K. 1, 1-3
So nennt der Gottes-Seher das, was der Geist ihm zeigt. Er beruft sich weder auf sein eigen Wort noch eigen Werk, obwohl er sieht und hört, er den Befehl zum Schreiben, zum Verkünden, zur Versiegelung bekommen hat. Was er empfängt, wird ihm durch die Hand des Engels zugetragen, den Gott-Jesus-Christus ihm mit Seiner hohen Botschaft sendet. Trotz dem er sich also nur als zweites Glied, als den Knecht betrachtet, übernimmt er selbstverständlich die Verantwortung für das Gegebene. Er bezeugt sowohl die heilige Lehre seines Meisters von Nazareth, die ihm höchstes Leben bedeutet, als zudem auch das Empfangene, was er teils durch den genannten Engel, teils direkt vom All-Heiligen im ‚Gesicht erhält; und er tritt vor aller Welt für diese Offenbarungswahrheit ein.
Sein Glaube ist unerschütterlich. Doch gerade hierin war er auf das Härteste erprobt. Was seine Mitapostel, was Paulus oder andere erste Blutzeugen aus Jesu Heilslehre kündeten, — leicht sind diese Zeugnisse zu nennen gegenüber dem, das er auf der Insel Patmos auf sich nehmen muß. Obwohl die Lehrzeugnisse vieles forderten, ja Gut und Blut, stehen sie beinahe ohne Vergleich zum Zeugnis dieser Offenbarung, weil alles, was in ihr enthalten ist, besonders zur Empfängerzeit, ein Buch mit sieben Siegeln war und blieb. Und nur großen Glaubenshelden stand die Wahrheit offen und zwar jenen, die sie einfach aus der Gewalt der Offenbarung schöpften, ohne wirklich zu verstehen, was die einzelnen in dunkeln Rätseln eingehüllten Bilder zu bedeuten hatten.
Johannes hält vielem stand. Er sieht deutlich; doch der Auftrag lautet, in der Schlüsselform zu schreiben, eben, wie das ‚Buch der Gerichtszeiten‘ existiert; nicht zu verkündigen, was er tiefer wahrgenommen hat. Um so schwerer wiegt sein Glaube und das Zeignis aus demselben. Er macht von vornherein nicht GOTT oder dessen Engel für das Gegebene verantwortlich und verschanzt sich nicht: Ich mußte es ja schreiben, ich bin nur ein Werkzeug Gottes. — Nein! Klar, mit Kraft steht er für das Empfangene ein. ‚Der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesu Christi, was er gesehen hat.‘ Alle nennt er obendrein ‚selig‘, die die Weissagungen lesen, hören und behalten, die da glauben, daß die Zeit sehr nahe ist.
Diese Seligkeit, kraft dem Zeugnis und dem Glauben, bestätigen später die Gesichte. Er darf jene sehen — und sich selbst, die das Zeugnis und das Wort bewahrten, um das man sie erwürgte. Schon mit Beginn der ersten Gerichtszeit sieht er bei dem Öffnen des fünften Siegels (6, 9) diese ‚Seelen‘. Das Wort ‚Denn die Zeit ist nahe‘, ist eines jener vielen mißverstandenen, die der Gottes-Seher sagen muß, und mit deren Wirklichkeit sich selten jemand ernstlich auseinandersetzt. Gerade das hier angeführte Wort ist das unverständlichste Ratsel für alle die geblieben, die nicht den Geist befragen, nämlich G0TTES GEIST, die überhaupt dem Reich und seinem Kommen sich verschließen.
Zu unterscheiden sind mit Ernst zwei Dinge: als erstes die Zeiten überhaupt und auch darin unterschiedlich die geistigen und irdischen Epochen; als zweites aber, welche Gesichte im Augenblick der ‚Nahen Zeitangabe‘ Johannes sieht, welche also grundgemäß ‚vom Geiste her‘ zu gelten haben. Diese Feststellung ist nicht nebensächlich; sie ist eine unbedingte, auf welche alle einzelnen Bilder und deren verständliche Erklärung gesetzt sein können.
Johannes sieht die Bilder für die Welt und deren Menschen; doch sie werden ihm nicht auf der Welt gekündet, weder in Zeit- noch im Geschehnisspiegel, was durch die sehr dunkel gehaltene Zeitangahe wie auch der Art der sich abspielenden Cerichtsepochen untermauert ist. – Hat der Gottes-Seher aber diese Offenbarung ausschließlich im ‚Gesicht‘ erhalten, im ‚Geist‘ (V. 10), dann steht die geistige Betrachtung und die gleiche Auslegung im Vordergrund. Mit keinem andern Schlüssel ist das Geheimnis aufzuschließen, wie sonst auch keinem möglich ist, den ersten Einstieg zu entdecken, der auf eine herrliche und hohe Offenbarungszinne führt.
Will man das Verborgene erkennen, so ist jeder Zeitabschnitt im UR-Geist-Spiegel zu betrachten. Das setzt voraus, ein Verständnis über die sieben Schöpfungstage zu erlangen, deren Einzelablauf für menschliche Begriffe ungeheuerlich erscheint, daß sie im Rahmen einer feststellbaren Zeit nicht auszumessen sind. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß z. B. der sechste Schöpfungstag nach 1. Mo. 1, 31, an welchem der HERR die Menschen schuf, seinen Beginn nicht mit der bislang gedachten Menschenschaffung hatte, sondern letztere bereits im weit fortgeschrittenen Tag geschah.
Noch vor Sadhanas Fall begann der heilige UR mit diesem sechsten Tagewerk, dessen Abendröte kommt, wenn das Wort zu setzen ist: ‚ Und Gott sah an alles, was ER gemacht hatte; und siebe da, es war sehr gut. Daß das Menschenwerk schon jetzt als ‚sehr gut‘ bezeichnet werden könnte, wird niemand unterstreichen; daß es aber gut werden wird, ist gewißlich wahr! Denn das ‚Weib hat sich bereitet‘ (19, 7). Die hier benannte Zeit ist ein Abschnitt aus dem sechsten Tag, der gesamtzeitlich unerforschlich bleibt, geistig dennoch zu begreifen ist. Nennt Johannes demnach diese Zeit ‚nahe herbeigekommen‘, so entspricht das vollster Wahrheit.
Zudem ist jedes Bild — zeitgeschichtlich zwar begrenzt — jeweils übertragbar, jenachdem ein Mensch, Sippe, Volk oder auch die ganze Welt bittere Cesetzesfolgen sich verdient. In solchen Fällen kommt es häufig vor und ist geschehen, daß Einzelgerichte unmittelbar in Kraft getreten sind. Daher ist das ‚Nahe‘ sehr berechtigt und im Rahmen der UR-Barmherzigkeit bedingt.
Die Gerichtshaltung erstreckt sich drittens noch auf seelisches Gebiet und werden jene — wenn nicht früher — so unweigerlich nach dem Erdentod im von ihnen geleugneten Jenseits schwere bis schwerste Gerichte durchzumachen haben, gelangen sie nicht zuvor zum wahren Glauben. Damit erst recht gilt das ‚Nahe‘, weil der Tod dem Menschen seine eigene Gerichtszeit bringt. Ihr kann er nicht entgehen, und nahe kann das Ende seines Erdenlebens sein.
NEUOFFENBARUNG