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60. Die Wanderung durch himmlische Schönheiten

(Der schöne Weg in den Himmel. Himmlische Kleidung der Reisenden. Eine himmlische Landschaft, in der sich eine himmlische Berggrotte mit himmlischer Wiedergabe des einstigen Tempels von Jerusalem befindet. Das Tageslicht des Liebehimmels.)

Die ganze Gesellschaft machte sich nun reisefertig und wartete des Befehls weiterzureisen. Und so fingen wir an, einen ganz neuen Weg zu gehen, der bisher von niemandem bemerkt wurde, da Ich ihn im Moment der Abreise in Erscheinung treten ließ.

Dieser Weg war weiß wie Schnee und mit himmlischen Blumen und Bäumen von wunderbarem Geruch und nie gesehener Pracht eingezäunt. Alles jubelte und strahlte vor Freude, die Kleider der Gesellschaft verwandelten sich in ein blendendes Weiß mit herrlichsten Rosen besetzt. Denn durch die letzte Speisung und Gesang mit Musik war alles in Liebe übergegangen und so war der Zeitpunkt gekommen, auch die Minderen himmlisch schön zu kleiden.

So gingen wir lange auf dem sehr breiten Weg und da hatte jeder genug Muße, sich, andere und die schöne Straße in der Luftregion zu bewundern, die alle fesselte. Endlich begann an der Straße eine schöne Landschaft sich auszubreiten, welche mit herrlichsten Gewächsen und Erdformationen vollbesetzt war.

Nun sagte Ich: „Kinder, wir wollen uns ein wenig in diese Landschaft begeben und genauer beschauen, was da alles zu sehen ist.“

Alle folgten mit sichtbarer Freude Meinem Vorschlag, und so gingen wir in die wie Samt weichen Wiesen und Grasfelder, welche voll von herrlichsten Blumen, die sie noch nie gesehen, besäet waren. Wir wanderten die Täler und Hügelchen auf und ab, überall neue Formen, neue Schönheiten antreffend und bewundernd.

Als wir da schon ziemlich lange auf und ab gewandert waren, kamen wir zu einem herrlichsten See mit mehreren Inselchen. Das Wasser war wie Kristall rein und eine Menge Fische in verschiedensten Farben und Gestalten belebten es und hüpften lustig darin. Einige den Schwänen ähnliche Vögel schwammen auf dem Wasser und sangen einen lieblichen Gesang, wie ihn kein Erdvogel in dieser Art singt. Die Ufer des Sees strotzten in üppigster Vegetation und verbreiteten ihren Blumenwohlgeruch weit und breit.

Die Inselchen, wie Sterne am spiegelglatten See schwimmend, zogen uns an, ihnen einen Besuch abzustatten, und so gingen wir über das Wasser, welches uns wie eine Straße hielt, und beschauten uns diese Seehügelchen, welche in schönster Blumenpracht wie himmlische Gärten aufgeputzt waren und allerlei Wohlgerüche der Blumen und Gewächse verbreiteten. Nachdem wir alles besehen, gingen wir wieder weiter.

Die Landschaft wurde immer schöner und herrlicher. Allerlei seltene, noch nie gesehene Bäume spendeten Schatten den fröhlichen Gängern, und lustige Vögel auf ihren Ästen sangen und zwitscherten ihre lieblichen Weisen. Alles hauchte Leben, alles freute sich des Daseins in dieser himmlischen Pracht. Endlich kamen wir zu einem Berg, an dessen Fuß sich der Eingang in eine große Grotte befand.

Ich blieb vor dem geräumigen Eingang stehen und sagte: „Kinder! Wir wollen uns die Grotte anschauen und so kommet Mir nach!“ Wir gingen alle hinein, worin sich die herrlichsten Kristallformationen in allen Farben abwechselnd befanden. Da gab es Tiere, Pflanzen, Blumen und seltenste Gestalten, Bäume und Ungeheuer, wie sie die lebendigste Phantasie sich nicht vorstellt. Denn der Erdmensch kann nur das denken, was irgendwo vorhanden ist. Gott aber ist unerschöpflich in Gedanken, Ideen und Schöpfungen der seltensten Sachen.

