101. – 9. März 1879 "Seid nüchtern zum Gebet!"
Meine lieben Kinder!
Diese Warnung bezieht sich weniger auf euer äußeres Benehmen, da es jedem Menschen klar sein muß, daß wenn er mit einem Gebete zu Mir kommt, er nicht zuvor durch vieles Essen und Trinken sich dazu unfähig machen darf; euch aber sind größere Winke darin gegeben. "Ihr sollet nüchtern sein, wenn ihr bittet" heißt: ihr sollet das Bedürfnis in euch fühlen von Mir gesättigt zu werden, und eure Wünsche sollen dahin gehen, daß dieselben nach Meinem Willen geordnet werden.
Lernet einsehen wie viel törichtes Zeug ihr oft von Mir verlanget, was euer Verstand ausfindig gemacht hat; darum seid nüchtern und überlasset es Mir, auf welche Art und Weise Ich euch sättigen oder befriedigen will, ehe ihr euch bemühet Worte für Mich zu finden, um dieselben Mir vorzutragen, damit Ich ein Wohlgefallen daran habe, und Mich zur Erfüllung einer Bitte dadurch eher bewegen lassen solle, wobei ihr immer wieder vergesset, daß Ich der allwissende Vater bin, und schon längst beschlossen habe auch das zu geben, was Ich für gut finde.
Euer Gebet soll eine freudige Überzeugung eures Herzens sein, daß ihr einem Vater angehöret, Der stets mit Liebe eurer gedenkt und für euch sorgt. Zu dieser inneren Überzeugung soll euch jedes Vorkommnis in eurem Leben veranlassen, gleichsam im Stillen zu sagen: "Vater es ist von Dir;" jede Freude, jede neue Entdeckung, jede Betrachtung der Natur, jede Wohltat, die der Leib genießt, sowohl durch seine Einrichtung, als durch die Mittel, die ihm zur Erhaltung geboten sind, sollen diese innere Freudigkeit erhöhen, und dann ist der Ausdruck solcher Gefühle im Worte eine Wohltat für euch, wodurch ihr eurem Herzen, wie ihr selbst saget, Luft machet, und das überfüllte Maß desselben zuerst vor Mir ausschüttet, und in gewissen Fällen auch andern mitteilet.
Ebenso auch in den entgegen gesetzten Vorkommnissen als: in Leiden, Krankheiten, Verlusten, schmerzlichen Enttäuschungen, sollet ihr wiederum erkennen, daß euer Vater nur Liebespläne darunter verborgen hat, und das Wort "Vater" in seiner ganzen Bedeutung, als göttlicher himmlischer Vater, Dessen Wesen ihr kennen gelernt habt, soweit es euch Menschenkindern zu erfassen möglich ist, soll euch ermuntern, auch da mit gleicher Liebe, und gleichem Vertrauen zu Mir aufzublicken, als wie zur Zeit, wo ihr mehr Dankgefühl in euch habt. Lasset also nicht ab auch in der Zeit solch schwerer Aufgabenzeit fest auf euern Vater zu bauen; denn ihr wisset, Er hat Liebe, Weisheit und Macht genug euch beizustehen, daß ihr dieselben mit großem Gewinn für euch durchmachen könnet.
Darum seid nüchtern! Seufzet Mir nicht allerlei Wünsche und Pläne vor, sondern räumet dieselben weg, und wartet in Geduld und freudigem Vertrauen ab, welche Speise Ich wähle, um euer hungerndes Verlangen nach Mir zu stillen; dieses Verlangen ist die wahre Nüchternheit, welche zum Gebet gehört, welches Ich nicht unerhört lasse, sondern wozu Ich Kraft und Macht verleihe, daß ihr eure Wünsche und euer inneres Anliegen Meinem Willen unterordnen könnet. Amen!
← Zurück zu „Vaterbriefe Band 1“
„Seid nüchtern zum Gebet!“
← Zurück zu „Vaterbriefe Band 1“
NEUOFFENBARUNG