(Rede Luthers über die Vorbereitung, um die Vergebung der Sünden vom Vater Jesus zu erlangen. Dankgebet für den glücklichen Ausgang der Bekehrung. Zu allem, was man im Geistigen tun will, muss man die Gnade und Hilfe vom Vater erbitten. Das Gebet für die Sündenvergebung. Erscheinen von Engeln, Sündenvergebung, Hosianna- und Halleluja-Lied für den großen Gott und Vater Jesus. Vater Jesus steigt nieder, geht zum Martin Luther und gibt sich zu seiner übergroßen Freude zu erkennen. Dann übernimmt Er unerkannt die Leitung der Gemeinde als neuer Anführer.)
Darauf ergriff er wieder das Wort und sagte: „Liebe Brüder, wie ich sehe ist die schwierigste Aufgabe nun vorüber. Es bleibt noch das letzte zu bewerkstelligen, nämlich: Nachdem ihr mit allem einverstanden seid, wollen wir noch den lieben Vater bitten, Er möge uns huldvoll die Sünden verzeihen, die wir wie ihr begangen haben. Jeder sammle sich und denke nach, was er Böses und Sündhaftes im Leben verbrochen hat, damit er wisse, wie groß seine Sünden sind. Jeder verzeihe von Herzem jedem, der ihm je wehe getan hatte. Denn das ist eine unerlässliche Aufgabe, da wir im Vaterunser beten: Vergib uns, wie wir vergeben. Jeder erwecke eine tiefe zerknirschte Reue über seine begangenen Sünden und Verbrechen und das vollernst, damit wir dann die allgemeine Vergebung der Sünden vom Vater Jesus erlangen können, denn wir dürfen ja bestimmt die Vergebung unserer Sünden erhoffen, wenn wir selbst die Vorbedingung erfüllt haben.
Ich lasse euch darum eine Stunde Zeit in der Ruhe, damit ihr euch ganz gediegen vorbereitet zu der großen Bitte um Vergebung der Sünden, welche wir dann vereint und gegenseitig vornehmen wollen. Denn unsere Aufgabe von nun an ist, im Guten, somit im Geistigen, vorwärts zu schreiten, dass wir dorthin kommen, wohin wir durch die Verheißung unseres Vaters Jesus einst kommen müssen, da ja die Kinder auch dort oder in der Nähe wohnen sollen, wo der liebevolle und gute Vater unser aller wohnt.
So – in einer Stunde will ich wiederkommen. Wenn euch aber dieser Vorschlag nicht gefällt, so wollet ihr es mir bekannt geben, damit ich eine Änderung in der Einteilung zwischen den Willigen und Zögernden treffe. Das ist nämlich mein letzter Vorschlag, um uns allen ein glückliches Fortschreiten im Geistigen anzubahnen. Denn wir sind gehemmt, solange wir in Sünden sind, da uns geistige Gifte hindern, vorwärts zu schreiten. Daher müssen zuerst alle Hindernisse hinweggeräumt werden, um ein glückliches Aufsteigen in die lichten Regionen des Geistes zu ermöglichen. Wer daher mit diesem Vorschlag nicht einverstanden ist, der trete heraus aus der Menge, damit ich sehe, wie wir daran sind.“
Nun blieb er stille und wartete geduldig, ob sich jemand rühren würde. Aber es blieb alles ruhig und still und damit wurde die Annahme des Vorschlages gutgeheißen.
Nach dieser Ansprache ging Martin Luther wieder hinaus aus der Gesellschaft, kniete nieder und dankte Mir recht inbrünstig für die glückliche Beendung der Bekehrung und Verbrüderung der ganzen Gemeinde, und bat Mich, Ich solle die Herzen der Brüder erleuchten, damit sie ihre Sünden vollwahr erkennen und reuevoll beweinen. Dann stand er auf und ging zum Engel, der sich derweil bei der Gemeinde aufhielt.
Als er zum Engel gelangte, empfing ihn dieser mit sehr freundlicher Miene und sagte: „Siehst du, lieber Bruder, dass die Sache gut ablief, da du mir gefolgt bist. Alles beim Herrn erbitten und nie sich auf eigene Kraft verlassen, das ist die Grundbedingung des geistigen Lebens und des Gelingens der Unternehmung, wenn sie geistigen Zwecken dienen soll. Siehe, ich bin ein großer und mächtiger Erzengel, aber ich tue nichts aus mir, sondern alles durch die Liebe und Bitte zum Herrn. Daher muss mir alles gelingen, denn der Herr allein ist mächtig. Wir alle sind nur Werkzeuge Seiner Macht und Seines Willens, und wo Er als der Wirkende angerufen und betrachtet wird, dort ist auch der Erfolg gesichert, wenn man einen festen Glauben und Vertrauen zu Ihm hat. So, Bruder, jetzt raste derweil und bereite dich vor, dass du in würdiger Weise mit deiner großen Bitte vor den Herrn und Vater treten wirst.“
Darauf setzte sich der Engel nieder und überließ den Martin Luther seinen geistigen Betrachtungen, der sich auch niedersetzte und schwieg.
