← Zurück zu „Vaterbriefe Band 1“

„Vater, sie wissen nicht, was sie tun“

166. – Karfreitag 27. März 1880  "Vater, sie wissen nicht, was sie tun"
 
Liebe Kinder!
Wenn ihr euch heute im Geiste unter Mein Kreuz stellet, so will Ich euch damit segnen, daß die Worte in euer Herz tönen: "Vater vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun". "Vater!" habe Ich gerufen, als Qualen aller Art über Mich kamen; auch in den schwersten Stunden des Leidens verleugnete Mein menschliches Wesen die göttliche Liebe nicht; denn gerade da war sie am stärksten ausgeprägt, wo sie alles auf sich nahm, um wieder mit ihren Kindern vereint zu werden.
 
"Sie wissen nicht, was sie tun", entschuldigte die Liebe, und wollte einen Teil der Schuld tragen, indem sie sagte – sie wissen nicht, was sie tun. Darunter waren nicht allein Meine persönlichen Feinde, welche über Mich den Kreuzestod brachten, gemeint, sondern die ganze Menschheit. Dieselbe wußte nicht mehr, welch enges Band (die ewige Liebe) Gott Selbst zwischen sich und der Menschheit geknüpft hat.
 
Er wollte Vater sein und sie die Menschen sollen Kinder bleiben, darum Er auch Sein menschliches Leben am Kreuze verblutete! Welch tiefen Schmerz Ich bei diesen Worten empfand, als Ich sie aussprach, davon waren Meine Jünger ohne alle Ahnung, sowie von der Größe Meiner Liebe, in dieser heiligen Stunde, die da vor sich ging; Ich Selbst mußte Mir zum Troste sagen: "sie wissen nicht, was sie tun."
 
Ja heute noch muß Ich Gnade ergehen lassen auf diese Worte hin. Die Menschen sind noch zu unwissend in dem großen Versöhnungswerke, sie stellten sich wohl unter Mein Kreuz, um dessen ganzen Segen zu erheischen; aber bloß unter das geschichtliche Kreuz; dort wollen sie Mein Blut zu ihrer Reinigung; aber nicht dem Geiste nach, wo es gilt, das Kreuz selbst auf sich zu nehmen, wie es einem Kinde gebührt, wenn es erstarkt ist, den Vater in Seinem Wirken nachzuahmen, nach Seinem Willen alles anzugreifen, und weil es des Vaters Willen als den allein beglückenden erkannt hat, denselben ganz durchzuführen.
 
Dort läßt man Mich allein am Kreuze hängen, und nur Wenige stehen mit Liebe unter demselben, gleichwie auch damals nur Einige vom inneren Schmerz zerrissen waren, nicht allein über den leiblichen Schmerz, denn da hofften sie, Ich werde ihn nicht wie andere Menschen fühlen, was sie aber nicht recht wußten; denn Ich fühlte die ganze Qual der menschlichen Natur.
 
Wie aber die Meinen von dem Gefühle des Schmerzes über die Schmach und Verachtung, die Ich erdulden mußte, so sehr gebeugt waren, so war auch bei Mir der innere Schmerz über die Lieblosigkeit der Menschen der größte.
 
Ach! welch ein Bild vom Menschen, der mit tierischem Blutdurste sich freute über das Blut, das aus Meinen Wunden floß; da konnte der Satan mit Recht auf den Menschen Anspruch machen, weil da alle seine Eigenschaften aufs  Stärkste hervortraten.
 
Sein Triumpf war groß; aber auch sein Schrecken, als ihm plötzlich klar wurde, daß Meine Liebe dabei im Spiele, Meine menschliche Natur ganz vom Göttlichen durchdrungen, und somit der Beweis geliefert war, daß die Menschen Mir ähnlich geschaffen sind, und durch seine Willkür nur entstellt, aber nicht umgeschaffen wurden.
 
Er sah dadurch seinen Untergang, da er wußte,  daß Ich noch nach dem Tode jetzt ewig an den Menschen fortwirken könne. Darum die Zeichen und Wunder bei Meinem Tode; denn auch das Geisterreich hatte alles durch Entsprechungszeichen erfahren, welche auf der Erde zwar auch sichtbar aber nicht verstanden wurden.
 
Liebe Kinder, stellet euch unter das Kreuz, Meine Liebe weiß ja, daß ihr noch unwissend seid! Ich will euch belehren, daß ihr nicht allein "Vater" rufen könnet, sondern auch diese Vaterliebe empfinden dürfet, und die Worte: "Es ist vollbracht!" (einst) auch von euch gesagt werden können. Amen!

← Zurück zu „Vaterbriefe Band 1“