GrEv X/209 (zit. n. V.M.) — Alles, was vom Magen zur Ernährung des Leibes aufgenommen wird, ist nicht so tot, wie es den Anschein hat. Denn jede Nahrung besteht aus drei Teilen: einem grobmateriellen, einem ätherischen und einem substantiellen Teil. Der materielle Teil der Speise ist jener, der sichtbar und fühlbar ist, und sich in Mund und Nase durch seinen Geschmack und Geruch den Sinnen kundgibt. Wenn Speise und Trank in den Magen gelangen, so werden sie dort gewisserart zum zweiten Male verkocht. Es entwickeln sich dabei zwei Hauptbestandteile, von denen der gröberstoffliche durch das Blut zur Ernährung des Leibes, seiner Glieder, Eingeweide und Muskeln überall dorthin geleitet wird, wo die Körperzellen einer Stärkung bedürfen.
Der feinerstoffliche Bestandteil der Nahrung wird erst im unteren Magen, der in zwölf Fächer abgeteilt ist, ausgeschieden. Hier wird auf dem Wege eines eigenen Gärungsprozesses der ätherische Stoff der eingenommenen Nahrung aus den stofflichen Zellhülsen ausgesondert und dient zur Belebung der Nerven, weshalb man ihn den "Nervengeist" nennen kann.
Das ganz außerordentlich Fein-Ätherische aber, das die eigentliche Substanz jeder Materie darstellt, wird (nach dem Vergärungsprozeß) durch die Milz auf einem besonderen Wege in das Herz geleitet und geht von da aus völlig geläutert in die Seele des Menschen über. Somit zieht auch die Seele von jeder aufgenommenen Nahrung das ihr Verwandte an sich und wird dadurch in allen ihren, dem stofflichen Leibe ganz ähnlichen Einzelteilen genährt und gestärkt. (Daher der Einfluß der Ernährungsweise auch auf die seelischen Qualitäten des Menschen! D.Hg.)
Haben die Speisen einmal das Wichtige an den Leib, an seine Nerven und an die Seele abgegeben, so wird das eigentliche Unlautere der aufgenommenen Belebungsmaterie durch die zwei natürlichen Gänge aus dem Körper geschafft. Ist aber ein Mensch zum Schwelger geworden und genießt unmäßig Nahrung, sowohl Speisen wie Getränke, so kann das Aufgenommene im ordentlichen Verdauungsvorgang nicht mehr verarbeitet und abgesondert werden. Es gehen dadurch noch viele unausgeschiedene Leibes-, Nerven- und Seelenbelebungsteile in die Gedärme und andernteils über Leber, Milz und Nieren in die Harnblase über, woselbst sie abermals Nachgärungen bewirken, aus denen sich allmählich für Leib und Seele allerlei Krankheiten entwickeln. Mit den vielen tausend Leckerbissen womit die Menschen heute ihren Magen füllen, nimmt eine große Anzahl solch ungegorener Substanzen (an anderer Stelle Naturgeister genannt, weil alles Substantielle der Nahrung geistig ist! D.Hg.) oft den ganzen menschlichen Leib in Besitz. Diese geraten sodann miteinander in einen ständigen Kampf, den der Mensch nur dadurch eine Zeitlang zu beschwichtigen vermag, daß er zu bekannten Heilkräutern und -wurzeln seine Zuflucht nimmt und mit deren Hilfe die Neigung der inneren Seelensubstanz zur Revolution stillt. Aber eine solche Gesundheit ist nie von langer Dauer, und nur wenn der Mensch wie einst bei einer einfachen und mäßigen Leibesernährung verbliebe, würde er auch wieder bis ins hohe Alter gesund bleiben, wie solches in den Urzeiten der Fall war …
Heilung und Gesundheit
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