Die ganze Gesellschaft war still und jeder hatte mit sich selbst, mit seinem Gewissen zu tun. Lange hörte man keinen Laut, kein Wort wurde gesprochen. Die Stunde der Vorbereitung war verronnen und somit die Zeit herangerückt, sich von Gott die Vergebung der Sünden für das ganze Leben zu erbitten.
Ruhig stand Martin Luther auf. Und ganz in sich gekehrt, schaute er eine Zeit lang in die Höhe, als täte er die Hilfe von Oben erwarten, und betete still zu Mir, Ich möge ihm die richtigen Worte ins Herz und auf die Zunge legen, damit er den tiefen Eindruck bei der Gemeinde erzielen könne, der in solch wichtiger Angelegenheit unbedingt erforderlich sei, um aufgrund vollernster Reue und des Entschlusses, nicht mehr zu sündigen, den großen Erfolg zu erzielen, der Mich bewegte, alle begangenen Sünden zu verzeihen und Meinen Segen der Liebe auf die wunden Herzen der Sünder strömen zu lassen.
Als er geendet hatte, wandte er sich zu der Gemeinde und sprach: „Liebe Brüder und Schwestern in Jesus, unserem Gott und Vater. Es ist eine heilige Sache gegen unseren Vater Jesus, dass wir uns von den Sünden rein machen, die wir zeitlebens bis zum heutigen Tag begangen haben. Daher bitte ich euch: Kniet nieder mit mir und betet im Geiste meine Gebetsworte nach, welche die innigste Bitte unserer Herzen zu dem Throne unseres heiligen Vaters Jesus tragen sollen.“
Auf dieses Geheiß knieten alle nieder, auch der Engel, was sie in Staunen versetzte. Dieser aber verkündete mit lauter Stimme, er wollte selber mithelfen den Vater um Verzeihung der großen Schuld zu bitten, die auf ihren Herzen läge. Als die Gemeinde das hörte, war sie freudig erregt, denn das war ihr wie ein Pfand, dass auf die Bitte auch die Vergebung folgen würde.
Nun fing Martin Luther an, folgendes inhaltsschwere Gebet mit inständigster Bitte zu Mir vorzubeten: „Liebevollster, heiligster und mitleidsvoller Vater der Liebe! Wir armen und betrübten Sünder bitten Dich allerdemütigst: Lieber Vater, siehe herab auf uns sündenbeladene Kinder Deiner Liebe gnädig und huldvoll und urteile nicht nach unseren Sünden und Verbrechen, die wir gegen Dich und unsere Nächsten begangen haben, sondern sei uns gnädig und erbarme Dich unser! Schwer lastet die Schuld unserer Sünden auf uns, und wir fühlen vollwahr, dass wir unwürdig vor Deinem überheiligen Antlitze stehen. Aber Vater, habe Erbarmen und Mitleid mit uns, denn Du kennst die Tiefen unseres Elends und niemand von uns kann sich vor Dir als Reiner zeigen. Nein im Gegenteil, wir sind lauter grobe und schmutzige Sünder und niemand ist ausgenommen davon.
Darum, lieber Vater, haben wir wohl erwogen, wie schwer es ist, vor Dir, Du allerheiligster Vater, uns mit unserer Unwürdigkeit zu nahen. Aber wir wissen, dass Du die Liebe bist und jedem verzeihst, der durch Liebe zu Dir sich naht und Dich demütig um Verzeihung bittet, wenn dies aus vollwahrem Vorsatz geschieht, nicht mehr sündigen zu wollen, sondern nach Deinen Geboten zu leben. Auch wir armen Sünder kommen mit diesem Vorsatz zu Dir, Dich um Verzeihung zu bitten und dann nicht mehr zu sündigen.
Lieber Vater, wende zu uns Deine liebevollsten Augen und betrachte unseren Ernst in der Sache und dass wir entschieden bereit sind, alles zu tun, was Du von uns verlangen würdest. Daher erhoffen wir, dass Du unsere tieftraurigen Herzen gnädig ansehen wirst und uns verzeihen die große Schuld, die auf unseren Herzen lastet.
Lieber Vater, ich bitte Dich demütigst, lasse strömen die Gnade Deiner Liebe herab auf uns und mache unsere Herzen weich und empfänglich für Deine heilige Sache. Lasse uns erbrennen in Liebe zu Dir und zum Nächsten und führe und leite uns auf dem Wege der göttlichen Liebe zu Dir, damit wir den Weg der Heiligung unserer Herzen nicht verfehlen und stets bestrebt sind, nur in Deinem Sinne zu leben und zu wirken, auf dass wir das Ziel der Kindschaft Gottes erreichen, welches Du uns huldvollst verheißen hast.
Unser vielgeliebter Vater, ich rufe Dich im Namen der ganzen Gemeinde allerdemütigst an und bitte Dich, dass Du unser gemeinsames Gebet liebreich aufnehmen und uns unsere vielen Sünden und Vergehen verzeihen mögest, damit wir, befreit von der Sündenlast, in Zukunft nur Dir dienen und Deine Liebesgebote erfüllen.
