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„Vom Wert der Bibel, und vom verlorenen Groschen“

20. – 13. November 1877  „Vom Wert der Bibel, und vom verlorenen Groschen“

Meine lieben Kinder!
Nachdem Ich nun angefangen habe euch den Gang zu zeigen, welchen Ich mit Meinen würdigen Kindern vorhabe, so will Ich euch jetzt mit den Geschichten bekannt machen, welche Entsprechungen sind für eure innere Gemeinschaft, und euch über deren tiefe Bedeutung Aufschluß geben. Weil Einige unter euch mit ihrer Bitte zu Mir gekommen sind, ihnen doch das wahre Lebensbrot in reichem Maße zufließen zu lassen, so mache Ich sie auf die Bibel aufmerksam, welche alle Fälle enthält, nur muß zuerst der wahre Sinn aufgedeckt werden, was Ich jetzt in der Weise tun werde, wie euer Aufnahme-Gefäß, das Herz, sich dazu hergibt.
 
Und so beschreibe Ich heute den verlorenen Groschen, welcher von einem Weibe gesucht wurde. (Lukas 15, siehe auch Predigt 29). Das Weib bezeichnet hier eine Seele, welche traurig ist über kleine Verluste, weil sie haushälterisch das zu erhalten sucht, was ihr durch die Gnade zuteil geworden ist in ihrer Erkenntnis und in ihrer dadurch erweckten Hingabe; sie verwahrt es als einen Schatz, der ihr unentbehrlich geworden ist, und wenn sie glaubt, derselbe sei verringert, oder etwas davon verloren, so wird sie traurig, und sucht mit allem Fleiß wieder in den Besitz solcher Gnade zu gelangen. Es genügt ihr nicht, dass sie noch einen Teil hat, sondern es ist ihr ein Bedürfnis, etwas Ganzes zu besitzen, und dann, wenn sie den ganzen Besitz erreicht hat, kommt sie mehr auf den Punkt, dass sie auch andere zu beglücken sucht. Sie erzählt nun ihren Nachbarn, dass sie den Groschen gefunden hat, welchen sie verloren hatte, zieht diese durch ihre Mitteilung zur Teilnahme herbei, und auch diese werden aufmerksam auf den glücklichen Zustand dieser Seele.
 
So sollet auch ihr den verlorenen Groschen suchen, und nicht nachlassen, bis ihr alles erreicht und gefunden habt; dann wird es euch drängen, eure Nachbarn, eure Umgebung zur Teilnahme zu veranlassen, und wer so sicher dann, und mit Freuden zu denselben eilt, dem wird es gelingen, auch andere Seelen zu gewinnen.
 
Darum gehört zuerst dazu die Wertschätzung dessen, was euch anvertraut wird, dann das Haushalten damit, das fleißige Suchen beim Vermissen der einen oder anderen Pflichterfüllung, d.h. beim Gefühl, dass ein Teil vom Ganzen verloren ward, sich sogleich anstrengen, es wieder zu erhalten, bis die Freude über das Gefundene stattfinden kann; denn nur der wirkliche Besitz von etwas beglückt!
 
Wenn ihr noch so sehr diese oder jene Tugend anerkennet, euch jedoch nicht bestrebet sie zu besitzen, so bleibt eure Anerkennung wertlos, fanget daher an fleißig zu suchen, das was euch fehlt zu etwas Ganzem, und ehe ihr eure Freude und eure Gefühle ganz mitteilet, bittet lieber untereinander, dass ein Jedes dem Andern suchen hilft in der Liebe! Amen! Euer treuer Vater.

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