Wir gingen weiter in die Grotte und nun bot sich uns eine gewaltige Erscheinung: Ein großer Tempel mit herrlichen durchsichtigen Säulen trug die Gestalt des einstigen Tempels auf dem Berge Moria in Jerusalem, aber nur viel herrlicher und imposanter. Wir traten durch die herrlichen Säulenalleen in den eigentlichen Tempel, dessen Wände von Edelsteinen glitzerten und in den schönsten Sternlichtlein abwechselten. Es war eine nie gesehene Pracht, die freilich nicht in Jerusalem, wohl aber da im Himmel vorkam. Die Höhe des Tempels schien wie in die Wolkenregion zu ragen, was den ganzen Eindruck erhöhte. Die Decke des Plafonds war im feinsten und zartesten Blau, wie aus feinster Seide hergestellt, welche mit Sternen besetzt war, die ihr Licht wie aus großen Brillanten glitzernd in verschiedenen Farben brachen. Der Fußboden war schneeweiß und blendend schön.

In der Mitte des Tempels stand eine Art Altar aus reinstem glänzenden Golde in so herrlicher Form, wie sie noch nie ein sterblicher Mensch erdacht hat. Über dem Altar schwebten zwei Cherubime von blendend weißer Farbe in betender Form, auf welche von oben ein Strahlenlicht fiel, wodurch der Effekt aufs Höchste gesteigert wurde. Vor dem Altar stand der siebenarmige Leuchter aus durchsichtigem, rosafarbigem Kristall, aus dessen goldglänzenden Kerzen, deren Form eine Herrlichkeit der Vollendung darstellte, die das denkbar Großartigste der Welt weit übertraf, Lichter in sieben Farben brannten in Regenbogenform, aber in einer solchen Schön- und Klarheit, wie es nur Gott möglich ist herzustellen. Und dieses Farbenlicht verbreitete die allerfeinsten Wohlgerüche im Tempel. Die Säulen, welche das Tempelgebäude trugen und zierten, waren bekleidet durch Blätterwerk, welches aus den durchsichtigen Säulen herausgewachsen zu sein schien, das in zartester lichtgrüner Färbung und Verschönerung ins Lichtdunkle überging. Aus diesem Blätterwerk nun schauten die schönsten Blümchen kunstgerecht angebracht heraus.

Also war das Innere des Tempels aussehend, welches einen bezaubernden Eindruck auf die Menge machte. Dass der Tempel groß war, könnt ihr aus der Menge des Volkes schließen. Und dass das Gesamte, weil alle Farben und Zusammenstellungen nicht nach menschlicher, sondern göttlicher Weisheit hergestellt waren, etwas für die menschliche Phantasie Unerreichbares darstellte, dürfet ihr Mir wohl glauben! Und dass so etwas nur hochfortgeschrittene Geister sehen und klar erfassen können, wird euch doch auch einleuchtend sein!

Um aber Mich zu verstehen, welcher Unterschied zwischen dem fleischlichen Blick eines sündhaften Menschen und dem geistigen Blick eines hohen Bewohners aus dem Liebeshimmel der Gotteskinder, wohin Ich die Gesellschaft führte, besteht, soll es euch bekannt werden, dass diese Luft, in der ihr lebet, und die einen Teil der Gottheit darstellt, für den in dem Kinderhimmel beim Vater Jesus wohnenden Geist ein Licht ist wie das stärkste elektrische Licht, während sie für eure materielle Augen ohne die Sonne lichtlos ist. In solchem hohen Lichte wohnen die Seligen des dritten oder Liebeshimmels so leicht, wie ihr beim Sonnenlichte, aber mit dem Unterschiede, dass sie dabei ein unaussprechliches Wonnegefühl haben, welches durch die Anschauung Gottes auf das Stärkste erhöht wird. Dagegen ihr von der Sonne nur das Licht und die wohltuende Wärme spüret, so lange sie nicht zu empfindlich heiß wird, während ihr in elektrischlichter Luft sogleich erblinden würdet.

Dass auch das Äußere des Tempels der inneren Pracht entsprach, könnt ihr euch denken. Die Wände, blendend weiß, wechselten mit den schönsten Einlagen und Verzierungen in lebhaftester Phantasie bis zu den Dachgesimsen. Von da an erhob sich das imposante, in Gold strahlende Dach mit den herrlichsten Kuppeln mit glitzernden Brillanten eingefasst in meisterhaftester Ausführung nach Art der göttlichen Bauweisheit. So war das Innere und Äußere des Tempels beschaffen, worüber sich die Gesellschaft in stummer Betrachtung dieser nie geahnten Pracht, Herrlichkeit und Großartigkeit wie in einer Zauberumhüllung befand, bis Ich sie aus diesem Zauber weckte und auf andere Vorkommnisse lenkte.

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