Ach lieber Vater, siehe herab auf unsere von der Reue zerknirschten Herzen, da wir uns vollbewusst sind, wie oft wir uns unwürdig gegen Dich betragen und Dich tief beleidigt haben, und nun in reuevoller Demut zu Dir kommen und uns voll Glaubens und Vertrauens, dass Du uns erhören willst, in Liebe Dir nahen und allerdemütigst und tiefbewegt in Reue ob unserer Unwürdigkeit zu Dir beten: Vater! Ach, lieber, guter Vater! Vergib und verzeihe uns und nimm uns auf in Deine Liebe und Gnade, Amen!“
Auf diese große Bitte, die alle mit innigster Liebe und Demut und voll Vertrauens, dass Ich sie erhören werde, beteten, ließ Ich eine große Lichtung im Osten aufgehen, und zahlreiche Scharen der schönsten Gestalten bewegten sich langsam gegen die noch auf den Knien darauf Wartenden, was da geschehen werde. Der Engel hieß sie aufstehen und ruhig warten. Als er dieses ausgesprochen, fing er an in die Höhe zu schweben und sich gegen die herannahenden Gestalten zu bewegen, indem er ganz in den herrlichen Lichtglanz überging, wie er bei seiner Ankunft glänzte.
Die Gesellschaft stand wie in einer Zaubervorstellung vor dieser nie gesehenen Erscheinung. Besonders wunderten sich die Räuber und Gefangenen über den Engel, der früher so wie sie aussah, nur ungewöhnlich schöner und wohlgebildeter in der Gestalt, dass er jetzt wie in ein strahlendes Licht und dessen Glanz überging. Alle waren aber mäuschenstill und schauten unverwandten Blickes nach der wunderschönen Erscheinung am Himmel, die immer näher und näher schwebte. Sie erkannten ganz wohl, dass das eine Schar von seligen Geistern war, nur war ihnen das unbekannt, was die da tun wollten.
Endlich erreichten diese die Gegend, in welcher die Gemeinde auf sie wartete. Hier bildeten sie einen runden Chor, ruhig schwebend, und fingen himmlische Loblieder zu singen an, welche die Zuhörer ganz starr vor Verwunderung und Staunen machten, denn es drang so gewaltig durch ihre geistigen Glieder, dass sie ganz nervös wurden. Ein Zeichen, dass sie noch nicht reif, noch nicht rein für diese innerlichen Genüsse waren. Als diese ihre Loblieder beendet hatten, hörte man wieder die Stimme, die schon einmal sagte: ,Ich habe euch erhört’, diesmal dasselbe Wort wiederholend mit dem Zusatze: „Eure Sünden sind euch verziehen!“
Auf diese Zusage kniete alles nieder, um für diese große Gnade gebührend zu danken. Diesmal aber kamen den Dankenden die Engel zuvor, indem sie ein himmlisches Hosianna und Halleluja dem großen Gott und Vater Jesus anstimmten und so herrlich sangen, dass die zuhörende Gemeinde ganz in himmlische Verzückung geriet.
In diesem Moment erschien Ich, in einfacher Kleidung und ging direkt auf Martin Luther zu, welcher verwundert schaute, wer da auf ihn zuginge, ohne eine Ahnung zu haben, dass Ich Selbst es sei.
Zu ihm gekommen, sagte Ich: „Mein Sohn, deine Prüfung hast du gut bestanden. Deshalb kommt dein Vater Jesus Selber zu dir und zu deiner Gemeinde, um sie weiter zu führen und zu vervollkommnen, um reif für den Eintritt in den Himmel zu werden und so zum Throne der Herrlichkeit Gottes zu gelangen. Martin, kennst du Mich?“
Martin Luther schaute Mich aufmerksam an, aber dass Ich Gott Selber bin, dafür war Ich ihm zu einfach, denn er hätte Gott in einer großartigen Herrlichkeit kommend vermutet. Daher verneinte er es, dass er nicht erraten könnte, wer Ich wäre.
Nun sagte ich: „Mein Sohn, kennst du deinen Vater von Golgatha nicht? Kennst du diese Wundmale nicht, die einst für dich und für alle Menschen am Kreuze bluteten?!“
Jetzt erst bemerkte Martin Luther Meine Wundmale an Händen und Füßen und erschrak nicht wenig, dass er Mich nicht früher erkannt hatte. Er fiel sogleich auf die Knie vor Mir und bat Mich um Verzeihung für seine Blindheit.
Ich aber erhob ihn und drückte ihn an Mein Herz und sagte zu ihm: „Martin! Von jetzt an bist du erlöst von so großen Prüfungen. Aber wir werden von nun an zusammen bleiben und Ich will deine Gemeinde Selber leiten, bis sie reif wird, in Meine Kinderschar aufgenommen zu werden. Doch verrate Mich nicht vor der Zeit, wer Ich bin, sondern sei ruhig neben Mir und tue, was Ich dir sagen werde.“
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