht. Wie aber diese Sonnenstrahlen in ihrer Erscheinlichkeit naturmäßiger Art sind, so sind auch die Lese- und Studierstrahlen naturmäßiger Art. Die Sonne aber geht am Ende des Tages unter, und es wird dann alsbald darauf Abend und endlich auch Nacht. Also geht es auch mit dem Lese- und Studierlicht. Der Leser und Studierer wird endlich müde und verdrießlich, weil er durch all sein Lesen und Studieren sein inneres Licht nicht zu vermehren vermochte, so wenig, als das Licht der Sonne irgend vermehrt werden kann, sondern es bleibt in seinem gleichmäßigen Verhältnisse: im Sommer ist es stärker und im Winter schwächer, und das immer im gleich auf- und abnehmenden Verhältnisse. Also auch ist das Morgenlicht schwächer, bis gegen den Mittag ist es im Zunehmen, und gegen den Abend hin wird es ebenfalls schwächer. Gerade also geht es auch mit der äußeren Lese- und Studierbildung des Menschen. Wenn er anfängt zu lesen und zu studieren in einer wohlgenährten Bibliothek, so ist bei ihm der Lese- und Studiermorgen. Wenn er sich schon im Verlaufe von mehreren Jahren die Augen wund gelesen hat und der Meinung ist, Salomos Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, dann ist bei ihm der Mittag, oder auch der Sommer. Er liest dann weiter und studiert, findet aber leider nichts Neues mehr, sondern stößt auf lauter ihm schon bekannte Ideen. Dadurch wird er ermüdet, weil er fürs erste keine neue erquickende Nahrung mehr bekommen kann, und fürs zweite findet er an all den weiteren Lese- und Studierpartien durchaus keine Belege für seine eingesogenen Theorien, sondern nicht selten die gewaltigsten Widerlegungen alles dessen, was er sich mit so großem Eifer und so großer Mühe zu eigen gemacht hat. Sein echt vermeintes Gold wird nicht selten zu Blei, und wenn er dieses wenig werte Metall in sich anstatt des Goldes erkannt hat, da wird er bei sich grämlich und mißmutig, verliert jeden Grund und steht am Ende da wie ein Wanderer auf
einer Alpe, wenn ihn dichte Nebel umfangen haben. Seht, dieser Zustand ist der Abend des Menschen; gewöhnlich sagt man: “Wenn beim Menschen alle Stricke gerissen sind, so kriecht er dann zu Kreuze!”, - was freilich besser wäre, wenn man sagen möchte: “Das Kreuz kriecht über ihn”. Also in der Not fängt dann der Mensch an zu denken, ob an der Lehre Christi wohl etwas sei, und dieser Gedanke gleicht diesem Texte: “Und Er - der Herr nämlich - kam mit den Zwölfen dahin am Abend”. Denn der Herr wird hier von dem Bedrängten als der Stifter der Lehre und die Zwölfe als die Lehre selbst verstanden. Wohin kommt Er denn mit den Zwölfen? - In den mit Speise und Trank bereiteten Saal! Wer ist dieser Saal? - Der Mensch selbst an seinem Abend! Denn er hat eine Menge Speise und Trank in sich. Aber da Derjenige nicht da ist, für Den solche Speise bereitet ist oder sein sollte, so stehen die Speisen so lange da, bis Derjenige kommt, Der die Speise segnen und dann genießen möchte; denn ohne Konsumenten ist die Speise vergeblich und hat keinen Wert. So hat auch alle Wissenschaft und Belesenheit keinen Wert, und der Mensch hat vergeblich seinen geistigen Speisesaal und Speisetisch damit bestellt, so Derjenige nicht da ist, Der diese Speisen segne, dann verzehre und sie in einen den Geist belebenden Saft verkehre. Der Herr aber kommt am Abend mit den Zwölfen, oder der Gründer mit Seiner Lehre, geht in den Saal ein, setzt Sich zu Tische, segnet und verzehrt die Speise. Weil aber die Speise naturmäßiger Art ist, so ist ihre Wirkung gleich der Wirkung jenes Abendmahles, bei dem der Herr ein wahres lebendiges Abendmahl in den Worten der Liebe einsetzt, - daran sich dann viele Jünger ärgern und sagen: “Was ist das für eine harte Lehre! Wer kann das glauben und befolgen?! Die Jünger entfernen sich darauf, und bald wird der Verräter bezeichnet. Wer sind denn die Jünger, die sich ärgern und davongehen? Das sind die falschen Begründungen aus all dem Gelesenen und Studierten! Diese werden den Grundsätzen der Lehre Christi als abhold entgegengehalten; dann erhebt sich bald ein allgemeiner Widerspruch, der also lautet: “Eine Lehre, die so voll von einzelnen Widersprüchen ist, kann unmöglich göttlichen Ursprunges sein, also ist sie nur ein temporäres seichtes Produkt wissenschaftlich ungebildeter und daher auch notwendig inkonsequenter Menschen, die in irgendeiner rohen Vorzeit auf dem Wege des Eklektizismus (auf dem Wege der Auswahl philosophischer Lehren) irgend etwas mühsam zusammengestoppelt haben, um sich dadurch die arme Menschheit tribut- und zinspflichtig zu machen”. Dadurch wird, wie ihr zu sagen pflegt, das Kind samt dem Bade weggeschüttet, oder der Verräter wird bezeichnet, entfernt sich dann bald und tut das, als was er bezeichnet ward: er überliefert das Lebendige dem Tode und geht dabei selbst zugrunde, und das ist dann die auf den Abend gefolgte Nacht, oder, nun ist alles tot im Menschen. Und so komme Ich im Ernste zu jedermann am Abend mit den Zwölfen, finde den Speisesaal und den Speisetisch besetzt, aber es sind lauter naturmäßige Speisen.
Verzehre Ich diese auch, oder billige Ich sie unter dem Bedingnisse, daß man diese Speisen in werktätige Liebesspeisen umwandeln solle, und sage, da man solches zu Meinem Gedächtnisse oder in Meinem Namen und nicht im eigenen der Eigenliebe, Eigenlehre und des Eigenlobes wegen tun solle, da fangen die Jünger an sich zu ärgern und werden mir abhold; der Judas sitzt dann bald nackt da, und es dauert gar nicht lange, daß Mir auf dem Wege solchen Verrates das Todesurteil publiziert wird. Daher wartet nicht ab den Abend, sondern rufet Mich lieber am Morgen, da ihr noch vollkräftig und aufnahmefähig seid, und Ich werde dann zu euch kommen und werde zu euch sagen: Gehet nicht zu sehr in den Strahlen der Sonne herum, diese ermüden euch und machen euch untätig, sondern stärket euch unter dem kühlenden Schatten des Lebensbaumes, auf daß ihr für den ganzen Tag tatkräftig bleibet! Und werde Ich dann auch am Abend zu euch kommen, so werdet ihr Mich gar wohl erkennen; und wenn Ich euch fragen werde: “Wie ist euer Speisesaal bestellt? Habt ihr etwa nichts zu essen? Hungert es euch?”, so werdet ihr Mir zwar nur einen geringen und dürftigen Speisevorrat aufzuweisen haben, aber Ich werde ihn segnen und werde Mich mit euch zu dem Tische setzen, an dem kein Verräter mehr Meiner harrt, oder die wenigen Kenntnisse, die ihr habt, werde Ich zu Zentralsonnen ausdehnen, auf daß ihr daraus des Lichtes in endloser Überfülle haben sollet. <SCHTXT 9/2-27>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 5 →
NEUOFFENBARUNG